Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Lesens_werte
5/5
25.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Starkes Buch
Essen? Braucht Emma eigentlich nicht. Wein? Unbedingt! Nicht nur während ihrer Schichten in einem Berliner Späti ist Müller-Thurgau ihr bester Freund, sondern auch als Starter in den Tag oder Einschlafhilfe sehr beliebt. Dieses Verhältnis wird erst erschüttert durch den Auftritt von Ingrid in ihrem Leben. Als altkluge und pfiffige Schülerpraktikantin weicht sie Emma bald nicht mehr von der Seite, durchschaut nicht nur ihr Alkoholproblem sondern auch ihre gestörte Beziehung zu Männern. Dabei hat Ingrid doch eigentlich ihre eigenen Sorgen.
"Tutto Bene" zeichnet ein erschütterndes Bild einer jungen Frau, die mit sich selbst und den gesellschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht wird. Kindheitstraumata, Alkohol und alle Verlockungen der Großstadt haben sie zu dem gemacht, was sie heute ist. Dabei scheint das einzelne Individuum in der Masse unterzugehen. Alle ihrer direkten Mitmenschen sehen ihr Problem, keiner geht darauf ein, fragt nach dem Warum oder versucht gar zu helfen. Erst Ingrid, selbst eigentlich noch mehr Kind als Erwachsene, schafft es mit ihrem weltoffenen und unerschrockenen Blick und ihrer Ausdauer bei Emma einen Nerv zu treffen und damit vielleicht etwas zu bewirken. Ein unheimlich starkes Buch über einen kleinen Ausschnitt aus unserer Mitte, der überall zwischen uns genauso stattfinden könnte und kaum einer würde es bemerken.
Bewertung
5/5
18.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich fand‘s großartig
Ein wirklich gelungener Roman über den Struggle mit Sucht und Traumata, die Bedeutung von Freundschaft und den Versuch Nähe zuzulassen.
Emmas Job im Späti ist alles andere als eine Erfüllung. Aber er sorgt dafür, dass sie über die Runden kommt. Ganz nebenbei ist sie von Weinflaschen umgeben, von denen sie ehrlich gesagt zu viel trinkt - auch während der Arbeit. Als die Schülerpraktikantin Ingrid in ihr Leben tritt, stellt sich alles auf den Kopf. Denn die Teenagerin ist schlagfertig und spricht Dinge aus, die Emma lieber ungesagt gelassen hätte.
Dieses Buch hat mir so wahnsinnig gut gefallen, dass ich einfach nur schwärmen möchte. Emma ist eine schwierige Protagonistin, die mich oft zum Verzweifeln gebracht hat. Zeitgleich wollte ich sie wirklich gerne in den Arm nehmen. Sie hat einfach so viele Baustellen und niemanden, der sie mit ihr angeht. Schließlich stößt sie jeden möglichen menschlichen Kontakt zeitnah vor den Kopf - bis Ingrid im Späti anfängt.
Das Mädchen gefiel mir ausgesprochen gut. Ihre Schlagfertigkeit, ihre weisen Sprüche und die liebenswerte Art haben mich direkt eingenommen.
Die Dynamik, die zwischen den Beiden entsteht, hat den Roman wirklich zu etwas Besonderem gemacht.
Zusätzlich mochte die Message des Buches. Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil und eine wirkliche Kreativität, die sich beispielsweise in der Originalität der Spitznamen von Ben oder Leo beweist.
Das Buch kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt ist eine wunderbare Mischung aus Tiefgründigkeit und Humor. 5 Sterne von mir und damit eine absolute Empfehlung.
Bewertung
5/5
17.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Berliner Schnauze, großen Gefühlen und ganz viel Herz
Emma arbeitet in einem Berliner Späti und versucht, ihre Vergangenheit mit Alkohol, Kontrolle und Verdrängung auf Abstand zu halten. Doch neue Begegnungen bringen ihre sorgfältig errichteten Mauern ins Wanken und plötzlich steht die Frage im Raum, ob sie bereit ist, andere Menschen wirklich an sich heranzulassen.
Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet, aber dass ich so oft grinsen, laut lachen und im nächsten Moment innehalten würde, definitiv nicht.
Laura Wagner hat einen Schreibstil, der frech, direkt, selbstironisch und unglaublich sympathisch ist. Die kurzen Kapitel und die spritzigen Dialoge haben dafür gesorgt, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Vor meinem inneren Auge lief ständig ein Film ab, ich hatte das Gefühl, selbst im Berliner Späti zu stehen und das bunte Treiben zu beobachten.
Besonders die Dialoge haben es mir angetan. Sie sprühen nur so vor Sarkasmus, Schlagfertigkeit und trockenem Humor. Gleichzeitig steckt zwischen den Zeilen viel Tiefgang. Vor allem die Gespräche zwischen Emma und Leo sind Wortgefechte auf Augenhöhe, mal bissig, mal nachdenklich und mit jeder Begegnung ein Stück ehrlicher.
Ich war zwar nie Berlinerin, aber genauso stelle ich mir die berühmte Berliner Schnauze vor: direkt, ehrlich, rotzfrech und trotzdem herzlich. Das verleiht dem Roman einen ganz eigenen Ton, der sich von vielen anderen Büchern abhebt!
Der Späti als Hauptschauplatz war für mich außerdem eine geniale Idee. Er ist nicht nur ein Kiosk, sondern ein Ort voller Begegnungen, an dem die unterschiedlichsten Menschen und Geschichten zusammenkommen.
Zwischen all dem Humor geht es um Scham, Einsamkeit, Freundschaft, Liebe und den Mut, alte Muster endlich zu durchbrechen. Jede Figur trägt ihr eigenes Päckchen mit sich herum, wodurch sich der Roman trotz seiner Leichtigkeit unglaublich authentisch anfühlt.
Für mich ist Tutto Bene ein herrlich humorvoller Roman, der mitten ins Herz trifft und zeigt, wie wertvoll es sein kann, Menschen eine Chance zu geben, sich zu öffnen und das Leben wieder ein Stück mehr zuzulassen. Eine absolute Leseempfehlung von mir.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
3/5
29.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nicht alles ist gut…
Ein moderner „Hipsterroman“ am Zahn der Zeit, der frech und unterhaltsam geschrieben ist, jedoch seine Schwächen auf inhaltlicher Ebene hat. Jüngere LeserInnen werden Laura Wagners Roman und seine Figuren als authentisch empfinden und vieles aus ihrer eigenen Lebenswelt in Sachen Sprachstil und Milieu wiedererkennen. Im Großen und Ganzen ist das unterhaltsam, was vor allem auch an Protagonistin Emmas schlagfertiger, „rotziger“ Erzählweise liegt, aber dennoch war meiner Meinung nach nicht alles gut…
Zum einen wirken die Gegenwartsbezüge wie die Nennung von Markennamen oder Anglizismen häufig sehr gewollt und dominant, was dem Text Authentizität und Natürlichkeit genommen hat. Es hat auf mich so gewirkt, als wolle sich die Autorin zu sehr an populäre AutorInnen wie Caroline Wahl annähern und es dadurch übertreiben. Diese sprachliche und inhaltliche Überbetonung des „Hipsterstils“ hätte als bewusste Parodie lustig sein können, ist hier auf die Dauer aber eher nervend.
Zum anderen wurden mir allzu viele Probleme und Themen angerissen, die dann nicht in der nötigen Tiefe aufgearbeitet wurden. Von Alkoholproblemen und Essstörung über Lebens- und Zukunftskrisen bis hin zu Vaterkomplex und Liebesproblemen ist so gut wie jedes Dilemma der Generation X dabei. Dadurch wird der Roman der Schwere der Themen nicht gerecht und verbleibt auf einer oberflächlichen Ebene. Zwar finde ich auch, dass selbst solche Romane mit einer Prise Humor und Leichtigkeit daher kommen dürfen, wie es zuletzt z.B. Lena Kupke mit „Pause“ gelungen ist, ohne das sie dabei die nötige Tiefe vermissen lassen. Doch „Tutto Bene“ bleibt hier zu oberflächlich und nimmt die Problematiken nicht ernst genug. Die Handlung löst sich am Ende allzu leicht und unkompliziert auf und wie schnell das Leben dann doch wieder „tutto bene“ ist, wirkt auf mich nicht realistisch und zu unreflektiert.
Als Fazit kann ich dem Roman also einige gute Aspekte abgewinnen, die vor allem an der Modernität und dem schwarzen Humor der schlagfertigen Erzählerin Emma liegen. Jedoch ist wie zuvor ausgeführt eben nicht alles gut, sodass ich „Tutto Bene“ am Ende eher wie einen nervigen, lauten Hipsterroman empfunden habe, der leider mehr wollte als eher konnte.
Daniela
3/5
18.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ja oder nein oder alles dazwischen?
Laura Wagner erzählt in Tutto Bene die Geschichte von Emma, die den Halt in ihrem Leben verliert. Zwischen Selbstzweifeln, Alkohol und der Sehnsucht nach einer Richtung für ihr Leben begleitet der Roman ihren immer tiefer werdenden Fall und den mühsamen Weg zurück zu sich selbst.
Besonders gelungen ist die Darstellung von Emmas innerer Zerrissenheit. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, wie leicht der Wunsch, Schmerz zu betäuben, in eine Spirale aus Verdrängung und Selbstsabotage führen kann. Emma ist dabei keine Protagonistin, die man durchgehend sympathisch findet. Im Gegenteil – beim Lesen macht sie einen mit ihren Entscheidungen stellenweise fast wahnsinnig, weil sie sich immer wieder selbst im Weg steht. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht sie und ihr Suchtproblematik jedoch authentisch und nachvollziehbar.
Einen schönen Gegenpol bilden die Figuren im Späti, die der Geschichte Herzlichkeit und Leichtigkeit verleihen. Auch der "Matrose" Leo sorgt mit seiner beharrlichen Art für berührende Momente. Seine Rolle wirkt stellenweise zwar etwas idealisiert und nicht immer ganz realitätsnah. Auch die junge Retterin Ingrid ist für ihr junges Alter für meinen Geschmack zu weise und zu parentifiziert. Als Schülerin sich adäquat ,und mit immer der vernünftigen Antwort, um eine Suchtkranke zu kümmern wirkt zu sehr konstruiert. Sehr passend dargestellt finde ich den Jäger. Hier hat die Autorin es geschafft einen sehr realistischen unangenehmen Charakter in der Datingszene zu verschriftlichen.
Laura Wagner vermittelt eine klare Botschaft: Wer nicht untergehen möchte, muss irgendwann selbst anfangen zu schwimmen – oder den Mut finden, nach einer helfenden Hand zu greifen. Tutto Bene ist ein kurzweiliger Roman mit einer wichtigen Thematik, sympathischen Nebenfiguren und einem eher undaufgeregten, ruhigen Plot.
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5/5
26.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
So liebenswert wie chaotisch! Herzklopfen von der ersten bis zur letzten Seite!
Der genialst, hinreißendste, witzigste, chaotischste und selbstkritischste Liebesroman, den ich je gelesen habe!
Emma arbeitet und lebt quasi in einen Späti in Berlin und hofft, mit Hilfe ihrer Dating-App ihren Prinzen und mit ihm den Sprung in ein anderes, besseres Leben zu finden. Als dieser tatsächlich vor ihr steht, geht alles maximal schief. Ohne die frühreife Praktikantin Ingrid und den liebenswürdigen Nerd von nebenan und Dauerkunde Udo würde die Geschichte zu keinem guten Ende kommen.
Eine Hymne auf die Freundschaft durch dick und dünn und auf den Glauben an die große eine Liebe!
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5/5
19.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sardonismus im Späti
Dieser Roman erzählt von der Schwierigkeit, immer wieder an sich selbst zu scheitern - und dem Mut, dennoch nicht unterzugehen. Protagonistin Emma fragt sich, warum alle außer ihr das 'Glücklich-Sein' beherrschen, während sie sich selbst im Weg steht. Das frustriert und schmerzt uns Lesende gleichermaßen.
Wortgewandt und humorvoll geschrieben, vermittelt der Roman trotz seiner schweren Thematik ein Gefühl von Hoffnung und bleibt dabei stets authentisch. Von mir eine absolute Empfehlung!
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5/5
16.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen den Regalen
Ich war noch nie in Berlin in einem Späti. Nach diesem Buch kam es mir vor, als hätte ich dort schon die eine oder andere Nachtschicht verbracht :-) Es ist der Arbeitsplatz von Emma, die nach abgebrochenem Studium ziellos unterwegs ist und Ingrid, 15-jährig, die ein Schülerpraktikum absolviert und ein erstaunlich feines Gespür für ihr Umfeld besitzt. Eine Geschichte zwischen Müller-Thurgau, der Suche nach Nähe und vielen Gefühlen. Die Sprache so ungeschliffen, dass ich mich gelegentlich wie eine Touristin im eigenen Sprachraum fühlte. Herrliche Figuren, ein Lesevergnügen mit Überraschungseffekt.
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5/5
13.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hart, aber zärtlich
Dieses Buch hat Wumms: sprachlich mitreißend, außergewöhnlich und explosiv, inhaltlich mit leichten Schwächen, die aber leicht zu ignorieren sind.
Für Emma besteht das Leben nach dem Abbruch ihres Studiums aus den Schichten im Späti und der innigen Beziehung zu Müller-Thurgau. Den trinkt sie nicht nur zuhause, sondern auch bei der Arbeit, heimlich, aus einer Kaffetasse unter dem Tresen. Eigentlich will Emma nur vergessen, am liebsten alles. Vor allem aber ihren Vater, den Säufer, der einmal jemand war und dann plötzlich niemand mehr. Keine verlässliche Größe und ein Vorbild schon gar nicht. Mit Ingrid hat sie dabei so gar nicht gerechnet. Als die fünfzehnjährige im Späti ein Schülerpraktikum absolviert, bringt sie mit ihrer Schlaumeierei nicht nur den Einsiedler Udo auf Vordermann. Auch Emma muss dran glauben. Wie gut, denn als Leo auftaucht, der Matrose, wird es wirklich Zeit, dass sie ihr Leben auf die Reihe bekommt, denn der Matrose ist es wert, auf jeden Fall!
Das Buch hat Schlagkraft und das Zeug dazu, einen wirklich umzuhauen. Emmas Geschichte ist hart und ihrem Alltag kann man manchmal nur schwer mit aushalten. Am liebsten möchte man sie schütteln, aber dafür gibt es ja Ingrid. Die, das muss ich leider sagen, vielleicht etwas zu erwachsen geraten ist. Sprachlich auf jeden Fall ein Highlight: hier verschmelzen Poesie und Gossenslang zu einer ganz außergewöhnlichen Kombination. Ich mochte es sehr!
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5/5
11.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Toxische Beziehung mit sich selbst
Caroline Wahl meets Heinz Strunk:
"Tutto bene" ist starker Tobak. Emma mäandert zwischen Späti und Vino hin und her, von einem glücklichen Leben ist sie weit entfernt. Dabei steht sie sich vor allem selbst im Weg und das tut beim Lesen einfach weh.
Neben den Figuren des Romans ist es aber Laura Wagners großes sprachliches Können, dass mich vollends überzeugt hat! Pur, ungeschönt, ehrlich, die Worte wie vom Straßenrand aufgelesen und auf poetische Art zusammengefügt - eine gnadenlos gute Mischung!
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