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Joachim Lottmann

Joachim Lottmann wurde Ende der 50er Jahre in Hamburg geboren. Kurz danach zog die Familie in den Bayerischen Wald, den der Autor oft als ‚Bay-risch Kongo‘ verspottete. Diese Gegend sollte seine Kindheit verdunkeln. Umso heller erschien dem jun-gen Mann das Leben, als man nach Hamburg zurück-kehrte. Dieser Optimismus hat ihn nie mehr verlas-sen und strahlt durch alle seine Bücher. 1987 brachte der Roman ‚Mai, Juni, Juli‘ den Durchbruch. Die lite-rarische Szene diskutierte diese neue, affirmative Art der ‚Lebensliteratur‘. Erst Jahre später setzte sich der Begriff ‚Popliteratur‘ durch, als Christian Kracht, Rainald Goetz und Benjamin von Stuckrad-Barre Lottmanns Schreibweise und Stil übernahmen. Nach einer zehnjährigen Durststrecke mit schweren beruf-lichen und privaten Niederlagen konnte er mit ‚Die Jugend von heute‘ (2004) und ‚Endlich Kokain‘ (2014; englische E-Book-Fassung 2026) in diesem Jahrhun-dert an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Er schreibt regelmäßig für renommierte Zeitungen und Zeitschriften. Lottmann ist mit einer Wienerin ver-heiratet und lebt in Wien und Berlin. Im VTA-Verlag Berlin erschien 2025 ‚Die Euphorie des Schriftstellers beim Weltuntergang‘.

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Port Stanley ist gefallen

Wir schreiben das Jahr 1983. Computer, soziale Medien und Smartphones gab es nicht. Und doch war es eine Zeit politischer Erregung, kultureller Umbrüche und neuer Lebensentwürfe. Während draußen der Falklandkrieg die Schlagzeilen beherrscht, tobt im Inneren eine Liebesschlacht. Kim will frei sein, ihr namenloser Freund will sie nicht verlieren. In einem wochenlangen Streit gehen Liebe und Besitzanspruch, Emanzipation und Abhängigkeit, Eifersucht und Selbsttäuschung unentwirrbar ineinander über.Der Ich-Erzähler kämpft mit allen Mitteln gegen das Ende seiner Beziehung. Kim dagegen versucht, sich aus einer Beziehung zu lösen, die ihr zunehmend wie ein toxisches System der Überwachung erscheint.Um die beiden herum entfaltet sich ein Panorama der westdeutschen Kultur- und Alternativszene: Journalisten und Intellektuelle, Künstler, New-Wave-Mädchen, Kneipen, Diskotheken, Drogen, Zeitungen, politische Debatten und jene endlosen Gespräche, in denen eine Generation ihr Verhältnis zu Liebe, Freiheit und Gesellschaft neu zu bestimmen versucht. Mittendrin der Erzähler in seinem alten „Wehrmachtskäfer“ – komisch, größenwahnsinnig, verletzlich und von einer geradezu monströsen Fähigkeit zur Selbstrechtfertigung.Lottmann erzählt diese Geschichte mit scharfem Witz, Tempo und einer radikal subjektiven Perspektive. Gerade weil der Erzähler alles erklären kann, wird immer fragwürdiger, ob er überhaupt etwas versteht. Aus einer privaten Trennung entsteht so eine Satire auf männliche Selbstbilder, auf Emanzipationsdiskurse und auf die intellektuellen Moden einer Epoche.„Port Stanley ist gefallen“ ist Liebesroman, Trennungstragödie, Zeitroman und literarisches Dokument zugleich – eine ebenso verstörende wie komische Reise in die Gefühls- und Gedankenwelt der frühen achtziger Jahre. Und am Ende fällt nicht nur eine Festung, sondern auch eine Vorstellung von Liebe.Der Text entstand 1983, noch vor Lottmanns fulminantem Debutroman „Mai, Juni, Juli“ 1987, und lagerte seitdem in der Schublade. Angesichts einer tödlichen Krebserkrankung war es sein Wunsch, dieses Frühwerk zu veröffentlichen.
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