Produktbild: Sturmhöhe

Sturmhöhe

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

72384

Erscheinungsdatum

30.03.2021

Verlag

Kampenwand Verlag

Seitenzahl

374 (Printausgabe)

Dateigröße

2283 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783985513628

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

eBooks im ePUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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72384

Erscheinungsdatum

30.03.2021

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Kampenwand Verlag

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374 (Printausgabe)

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2283 KB

Sprache

Deutsch

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9783985513628

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Zwischen Sehnsucht und Zerstörung

Bücherdrache am 18.03.2026

Bewertungsnummer: 3081200

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Sturmhöhe von Emily Brontë hat mich nicht behutsam empfangen, sondern unvermittelt in seine Welt geworfen. Dieses Buch ist dunkel, unbequem und von einer spürbaren Kälte durchzogen. Und doch entfaltet es eine emotionale Intensität, der ich mich kaum entziehen konnte. Besonders eindrücklich ist die Art des Erzählens. Die Geschichte erreicht uns nicht unmittelbar, sondern durch mehrere Stimmen gebrochen, vor allem durch Nelly Dean. Dadurch entsteht eine eigentümliche Distanz, die zugleich Nähe schafft, weil immer das Gefühl bleibt, dass sich unter der Oberfläche etwas entzieht. Man liest nicht passiv, man bewegt sich suchend durch den Text, zweifelt an dem, was erzählt wird, und versucht, sich einer Wahrheit anzunähern, die nie ganz greifbar ist. Die Figuren sind schwer auszuhalten. Kaum jemand ist sympathisch, viele handeln rücksichtslos, verletzend oder grausam. Gerade darin entfaltet der Roman seine eigentliche Kraft. Heathcliff und Catherine stehen im Zentrum dieser Wucht. Sie sind keine Figuren, die man bewundert, sondern solche, die man aushalten muss. Ihre Verbindung wirkt weniger wie Liebe als wie ein unauflösbares Band, das sie zugleich trägt und zerstört. Ich habe sie oft verurteilt und mich ihnen dennoch seltsam nah gefühlt. Diese Spannung macht das Lesen so eindringlich. Der Stil ist dicht und von einer fast greifbaren Atmosphäre getragen. Die karge Landschaft Yorkshires durchzieht den Roman wie ein leiser Widerhall und spiegelt die innere Zerrissenheit der Figuren. Brontës Sprache ist dabei klar und direkt, zugleich von einer Schonungslosigkeit, die ihre emotionale Wirkung erst voll entfaltet. Dieses Buch war und ist kontrovers. Es widersetzt sich einfachen Einordnungen und verweigert jede Form von Trost. Stattdessen zeigt es, wie tief Verletzungen reichen und wie sehr Menschen einander prägen können. Es ist keine schöne Geschichte, aber eine von seltener Eindringlichkeit. Für mich war es eine fordernde, stellenweise anstrengende, aber letztlich sehr intensive Leseerfahrung, die lange nachwirkt.

Zwischen Sehnsucht und Zerstörung

Bücherdrache am 18.03.2026
Bewertungsnummer: 3081200
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Sturmhöhe von Emily Brontë hat mich nicht behutsam empfangen, sondern unvermittelt in seine Welt geworfen. Dieses Buch ist dunkel, unbequem und von einer spürbaren Kälte durchzogen. Und doch entfaltet es eine emotionale Intensität, der ich mich kaum entziehen konnte. Besonders eindrücklich ist die Art des Erzählens. Die Geschichte erreicht uns nicht unmittelbar, sondern durch mehrere Stimmen gebrochen, vor allem durch Nelly Dean. Dadurch entsteht eine eigentümliche Distanz, die zugleich Nähe schafft, weil immer das Gefühl bleibt, dass sich unter der Oberfläche etwas entzieht. Man liest nicht passiv, man bewegt sich suchend durch den Text, zweifelt an dem, was erzählt wird, und versucht, sich einer Wahrheit anzunähern, die nie ganz greifbar ist. Die Figuren sind schwer auszuhalten. Kaum jemand ist sympathisch, viele handeln rücksichtslos, verletzend oder grausam. Gerade darin entfaltet der Roman seine eigentliche Kraft. Heathcliff und Catherine stehen im Zentrum dieser Wucht. Sie sind keine Figuren, die man bewundert, sondern solche, die man aushalten muss. Ihre Verbindung wirkt weniger wie Liebe als wie ein unauflösbares Band, das sie zugleich trägt und zerstört. Ich habe sie oft verurteilt und mich ihnen dennoch seltsam nah gefühlt. Diese Spannung macht das Lesen so eindringlich. Der Stil ist dicht und von einer fast greifbaren Atmosphäre getragen. Die karge Landschaft Yorkshires durchzieht den Roman wie ein leiser Widerhall und spiegelt die innere Zerrissenheit der Figuren. Brontës Sprache ist dabei klar und direkt, zugleich von einer Schonungslosigkeit, die ihre emotionale Wirkung erst voll entfaltet. Dieses Buch war und ist kontrovers. Es widersetzt sich einfachen Einordnungen und verweigert jede Form von Trost. Stattdessen zeigt es, wie tief Verletzungen reichen und wie sehr Menschen einander prägen können. Es ist keine schöne Geschichte, aber eine von seltener Eindringlichkeit. Für mich war es eine fordernde, stellenweise anstrengende, aber letztlich sehr intensive Leseerfahrung, die lange nachwirkt.

Sturmhöhe

Bewertung am 12.03.2026

Bewertungsnummer: 3074757

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Diese Einsiedler kennen sich und schlagen Profit daraus, ist doch ihre gewohnheitsmäßige Bekanntschaft die einzige Daseinsberechtigung in diesem "ihrem" Haushalt. Was aber ist der Wert des Einzelnen - und kann man daraus etwas machen?

Sturmhöhe

Bewertung am 12.03.2026
Bewertungsnummer: 3074757
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Diese Einsiedler kennen sich und schlagen Profit daraus, ist doch ihre gewohnheitsmäßige Bekanntschaft die einzige Daseinsberechtigung in diesem "ihrem" Haushalt. Was aber ist der Wert des Einzelnen - und kann man daraus etwas machen?

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Sturmhöhe

von Emily Bronte

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Lore Lerch

Thalia Hildesheim

Zum Portrait

5/5

Ein düsterer Klassiker über Liebe, Rache und Generationen

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein Klassiker, den ich lange Zeit vor mir hergeschoben habe – bis mich schließlich doch die Motivation gepackt hat. Die Geschichte von Catherine und Heathcliff ist zugleich faszinierend und verstörend. Ihre Beziehung ist intensiv, leidenschaftlich und oft von destruktiven Emotionen geprägt. Gerade diese Ambivalenz macht den Roman so besonders. Über dem gesamten Buch liegt eine düstere, beinahe unheimliche Atmosphäre, die perfekt zur rauen Landschaft und zu den komplizierten Figuren passt. Immer wieder wird man als Lesende*r mit fragwürdigen Entscheidungen und Verhaltensweisen konfrontiert, die dennoch fesseln. Neben der tragischen Geschichte der ersten Generation spielt später auch die junge Catherine – die Tochter von Catherine – eine wichtige Rolle. Ihre Begegnung mit den Figuren der nächsten Generation bringt eine neue Dynamik in die Handlung und zeigt, wie stark die Konflikte und Entscheidungen der Vergangenheit noch immer nachwirken. Insgesamt eine eindringliche und zum Nachdenken anregende Lektüre – und ein Klassiker, der noch lange im Gedächtnis bleibt.
  • Lore Lerch
  • Buchhändler/-in

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5/5

Ein düsterer Klassiker über Liebe, Rache und Generationen

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein Klassiker, den ich lange Zeit vor mir hergeschoben habe – bis mich schließlich doch die Motivation gepackt hat. Die Geschichte von Catherine und Heathcliff ist zugleich faszinierend und verstörend. Ihre Beziehung ist intensiv, leidenschaftlich und oft von destruktiven Emotionen geprägt. Gerade diese Ambivalenz macht den Roman so besonders. Über dem gesamten Buch liegt eine düstere, beinahe unheimliche Atmosphäre, die perfekt zur rauen Landschaft und zu den komplizierten Figuren passt. Immer wieder wird man als Lesende*r mit fragwürdigen Entscheidungen und Verhaltensweisen konfrontiert, die dennoch fesseln. Neben der tragischen Geschichte der ersten Generation spielt später auch die junge Catherine – die Tochter von Catherine – eine wichtige Rolle. Ihre Begegnung mit den Figuren der nächsten Generation bringt eine neue Dynamik in die Handlung und zeigt, wie stark die Konflikte und Entscheidungen der Vergangenheit noch immer nachwirken. Insgesamt eine eindringliche und zum Nachdenken anregende Lektüre – und ein Klassiker, der noch lange im Gedächtnis bleibt.

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Jérôme Wiedenhaupt

Thalia Hildesheim

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5/5

Liebe als Zerstörung – Zerstörung als Wahrheit"

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ich finde, man muss über „Sturmhöhe“ immer wieder neu nachdenken, weil das Buch viel dunkler und komplizierter ist, als es oft dargestellt wird. Denn "Sturmhöhe" ist kein Roman über Liebe, sondern ein seismisches Experiment darüber, was passiert, wenn Begehren die Architektur der Welt zum Einsturz bringt, weswegen er bis heute ein Stachel im Fleisch jeder bürgerlichen Lesart von Literatur bleibt; Emily Brontë entwirft keine Geschichte, die man bequem psychologisch, moralisch oder sozial erklären könnte, sondern ein Mythos, der sich wie ein unterirdischer Strom durch das viktorianische England frisst und dessen Druck man noch spürt, wenn man glaubt, bereits auf sicherem Boden zu stehen. Wer "Sturmhöhe" nur als tragische Liebesgeschichte zwischen Catherine und Heathcliff liest, übersieht das Entscheidende: Es ist ein Text über Souveränität, Gewalt, Zeit und die radikale Unvereinbarkeit von kindlicher Ekstase und gesellschaftlicher Ordnung. Batailles Interpretation, die den Roman als Drama der Transgression liest, öffnet hier eine entscheidende Perspektive, die weit über herkömmliche Deutungen hinausgeht, denn sie macht sichtbar, dass Brontës Welt nicht zwischen Gut und Böse verläuft, sondern zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen unmittelbarer, ungezähmter Intensität und der berechnenden Vernunft des Überlebens. Schon die Landschaft ist kein neutraler Hintergrund, sondern ein metaphysischer Resonanzraum: Die Moore sind nicht romantisch im sentimentalen Sinn, sondern ein Ort vor der Moral, ein Territorium, in dem die Gesetze der Zivilisation suspendiert scheinen und in dem Catherine und Heathcliff als Kinder eine Art vorsprachliche, wilde Komplizenschaft teilen, die Bataille als „Reich der Kindheit“ beschreibt, ein Raum reiner Gegenwärtigkeit, in dem Begehren nicht reguliert, sondern gelebt wird. Diese frühe Bindung ist keine idyllische Freundschaft, sondern eine anarchische Allianz gegen die Welt der Erwachsenen, gegen jene Vernunft, die sich stets auf den Vorteil des Gemeinwesens beruft und damit jede Form radikaler Lebendigkeit opfert. Brontë zeigt mit fast grausamer Klarheit, dass Gesellschaft nur überleben kann, indem sie diese kindliche Souveränität bricht, und genau hier beginnt die Katastrophe: Heathcliff, das Findelkind, wird aus diesem Zauberreich vertrieben, während Catherine sich – scheinbar freiwillig – für Edgar Linton entscheidet, für Komfort, Sicherheit und soziale Anerkennung. Doch diese Wahl ist, und hier folgt Brontë subtil Batailles Logik, keine simple moralische Schwäche, sondern ein Akt der Spaltung: Catherine bleibt innerlich an Heathcliff gebunden, während sie äußerlich in die Ordnung der Vernunft eintritt, und diese innere Zerrissenheit zerreißt sie schließlich. Thrushcross Grange ist dabei keine bloß spießbürgerliche Gegenwelt zu Wuthering Heights, sondern ein komplexer Ort, in dem Großzügigkeit, Stolz und Anpassung miteinander ringen; Edgar Linton ist kein Karikatur-Schurke, sondern jemand, der die Welt akzeptiert, wie sie ist, und damit genau das repräsentiert, was Heathcliff verabscheut: das Gute als System. Heathcliff wiederum ist keine realistische Figur im psychologischen Sinn, sondern eine Traumgestalt, eine Verkörperung des Bösen als existenzielle Revolte gegen jede Form von Ordnung, und gerade deshalb wirkt er so erschreckend authentisch. Er ist das Kind, das sich weigert, erwachsen zu werden, aber nicht aus Naivität, sondern aus einer radikalen Weigerung, die Welt anzuerkennen, die ihn verstoßen hat. Seine Gewalt ist nicht bloß Rache, sondern eine metaphysische Attacke auf die Struktur der Realität selbst, ein Versuch, das verlorene Reich der unmittelbaren Gegenwart zurückzuerobern, auch wenn dieser Versuch zwangsläufig in Zerstörung mündet. Brontë erzählt diese hemmungslose Gewalt mit einer erstaunlichen Ruhe durch die Stimme der Erzählerin Nelly Dean, und gerade diese Diskrepanz verstärkt die Wirkung: Das Grauen wird nicht melodramatisch ausgestellt, sondern nüchtern registriert, als gehöre es zur natürlichen Ordnung der Dinge. Bataille erkennt darin eine tiefere Dimension: Heathcliffs Revolte ist die des Bösen gegen das Gute, aber dieses Böse ist nicht einfach moralische Verderbtheit, sondern eine Weigerung, sich der Logik der Zukunft zu unterwerfen. Während das Gute auf Planung, Nutzen und Gemeinschaft gründet, lebt Heathcliffs Begehren ausschließlich im Jetzt, im ekstatischen Augenblick, der für Erwachsene als „böse“ gilt, weil er jede Rücksicht auf Folgen verweigert. In diesem Sinn wird Sturmhöhe zu einer Meditation über Zeit: Die Zivilisation gehört der Zukunft, Heathcliff gehört der ewigen Gegenwart, und Catherine steht dazwischen, zerrissen zwischen zwei ontologischen Regimen. Dass sie sagt „I am Heathcliff“, ist keine romantische Metapher, sondern eine ontologische Behauptung: Sie erkennt an, dass ihre Identität untrennbar mit dieser anarchischen Kraft verbunden ist, selbst wenn sie sozial anders handelt. Bemerkenswert ist dabei, dass Brontë das Böse nicht nur Heathcliff träumen lässt, sondern auch Catherine und letztlich sich selbst; das Böse wird zum verbotenen, aber notwendigen Gegenpol des Guten, zu einem heiligen Bereich, den die Gesellschaft ausschließt, um ihn zugleich zu verherrlichen. Hier berührt der Roman die Struktur der griechischen Tragödie: Das Gesetz bleibt gültig, aber seine Übertretung ist zutiefst menschlich, ja sogar notwendig, um das Leben in seiner vollen Intensität zu erfahren. Wie in der Tragödie ist die Sühne unausweichlich – Catherine stirbt, Heathcliff verzehrt sich selbst –, doch ihr Tod ist nicht einfach Strafe, sondern Teil eines kosmischen Dramas, in dem Transgression und Heiligkeit untrennbar verbunden sind. Besonders erhellend ist Batailles Begriff der „Hypermoral“: Brontë verwirft die Moral nicht, sie steigert sie ins Extreme, bis sie in ihr Gegenteil umschlägt. Gerade weil sie tief moralisch denkt, wagt sie es, Figuren zu erschaffen, die jede Moral sprengen, und gerade deshalb wird Sturmhöhe zu einem Werk, das mehr über Ethik sagt als tausend didaktische Romane. Heathcliffs Grausamkeiten – seine Heirat mit Isabella aus reinem Sadismus, seine Demütigungen, seine Kälte – sind nicht einfach psychologische Pathologien, sondern Ausdruck einer Lust an der Zerstörung, die Bataille mit Sade in Verbindung bringt: eine dunkle, erschreckende Ekstase, in der Vernichtung selbst zum Genuss wird. Doch Brontë ästhetisiert diese Gewalt nicht; sie lässt sie als etwas Beunruhigendes, Unheimliches, ja Heiliges erscheinen. Der Roman fragt damit radikal: Kann eine Welt bestehen, die keinerlei Raum für solche Kräfte lässt, oder wird sie gerade dadurch leer, steril und tot? Neu gelesen erscheint Sturmhöhe somit weniger als Liebestragödie denn als kosmischer Konflikt zwischen zwei Prinzipien: dem Prinzip der Ordnung und dem Prinzip der Ekstase. Die Kinder Catherine und Heathcliff verkörpern einen vorsozialen Zustand, in dem Leben nicht berechnet, sondern verschwendet wird, während die Erwachsenenwelt auf Bewahrung, Eigentum und Kontinuität setzt. Doch Brontë zeigt, dass diese beiden Sphären nicht einfach Gegensätze sind, sondern einander bedingen: Ohne Verbot gäbe es keine Transgression, ohne Ordnung keine Rebellion, ohne Vernunft kein Wahnsinn. Gerade in dieser dialektischen Spannung liegt die Modernität des Romans, der in seiner Radikalität eher zu Bataille, Nietzsche oder Artaud gehört als in die viktorianische Tradition. Auch formal ist Sturmhöhe ein Experiment: Die verschachtelte Erzählstruktur, die mehrfach gebrochene Perspektive und die instabile Moral der Erzählerin erzeugen ein Gefühl permanenter Unsicherheit, als würde der Text selbst gegen seine eigene Zivilisierung ankämpfen. Man könnte sagen, dass Brontë einen Roman schreibt, der wie Heathcliff ist: unzähmbar, widersprüchlich, gefährlich. Zugleich ist Sturmhöhe aber kein nihilistisches Werk; es bewahrt eine tiefe Sehnsucht nach dem Heiligen, nach einem Überschuss an Leben, den die moderne Welt zu verlieren droht.
  • Jérôme Wiedenhaupt
  • Buchhändler/-in

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Liebe als Zerstörung – Zerstörung als Wahrheit"

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ich finde, man muss über „Sturmhöhe“ immer wieder neu nachdenken, weil das Buch viel dunkler und komplizierter ist, als es oft dargestellt wird. Denn "Sturmhöhe" ist kein Roman über Liebe, sondern ein seismisches Experiment darüber, was passiert, wenn Begehren die Architektur der Welt zum Einsturz bringt, weswegen er bis heute ein Stachel im Fleisch jeder bürgerlichen Lesart von Literatur bleibt; Emily Brontë entwirft keine Geschichte, die man bequem psychologisch, moralisch oder sozial erklären könnte, sondern ein Mythos, der sich wie ein unterirdischer Strom durch das viktorianische England frisst und dessen Druck man noch spürt, wenn man glaubt, bereits auf sicherem Boden zu stehen. Wer "Sturmhöhe" nur als tragische Liebesgeschichte zwischen Catherine und Heathcliff liest, übersieht das Entscheidende: Es ist ein Text über Souveränität, Gewalt, Zeit und die radikale Unvereinbarkeit von kindlicher Ekstase und gesellschaftlicher Ordnung. Batailles Interpretation, die den Roman als Drama der Transgression liest, öffnet hier eine entscheidende Perspektive, die weit über herkömmliche Deutungen hinausgeht, denn sie macht sichtbar, dass Brontës Welt nicht zwischen Gut und Böse verläuft, sondern zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen unmittelbarer, ungezähmter Intensität und der berechnenden Vernunft des Überlebens. Schon die Landschaft ist kein neutraler Hintergrund, sondern ein metaphysischer Resonanzraum: Die Moore sind nicht romantisch im sentimentalen Sinn, sondern ein Ort vor der Moral, ein Territorium, in dem die Gesetze der Zivilisation suspendiert scheinen und in dem Catherine und Heathcliff als Kinder eine Art vorsprachliche, wilde Komplizenschaft teilen, die Bataille als „Reich der Kindheit“ beschreibt, ein Raum reiner Gegenwärtigkeit, in dem Begehren nicht reguliert, sondern gelebt wird. Diese frühe Bindung ist keine idyllische Freundschaft, sondern eine anarchische Allianz gegen die Welt der Erwachsenen, gegen jene Vernunft, die sich stets auf den Vorteil des Gemeinwesens beruft und damit jede Form radikaler Lebendigkeit opfert. Brontë zeigt mit fast grausamer Klarheit, dass Gesellschaft nur überleben kann, indem sie diese kindliche Souveränität bricht, und genau hier beginnt die Katastrophe: Heathcliff, das Findelkind, wird aus diesem Zauberreich vertrieben, während Catherine sich – scheinbar freiwillig – für Edgar Linton entscheidet, für Komfort, Sicherheit und soziale Anerkennung. Doch diese Wahl ist, und hier folgt Brontë subtil Batailles Logik, keine simple moralische Schwäche, sondern ein Akt der Spaltung: Catherine bleibt innerlich an Heathcliff gebunden, während sie äußerlich in die Ordnung der Vernunft eintritt, und diese innere Zerrissenheit zerreißt sie schließlich. Thrushcross Grange ist dabei keine bloß spießbürgerliche Gegenwelt zu Wuthering Heights, sondern ein komplexer Ort, in dem Großzügigkeit, Stolz und Anpassung miteinander ringen; Edgar Linton ist kein Karikatur-Schurke, sondern jemand, der die Welt akzeptiert, wie sie ist, und damit genau das repräsentiert, was Heathcliff verabscheut: das Gute als System. Heathcliff wiederum ist keine realistische Figur im psychologischen Sinn, sondern eine Traumgestalt, eine Verkörperung des Bösen als existenzielle Revolte gegen jede Form von Ordnung, und gerade deshalb wirkt er so erschreckend authentisch. Er ist das Kind, das sich weigert, erwachsen zu werden, aber nicht aus Naivität, sondern aus einer radikalen Weigerung, die Welt anzuerkennen, die ihn verstoßen hat. Seine Gewalt ist nicht bloß Rache, sondern eine metaphysische Attacke auf die Struktur der Realität selbst, ein Versuch, das verlorene Reich der unmittelbaren Gegenwart zurückzuerobern, auch wenn dieser Versuch zwangsläufig in Zerstörung mündet. Brontë erzählt diese hemmungslose Gewalt mit einer erstaunlichen Ruhe durch die Stimme der Erzählerin Nelly Dean, und gerade diese Diskrepanz verstärkt die Wirkung: Das Grauen wird nicht melodramatisch ausgestellt, sondern nüchtern registriert, als gehöre es zur natürlichen Ordnung der Dinge. Bataille erkennt darin eine tiefere Dimension: Heathcliffs Revolte ist die des Bösen gegen das Gute, aber dieses Böse ist nicht einfach moralische Verderbtheit, sondern eine Weigerung, sich der Logik der Zukunft zu unterwerfen. Während das Gute auf Planung, Nutzen und Gemeinschaft gründet, lebt Heathcliffs Begehren ausschließlich im Jetzt, im ekstatischen Augenblick, der für Erwachsene als „böse“ gilt, weil er jede Rücksicht auf Folgen verweigert. In diesem Sinn wird Sturmhöhe zu einer Meditation über Zeit: Die Zivilisation gehört der Zukunft, Heathcliff gehört der ewigen Gegenwart, und Catherine steht dazwischen, zerrissen zwischen zwei ontologischen Regimen. Dass sie sagt „I am Heathcliff“, ist keine romantische Metapher, sondern eine ontologische Behauptung: Sie erkennt an, dass ihre Identität untrennbar mit dieser anarchischen Kraft verbunden ist, selbst wenn sie sozial anders handelt. Bemerkenswert ist dabei, dass Brontë das Böse nicht nur Heathcliff träumen lässt, sondern auch Catherine und letztlich sich selbst; das Böse wird zum verbotenen, aber notwendigen Gegenpol des Guten, zu einem heiligen Bereich, den die Gesellschaft ausschließt, um ihn zugleich zu verherrlichen. Hier berührt der Roman die Struktur der griechischen Tragödie: Das Gesetz bleibt gültig, aber seine Übertretung ist zutiefst menschlich, ja sogar notwendig, um das Leben in seiner vollen Intensität zu erfahren. Wie in der Tragödie ist die Sühne unausweichlich – Catherine stirbt, Heathcliff verzehrt sich selbst –, doch ihr Tod ist nicht einfach Strafe, sondern Teil eines kosmischen Dramas, in dem Transgression und Heiligkeit untrennbar verbunden sind. Besonders erhellend ist Batailles Begriff der „Hypermoral“: Brontë verwirft die Moral nicht, sie steigert sie ins Extreme, bis sie in ihr Gegenteil umschlägt. Gerade weil sie tief moralisch denkt, wagt sie es, Figuren zu erschaffen, die jede Moral sprengen, und gerade deshalb wird Sturmhöhe zu einem Werk, das mehr über Ethik sagt als tausend didaktische Romane. Heathcliffs Grausamkeiten – seine Heirat mit Isabella aus reinem Sadismus, seine Demütigungen, seine Kälte – sind nicht einfach psychologische Pathologien, sondern Ausdruck einer Lust an der Zerstörung, die Bataille mit Sade in Verbindung bringt: eine dunkle, erschreckende Ekstase, in der Vernichtung selbst zum Genuss wird. Doch Brontë ästhetisiert diese Gewalt nicht; sie lässt sie als etwas Beunruhigendes, Unheimliches, ja Heiliges erscheinen. Der Roman fragt damit radikal: Kann eine Welt bestehen, die keinerlei Raum für solche Kräfte lässt, oder wird sie gerade dadurch leer, steril und tot? Neu gelesen erscheint Sturmhöhe somit weniger als Liebestragödie denn als kosmischer Konflikt zwischen zwei Prinzipien: dem Prinzip der Ordnung und dem Prinzip der Ekstase. Die Kinder Catherine und Heathcliff verkörpern einen vorsozialen Zustand, in dem Leben nicht berechnet, sondern verschwendet wird, während die Erwachsenenwelt auf Bewahrung, Eigentum und Kontinuität setzt. Doch Brontë zeigt, dass diese beiden Sphären nicht einfach Gegensätze sind, sondern einander bedingen: Ohne Verbot gäbe es keine Transgression, ohne Ordnung keine Rebellion, ohne Vernunft kein Wahnsinn. Gerade in dieser dialektischen Spannung liegt die Modernität des Romans, der in seiner Radikalität eher zu Bataille, Nietzsche oder Artaud gehört als in die viktorianische Tradition. Auch formal ist Sturmhöhe ein Experiment: Die verschachtelte Erzählstruktur, die mehrfach gebrochene Perspektive und die instabile Moral der Erzählerin erzeugen ein Gefühl permanenter Unsicherheit, als würde der Text selbst gegen seine eigene Zivilisierung ankämpfen. Man könnte sagen, dass Brontë einen Roman schreibt, der wie Heathcliff ist: unzähmbar, widersprüchlich, gefährlich. Zugleich ist Sturmhöhe aber kein nihilistisches Werk; es bewahrt eine tiefe Sehnsucht nach dem Heiligen, nach einem Überschuss an Leben, den die moderne Welt zu verlieren droht.

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