Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ein wirklich gelungener Roman über den Struggle mit Sucht und Traumata, die Bedeutung von Freundschaft und den Versuch Nähe zuzulassen.
Emmas Job im Späti ist alles andere als eine Erfüllung. Aber er sorgt dafür, dass sie über die Runden kommt. Ganz nebenbei ist sie von Weinflaschen umgeben, von denen sie ehrlich gesagt zu viel trinkt - auch während der Arbeit. Als die Schülerpraktikantin Ingrid in ihr Leben tritt, stellt sich alles auf den Kopf. Denn die Teenagerin ist schlagfertig und spricht Dinge aus, die Emma lieber ungesagt gelassen hätte.
Dieses Buch hat mir so wahnsinnig gut gefallen, dass ich einfach nur schwärmen möchte. Emma ist eine schwierige Protagonistin, die mich oft zum Verzweifeln gebracht hat. Zeitgleich wollte ich sie wirklich gerne in den Arm nehmen. Sie hat einfach so viele Baustellen und niemanden, der sie mit ihr angeht. Schließlich stößt sie jeden möglichen menschlichen Kontakt zeitnah vor den Kopf - bis Ingrid im Späti anfängt.
Das Mädchen gefiel mir ausgesprochen gut. Ihre Schlagfertigkeit, ihre weisen Sprüche und die liebenswerte Art haben mich direkt eingenommen.
Die Dynamik, die zwischen den Beiden entsteht, hat den Roman wirklich zu etwas Besonderem gemacht.
Zusätzlich mochte die Message des Buches. Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil und eine wirkliche Kreativität, die sich beispielsweise in der Originalität der Spitznamen von Ben oder Leo beweist.
Das Buch kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt ist eine wunderbare Mischung aus Tiefgründigkeit und Humor. 5 Sterne von mir und damit eine absolute Empfehlung.
Bewertung
5/5
17.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Berliner Schnauze, großen Gefühlen und ganz viel Herz
Emma arbeitet in einem Berliner Späti und versucht, ihre Vergangenheit mit Alkohol, Kontrolle und Verdrängung auf Abstand zu halten. Doch neue Begegnungen bringen ihre sorgfältig errichteten Mauern ins Wanken und plötzlich steht die Frage im Raum, ob sie bereit ist, andere Menschen wirklich an sich heranzulassen.
Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet, aber dass ich so oft grinsen, laut lachen und im nächsten Moment innehalten würde, definitiv nicht.
Laura Wagner hat einen Schreibstil, der frech, direkt, selbstironisch und unglaublich sympathisch ist. Die kurzen Kapitel und die spritzigen Dialoge haben dafür gesorgt, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Vor meinem inneren Auge lief ständig ein Film ab, ich hatte das Gefühl, selbst im Berliner Späti zu stehen und das bunte Treiben zu beobachten.
Besonders die Dialoge haben es mir angetan. Sie sprühen nur so vor Sarkasmus, Schlagfertigkeit und trockenem Humor. Gleichzeitig steckt zwischen den Zeilen viel Tiefgang. Vor allem die Gespräche zwischen Emma und Leo sind Wortgefechte auf Augenhöhe, mal bissig, mal nachdenklich und mit jeder Begegnung ein Stück ehrlicher.
Ich war zwar nie Berlinerin, aber genauso stelle ich mir die berühmte Berliner Schnauze vor: direkt, ehrlich, rotzfrech und trotzdem herzlich. Das verleiht dem Roman einen ganz eigenen Ton, der sich von vielen anderen Büchern abhebt!
Der Späti als Hauptschauplatz war für mich außerdem eine geniale Idee. Er ist nicht nur ein Kiosk, sondern ein Ort voller Begegnungen, an dem die unterschiedlichsten Menschen und Geschichten zusammenkommen.
Zwischen all dem Humor geht es um Scham, Einsamkeit, Freundschaft, Liebe und den Mut, alte Muster endlich zu durchbrechen. Jede Figur trägt ihr eigenes Päckchen mit sich herum, wodurch sich der Roman trotz seiner Leichtigkeit unglaublich authentisch anfühlt.
Für mich ist Tutto Bene ein herrlich humorvoller Roman, der mitten ins Herz trifft und zeigt, wie wertvoll es sein kann, Menschen eine Chance zu geben, sich zu öffnen und das Leben wieder ein Stück mehr zuzulassen. Eine absolute Leseempfehlung von mir.
Daniela
3/5
18.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ja oder nein oder alles dazwischen?
Laura Wagner erzählt in Tutto Bene die Geschichte von Emma, die den Halt in ihrem Leben verliert. Zwischen Selbstzweifeln, Alkohol und der Sehnsucht nach einer Richtung für ihr Leben begleitet der Roman ihren immer tiefer werdenden Fall und den mühsamen Weg zurück zu sich selbst.
Besonders gelungen ist die Darstellung von Emmas innerer Zerrissenheit. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, wie leicht der Wunsch, Schmerz zu betäuben, in eine Spirale aus Verdrängung und Selbstsabotage führen kann. Emma ist dabei keine Protagonistin, die man durchgehend sympathisch findet. Im Gegenteil – beim Lesen macht sie einen mit ihren Entscheidungen stellenweise fast wahnsinnig, weil sie sich immer wieder selbst im Weg steht. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie und ihr Suchtproblematik jedoch authentisch und nachvollziehbar.
Einen schönen Gegenpol bilden die Figuren im Späti, die der Geschichte Herzlichkeit und Leichtigkeit verleihen. Auch der "Matrose" Leo sorgt mit seiner beharrlichen Art für berührende Momente. Seine Rolle wirkt stellenweise zwar etwas idealisiert und nicht immer ganz realitätsnah. Auch die junge Retterin Ingrid ist für ihr junges Alter für meinen Geschmack zu weise und zu parentifiziert. Als Schülerin sich adäquat ,und mit immer der vernünftigen Antwort, um eine Suchtkranke zu kümmern wirkt zu sehr konstruiert. Sehr passend dargestellt finde ich den Jäger. Hier hat die Autorin es geschafft einen sehr realistischen unangenehmen Charakter in der Datingszene zu verschriftlichen.
Laura Wagner vermittelt eine klare Botschaft: Wer nicht untergehen möchte, muss irgendwann selbst anfangen zu schwimmen – oder den Mut finden, nach einer helfenden Hand zu greifen. Tutto Bene ist ein kurzweiliger Roman mit einer wichtigen Thematik, sympathischen Nebenfiguren und einem eher undaufgeregten, ruhigen Plot.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
3/5
17.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was ist schon normal …
Man möchte Emma, die Protagonistin in Laura Wagners Debütroman “Tutto Bene”, oft einfach mal in den Arm nehmen und ihr helfen aufzuhören, sich das Leben selbst schwer zu machen. Nach einem abgebrochenen BWL-Studium arbeitet sie in einem Berliner „Späti“ und schleppt einige Kindheitstraumata mit sich herum. Ihr Alltag besteht aus Kalorienzählen, Essen weitgehend meiden - dafür braucht sie immer mehr Alkohol, um ihre Gefühle abzuschirmen. Als plötzlich Praktikantin Ingrid im Späti auftaucht, ist Emma überhaupt nicht begeistert:
„‘Praktikum im Späti. Ihr spinnt doch. Was soll sie denn hier lernen? Welche Haribo-Sorten es gibt?’
‘Reg dich ab, ist doch cool. Haste ein bisschen Unterstützung zur Nachtschicht.’
‘Nachtschicht? Wie alt ist sie? Zwölf?’
‘Ich kann dich hören. Und ich bin nicht zwölf, sondern fünfzehn.’
Wie bestellt und nicht abgeholt steht das Mädchen neben mir. Sie, sehr viel erwachsener als ich, macht den Anfang und streckt mir ihre Hand entgegen.
‘Ingrid. Und du musst dann wohl Emma sein.’
‘Ingrid. Was für ein Name. Kommst du vom Dorf?’
Ich übertreibe etwas, aber kann nicht anders.“
Doch Ingrid erobert mit ihrer direkten, aufgeschlossenen Art nicht nur das Herz von Stammkunde Udo, Zocker und Schoko-Junkie, sie dringt ungefragt auch in Emmas emotionale Schutzmauern ein.
Als Emma „den Matrosen“ (eigentlich Buchhändler) Leo kennenlernt, der „einer von den Guten“ ist und eine feste Beziehung möchte, muss Emma sich ihren Beziehungsängsten und mangelndem Selbstwertgefühl stellen … Natürlich verbockt sie das dank Alkohol und unüberlegter Aktionen so richtig. Doch Ingrid und Leo lassen nicht locker, bis Emma sich ihren Ängsten und Problemen stellt.
„‘Ich trau mich gar nicht zu fragen‘, sagt Ingrid.
Die anderen schütteln nur den Kopf und ich bin im Spiegelkabinett. Vor ihnen kann ich nicht davonlaufen. Mindestens Ingrid hängt mir an den Fersen.
‚Manchmal denk ich, dass du auf deinem Weg durchs Leben ständig in kilometertiefe Löcher fällst. Eigentlich sind es schon keine Löcher mehr, sondern Krater. Und sobald du aus einem wieder rausgekrabbelt kommst, wartet schon der nächste auf dich. Das kann nicht gesund sein. Du musst echt auf dich aufpassen und zur Abwechslung mal normale Sachen machen.‘
‚Was ist schon normal.‘“
Laura Wagners Schreibstil kommt frisch und locker daher, jedoch fehlte mir an manchen Stellen etwas Tiefe. Ich finde, sie hat das vorhandene Potential dieser Geschichte nicht voll ausgeschöpft.
„‘Warum steht eigentlich Duolingo auf deinem Zettel?’
‘Weil du irgendwas brauchst, das dich ablenkt und dich nicht verblödet. Also bin ich der Meinung, du solltest eine Sprache lernen.’
Ingrid schaut mich an und wartet auf Protest.
‘Tutto bene’, sag ich.
‘Super. Also Italienisch.’
‘Hast du noch nie was von Sarkasmus gehört?’
‘Mir ist egal, wie du das nennst. Das, was ich meine, nennt sich Realität.’“
Obwohl mir ihre Romanfigur Ingrid schnell ans Herz wuchs, wirkte sie für ihr Alter schon fast zu perfekt bzw. weise und deshalb etwas unauthentisch.
„‘Schönen Dank für die Zusammenfassung.’
‘Immer gern.’
Udos Gesichtsausdruck wechselt von ernster zu milder Miene.
‘Cooles Schildkrötentattoo, by the way.’
‘Ja, oder? Ist für Ingrid. Also nicht nur, aber schon sehr.’
‘Weil sie so weise ist?’
Er versteht mich.
‘Ja. Weil sie mich irgendwie rettet.’
‘Komisch, oder? Der Terrorzwerg ist Therapie in Reinstform.’
Wir schmunzeln und sind kurz ein Team, … […]“
Bei Emma bin ich zwiegespalten, bei ihrer Darstellung fehlte mir irgendwie etwas. Die männlichen Charaktere Leo und Ben waren mir durch die übertriebene Schwarz-Weiß-Darstellung etwas zu klischeehaft.
Für mich war „Tutto Bene“ insgesamt ein netter Roman mit guten Ansätzen, der aber meine Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte. Für diese Geschichte über Bindungsängste, Alkoholprobleme und Essstörungen vergebe ich 3 von 5 Sternen. Ich bleibe aber definitiv gespannt, was wir in Zukunft noch von Laura Wagner lesen werden.
Vielen Dank an den DuMont Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
lauras_garden_of_books
2/5
20.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich wollte es so gerne mögen…
„ Die einzige Art, das Leben zu meistern, besteht darin, es zu lieben.“ (S. 229)
Emma steckt fest - Verkorkste Kindheit, verkorkstes Studium, verkorkstes Leben.
Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich mehr schlecht als recht in einem Späti, ihre Gefühle spült sie mit Weißwein runter, vor ernsthaften Beziehungen läuft sie davon - denn da lässt sich eine Fassade ja nicht ewig aufrechterhalten.
Dieses trostlose Dasein wird aufgerüttelt, als die 15-jährige Ingrid ein Praktikum im Späti macht. Ingrid bringt eine für ihr Alter fortschrittliche Lebensweisheit mit, sieht sofort, was bei Emma abgeht und drückt schnell so manchen Schalter.
Und dann lernt Emma auch noch Leo kennen, der hinter ihre Fassade blickt, und nicht davonläuft und ihr die Hand entgegenstreckt - doch kann sie sich die Blöße geben, diese anzunehmen?
Anfangs war ich noch sehr angetan von dem Buch; Laura Wagners Schreibstil liest sich sehr locker und flockig weg, die Dialoge haben Spaß gemacht und konnten mit viel Schlagfertigkeit punkten. Ingrid war ein super Charakter, Stammgast Udo mochte ich auch sehr und wie die Begegnungen und Gespräche im Späti immer tiefer wurden, war schön gemacht. Und Leo ist ein Mann, wie man ihn sich nur wünschen kann.
Emma allerdings hat mich im Laufe des Buchs schon einige Nerven gekostet und letztendlich wahnsinnig gemacht; ja, sie hat es nicht einfach im Leben gehabt und viele Steine in den Weg gelegt bekommen. In so einem Fall gibt es immer zwei Möglichkeiten; entweder man geht in die Opferrolle und gibt seiner Vergangenheit die Schuld und Rechtfertigung dafür, dass Nichts im Leben läuft und dass das auch so bleibt, oder man schaut sich den Mist der Vergangenheit an, lernt daraus, und probiert es besser zu machen. Emma suhlt sich in ihrer Opferrolle und bekommt im Laufe des Buchs so viele Chancen und helfende Hände auf dem Silbertablett präsentiert; und jedes Mal rutscht sie in ihre alten Verhaltensweisen zurück, jedes Mal schlägt sie die Hilfe aus und jedes Mal reagiert sie mit Kurzschlusshandlungen, wo man von vornherein weiß, dass sie ins Verderben führen und sie sabotiert schlichtweg alles. Ich verstehe, dass der Charakter so angelegt ist und der Roman den „Weg da raus“ porträtieren soll. Allerdings ist Emmas Entwicklungskurve gleich null, lediglich auf den letzten 2 Seiten probiert sie einen Schritt in die richtige Richtung, den ich ihr ehrlich gesagt dann auch nicht mehr ganz abnehme. Für mich hätte der Start und die ersten Schritte Richtung Veränderung schon viel eher passieren müssen; ich hätte so gerne mitverfolgt, wie Emma stets mehr ihre Rüstung fallenlässt und wenigstens versucht, Hilfe anzunehmen und an sich zu arbeiten, auch wenn es noch nicht so recht geklappt hätte; so aber zog sich das Elend ewig über 284 Seiten hinweg, Situationen wiederholen sich und enden immer im gleichen Fiasko. Ich bin richtig traurig und es tut mir auch sehr leid um diese Worte, aber für mich wurde die ansprechende Grundprämisse des Romans leider nicht ausgeschöpft. Dies ist keine Geschichte, wie man sein Leben ändert, sondern eine, wie man es schafft, darin steckenzubleiben.
Ich wollte das Buch so gerne mögen, aber leider hat es mir die Protagonistin sehr schwer gemacht..
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5/5
19.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sardonismus im Späti
Dieser Roman erzählt von der Schwierigkeit, immer wieder an sich selbst zu scheitern - und dem Mut, dennoch nicht unterzugehen. Protagonistin Emma fragt sich, warum alle außer ihr das 'Glücklich-Sein' beherrschen, während sie sich selbst im Weg steht. Das frustriert und schmerzt uns Lesende gleichermaßen.
Wortgewandt und humorvoll geschrieben, vermittelt der Roman trotz seiner schweren Thematik ein Gefühl von Hoffnung und bleibt dabei stets authentisch. Von mir eine absolute Empfehlung!
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5/5
16.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen den Regalen
Ich war noch nie in Berlin in einem Späti. Nach diesem Buch kam es mir vor, als hätte ich dort schon die eine oder andere Nachtschicht verbracht :-) Es ist der Arbeitsplatz von Emma, die nach abgebrochenem Studium ziellos unterwegs ist und Ingrid, 15-jährig, die ein Schülerpraktikum absolviert und ein erstaunlich feines Gespür für ihr Umfeld besitzt. Eine Geschichte zwischen Müller-Thurgau, der Suche nach Nähe und vielen Gefühlen. Die Sprache so ungeschliffen, dass ich mich gelegentlich wie eine Touristin im eigenen Sprachraum fühlte. Herrliche Figuren, ein Lesevergnügen mit Überraschungseffekt.
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5/5
13.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hart, aber zärtlich
Dieses Buch hat Wumms: sprachlich mitreißend, außergewöhnlich und explosiv, inhaltlich mit leichten Schwächen, die aber leicht zu ignorieren sind.
Für Emma besteht das Leben nach dem Abbruch ihres Studiums aus den Schichten im Späti und der innigen Beziehung zu Müller-Thurgau. Den trinkt sie nicht nur zuhause, sondern auch bei der Arbeit, heimlich, aus einer Kaffetasse unter dem Tresen. Eigentlich will Emma nur vergessen, am liebsten alles. Vor allem aber ihren Vater, den Säufer, der einmal jemand war und dann plötzlich niemand mehr. Keine verlässliche Größe und ein Vorbild schon gar nicht. Mit Ingrid hat sie dabei so gar nicht gerechnet. Als die fünfzehnjährige im Späti ein Schülerpraktikum absolviert, bringt sie mit ihrer Schlaumeierei nicht nur den Einsiedler Udo auf Vordermann. Auch Emma muss dran glauben. Wie gut, denn als Leo auftaucht, der Matrose, wird es wirklich Zeit, dass sie ihr Leben auf die Reihe bekommt, denn der Matrose ist es wert, auf jeden Fall!
Das Buch hat Schlagkraft und das Zeug dazu, einen wirklich umzuhauen. Emmas Geschichte ist hart und ihrem Alltag kann man manchmal nur schwer mit aushalten. Am liebsten möchte man sie schütteln, aber dafür gibt es ja Ingrid. Die, das muss ich leider sagen, vielleicht etwas zu erwachsen geraten ist. Sprachlich auf jeden Fall ein Highlight: hier verschmelzen Poesie und Gossenslang zu einer ganz außergewöhnlichen Kombination. Ich mochte es sehr!
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5/5
11.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Toxische Beziehung mit sich selbst
Caroline Wahl meets Heinz Strunk:
"Tutto bene" ist starker Tobak. Emma mäandert zwischen Späti und Vino hin und her, von einem glücklichen Leben ist sie weit entfernt. Dabei steht sie sich vor allem selbst im Weg und das tut beim Lesen einfach weh.
Neben den Figuren des Romans ist es aber Laura Wagners großes sprachliches Können, dass mich vollends überzeugt hat! Pur, ungeschönt, ehrlich, die Worte wie vom Straßenrand aufgelesen und auf poetische Art zusammengefügt - eine gnadenlos gute Mischung!
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