Produktbild: Sturmhöhe

Sturmhöhe

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

09.07.2015

Verlag

BoD - Books on Demand

Seitenzahl

384 (Printausgabe)

Dateigröße

1269 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783738622423

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ePUB

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  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Erscheinungsdatum

09.07.2015

Verlag

BoD - Books on Demand

Seitenzahl

384 (Printausgabe)

Dateigröße

1269 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783738622423

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  • Bücherdrache

    5/5

    18.03.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Zwischen Sehnsucht und Zerstörung

    Sturmhöhe von Emily Brontë hat mich nicht behutsam empfangen, sondern unvermittelt in seine Welt geworfen. Dieses Buch ist dunkel, unbequem und von einer spürbaren Kälte durchzogen. Und doch entfaltet es eine emotionale Intensität, der ich mich kaum entziehen konnte. Besonders eindrücklich ist die Art des Erzählens. Die Geschichte erreicht uns nicht unmittelbar, sondern durch mehrere Stimmen gebrochen, vor allem durch Nelly Dean. Dadurch entsteht eine eigentümliche Distanz, die zugleich Nähe schafft, weil immer das Gefühl bleibt, dass sich unter der Oberfläche etwas entzieht. Man liest nicht passiv, man bewegt sich suchend durch den Text, zweifelt an dem, was erzählt wird, und versucht, sich einer Wahrheit anzunähern, die nie ganz greifbar ist. Die Figuren sind schwer auszuhalten. Kaum jemand ist sympathisch, viele handeln rücksichtslos, verletzend oder grausam. Gerade darin entfaltet der Roman seine eigentliche Kraft. Heathcliff und Catherine stehen im Zentrum dieser Wucht. Sie sind keine Figuren, die man bewundert, sondern solche, die man aushalten muss. Ihre Verbindung wirkt weniger wie Liebe als wie ein unauflösbares Band, das sie zugleich trägt und zerstört. Ich habe sie oft verurteilt und mich ihnen dennoch seltsam nah gefühlt. Diese Spannung macht das Lesen so eindringlich. Der Stil ist dicht und von einer fast greifbaren Atmosphäre getragen. Die karge Landschaft Yorkshires durchzieht den Roman wie ein leiser Widerhall und spiegelt die innere Zerrissenheit der Figuren. Brontës Sprache ist dabei klar und direkt, zugleich von einer Schonungslosigkeit, die ihre emotionale Wirkung erst voll entfaltet. Dieses Buch war und ist kontrovers. Es widersetzt sich einfachen Einordnungen und verweigert jede Form von Trost. Stattdessen zeigt es, wie tief Verletzungen reichen und wie sehr Menschen einander prägen können. Es ist keine schöne Geschichte, aber eine von seltener Eindringlichkeit. Für mich war es eine fordernde, stellenweise anstrengende, aber letztlich sehr intensive Leseerfahrung, die lange nachwirkt.

  • Bewertung

    5/5

    12.03.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Sturmhöhe

    Diese Einsiedler kennen sich und schlagen Profit daraus, ist doch ihre gewohnheitsmäßige Bekanntschaft die einzige Daseinsberechtigung in diesem "ihrem" Haushalt. Was aber ist der Wert des Einzelnen - und kann man daraus etwas machen?

  • Bewertung

    5/5

    06.03.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Mein Lieblings-Klassiker

    Die Handlung setzt ein, als der Pächter Mr. Lockwood seinen zurückgezogen lebenden Gutsherrn Heathcliff besucht. Ein Sturm zwingt ihn, die Nacht auf Wuthering Heights zu verbringen, wo sich rätselhafte Ereignisse ereignen. Zurück auf Thrushcross Grange erfährt er von seiner Haushälterin Nelly Dean die tragische Vergangenheit der Familien Earnshaw und Linton sowie die Lebensgeschichte Heathcliffs. Aus dieser rückblickenden Erzählung entfaltet sich eine komplexe Familiensaga über mehrere Generationen. Ich liebe dieses Buch und habe es mittlerweile schon einige Male gelesen. Sowohl auf Deutsch wie auch auf Englisch. Entdeckt habe ich es, wie viele junge Frauen, über die Twilight Saga. Im Buch wurde es erwähnt, und aus Neugier habe ich schließlich selbst dazu gegriffen. Seitdem hat mich der Roman von Emily Brontë nicht mehr losgelassen. Obwohl ich sonst nur selten klassische Literatur lese, ist dieses Buch bis heute der einzige Klassiker, der wirklich einen festen Platz in meinem Herzen gefunden hat. Besonders faszinierend ist die Erzählstruktur. Obwohl Mr. Lockwood zunächst als Erzähler eingeführt wird, entsteht der Hauptteil der Geschichte durch die Erinnerungen Nelly Deans. Diese verschachtelte Perspektive verleiht dem Roman eine besondere Tiefe, verlangt aber auch Aufmerksamkeit, da mehrere Figuren ähnliche Namen tragen und verschiedene Erzählebenen ineinandergreifen. Ein großer Teil der Wirkung des Romans liegt in seiner Atmosphäre. Die abgeschiedene Moorlandschaft zwischen den beiden Anwesen wirkt zugleich rau und poetisch. Die Stürme, die über die Anhöhen fegen, und die isolierte Lage der Häuser verstärken die düstere Stimmung, während die Natur gleichzeitig etwas Ruhiges und beinahe Verträumtes ausstrahlt. Diese Landschaft spiegelt auf eindrucksvolle Weise die emotionalen Extreme der Figuren wider. Die Charaktere gehören zu den interessantesten Elementen des Romans. Sie sind komplex, widersprüchlich und weit davon entfernt, eindeutig sympathisch zu sein. Besonders bei Catherine Earnshaw und Heathcliff fiel es mir schwer zu entscheiden, ob ich sie mögen oder verurteilen sollte. Gerade dieser Zwiespalt macht ihre Figuren so faszinierend. Heathcliffs Entwicklung vom gedemütigten Außenseiter zu einem von Rache besessenen Mann gehört zu den zentralen und zugleich verstörendsten Aspekten der Geschichte. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind von einer außergewöhnlichen Intensität geprägt. Wenn Liebe thematisiert wird, geschieht das selten ruhig oder harmonisch, sondern meist leidenschaftlich, obsessiv und zerstörerisch. Einige Passagen wirken dadurch sehr poetisch und emotional dicht. Natürlich hat der Roman auch Aspekte, die heutigen Leserinnen und Lesern fremd erscheinen können. Manche moralischen Vorstellungen wirken veraltet, einige Episoden sind sehr melodramatisch und bestimmte Abschnitte ziehen sich etwas in die Länge. Dennoch trägt gerade diese Mischung aus Intensität, Tragik und düsterer Romantik zur besonderen Wirkung des Buches bei. Sturmhöhe ist kein leichtes oder harmonisches Buch. Es ist eine Geschichte voller Konflikte, Leidenschaften und zerstörerischer Gefühle. Gerade deshalb bleibt sie aber so eindrucksvoll. Der Roman kann schockieren, berühren, faszinieren und manchmal auch irritieren, doch genau diese emotionale Wucht macht ihn zu einem außergewöhnlichen literarischen Erlebnis.

  • Loly/ Book-Souls

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    05.01.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Bedingte Leidenschaft

    Zum Inhalt: Während eines Besuchs bei seinem weniger gastfreundlichen neuen Gutsherren Heathcliff bricht ein tobender Sturm aus, der Mr. Lockwood daran hindert, nach Thrushcross Grange zurückzukehren. In dieser Nachtgeschehen seltsame Dinge, die viele Fragen aufwerfen. Wieder in Thrushcross Grange angekommen, lässt sich Mr. Lockwood die geheimnisvolle Vergangenheit der beiden Anwesen, der Familien Linton und Earnshaw sowie die tragische Lebensgeschichte von Heathcliff erzählen. Was musste geschehen, um einen Mann so stark verbittern zu lassen?   Mein Eindruck: Bevor ich angefangen habe, dieses Buch zu lesen, hatte ich einige Bedenken. Vor ein paar Jahren habe ich versucht, „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen zu lesen und es konnte mein Interesse nicht wecken. Ich hatte Angst, dass die Werke der Brontë Schwestern ähnlich sein würden. Doch mir wurde dieses Buch mit Nachdruck empfohlen und ich bin extrem froh darüber, denn es konnte mich mehr als überzeugen. Ich habe das Buch passagenweise auf Englisch, aber größtenteils auf Deutsch gelesen und finde den Schreibstil, abgesehen von vereinzelten dialektalen Einschüben, flüssig und angenehm. Während der ersten Kapitel war ich nicht sicher, was mich erwarten würde, doch genau das hat es so spannend gemacht. Zusammen mit Mr. Lockwood stolpern wir in die Welt von Wuthering Heights und Thrushcross Grange. Allerdings erleben wir die Handlung selten aus seiner Perspektive, da sich der Hauptteil in den Erinnerungen seines Hausmädchens Nelly abspielt. Die allgemeine Atmosphäre im Buch hat mich äußerst beeindruckt, zum einen, weil das Guts- und Herrenhaus mit dem dazwischen liegenden Moor, den Raum der Handlung einschränken und die auf der Anhöhe tobenden Stürme und weitere Ereignisse einen düsteren Eindruck hinterlassen. Zum anderen wirkt die abgeschiedene Gegend verträumt und friedlich, was in Kontrast zu dem ersten Punkt steht. Die Natur spielt außerdem eine bedeutende Rolle und die Liebe zu ihr wird nicht nur von einer Figur zum Ausdruck gebracht. Emily Brontës Figuren sind vielschichtig, teilweise unberechenbar, definitiv nicht fehlerfrei und konnten sich in verschiedene Richtungen entwickeln, eine Eigenschaft, mit der sie spielerisch umgegangen ist. Besonders bei Catherine und Heathcliff, die beide tragende Rollen in der Handlung einnehmen, konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich sie sympathisch finden oder verachten soll. Diesen Zwiespalt fand ich sehr faszinierend und gleichermaßen verwirrend, weil es mir bei den anderen Figuren verhältnismäßig leicht fiel, diese Entscheidung zu treffen. Am meisten hat mich wohl die Passion, die Emily Brontë in die Beziehungen der Figuren eingewoben hat, beeindruckt. Jedes Mal, wenn die Liebe thematisiert wurde, hat sich alles unbeschreiblich intensiv angefühlt und es ist mir schwer gefallen, mich auf ein Lieblingszitat für diese Rezension zu beschränken. Insbesondere diese Textpassagen haben sich ausgesprochen poetisch angefühlt und ich finde es schade, dass nur diese:„Whatever our souls are made of, his and mine are the same“ weit verbreitet ist. Sturmhöhe ist ein Buch, das seine Leser mitreißen, rühren, erschrecken, schockieren, verärgern, träumen und so gut wie alle Emotionen fühlen lassen kann. Es ist symbolisch, poetisch und von Anfang bis Ende gut durchdacht, ohne zu vorhersehbar zu sein. Seine Charaktere sind einzigartig und ihre Interaktionen miteinander fühlen sich organisch an. Mich hat es sehr überrascht und ich werde es mit Sicherheit in einigen Jahren erneut in die Hand nehmen, um es zu lesen. Ich kann es wärmstens empfehlen.

  • Bewertung

    5/5

    02.06.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Absolut Empfehlenswert

    „Sturmhöhe“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Düster, intensiv und emotional – die Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann. Besonders beeindruckt hat mich, wie realitätsnah und ungeschönt die Figuren und ihre Konflikte dargestellt werden. Eine klare Leseempfehlung!

Kundinnen und Kunden meinen

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Bewertungen (59)

Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von L. Wünsche

    L. Wünsche

    Thalia Dresden – Haus des Buches

    Buchhändler*in

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    5/5

    05.05.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein literatisches Meisterwerk

    Dieser Gothic-Klassiker stand schon lange auf meiner Leseliste, doch erst seit der Neuverfilmung von Emerald Fennell, hat mich das Fieber - im wahrsten Sinne des Wortes - so richtig gepackt und ich wollte unbedingt in diesen Klassiker voller Abgründe eintauchen. "Wuthering Heights" ist herrlich düster, grausam manipulativ und Cathy und Heathcliffs Geschichte einfach unglaublich faszinierend und einnehmend, wobei etwas mehr als die Hälfte sich tatsächlich um die nächste Generation dreht. Emily Brontës Schreibweise ist grandios und ich kann die englische Ausgabe jedem nur zusätzlich an Herz legen, um die volle Wirkung der Originalworte vieler phänomenaler Zitate voll auszukosten. Versetzt man sich dann noch in die raue und regnerische Landschaft der Yorkshire Moore, indessen die Handlung spielt, ist es völlig um einen geschehen. Definitiv keine Lektüre für jeden, aber unbestreitbar lohnenswert.
  • Zum Bewerterprofil von Christine Schneider

    Christine Schneider

    Thalia Leonberg – Leo-Center

    Buchhändler*in

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    5/5

    09.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Diesen Klassiker muss man lesen

    Die leidenschaftliche Geschichte von Cathrine und Heathcliff - damals wie heute ein Pageturner. Genießen Sie Brontes´ wunderbare Sprache. Emily Bronte ist eine von drei Schwestern, die in jungen Jahren unter Pseudonymen mehrere Bücher schrieben. "Sturmhöhe" erschien 1847, nur ein Jahr vor Emilys Tod. Ein weiterer Klassiker, den man kennen sollte, ist Charlotte Brontes´ Roman "Jane Eyre".
  • Zum Bewerterprofil von Lore Lerch

    Lore Lerch

    Thalia Hildesheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    15.03.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein düsterer Klassiker über Liebe, Rache und Generationen

    Ein Klassiker, den ich lange Zeit vor mir hergeschoben habe – bis mich schließlich doch die Motivation gepackt hat. Die Geschichte von Catherine und Heathcliff ist zugleich faszinierend und verstörend. Ihre Beziehung ist intensiv, leidenschaftlich und oft von destruktiven Emotionen geprägt. Gerade diese Ambivalenz macht den Roman so besonders. Über dem gesamten Buch liegt eine düstere, beinahe unheimliche Atmosphäre, die perfekt zur rauen Landschaft und zu den komplizierten Figuren passt. Immer wieder wird man als Lesende*r mit fragwürdigen Entscheidungen und Verhaltensweisen konfrontiert, die dennoch fesseln. Neben der tragischen Geschichte der ersten Generation spielt später auch die junge Catherine – die Tochter von Catherine – eine wichtige Rolle. Ihre Begegnung mit den Figuren der nächsten Generation bringt eine neue Dynamik in die Handlung und zeigt, wie stark die Konflikte und Entscheidungen der Vergangenheit noch immer nachwirken. Insgesamt eine eindringliche und zum Nachdenken anregende Lektüre – und ein Klassiker, der noch lange im Gedächtnis bleibt.
  • Zum Bewerterprofil von Jérôme Wiedenhaupt

    Jérôme Wiedenhaupt

    Thalia Hildesheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    15.01.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Liebe als Zerstörung – Zerstörung als Wahrheit"

    Ich finde, man muss über „Sturmhöhe“ immer wieder neu nachdenken, weil das Buch viel dunkler und komplizierter ist, als es oft dargestellt wird. Denn "Sturmhöhe" ist kein Roman über Liebe, sondern ein seismisches Experiment darüber, was passiert, wenn Begehren die Architektur der Welt zum Einsturz bringt, weswegen er bis heute ein Stachel im Fleisch jeder bürgerlichen Lesart von Literatur bleibt; Emily Brontë entwirft keine Geschichte, die man bequem psychologisch, moralisch oder sozial erklären könnte, sondern ein Mythos, der sich wie ein unterirdischer Strom durch das viktorianische England frisst und dessen Druck man noch spürt, wenn man glaubt, bereits auf sicherem Boden zu stehen. Wer "Sturmhöhe" nur als tragische Liebesgeschichte zwischen Catherine und Heathcliff liest, übersieht das Entscheidende: Es ist ein Text über Souveränität, Gewalt, Zeit und die radikale Unvereinbarkeit von kindlicher Ekstase und gesellschaftlicher Ordnung. Batailles Interpretation, die den Roman als Drama der Transgression liest, öffnet hier eine entscheidende Perspektive, die weit über herkömmliche Deutungen hinausgeht, denn sie macht sichtbar, dass Brontës Welt nicht zwischen Gut und Böse verläuft, sondern zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen unmittelbarer, ungezähmter Intensität und der berechnenden Vernunft des Überlebens. Schon die Landschaft ist kein neutraler Hintergrund, sondern ein metaphysischer Resonanzraum: Die Moore sind nicht romantisch im sentimentalen Sinn, sondern ein Ort vor der Moral, ein Territorium, in dem die Gesetze der Zivilisation suspendiert scheinen und in dem Catherine und Heathcliff als Kinder eine Art vorsprachliche, wilde Komplizenschaft teilen, die Bataille als „Reich der Kindheit“ beschreibt, ein Raum reiner Gegenwärtigkeit, in dem Begehren nicht reguliert, sondern gelebt wird. Diese frühe Bindung ist keine idyllische Freundschaft, sondern eine anarchische Allianz gegen die Welt der Erwachsenen, gegen jene Vernunft, die sich stets auf den Vorteil des Gemeinwesens beruft und damit jede Form radikaler Lebendigkeit opfert. Brontë zeigt mit fast grausamer Klarheit, dass Gesellschaft nur überleben kann, indem sie diese kindliche Souveränität bricht, und genau hier beginnt die Katastrophe: Heathcliff, das Findelkind, wird aus diesem Zauberreich vertrieben, während Catherine sich – scheinbar freiwillig – für Edgar Linton entscheidet, für Komfort, Sicherheit und soziale Anerkennung. Doch diese Wahl ist, und hier folgt Brontë subtil Batailles Logik, keine simple moralische Schwäche, sondern ein Akt der Spaltung: Catherine bleibt innerlich an Heathcliff gebunden, während sie äußerlich in die Ordnung der Vernunft eintritt, und diese innere Zerrissenheit zerreißt sie schließlich. Thrushcross Grange ist dabei keine bloß spießbürgerliche Gegenwelt zu Wuthering Heights, sondern ein komplexer Ort, in dem Großzügigkeit, Stolz und Anpassung miteinander ringen; Edgar Linton ist kein Karikatur-Schurke, sondern jemand, der die Welt akzeptiert, wie sie ist, und damit genau das repräsentiert, was Heathcliff verabscheut: das Gute als System. Heathcliff wiederum ist keine realistische Figur im psychologischen Sinn, sondern eine Traumgestalt, eine Verkörperung des Bösen als existenzielle Revolte gegen jede Form von Ordnung, und gerade deshalb wirkt er so erschreckend authentisch. Er ist das Kind, das sich weigert, erwachsen zu werden, aber nicht aus Naivität, sondern aus einer radikalen Weigerung, die Welt anzuerkennen, die ihn verstoßen hat. Seine Gewalt ist nicht bloß Rache, sondern eine metaphysische Attacke auf die Struktur der Realität selbst, ein Versuch, das verlorene Reich der unmittelbaren Gegenwart zurückzuerobern, auch wenn dieser Versuch zwangsläufig in Zerstörung mündet. Brontë erzählt diese hemmungslose Gewalt mit einer erstaunlichen Ruhe durch die Stimme der Erzählerin Nelly Dean, und gerade diese Diskrepanz verstärkt die Wirkung: Das Grauen wird nicht melodramatisch ausgestellt, sondern nüchtern registriert, als gehöre es zur natürlichen Ordnung der Dinge. Bataille erkennt darin eine tiefere Dimension: Heathcliffs Revolte ist die des Bösen gegen das Gute, aber dieses Böse ist nicht einfach moralische Verderbtheit, sondern eine Weigerung, sich der Logik der Zukunft zu unterwerfen. Während das Gute auf Planung, Nutzen und Gemeinschaft gründet, lebt Heathcliffs Begehren ausschließlich im Jetzt, im ekstatischen Augenblick, der für Erwachsene als „böse“ gilt, weil er jede Rücksicht auf Folgen verweigert. In diesem Sinn wird Sturmhöhe zu einer Meditation über Zeit: Die Zivilisation gehört der Zukunft, Heathcliff gehört der ewigen Gegenwart, und Catherine steht dazwischen, zerrissen zwischen zwei ontologischen Regimen. Dass sie sagt „I am Heathcliff“, ist keine romantische Metapher, sondern eine ontologische Behauptung: Sie erkennt an, dass ihre Identität untrennbar mit dieser anarchischen Kraft verbunden ist, selbst wenn sie sozial anders handelt. Bemerkenswert ist dabei, dass Brontë das Böse nicht nur Heathcliff träumen lässt, sondern auch Catherine und letztlich sich selbst; das Böse wird zum verbotenen, aber notwendigen Gegenpol des Guten, zu einem heiligen Bereich, den die Gesellschaft ausschließt, um ihn zugleich zu verherrlichen. Hier berührt der Roman die Struktur der griechischen Tragödie: Das Gesetz bleibt gültig, aber seine Übertretung ist zutiefst menschlich, ja sogar notwendig, um das Leben in seiner vollen Intensität zu erfahren. Wie in der Tragödie ist die Sühne unausweichlich – Catherine stirbt, Heathcliff verzehrt sich selbst –, doch ihr Tod ist nicht einfach Strafe, sondern Teil eines kosmischen Dramas, in dem Transgression und Heiligkeit untrennbar verbunden sind. Besonders erhellend ist Batailles Begriff der „Hypermoral“: Brontë verwirft die Moral nicht, sie steigert sie ins Extreme, bis sie in ihr Gegenteil umschlägt. Gerade weil sie tief moralisch denkt, wagt sie es, Figuren zu erschaffen, die jede Moral sprengen, und gerade deshalb wird Sturmhöhe zu einem Werk, das mehr über Ethik sagt als tausend didaktische Romane. Heathcliffs Grausamkeiten – seine Heirat mit Isabella aus reinem Sadismus, seine Demütigungen, seine Kälte – sind nicht einfach psychologische Pathologien, sondern Ausdruck einer Lust an der Zerstörung, die Bataille mit Sade in Verbindung bringt: eine dunkle, erschreckende Ekstase, in der Vernichtung selbst zum Genuss wird. Doch Brontë ästhetisiert diese Gewalt nicht; sie lässt sie als etwas Beunruhigendes, Unheimliches, ja Heiliges erscheinen. Der Roman fragt damit radikal: Kann eine Welt bestehen, die keinerlei Raum für solche Kräfte lässt, oder wird sie gerade dadurch leer, steril und tot? Neu gelesen erscheint Sturmhöhe somit weniger als Liebestragödie denn als kosmischer Konflikt zwischen zwei Prinzipien: dem Prinzip der Ordnung und dem Prinzip der Ekstase. Die Kinder Catherine und Heathcliff verkörpern einen vorsozialen Zustand, in dem Leben nicht berechnet, sondern verschwendet wird, während die Erwachsenenwelt auf Bewahrung, Eigentum und Kontinuität setzt. Doch Brontë zeigt, dass diese beiden Sphären nicht einfach Gegensätze sind, sondern einander bedingen: Ohne Verbot gäbe es keine Transgression, ohne Ordnung keine Rebellion, ohne Vernunft kein Wahnsinn. Gerade in dieser dialektischen Spannung liegt die Modernität des Romans, der in seiner Radikalität eher zu Bataille, Nietzsche oder Artaud gehört als in die viktorianische Tradition. Auch formal ist Sturmhöhe ein Experiment: Die verschachtelte Erzählstruktur, die mehrfach gebrochene Perspektive und die instabile Moral der Erzählerin erzeugen ein Gefühl permanenter Unsicherheit, als würde der Text selbst gegen seine eigene Zivilisierung ankämpfen. Man könnte sagen, dass Brontë einen Roman schreibt, der wie Heathcliff ist: unzähmbar, widersprüchlich, gefährlich. Zugleich ist Sturmhöhe aber kein nihilistisches Werk; es bewahrt eine tiefe Sehnsucht nach dem Heiligen, nach einem Überschuss an Leben, den die moderne Welt zu verlieren droht.
  • Zum Bewerterprofil von Denise Tekerci

    Denise Tekerci

    Thalia Freudenstadt

    Buchhändler*in

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    5/5

    08.08.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eine Heimsuchung von Liebe und Hass

    Der Roman ist bekannt für seine düstere Atmosphäre, Die Geschichte spielt auf dem englischen Landgut Wuthering Heights und dreht sich um die tragische Liebesgeschichte zwischen dem Findelkind Heathcliff und Catherine Earnshaw, der Tochter seines Pflegevaters. Die düstere, stürmische Landschaft von Yorkshire spiegelt die ungezähmte Natur der Charaktere wider. Es ist ein zutiefst emotionales Werk, das die Abgründe menschlicher Leidenschaften und die zerstörerische Kraft von Liebe und Hass untersucht. Der Roman ist aus der Perspektive des neuen Mieters Mr. Lockwood geschrieben der sich von der Haushälterin Nelly die Ereignisse der Vergangenheit berichten lässt. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Man kann es immer wieder lesen und plötzlich ist man wieder dort im Nebel und irrt herum auf der Such nach Wuthering Heights und dessen Bewohnern.

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