Mit dem 1772 erschienenen und uraufgeführten Drama 'Emilia Galotti' schuf Gotthold Ephraim Lessing eines der bedeutendsten Beispiele für die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels. Das Stück, das zu den Schlüsselwerken der Aufklärung und Empfindsamkeit gehört sowie als eines der ersten politischen Dramen der deutschen Literatur gilt, übt scharfe Kritik an der Willkürherrschaft des Adels. Dieser Macht kann das Bürgertums nur seine höhere Moral entgegensetzen. Die geplante Hochzeit der bürgerlichen Emilia Galotti mit dem ehrenhaften Grafen Appiani wird von Hettore Gonzaga, dem regierenden Prinzen von Guastalla, hintertrieben; nicht nur für Emilia endet die Intrige schließlich tödlich. In 'Emilia Galotti' verzichtete Lessing -anders als noch in 'Miss Sara Sampson' - auf allzu viel Emotionen und rührselige Elemente. Nachdenklich, nicht (nur) gerührt, soll das Publikum das Theater verlassen.
Text in neuer Rechtschreibung. - Mit Anmerkungen von Jan-Dirk Müller.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Der bürgerlichen Schönheit Emilia Galotti gelingt durch die Entsagung vom Leben die Rückeroberung ihrer vom Vater unterdrückten Individualität und somit ihre Eigenständigkeit als Frau und Tochter in einer Zeit herrschender Ständeordnung. Sie selbst verkörpert Rechtschaffenheit und Zivilcourage und wird folglich zum Sinnbild für Wahrheit. Während die ehrenwerten Herren und Damen von Rang ein Netz aus List und Hinterhalt, Lüge und Betrug spinnen, wandeln sich ihre prestigeträchtigen Eigenschaften zu tückischen und falschen. Die unglückliche Liebe des Prinzen zu Emilia machte ihn blind und seine Taten gleichzeitig unberechenbar, welche unaufhaltsam den Tod seiner Angebeteten heraufbeschworen und ihm sein unbefriedigtes Gefühl nur auf tragische Weise zu ernüchtern vermochten.
Jakob B.
aus Laberweinting
5/5
10.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Vorgängerwerk zu Kabale und Liebe
Die bürgerliche Emilia sollte eigentlich den edlen Grafen Appiani heiraten, doch Hettore Gonzaga, der Prinz des absolutistischen Staates Guastalla, hat sich in sie verliebt, lässt von seinem Kammerherren den Grafen ermorden und anschließend Emilia auf sein Schloss bringen. Diese tugendhafte junge Frau fürchtet sich aber davor, dass sie von Hettore verführt wird und lässt sich deshalb von ihrem Vater erdolchen.
Lessing, der bedeutendste Schriftsteller der Aufklärung, kritisiert damit den menschenverachtenden Hof, insbesondere den Intrigenreichtum und lobt die hohe Moralität des Bürgertums. Emilia Galotti gilt als ein Musterbeispiel für ein bürgerliches Trauerspiel und hat auch Schiller für Kabale und Liebe inspiriert. Typisch für die Epoche Aufklärung ist hier einmal die Einhaltung der drei Einheiten, die Kritik am verkommenen Adel und die Darstellung des Bürgertums als moralisch und tugendhaft.
Vanessa Schneider
aus Brake (Unterweser)
4/5
10.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Sehr empfehlenswert
Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla, ist nach einem Gemälde des Malers Conti besessen darauf, Emilia zu seiner Gemahlin zu nehmen, welche jedoch bereits dem Grafen Appiani versprochen ist. Der Prinz lässt seine Macht spielen und beauftragt seinen Kammerherrn Marinelli damit die Vermählung mit allen Mitteln zu verhindern und gibt ihm freie Hand, was jedoch tödliche Folgen für den Grafen hat.
Nicht nur als Schullektüre empfehlenswert, sondern für jeden der die Aufklärungszeit kennen und lieben gelernt hat.
Bewertung
3/5
15.01.2024
Buch (Taschenbuch)
Okay!
Ein wirklich tolles Theaterstück! Damit das Stück nicht allzu ernst wirkt, wurde mit Humor die Stimmung etwas versüßt! Dies ist das erste Buch dieser Art, welches ich mit einer großen Menge Aufmerksamkeit lesen konnte und erneut lesen würde! Warum nur 3 Sterne? Nun ja, ganz Folgen konnte ich der Geschichte nicht immer. Außerdem musste ich einige Stellen 2-3 mal erneut lesen, bis ich überhaupt verstanden habe was vor sich ging. Ich habe nicht immer Verstanden, welcher Charakter welche Aufgabe oder Rolle einnimmt, jedoch konnte ich dies nach einigen malen nachlesen herausfinden. Ich würde jedem, der Interessiert darin ist, Theaterstücke zu lesen, dieses Buch empfehlen!
Daniela Ammann
aus Wien
3/5
10.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Nicht jede will Prinzessin sein ...
Ein Prinz schwärmt für die Bürgerliche Emilia Galotti, doch ihr Vater verabscheut den Prinzen, da dieser ein Frauenheld ist und so auch schon die Gräfin Orsina in die Wüste schickte und sich eigentlich mit der Prinzessin von Massa vermählen sollte. Emilia unterdessen soll den Grafen Appiani heiraten, der sehr willkommen in der Familie ist. Der Prinz verzweifelt, da er Emilia besitzen will und so entwickelt sein Kammerdiener einen Plan: eine Entführung. Doch diese lief schief. Auf dem Weg zur Hochzeit, wird die Gruppe von Banditen überfallen, Emilia geraubt, der Graf Appiani erschossen. Emilia wird auf das Lustschloss des Prinzen gebracht, auch ihre Eltern folgen. Doch die Gräfin Orsina durchschaut das Spiel und sagt es dem alten Galotti. Das Spiel nimmt sein Ende, als der Prinz unter einem rechtlichen Vorwand Emilia von der Familie separieren will. Emilia will nicht weg, ihr Vater ersticht sie mit einem Dolch, damit seine Tochter frei sein kann.
Ein absolutes Meisterwerk der Deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Absolut empfehlenswert.
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5/5
11.03.2026
Buch (Taschenbuch)
Ritt in die Unendlichkeit – Hauke Haien und die Grenze der Aufklärung.
„Vielleicht ist der Wind nur die Stimme der Welt, wenn sie leise spricht.“ Ja dieser Roman ist vom Wind durchzogen, vom Sturm geformt. Man könnte meinen, die Geschichte beginne mit Wind. Nicht mit einem Menschen, nicht mit einem Dorf, nicht einmal mit dem Deich, der doch ihr eigentliches Rückgrat bildet. Sondern mit Wind – diesem ruhelosen Atem der Nordsee, der über Marschland streicht, Gras biegt, Wolken jagt und Gedanken in Bewegung setzt. In dieser Atmosphäre hebt die Novelle Der Schimmelreiter von Theodor Storm an: wie ein Gerücht, das über das Land weht und langsam Gestalt annimmt. Ein Reiter soll dort draußen zu sehen sein, sagen die Leute. Ein Mann auf einem weißen Pferd. Oder vielleicht ein Gespenst. Schon dieser Beginn verrät das Eigenartige des Werks: Es erzählt nicht einfach eine Geschichte, es lässt sie entstehen – aus Stimmen, Erinnerungen, Landschaft. Man hört sie beinahe, wie sie sich über Generationen hinweg formt, weitergegeben an langen Winterabenden, während draußen das Wasser gegen den Deich schlägt.
Storm gelingt hier etwas Seltenes: Die Novelle wirkt zugleich präzise und geheimnisvoll. Sie besitzt die klare Struktur einer klassischen Erzählung und zugleich die Unschärfe einer Sage. Mehrere Erzählebenen lagern sich übereinander wie Sedimente im Marschboden. Ein Reisender hört die Geschichte, ein Schulmeister erzählt sie, und dahinter liegt die eigentliche Lebensgeschichte Hauke Haiens – des Deichgrafen, des Visionärs, des Außenseiters. Diese raffinierte Rahmung erzeugt eine Atmosphäre, in der sich Realität und Legende unmerklich vermischen. Man liest und fragt sich unwillkürlich: Ist dies ein historischer Bericht oder eine Dorfphantasie, die im Sturm gewachsen ist? Genau darin liegt ein Kernreiz der Novelle. Storm lässt das Rationalistische und das Mythische unaufhörlich gegeneinander antreten.
Hauke Haien selbst erscheint zunächst unscheinbar: ein stiller, scharf beobachtender Junge, der lieber rechnet als spielt. Doch in dieser nüchternen Begabung glimmt bereits etwas Radikales. Hauke glaubt an Ordnung, an Maß, an die Möglichkeit, Naturkräfte durch kluges Denken zu bändigen. Für ihn ist der Deich kein bloßer Wall aus Erde, sondern ein geometrisches Problem, eine Aufgabe, die sich verbessern lässt. Seine Vorstellung eines neuen, flacheren Deichprofils entspringt einer fast modernen Ingenieurslogik. In einer Welt, die noch stark von Tradition, Aberglauben und sozialer Rangordnung geprägt ist, wirkt dieser Gedanke beinahe revolutionär. Storm zeichnet hier eine Figur, die zugleich Kind ihrer Zeit und ihr Vorausläufer ist. Hauke besitzt die Härte des Rationalisten und die Einsamkeit des Visionärs. Er denkt schneller als seine Umgebung – und bezahlt dafür mit Misstrauen.
Das Marschdorf, das ihn umgibt, ist kein idyllischer Ort, sondern ein soziales Gefüge voller latenter Spannungen. Neid, Furcht, Gerüchte – all das arbeitet unter der Oberfläche wie Wasser im Deichkörper. Storm schildert diese Gemeinschaft mit einer Genauigkeit, die beinahe ethnografisch wirkt. Die Bauern fürchten Veränderungen, nicht aus bloßer Dummheit, sondern weil ihr Leben ohnehin am Rand der Katastrophe balanciert. Ein einziger Sturm kann Jahre harter Arbeit zerstören. In dieser fragilen Welt erscheint Haukes Fortschrittsglaube zugleich notwendig und bedrohlich. Er fordert die alte Ordnung heraus. Und genau hier entfaltet sich die tragische Dynamik der Novelle.
Das vielleicht Charakteristischste an Storms Erzählweise ist die enge Verschränkung von Landschaft und Psyche. Das nordfriesische Land ist kein Hintergrund, sondern ein handelnder Raum. Wind, Wasser, Nebel – sie wirken wie stille Kommentatoren der Handlung. Wenn Hauke nachts über den Deich reitet, wenn Sturmwolken über die Marsch ziehen, dann spiegeln diese Bilder seine innere Lage. Storm, selbst Jurist und lebenslang mit der norddeutschen Küste verbunden, kannte diese Landschaft nicht nur geografisch, sondern existenziell. Die Küste war für ihn ein Ort, an dem menschliche Vernunft und Naturgewalt in ständiger Auseinandersetzung stehen. Gerade diese Spannung bildet den poetischen Kern der Novelle.
Der Anlass für Storm, diese Geschichte zu schreiben, lag nicht zuletzt in seiner späten Lebensphase. Als er die Novelle vollendete, blickte er bereits auf ein langes Leben zurück. Viele seiner Werke kreisen um Erinnerung, Verlust und die Frage, was von einem Menschen bleibt. Eine alte nordfriesische Volkssage über einen geisterhaften Reiter auf dem Deich gab ihm den erzählerischen Ausgangspunkt. Doch Storm verwandelt diese Sage in etwas weit Komplexeres: eine Meditation über Fortschritt, Isolation und die Grenzen menschlicher Kontrolle. Hauke Haien wird so zu einer Figur, die zwischen Aufklärung und Mythos steht – halb Ingenieur, halb Gespenst.
Gerade deshalb endet sein Schicksal so, wie es endet. Der finale Sturm, die brechenden Deiche, das Chaos aus Wasser, Wind und Panik wirken zunächst wie eine klassische Naturkatastrophe. Doch literarisch betrachtet ist dieses Ende weit mehr als ein dramatischer Höhepunkt. Es ist die logische Konsequenz eines Lebens, das ganz auf Beherrschung der Natur ausgerichtet war. Hauke hat versucht, Ordnung in eine Welt zu bringen, die sich letztlich nicht vollständig berechnen lässt. Sein tragischer Ritt in die Flut wirkt fast wie eine letzte, verzweifelte Gleichung: Wenn der Deich versagt, muss er selbst Teil des Deiches werden. In dieser Szene verschmelzen Rationalität und Mythos endgültig. Der Mensch, der gegen Aberglauben kämpfte, wird selbst zur Legende.
Vielleicht liegt darin auch die nachhaltige Wirkung der Novelle. Sie erzählt nicht nur von einem individuellen Schicksal, sondern von einem Grundkonflikt der Moderne. Wie weit kann menschliche Planung gehen? Wo beginnt das Unberechenbare? Storm formuliert diese Fragen nicht theoretisch, sondern in Bildern: im Schimmel, der im Nebel auftaucht; im grauen Wasser, das über den Deich steigt; im Schweigen der Dorfbewohner, die zugleich bewundern und fürchten.
Sollte man dieses Buch heute noch lesen? Gerade heute vielleicht mehr denn je. In einer Zeit, in der Deiche höher gebaut, Küsten vermessen und Klimamodelle berechnet werden, wirkt Storms Geschichte erstaunlich gegenwärtig. Sie erinnert daran, dass technische Lösungen immer auch soziale und psychologische Dimensionen besitzen. Hauke scheitert nicht nur an der Natur, sondern auch an den Menschen um ihn herum. Fortschritt braucht Vertrauen – und genau dieses Vertrauen bleibt ihm versagt.
Und so bleibt am Ende das Bild des Reiters im Sturm. Ob man es als Spukgeschichte liest oder als poetische Metapher, spielt kaum noch eine Rolle. Entscheidend ist, dass Storm eine Figur geschaffen hat, die über ihre Zeit hinausreicht. Hauke Haien steht auf seinem Deich wie eine Silhouette zwischen zwei Welten: der alten, die im Aberglauben Schutz sucht, und der neuen, die an Berechnung und Planung glaubt. Dass er schließlich im Meer verschwindet, macht die Geschichte nicht nur tragisch, sondern auch seltsam schön. Denn im Verschwinden beginnt die Legende – und mit ihr das leise, unaufhörliche Weitererzählen, das diese Novelle bis heute lebendig hält.
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5/5
17.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Thiel, ohh Thiel...
Aus heutiger Perspektive ist nur schwer nachzuvollziehen, welche Kraft in diesem kurzen Stück Literatur liegt. Der Fokus auf die täglichen Schweren des Lebens einer von Armut geprägten Bevölkerung, das Thematisieren von Gewalt, Alkoholismus, von Sehnsüchten - all das gräbt die Tiefe des Bahnwärters in die Erde der literarischen Welt. Auf jeder Seite ist spürbar, wofür Hauptmann den Literaturnoblepreis - zurecht - erhielt.
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5/5
22.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wahnsinn und Leidenschaft sind eine gefährliche Mischung..
Wer mal ein, zwei Stündchen erübrigen kann, ist herzlich eingeladen die Schachnovelle zu lesen. Schach langweilig? Niemals und schon gar nicht, wenn es das einzige ist, was einem im Leben bleibt nachdem sie einem alles andere genommen haben...
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5/5
19.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Theater kann Ehen stiften!
Ich bin ein großer Fan von Wilhelm Tell! Nicht, weil ich in der siebten Klasse den kompletten Hohle-Gasse-Monolog auswendig lernen und vortragen musste (schlauer Zug vom Lehrer, der so mehrere Schulstunden nichts weiter zu tun hatte als Zuhören!), sondern weil ich dem Stück meinen Mann verdanke: zwei Sommer lang wurden wir nämlich bei den Freilichtaufführungen unserer Stadt als Statisten besetzt- lustigerweise als Brautpaar, das direkt nach obigem Monolog aufzutreten hatte. Insgesamt haben wir so etwa dreißigmal auf der Bühne geheiratet... naja, und irgendwann dann eben noch einmal. Diesmal richtig! Theater kann also Ehen stiften! Danke, Willi!
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5/5
30.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Inneralb von 89 Seiten werden...
Inneralb von 89 Seiten werden zwei Menschen im Kern erfasst und charakterisiert. Ein unglaublich starker Roman!
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