Die heimatlose Erzählerin verlässt New York, um am Internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin zu arbeiten. Als sie Adriaan kennenlernt, scheint Den Haag zur Antwort ihrer Sehnsüchte zu werden. Doch dann verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und hinterlässt nichts als Fragen. Fragen, die sich zu einem existenziellen Abgrund auftun, als sie für einen angeklagten westafrikanischen Kriegsverbrecher dolmetschen muss und zweifelt: Was ist kalkulierte Lüge, was Wahrheit? Glauben nur noch die Naiven an Gerechtigkeit? Wer kann über wen richten? Wer legt unsere Weltordnung fest? Kitamuras kraftvoller Roman ist ein anregendes intellektuelles Vergnügen mit hypnotischer Sogwirkung.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
nil_liest
aus RheinMain Gebiet
5/5
24.11.2022
Hörbuch (Audio)
Interpretation der Sprache
Ein Hörgenuss! Ich lauschte dem Text nicht nur gerne, weil er unfassbar gut ist, sondern auch, weil Katja Danowski ihn fabelhaft gelesen hat! Sie modelliert den Text mit der Stimme und macht das ganze plastischer mit der Art und Weise wie sie es liest.
Im Roman geht um eine kosmopolitische Frau, die durch einen neuen Job am internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin nach Den Haag kommt. Sie kennt die Welt, ist viel mit ihren Eltern gereist und oft umgezogen. Sie spricht mehrere Sprachen fließend -eine Weltbürgerin.
Der Roman erzählt aus Sicht der Protagonistin ihre Erlebnisse in Den Haag nach ihrer Ankunft und die folgenden Monate, ist aber zugleich auch so viel mehr. Wir lernen eine kluge und reflektiere Frau kennen, die ihren Einsätzen am Gerichtshof und ihre rTätigkeit als Dolmetscherin viel Raum gibt und deren Wichtigkeit reflektiert. Spannend fand ich besonders zu hören wie das Übersetzen auseinandergenommen wird und wie Übersetzungen in solchen Gerichtsverhandlungen einen Einfluss haben.
Neben diesem, aus meiner Sicht leitenden Erzählstrang, gibt es auch einen neuen Mann in ihrem Leben. Der allerdings in ungeordneten Verhältnissen auf sie trifft, da er in einer kaputten Ehe lebt und Kinder hat. Auch hier eher nüchtern erzählt, aber auf ehrliche reflektierte Art. Das Leben zweier Menschen mit Bodenhaftung wird uns präsentiert, die pragmatisch die Umstände und ihre Gegenseitige Zuneigung unter einen Hut bringen wollen.
Überhaupt schafft es Katie Kitamura in ihrer ruhigen Erzählart viel aus den Figuren herauszuholen ohne viel Handlung zu nutzen. Ein wirklich gelungener Text und hier in knapp 6 Stunden toll gelesen! Ich kann es sehr empfehlen!
nil_liest
aus Frankfurt
5/5
24.11.2022
Hörbuch (Audio)
Interpretation der Sprache…
Interpretation der Sprache Ein Hörgenuss! Ich lauschte dem Text nicht nur gerne, weil er unfassbar gut ist, sondern auch, weil Katja Danowski ihn fabelhaft gelesen hat! Sie modelliert den Text mit der Stimme und macht das ganze plastischer mit der Art und Weise wie sie es liest. Im Roman geht um eine kosmopolitische Frau, die durch einen neuen Job am internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin nach Den Haag kommt. Sie kennt die Welt, ist viel mit ihren Eltern gereist und oft umgezogen. Sie spricht mehrere Sprachen fließend -eine Weltbürgerin. Der Roman erzählt aus Sicht der Protagonistin ihre Erlebnisse in Den Haag nach ihrer Ankunft und die folgenden Monate, ist aber zugleich auch so viel mehr. Wir lernen eine kluge und reflektiere Frau kennen, die ihren Einsätzen am Gerichtshof und ihre rTätigkeit als Dolmetscherin viel Raum gibt und deren Wichtigkeit reflektiert. Spannend fand ich besonders zu hören wie das Übersetzen auseinandergenommen wird und wie Übersetzungen in solchen Gerichtsverhandlungen einen Einfluss haben. Neben diesem, aus meiner Sicht leitenden Erzählstrang, gibt es auch einen neuen Mann in ihrem Leben. Der allerdings in ungeordneten Verhältnissen auf sie trifft, da er in einer kaputten Ehe lebt und Kinder hat. Auch hier eher nüchtern erzählt, aber auf ehrliche reflektierte Art. Das Leben zweier Menschen mit Bodenhaftung wird uns präsentiert, die pragmatisch die Umstände und ihre Gegenseitige Zuneigung unter einen Hut bringen wollen. Überhaupt schafft es Katie Kitamura in ihrer ruhigen Erzählart viel aus den Figuren herauszuholen ohne viel Handlung zu nutzen. Ein wirklich gelungener Text und hier in knapp 6 Stunden toll gelesen! Ich kann es sehr empfehlen!
thanos2020
5/5
01.09.2022
Hörbuch (Audio)
Ein faszinierendes Buch Auch…
Ein faszinierendes Buch Auch wenn der Titel des Buches und das Cover mit den einander zugewandten, sich berührenden Gesichtern eine Liebesgeschichte erwarten lassen, geht es in dem Roman der amerikanischen Autorin Katie Kitamura um viel mehr. Die Ich-Erzählerin, eine entwurzelte junge Frau, kommt als Dolmetscherin an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Sie verliebt sich in einen Mann, der sie aufgrund einer anscheinend tragischen Trennungsgeschichte fasziniert, der aber sehr schnell verschwindet und sie über ihre Beziehung im Unklaren lässt. Eine weitere komplizierte, verwirrende und befremdlich intime Beziehung entwickelt sie zu einem angeklagten Kriegsverbrecher, für den sie dolmetscht. Der Roman beschreibt in einer sehr besonderen, geschliffenen Sprache das Leben und Gefühlsleben dieser jungen Frau und gibt detailliert Einblick darin, wie eine Dolmetschertätigkeit funktioniert. Offensichtlich hat sich die Autorin sehr genau mit diesem Berufsbild beschäftigt und es wird deutlich, dass die reine Übersetzertätigkeit nur ein Teil der Arbeit ist. Für Leser, die Den Haag kennen, ist es ein Vergnügen an bekannte Orte dieser Stadt geführt zu werden, andere bekommen vielleicht Lust hinzufahren. Ich gebe dem Buch 5 Sterne, da ich keinen wirklichen Kritikpunkt finden kann.
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
4/5
05.09.2022
Hörbuch (Audio)
Gutes Hörbuch
Intimitäten
Katie Kitamura,
gelesen von Katja Danowski
Unsere namenlose Ich-Erzählerin zieht von New York nach Den Haag, um eine Stelle am Internationalen Gerichtshof anzutreten.
Es soll ein Neuanfang werden. Dieser gestaltet sich aber für die eher introvertierte Dolmetscherin nicht einfach. Immer wieder hadert sie damit, dass sie zu wenig Abstand zu den Angeklagten hat. Männer, die unter anderem des Massenmordes an Kindern und Frauen angeklagt sind. Es ist diese Intimität, diese Nähe, die entsteht, wenn man ihnen die Übersetzung in Abstand von 5 cm ins Ohr flüstert.
Und auch sonst läuft es nicht gut: In unmittelbarer Nähe wird ein Mann überfallen und schlimm zugerichtet. Sie hätte auch das Opfer sein können.
Auf einer Party lernt sie Adriaan kennen und verliebt sich in ihn. Dieser ist noch verheiratet, wenn auch bereits getrennt lebend. Adriaan macht sich nach Portugal auf, um die Trennung mit seiner Frau zu besprechen. Doch aus ein paar Tagen werden Wochen und dann bricht der Kontakt zu ihm ganz ab. Unsere Protagonistin befürchtet schlimmstes.
Wer jetzt einen Thriller erwartet, liegt hier falsch, dennoch spürt man fortlaufend eine Bedrohung. Das Buch lebt davon, dass die Protagonistin so eindringlich und facettenreich erzählt, dass man förmlich das Gefühl hat dabei zu sein.
Die Sprecherin des Hörbuches hat eher eine empathiearme Stimme, aber genau diese brauchte das Buch! Ausserdem gefiel mir der Einblick am Internationalen Gerichtshof aus der Perspektive einer Dolmetscherin.
4/ 5 und eine Leseempfehlung.
dracoma
aus LANDAU
4/5
02.09.2022
Hörbuch (Audio)
Die äußeren Gegebenheiten…
Die äußeren Gegebenheiten dieses Romans sind schnell erzählt: Eine junge Frau, Dolmetscherin von Beruf, verlässt nach dem Tod ihres Vaters und dem Wegzug der Mutter ihre Heimatstadt New York. Sie zieht nach Den Haag und arbeitet dort am Internationalen Gerichtshof. Thema des Romans sind weniger diese äußeren Dinge, sondern die innere Entwicklung, die die Erzählerin durchläuft. Sie hat die Sicherheit ihrer Familie und ihrer Heimat verloren und muss sich nun neu orientieren: beruflich und auch privat. Ihre Welt bekommt Risse. Fast unmerklich, dann immer deutlicher dringt Gewalt in ihr Leben ein. Zunächst hört sie nur von einem Überfall in ihrer Nähe, dann trifft sie schließlich selber das Opfer. In gigantischem Ausmaß wird sie jedoch beruflich mit Gewalt konfrontiert, als sie die Verhandlungen und Beratungen mit einem afrikanischen Ex-Präsidenten dolmetschen muss, der wegen Kriegsverbrechen angeklagt ist. Ihr Beruf verlangt eine sachliche Wiedergabe des Gehörten, und sie erkennt, dass jede Übersetzung zugleich eine Interpretation des Gehörten ist, und zwar nicht nur verbal, sondern auch Stimmführung, Stimmfärbung etc. verleihen dem Gesagten Sinn. Diese Problematik bringt Risse in ihr Berufsbild. Dazu kommt, dass sie mit grausamen Tatsachen konfrontiert wird, die es ihr schwer machen, unparteiisch zu dolmetschen. Zudem sieht sie sich nonverbalen Einschüchterungsversuchen des Angeklagten ausgesetzt, einer charismatischen Führernatur. Sie erkennt die Theatralik der Verhandlungen und schließlich auch die begrenzte Kompetenz des Gerichts: auch ihr Vertrauen in Gerechtigkeit bekommt Risse. Und ihr Privatleben auch... Der Titel „Intimitäten“, der mich zunächst gestört hat, erweist sich als sehr stimmig. Die Ich-Erzählerin rückt aufgrund ihrer scharfen Beobachtungsgabe und ihrer hohen Reflektionsfähigkeit sehr nahe an die Menschen heran und erkennt Verborgenes - auch beruflich, wenn sie direkt in das Ohr des Angeklagten spricht, s. Cover. Die Intimität dieser Begegnung lässt sie den Verbrecher als Menschen erkennen und sie erkennt die Gefahr, die Perspektive des Angeklagten einzunehmen. Die Autorin nimmt den Leser/Hörer mit in die Dolmetscher-Situationen am Gerichtshof, über die sie sich offensichtlich umfassend und gründlich informiert hat. Sie nimmt den Leser/Hörer auch mit in das Alltagsleben der namenlosen Ich-Erzählerin, die ihr Zuhause sucht: ihre Einsamkeit, ihre Enttäuschungen, ihre Gedanken und Gefühle. Die sprachliche Präzision der Autorin passt zu der präzisen und empathischen Beobachtungsgabe der Protagonistin. Die Handlung fließt ruhig dahin, es sind nur schwache Spannungsbögen zu erkennen, dennoch war mir das Buch keine Sekunde langweilig. So wie die Ich-Erzählerin nahe an die Menschen heranrückt, so rückt die Autorin ihre Protagonistin nahe an den Leser/Hörer heran.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
12.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Macht der Worte oder Wo beginnt Nähe?
Ein großartiger, vielschichtiger und faszinierender Roman über Wahrheit und Gerechtigkeit, den die Autorin hier vorlegt, nachdem ich ihren Roman „Trennung“ schon mit maßloser stiller Begeisterung gelesen habe.
Hier geht es um eine junge Frau, die auf der Suche nach sich und ihrem Platz im Leben ist. Sie hat sich gerade beruflich verändert, ist nach Den Haag gezogen, um dort am Internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin zu arbeiten. Hier lernt sie den etwas undurchsichtigen Adriaan kennen und lässt sich auf eine intime Beziehung mit ihm ein.
Zugleich wird sie bei ihrer Arbeit mit einem Kriegsverbrecher konfrontiert, für den sie übersetzen muss, und auch da beginnen die Intimitäten, die in jedem Wort, in jeder Geste, in jedem Ton liegen.
Katie Kitamuras Schreibstil ist zurückgenommen, sachlich und nüchtern, doch auch mitreißend und eindringlich, so dass sich fast eine intime Situation zwischen Leser und Autor entwickelt.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
21.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Intimität von Sprache
Die Arbeit am Internationalen Gerichtshof in Den Haag hatte für mich auf den ersten Blick wenig mit Intimität zu tun. Ganz im Gegenteil werden dort doch Verbrechen verhandelt, zu denen man in einer zu tiefst menschlichen Reaktion so viel Abstand wie möglich wahren möchte. Doch diesen Abstand kann sich die Protagonistin im neuen Roman von Katie Kitamura , die für uns Leser*innen überraschenderweise namenlos bleibt - uns wird hier keine Intimität zugestanden, wir werden auf Distanz gehalten, als Dolmetscherin nicht leisten:
"Meine Aufgabe besteht darin, den Abstand zwischen den Sprachen so klein wie möglich zu halten."
Ihre Aufgabe ist es, die Aussagen von Tätern, Opfern und Zeugen so genau wie möglich zu übersetzen, jede noch so kleine Nuance zu berücksichtigen, um die Wirkung der Aussage, vor allem aber jene der dahinterstehenden Person nicht zu verfälschen und damit den Verlauf der Verhandlung nicht zu beeinflussen.
Welche Intimität dabei entsteht, wenn man die einzige Person im Saal ist, die die Sprache des Opfers spricht,
"Als ich hinuntersah, durchschauerte es mich - wie seltsam es war, ihre Worte für sie zu sprechen, wie verkehrt, dieses ich zu benutzen, das ihr gehörte und nicht mir, dieses Wort, das nicht geräumig genug war.",
darüber schreibt Katie Kitamura meisterhaft. Sie schreibt über Sprache, wie wichtig sie für uns ist, wie wichtig ihre Feinheiten für unsere zwischenmenschliche Interaktion sind und wie sie als Bindeglied oder auch als trennendes Element wirken kann.
Ich kann mich nicht daran erinnern, einmal etwas ähnlich Intensives gelesen zu haben, aber ich möchte in Zukunft bitte ganz viel mehr davon liebe Katie Kitamura.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
07.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ambivalenz einer Dolmetscherin zwischen Nähe und Distanz
Die Ich-Erzählerin, deren Namen nicht erwähnt wird, zieht von New York nach Den Haag, um dort als Dolmetscherin am Gerichtshof zu arbeiten. Sie fühlt sich fremd, findet jedoch schnell Anschluss und lernt ihren Freund Adriaan kennen, der in Scheidung zu leben scheint. Als er plötzlich nach Lissabon zu seiner Familie reist, bleibt die Ich-Erzählerin ratlos in seiner Wohnung zurück. Sie geht ihrer Tätigkeit als Übersetzerin nach, was sie erfolgreich meistert und schließlich befördert wird. Ab diesem Zeitpunkt dolmetscht sie für einen Ex-Präsidenten, der vor dem internationalen Gerichtshof wegen grausamen Menschenrechtsverletzungen angeklagt ist. Die Protagonistin ist somit nicht nur privat, sondern auch beruflich hin- und hergerissen. Katie Kitamura schafft auf einer verbalen wie auch einer nonverbalen Ebene die Herstellung von Distanz und Nähe zwischen den einzelnen Protagonisten. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit sich Menschen vertrauen können, wie übersetzte Worte wirken und wo die Wahrheit liegt und zu suchen ist.
Durch Kitamuras Erzählstil wird eine Spannung erzeugt, wodurch ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
10.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sprache und Intimität
Eine heimatlose, junge Frau reist von New York nach Den Haag, um als Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof zu arbeiten. Sie übersetzt in einem Kriegsverbrecherprozess sowohl die Worte eines Ex-Diktators als auch die des Opfers. Das führt zu innerer Zerrissenheit.
Wo liegt die Wahrheit? Und wie nahe kann ich einem anderen Menschen kommen, wenn ich seine Sprache übersetze?
Katie Kitamura schafft mit unglaublicher Präzision eine Atmosphäre, die diese Gedanken aufkommen lässt und erzeugt gleichzeitig Spannung, die mich ergriffen hat.
Ein bewegendes Buch.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.