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Produktbild: Drei Kameradinnen
Artikelbild von Drei Kameradinnen
Shida Bazyar

1. Drei Kameradinnen

Drei Kameradinnen

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145
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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Gesprochen von

Banafshe Hourmazdi

Spieldauer

9 Stunden und 26 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

15.04.2021

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

168

Verlag

Tacheles!

Sprache

Deutsch

EAN

9783864846793

Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

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Gesprochen von

Banafshe Hourmazdi

Spieldauer

9 Stunden und 26 Minuten

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Ja

Erscheinungsdatum

15.04.2021

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

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168

Verlag

Tacheles!

Sprache

Deutsch

EAN

9783864846793

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  • SternchenBlau

    5/5

    18.10.2021

    Hörbuch-Download (MP3)

    So liebevoll wie schonungslos erzählt Bazyar von den Erfahrungen in einer Welt voller -ismen und spielt dabei mit den Erwartungen der Lesenden.

    Dieses Buch habe ich wieder einmal parallel gelesen und gehört. Bazyars Sprache ist so wundervoll poetisch, dass sie für mich in der Lesung von Banafshe Hourmazdi einen ganz besonderen Reiz bekam. Kameradinnen – was für ein antiquiertes Wort und auch martialisch, militärisch. Nachdem ich das Buch gelesen haben, finde ich, dass dieses Wort so wundervoll für diesen Titel passt, weil es drei Frauen zeigt, die von Schulkameradinnen zu Kameradinnen in einem Kampf werden, den People of Color, Frauen, muslimische oder queere Menschen noch längst nicht gewonnen haben. Bazyar spielt in ihrem Roman mit Sprache ebenso wie mit Erwartungen, mit denen der Gesellschaft und mit denen der Lesenden. Sie kann das so gekonnt, weil sie die Diskurse in- und auswendig kennt. Kasih erzählt ihre Geschichte und die Geschichten von Saya und Hani. Und nach wenigen Seiten schaffte Bazyar eine Intensität, dass die drei im Geiste auch zu meinen Kameradinnen wurden, auch wenn unsere Biografien anders aussehen. Bazyar vermag die vermeintlich kleinen Erinnerungen so liebevoll, präzise und voller Poesie zu erzählen, dass sie mir real erschienen. Es finden sich so viele wundervolle Stellen in diesem Roman, dass es mir wirklich schwer fällt, nur einzelne auszuwählen. „Als ich klein war, habe ich mir immer vorgestellt, Saya und ich wären Figuren in einem schönen Kinderfilm, und ehrlich gesagt habe ich mir das auch noch vorgestellt, als wir mit Hani zu dritt waren und eher in so ein verruchtes Teenie-Drama gepasst hätten. Als Kind dachte ich, dass Saya und ich, wie wir so mit Kreide auf den Asphalt malten, von Bäumen sprangen und tote Maulwürfe vergruben, um sie Wochen später wieder auszugraben, die idealen Protagonistinnen wären. Dass alles, was wir taten, eine prima Einleitung war. “ Die Harmonie von Freundschafts-, Kindheits- und Jugenderinnerungen sind meist gebrochen, wie könnte es anders sein, in einer Gesellschaft, die Rassismus, Sexismus, Klassismus und all dies so oft noch weiterhin verteidigt. Kasih erzählt meist schonungslos, sich selbst, den Freundinnen und auch den Lesenden gegenüber. „Ihr wartet auf den Moment, in dem ich erkläre, wer von uns aus welchem Land kommt. Das nämlich müsst ihr wissen, bevor ihr euch in uns eindenken könnt. Das ist für euch eine ungefähr so wichtige Information wie die, am Rand welcher deutschen Kleinstadt wir aufgewachsen und wie alt wir sind und wer von uns die Heißeste ist. Ich sage euch dazu nichts. Da müsst ihr durch. Ich weiß ja auch über euch nichts.“ Ja, da müssen wir wohl als Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft auch einmal durch, auch, wenn das nicht immer angenehm ist. Und ich kann auch einfach kein Tone Policing mehr ertragen. Das erlebe ich als Frau schon genug. Da finde ich, dass Women of Color erst recht Tacheles reden dürfen. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass mit Kasihs Freundinnen etwas schlimmes passieren wird. Und ich wollte das nicht lesen, das nicht zulassen. Es passieren doch immer schlimme Dinge, warum können denn diese drei in der Fiktion nicht verschont bleiben? Ich bin dann aufs Hörbuch umgestiegen. Die ersten paar Minuten erschien mir Banafshe Hourmazdi Stimme fast zu jung für Kashi, aber sobald ich mich eingehört hatte, war ich fasziniert, wie wundervoll sie Kashis Facetten umsetzen konnte: die Selbstzweifel, die Klugheit, die Vorsicht, die unterdrückte Wut, die sich in ihrem Text endlich einen Weg nach draußen bahnt, die Loyalität und Liebe zu ihren Freundinnen. Bazyar spielt auch mit dem Roman als solches. Wie genau, das werde ich euch nicht verraten, denn es hat für mich das Lese- und Hörvergnügen nochmal zu etwas ganz besonderem gemacht. Ein Roman, den ich sicherlich nicht nur einmal lesen werde. 5 von 5 Sternen.

  • Bewertung

    2/5

    12.05.2021

    Hörbuch-Download (MP3)

    Kein Wohlfühlbuch

    Inhalt übernommen: In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt. Meine Meinung: Die Themen, welche in diesem Buch behandelt werden, kommen in unserem Alltag leider allzuoft vor und haben mein Interesse sofort geweckt. Leider konnte ich von Beginn an mich nicht an den sprunghaften und übergangslosen Schreibstil der Autorin gewöhnen. Es geht um die Freundschaft dreier Frauen die durch gemeinsame Erlebnisse miteinander verbunden sind. Während sie das sogenannte „Schubladendenken“ bei der weißen Bevölkerung anprangert,bedient sie sich umgekehrt am selbigen. Es ist mir auch während der gesamten Lektüre nicht gelungen, einen wirklichen Zugang zu den Protagonisten zu finden, sie blieben mir mehr oder weniger unsympathisch. Auch hat mir die Tiefe gefehlt,zum Beispiel hätte gerne erfahren, aus welchen Ländern die jungen Frauen mit ihren Familien seinerzeit geflohen sind. Immer, wenn es ansatzweise einen Versuch gab, reale Erlebnisse zu kommentieren, glitt die Geschichte dann wieder ins klischeehafte ab, was mich zunehmend störte. Fazit: Ein sehr wichtiges Thema, für meinen Geschmack unzulänglich dargestellt.

  • Lea

    5/5

    12.01.2025

    Buch (Taschenbuch)

    Vor allem bei der aktuellen Lage - Lesemuss

    Der Roman „Drei Kameradinnen“ erzählt die Geschichte von Hani, Kasih und Saya, drei Freundinnen mit Migrationshintergrund, die in einer namenlosen deutschen Stadt aufwachsen. Sie sind durch ihre Herkunft und die damit verbundenen Erfahrungen miteinander verbunden. Im Mittelpunkt steht ihre unerschütterliche Freundschaft, die ihnen Halt gibt in einer Gesellschaft, die sie ständig als „anders“ wahrnimmt. Durch Kasihs Perspektive erfahren wir von alltäglichem Rassismus, strukturellen Missständen und rechten Gewalttaten, die die Protagonistinnen immer wieder aus ihrer scheinbaren Normalität reißen. Die Geschichte ist nicht linear erzählt, sondern springt zwischen Kindheit, Jugend und Gegenwart, was die Emotionalität und Authentizität der Erzählung verstärkt. ‍‍✨ Shida Bazyars Sprache ist kraftvoll und kompromisslos. Sie spielt mit den Erwartungen der Leser:innen, bricht bewusst mit traditionellen Erzählmustern und spricht ihre Leser:innenschaft immer wieder direkt an. Dieser Stil erzeugt eine beeindruckende Nähe zu den Figuren, ohne dabei belehrend zu wirken. Die poetischen, oft metaphorischen Beschreibungen – das innere „Feuer“ der Kameradinnen ist ein zentrales Motiv – verleihen dem Text eine enorme Intensität. Gleichzeitig bleibt die Sprache klar und zugänglich, was die Botschaften des Buches umso eindringlicher macht. Außerdem haben wir mit Kasih eine unzuverlässige Erzählerin, was das Ganze noch spannender gemacht hat. ️ Hani, Kasih und Saya sind vielschichtige, tiefgründige Figuren. Jede von ihnen verkörpert eine andere Art, mit Rassismus und Ausgrenzung umzugehen. Saya ist kämpferisch, ihr inneres Feuer lodert voller Wut und Entschlossenheit. Hani hat sich mit der Welt abgefunden, ihre Flamme brennt auf Sparflamme. Kasih, die Erzählerin, ist sensibel, unsicher und ständig mit sich selbst und der Welt überfordert. Diese Vielfalt an Perspektiven macht das Buch so authentisch und zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Menschen mit denselben Herausforderungen umgehen können. Der Roman ist weniger plotgetrieben als charakterzentriert, doch die Geschichte entfaltet eine unglaubliche Sogwirkung. Die dramatische Nacht, die das Leben der drei Frauen verändert, ist der emotionale Höhepunkt, doch ebenso wichtig sind die kleinen Momente: der Alltag im Kindergarten, die Blicke auf der Straße, die unsichtbaren Barrieren in Schule und Beruf. Diese scheinbar banalen Situationen verdeutlichen, wie tief Rassismus in den Alltag in Deutschland verwoben ist. Das Ende ist schockierend und bleibt lange im Gedächtnis – ein extrem guter Abschluss, der die Botschaft des Buches auf den Punkt bringt. Als Hörbuch war „Drei Kameradinnen“ eine besonders intensive Erfahrung. Ich kann mir aber aktuell gut vorstellen, das Buch auch noch einmal zu lesen - sehr viel Annotationspotenzial. Der Roman hat mich tief berührt, vor allem, weil er die Erfahrungen schildert, die viele Menschen mit Migrationshintergrund machen – das Gefühl, nirgendwo wirklich zuhause zu sein, die ständige Rechtfertigung vor der Mehrheitsgesellschaft. Kasihs innere Kämpfe und Verwirrung waren für mich besonders nachfühlbar. In der aktuellen politischen Lage, in der rechte Gewalt und Rassismus immer präsenter werden, ist dieser Roman ein Weckruf und ein Plädoyer für Solidarität. ✨ Fazit: „Drei Kameradinnen“ ist ein aufwühlender, beeindruckender Roman, der die deutsche Gegenwart schonungslos offenlegt. Er richtet sich an alle, die bereit sind, ihre Perspektiven zu hinterfragen und sich mit strukturellen Ungerechtigkeiten auseinanderzusetzen. Besonders Leser:innen, die sich für gesellschaftspolitische Themen interessieren oder sich mit den Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund auseinandersetzen wollen, werden diesen Roman mögen. Mit seiner sprachlichen Wucht und emotionalen Tiefe ist dieses Buch ein absolutes Muss – für mich nicht nur eine Leseempfehlung, sondern ein Leseauftrag. ⭐⭐⭐⭐⭐

  • Gesellschaftliche Betrachterin

    aus Großraum Halle (Saale)

    5/5

    30.04.2023

    Hörbuch (CD)

    Gehaltserhöhung

    Lesen! Das Buch sollte bitte Schullektüre werden. Die Begebenheiten rund um den Besuch der Freundin Saya sind ausgedacht, „gelogen“ – wie die Autorin Shida Bazyar selbst sagt, wenn sie in der Person der erzählenden Kasih gelegentlich Beschreibungen von Ereignissen korrigiert oder widerruft. „Ich bin nicht die Ausgeburt der integrierten Gesellschaft.“, sagt Kasih früh im Roman; auf diesen Satz darf man sich aber in jedem Moment dieses großartigen Leseerlebnisses verlassen. Wenn die engen Freundinnen Hani, Kashi und Saya auf ihrer Bank im Sozialviertel in der deutschen Stadt sitzen, ziehen die Leute in den Wohnungen um sie herum die Jalousien herunter, um ihr Lachen nicht hören zu müssen. Die Freundinnen lachen oft miteinander, meistens über bemühte Versuche deutscher pluralistisch fühlender Menschen, die auf die Migrantinnen in unterschiedlichen Alltagssituationen zuzugehen. Das führt in die Sackgasse und endet im Fettnäpfchen. Und zwar stets deshalb, weil die Bemühten erst das Anderssein zum Ausdruck bringen und dann versuchen, die integrative Brücke zu schlagen. Nein, seht doch bitte augenblicklich den Menschen! Kasih wehrt konsequent alle Versuche der Leserschaft ab, etwas über die Herkunft der Migrantinnen zu erfahren, und das ist gut so. Letztlich ist Integration eine Chimäre, ein sich wandelndes Wunschdenken, wie die Suche nach dem wahren Erzählungsstrang in diesem Roman. Die Wahrheit darf also beweglich sein, die deutsche Wirklichkeit ist aber fest, wie eine Wand. Angesichts der realen deutschen Gesellschaft lachen die Freundinnen nicht, sondern sind niedergeschlagen, entsetzt, verzweifelt, wütend. Hier muss sich nunmehr die Leserschaft ernsthaft schämen, wenn sie sich integriert fühlt. Alltägliche Episoden mit einem nicht abgesetzten Rucksack eines Primark-Mädchens in einem überfüllten Bus oder dem institutionalisierten Verhalten der Angestellten im Jobcenter sind tatsächlich erschreckende Erfahrungen. Wenn hier schon die Erfahrungen lauern, die die Lust auf Integration ernsthaft dämpfen, so sind es die gesellschaftlich leichtfertig übersehenen Nazis – im Roman deshalb zurecht an die Oberfläche geholt – die mordend den Unterschied zwischen Deutschen und Migranten manifestieren. Noch ein Satz zur für diese Rezension gewählten Überschrift „Gehaltserhöhung“. Dies wird auf einer Hochzeit, statt „Prost“ oder „Zum Wohle“ zum fröhlichen Wort beim gegenseitigen Erheben der Gläser. Vielleicht bei künftigen Zusammenkünften im Freundeskreis oder auf Partys das Erkennungswort der Wissenden, die diesen Roman gelesen haben und sich weiter ernsthaft um einen guten gesellschaftlichen Umgang für alle bemühen wollen.

  • Arizona

    5/5

    25.01.2023

    Buch (Taschenbuch)

    Die Autorin hält dem Leser…

    Die Autorin hält dem Leser einen Spiegel vor, es geht um Vorurteile gegenüber nicht-weißen Menschen, um Alltagsrassismus in Deutschland, eben darum auf welche Widerstände Menschen mit Migrationshintergrund - wie es oft so unschön heißt - in unserer Gesellschaft treffen. Sei es in der Schule, oder später bei der Jobsuche, einfach überall. Und es geht auch um Freundschaft, denn die drei Protagonistinnen Saya, Kasih und Hani kennen sich schon seit der Kindheit, sie haben gemeinsam in der Siedlung gewohnt und sind zusammen zur Schule gegangen. Der Roman beginnt mit einem Zeitungsartikel aus der Boulevard-Presse, der über einen Brand in einem Wohnhaus berichtet. Dann startet die Handlung, es ist Freitagnacht und die Erzählerin Kasih wartet auf ihre Freundin Saya, die die Nacht im Gefängnis verbringen muss. Was ist passiert? Kasih beginnt chronologisch zu erzählen, was sich alles in den letzten Tagen ereignet hat, seit Saya am Dienstag zu Besuch kam, um ein paar Tage bei ihren Freundinnen zu verbringen, anläßlich einer Hochzeitsfeier. Dabei beginnt Saya direkt voller Wut über diskriminierendes Verhalten durch ihre Mitmenschen zu erzählen. Das Ganze ist aber auch recht unterhaltsam erzählt, und man ist gleich mitten im Geschehen angekommen. Weiterhin wird jetzt über die Tage bis zur Hochzeitsfeier berichtet. Allerdings gibt es auch einige Rückblenden in die Kindheit im „Getto“ - wie Kasih es nennt, eine Siedlung, in der überwiegend Flüchtlingsfamilien wohnten. Nach und nach wird klar, wie unterschiedlich die Freundinnen sind. Hani, die immer versucht allen zu gefallen, und auch auf ihrer Arbeit eher aufopferungsvoll ihre Chefin unterstützt. Dann eben Kasih, die gerade von ihrem Freund verlassen wurde, und die nach ihrem Studium noch auf Jobsuche ist. Und eben die erfolgreiche Saya, die emotional aktuell sehr aufgewühlt ist durch den gerade stattfindenden Prozess geben Nazis, es geht um Morde an Ausländern (NSU-Prozess). Kasih berichtet jetzt von vielen kleinen Vorfällen, die sich eben alle summieren, bis ein Punkt erreicht ist, an dem Sayas Wut überschäumt. So läuft eben alles auf diesen Höhepunkt hinzu, auf die Nacht der Hochzeit und auf die sich anschliessenden Vorfälle. Ich finde die Art, wie der Roman erzählt wird sehr interessant. Man wird von Kasih als Leser direkt angesprochen, denn sie setzt sich in dieser Freitagnacht nach der Hochzeit hin und schreibt alles auf, für uns Leser, damit wir verstehen können was passiert ist. Das irritiert einen natürlich etwas, weil man als Leser ja sonst quasi anonym mitliest und es nicht gewohnt ist mit eingebunden zu werden. Dadurch wird man direkt damit konfrontiert, dass es diese Art des Rassismus tagtäglich in unserer Gesellschaft gibt. Die Autorin spielt auch mit der Wahrheit, es geht darum, ob immer alles richtig ist, was berichtet wird. Das gilt vor allem für den Zeitungsartikel vom Anfang, aber auch von der Autorin selbst gibt es teils widersprüchliche Aussagen. Dies schlägt sich schon in den ersten Sätzen nieder: „Ich bin nicht: das Mädchen aus dem Getto. … Ich bin: das Mädchen aus dem Getto.“ Dies setzt sich so fort, wie ein Vexierspiel, wobei man als Leser auch die Aufgabe hat, gedanklich etwas Ordnung in das Ganze zu bringen. Also keine ganz einfache Kost, aber es lohnt sich schon, und das Thema ist natürlich wichtig. Keiner sollte aufgrund seines fremdländischen Aussehens bzw. seiner Herkunft oder aufgrund seines Geschlechts benachteilig werden. Kleine Abstriche gibt es für mich, da mir manches etwas zu plakativ ist, und weil mir Saya trotz ihrer Ausbildung oft zu unreflektiert erscheint. Auch hat das Thema Alkohol / Party machen für mich zu viel Raum. Interessant ist auch der Titel, eine Reminiszenz auf den Roman „Drei Kameraden“ von Eric Maria Remarque, das nach dem ersten Weltkrieg spielt. Und beide Romane spielen in einer namenlosen Stadt. Das Cover passt perfekt, es stellt ein Feuer dar, das sich aus den Deutschland-Farben schwarz-rot-gold zusammensetzt.

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Bewertungen (145)

Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von Peter Zielke

    Peter Zielke

    Thalia Leipzig – Grimmaische Straße

    Buchhändler*in

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    5/5

    04.03.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Als es brannte...

    Shida Bazyar spielt in diesem Werk mit Vorurteilen und hält auf bewundernswerte Weise einen Spiegel vor das Gesicht der Lesenden. Es ist ein Buch über Rassismus, ein Buch über Freundschaft. Mit Intelligenz geschrieben und von einer guten Story zusammengehalten gehörte "Drei Kameradinnen" im Jahr 2021 zu meinen Lieblingsbüchern. Es ist politisch, es ist notwendig und schlicht und ergreifend großartig.
  • Zum Bewerterprofil von Kevin Beckmann

    Kevin Beckmann

    Thalia Mayersche Wuppertal-Barmen

    Buchhändler*in

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    5/5

    11.09.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Dieses Buch hat mich sprachlos...

    Dieses Buch hat mich sprachlos gemacht. Die Intensität und Wut, mit der Bazyar die Lebensrealität von so vielen Menschen in Deutschland beschreibt, ist unglaublich. Völlig verdient auf der Longlist des Buchpreises. Lesen und wirken lassen!
  • Zum Bewerterprofil von Ingbert Edenhofer

    Ingbert Edenhofer

    Thalia Mayersche Bottrop

    Buchhändler*in

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    5/5

    10.09.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein dringendes Buch der Zeit

    Ich bin sicherlich nicht die perfekte Person, um eine verbindliche Empfehlung für "Drei Kameradinnen" auszusprechen. Mindestens zwei der Protagonistinnen - Erzählerin Kasih und Auslöserin Saya - würden mich sicherlich als jemanden wahrnehmen, der ohne bedeutende systemische Steine im Weg durchs Leben gegangen ist, und damit haben sie Recht. Trotzdem spricht "Drei Kameradinnen" auch mich sehr an. Kasih, Saya und die weniger forsche Hani sind drei Frauen mit Migrationshintergrund, den sie aber nicht für einen deutschen Blick komplett erklären. Shida Bazyar entwickelt drei komplexe Frauen, die untereinander parallel und auch wieder komplett gegensätzlich sind und nicht auf konsequente Persönlichkeiten heruntergebrochen werden können, was sie besonders lebensnah macht. Auch lässt Bazyar immer wieder offen, wo etwas innerhalb der Geschichte Fakt ist und was dann doch eine Fiktion innerhalb der Fiktion ist. Manchmal weiß Kasih Dinge, die sie nicht wissen kann, ist aber Autorin und nimmt sich dadurch Freiheiten. Das hält allerdings auch Saya nicht davon ab, Wahrheit aktiv umzugestalten. Was Bazyar ganz deutlich macht - sowohl thematisch als auch stilistisch: Überall sind Geschichten, nichts ist so einfach, wie man es wahrnehmen möchte. Selbst die internen Logiken von Nazis werden aufgezeigt - sehr schnell entkräftet, aber aufgezeigt. Eine Mail einer sehr rechten Figur ist eine beeindruckende Erinnerung daran, dass auch Person in dieser politischen Richtung einen moralischen Kompass haben, den sie für richtig halten. Und gerade der Umstand, dass ein Großteil der Alltagsrassisten keine durch und durch bösen Menschen sind, sondern Leute, deren Werte von außen problematisch, aber von innen in sich stimmig sind, macht es so schwer, aus der Xenophobie auszubrechen. Ich vermute, dass die Leute, die dieses Buch lesen sollten, die Protagonistinnen eher anstrengend fänden, aber für diejenigen, denen schon klar ist, wo die Probleme der Gesellschaft liegen, ist es dennoch ein wunderbarer Roman.
  • Zum Bewerterprofil von Miriam Effertz

    Miriam Effertz

    Thalia Mayersche Bergheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    02.09.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2021

    Dies ist eine leidenschaftliche Geschichte von und über drei Freundinnen, die augenscheinlich nicht in Deutschland geboren wurden, aber hier aufgewachsen sind, von denen eine nach einem Brandanschlag im Gefängnis sitzt. Kasih erzählt über Saya, sich und die gemeinsame Freundin Hani in einem eindringlichen Ton. Erläutert uns Hintergründe der unterschiedlichen Familien und deren Geschichte, ohne jedoch zu verraten, woher diese genau stammen. Immer wieder wendet sie sich auch an den Leser direkt und scheint bis in unsere Gedanken schauen zu können. Wir erfahren, was Saya so wütend gemacht hat. Können nachfühlen, wie sich die Geschichte entwickelt hat. An keiner Stelle allerdings soll die Erzählung eine Entschuldigung bieten - und gerade das macht dieses Buch so fesselnd. Shida Bazyar brennt mit ihren drei Protagonistinnen - jede auf ihre Weise durch die Herkunft mit Vorurteilen konfrontiert. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und gibt diesen Mädchen eine Stimme.
  • Zum Bewerterprofil von Matthias Kesper

    Matthias Kesper

    Thalia Kassel

    Buchhändler*in

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    5/5

    28.07.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    "Seid ihr entsetzt, dass ich euch das unterstelle? Aber man kann euch nun mal nur halb vertrauen..."

    Da hat man also ein Buch gelesen, das einen von der ersten bis zur letzten Seite völlig gefesselt hat. Das provokant ist, fast rechthaberisch wirkt, und doch nur die Wahrheit transportiert, verpackt in die Geschichte dreier Frauen, ihrer Freundschaft seit Kindertagen "in der Siedlung", der Beschreibung einer ungeheuerlichen Tat und der letzten Tage davor - und einem für den Leser beschämenden großartigen Twist am Ende des Buchs. Einem Twist, der eines Krimis würdig wäre, und der hier noch viel passender die Geschichte abschliesst! Sie werden in diesem Fall, bei dieser Rezension, mir einfach tatsächlich vertrauen müssen: Lesen Sie dieses Buch! Es wird ihren Horizont erweitern, sie werden viele alltägliche Situationen und Verhaltensweisen ihrer Mitmenschen wiedererkennen, für die es keine Entschuldigungen, höchstens Erklärungen, gibt. Und die Pflicht, wir lieben doch hier diesen Ausdruck, etwas zu ändern - im Miteinander, im gemeinsamen Leben! Shida Bazyars Roman ist sprachlich einfach gewaltig, er ist dicht, ehrlich und unter die Haut gehend - und er sollte Pflichtlektüre werden. Nicht nur an den Schulen, wobei man den großen Vorteil hätte, dass alle Schüler Spaß am lesen hätten (Es ist doch ein weiter Weg von Werthers Selbstmord zu Sayas Tat, so recht kann sich mit Herrn Goethe heute denn doch wohl niemand mehr identifizieren...)! Nein, dieser Roman kann auch Mauern in den Köpfen Erwachsener, vielleicht sogar in denen "weißer alter Männer" (zu denen der Rezensent ja auch irgendwie denn doch schon zählt...)einreissen, er ist einfach unglaublich gut! Also, erwerben, lesen, verstehen, begeistert weiter reichen, drüber reden - nötig ist es!!!

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Bewertungen (14)

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