Jede Frau wird unweigerlich irgendwann von ihrem Mann betrogen, davon ist Inés, perfekte Ehefrau und Mutter, überzeugt. Deshalb ist sie auch nicht überrascht, als sie in der Aktentasche ihres Mannes Ernesto ein Zettelchen findet mit einem Herz aus Lippenstift, unterschrieben mit 'Ganz die Deine'. Als sie Ernesto an einem regnerischen Winterabend heimlich folgt, wird sie Zeugin eines heftigen Streits zwischen ihm und einer Frau. Die Frau stürzt, Ernesto versenkt sie im nahegelegenen See: Endlich ist die Geliebte aus dem Weg geräumt. Inés verhilft ihrem Mann zu einem Alibi, denn schließlich verbindet Hass genauso sehr wie Liebe. Doch der undankbare Ernesto denkt gar nicht daran, seine außerehelichen Aktivitäten aufzugeben. Nun beginnt Inés einen Rachefeldzug, von dem es kein Zurück mehr gibt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
Book Circle Community
4/5
10.03.2025
eBook (ePUB)
Die Rache der Selbstgerechten
Claudia Pineiros Debüt-Roman erschien 2003 erstmals in Spanisch. Es ist ein Geflecht aus Intrigen, Missverständnissen und Familiendrama. Die Protagonistin Inés, die seit 20 Jahren mit einem beruflich erfolgreichen Mann verheiratet ist, lebt mit ihm und ihrer 17-jährigen Tochter in einer Gegend mit Swimmingpools. Sie entwickelt sich zur scharfsinnigen Detektivin, als sie eine Affäre und ein Verbrechen ihres Ehemanns Ernesto aufdeckt. Als heimliche Komplizin ihres Mannes versucht sie, ihn vor den Folgen seiner Lügen zu schützen. Das tut sie allein, weil sie ihre lieblose Ehe um jeden Preis retten will. Ihre unbeachtete Tochter Lali, die schwanger ist, durchschaut die Machenschaften der Eltern und fühlt sich immer isolierter, während Inés einen durchtriebenen Racheplan ausheckt.
Der Schreibstil ist klar und ohne überflüssige Worte, was vielleicht eher an der Übersetzung liegen mag. Die Charaktere werden gut karikiert, ohne ausschweifend zu werden. Die Erzählweise, aus der Sicht Inés und in Selbstgesprächen, offenbart eine selbstgerechte Protagonistin, die sich nichts mehr wünscht als die Zuwendung ihres Mannes und sich ihrerseits wenig um die Gefühle anderer schert – einschliesslich der ihrer Tochter. Unterbrochen wird diese Perspektive durch Lalis Telefongespräche mit ihren Freundinnen, was zusätzlich spannend ist. Pineiro ist Filmschaffende, und es erstaunt nicht, dass der Roman wie ein Film abläuft. Und ob ihr Plan aufgeht bleibt offen. Erst in ihrem Folgeroman, der gerade eben erschien, werden die Auswirkungen bekannt…
galaxaura
aus Köln
4/5
23.02.2025
eBook (ePUB)
Eine herrliche Crime-Telenovela mit viel Witz
„Ganz die Deine“ von Claudia Piñeiro, erschienen 2025 im Unionsverlag, ist eine herrlich zugespitzte kriminalistische Telenovela in Buchform, die mit viel Witz durch eine absurde Handlung saust und mit multiplen Plottwists die Lesenden bei Laune hält.
Inés, zufrieden mit ihrem Leben mit Ernesto, ein bisschen unzufrieden mit ihrer Teenager Tochter Laura, muss eines Tages entdecken, dass ihr lieber Ernesto sie betrügt, mit einem naiven Frauenzimmer, das ihm Briefchen und Zettelchen zuschiebt, unterschrieben mit „Ganz die Deine“. Nun, Inés ist erwachsen genug, um vom Leben schon gelernt zu haben: Jede Frau wird unweigerlich irgendwann von ihrem Mann betrogen, das ist grundsätzlich keine große Sache, nur die Ruhe, erstmal checken, ob hier ein bedrohlicher Fall vorliegt. Um genau das herauszufinden, folgt Inés Ernesto zu einem Date und was sie da beobachtet, tritt eine Kette von Ereignissen los, von denen die Ehe sich nicht mehr erholen wird. Parallel dazu und unbemerkt von den Eltern erlebt Laura ihre ganz eigene Telenovela, die scheinbar nur lose mit der Haupthandlung verknüpft ist, durch eingefügte Sekundärtexte aus der Psychologie aber eine ganz andere Bedeutung erhält.
Piñeiro bedient sich geschickt an der Struktur von Telenovelas und führt uns mit einem unglaublich trockenen, herrlichen Humor durch die Überkonstruktion der Handlung, was ihr über weite Strecken hervorragend glückt, manchmal aber dann doch ein bisschen too much ist. Multiple Plottwists bringen immer wieder Spannung in das Geschehen und lassen die absichtlich stereotypen Charaktere regelmäßig gegen Wände laufen. Dieses Buch ist nicht gezielt auf Komplexität, es ist ein wirklich witziger netter Snack, den die lesende Person gut mal genießen kann, um wirklich zu entspannen. Dabei ist die literarische Grundqualität aber hoch, die Schreibe ist flüssig und gut durchdacht und ich persönlich musste beim Lesen immer wieder laut auflachen. Das offene Ende lässt viel Raum für Spekulation – eine gute Telenovela lässt ja auch immer die Möglichkeit der nächsten Staffel bestehen.
Fazit: Ein gelungener rasanter kleiner Rachefeldzugsroman, der einfach Spaß bereitet und keinerlei Mühe.
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
25.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Unterhaltsam - witzig - bitterböse: schwarzer Humor vom Feinsten
Ein so witziges und unterhaltsames Buch wie dieses habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
Inés lebt gemeinsam mit ihrem Mann Ernesto und der gemeinsamen, jugendlichen Tochter Laura, genannt "Lali", in einem Haus in Buenos Aires. Die Ehe ist mit den Jahren leidenschaftslos geworden, Sex gibt es nur noch selten, doch damit hat sich Inés im Großen und Ganzen arrangiert. Sowieso hat sie einen eher zynischen Blick auf das Leben und Beziehungen und geht davon aus, dass jede Frau früher oder später betrogen wird, was für sich betrachtet auch gar nicht so schlimm sei.
So verliert sie auch nicht die Nerven, als sie bei ihrem Mann Zettel findet, die mit "Ganz die Deine" unterschrieben sind, und als sie ihrem Mann des Nachts nachfährt und beobachtet, wie bei einem heftigen Streit mit seiner Geliebten diese durch einen starken Stoß versehentlich zu Tode kommt, ist sie sogar erst einmal bereit, gemeinsam mit ihrem Mann den Tod zu vertuschen und ihm ein Alibi zu liefern, denn, typisch Inés' pragmatische Einstellung zum Leben: "Was Ernesto und mich anging: Unsere Pflicht war es, die Sache so schnell wie möglich zu vergessen und nach vorne zu blicken. Das würde ich zu ihm sagen, sobald er mir alles gestanden hätte."
Inés ist also bereit, an ihrem bisherigen doch recht komfortablen Leben und dem damit verbundenen Familienkonstrukt festzuhalten, auch wenn Ernesto sie betrogen hat. Aber alles hat Grenzen... und so wird es irgendwann möglicherweise eine weitere Leiche geben.
Das Buch ist in kurzen Kapiteln geschrieben. Abwechselnd erzählt Inés aus der Ich-Perspektive, manchmal lesen wir in der dritten Person von ihr, dazwischen sind Dialoge zwischen der jugendlichen Tochter Lali, die mit ihren ganz eigenen Problemen kämpft (wovon die Mutter nichts ahnt und auch nichts sehen will, denn die beiden haben sich stark voneinander entfremdet) und verschiedenen Personen in deren Leben, und auch Ernesto kommt zwischendurch mal aus seiner Perspektive zu Wort, wodurch sich auch wieder Neues und Überraschendes zeigt. Dazwischen gibt es Einschübe aus verschiedenen Büchern zu den unterschiedlichen Todesarten und wie man die damit verbundenen Spuren verwischt.
Das Buch kann man an einem Abend entspannt weglesen und wird dabei bestens unterhalten - witzige Unterhaltungsliteratur vom Feinsten - Leseempfehlung!
M. Zetzsche
aus Halle / Saale
5/5
15.09.2009
Buch (Taschenbuch)
die Rolle der Frau
Inés, die seit Jahren in der Rolle der Hausfrau und Mutter aufgeht, entdeckt in den Sachen ihres Mannes einen kleinen Zettel. "Ganz die Deine" ließt sie darauf und ein kleines Herz ist darunter gezeichnet...
Etwas ernstes kann es nicht sein, sie kennt ihren Mann Ernesto, der nichts übrig hat für sentimentale Kritzeleien. Dennoch beschließt sie ihn ein bisschen auszuspionieren, schließtlich hat man ja keine Geheimnisse voreinander, nur warten bis Ernesto mit ihr spricht will sie auch nicht.
Eines Abends sieht Inés wie ihr Mann mit einer Frau streitet, sie fällt und bleibt liegen, Ernesto versenkt die Frau im See und für Inés ist die Sache damit erledigt. Nur ihr Mann denkt gar nicht daran, seine außereheliche Beziehung aufzugeben...
...denn die im See versenkte Frau war nicht seine Geliebte, Ernesto wägt sich in Sicherheit, denn ohne Leiche kein Mord. Durch einen anonymen Anruf von Inés wird die Leiche doch gefunden und die Geschichte bekommt eine neue Wendung.
Bis zum Schluss handelt Inés in der festen Überzeugung das was sie tut, alleine ihrer Familie zugute kommt, sie nimmt dafür sogar in Kauf eine Mörderin zu werden.
Jeder der beiden Protagonisten hat die Realität mit seinen Wunschbildern ersetzt und handelt, natürlich in seiner Welt richtig, daraus entsteht ein bitterböses und zynisches Gerüst das sich im ganzen Buch aufrecht hält und nicht einmal in Bedrängnis gerät, was eine Meisterleistung der Autorin ist.
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