Michel Houellebecqs erstes Buch aus dem Jahr 1991 blieb in der französischen Öffentlichkeit fast unbemerkt – zu Unrecht. Hierin beschäftigt er sich mit dem amerikanischen Urvater der fantastischen Literatur: H. P. Lovecraft. Houellebecq setzt sich mit ihm als Romancier von visionärer Kraft, aber auch mit dem Menschen selbst auseinander. Bereits in dieser beinahe romanhaften Biografie entwickelt Houellebecq die Grundpfeiler einer Poetik, die für sein späteres Werk entscheidend sein werden. Dieses Buch ist ein Schlüssel zum literarischen Schaffen des wichtigsten französischen Autors der Gegenwart.
„Diesem Mann, dem es nicht gelungen ist zu leben, ist es schließlich gelungen zu schreiben."
„Gegen die Welt, gegen das Leben. H. P. Lovecraft" – ein kleines Juwel eines begnadeten Essayisten.
Das erste Buch des Kultautors Michel Houellebecq: ein literarisches Manifest.
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Ein sehr starkes Buch welches vieles aufdeckt und aufzeigt. Houellebecq als Art Meisterbiograph zu Lovecraft!
Houellebecq schreibt in diesem Buch, weshalb und wie der Autor Howard. Philipp. Lovecraft seinen Einfluss auf Ihn gewirkt hat, und zeigt viele Gedänkengänge in welchen er auf Ihn zurückkommt. Dieses Buch ist sehr literarisch und macht einen fantastischen Eindruck wenn man auch noch dazu bedenkt, dass dies Houellebecqs erstes Buch ist. Es verdient mehr Aufmerksamkeit, auch wenn es wahrscheinlich nicht jedem gefallen wird, denn es ist sehr wortstark geschrieben und teilweise ein wenig radikal, was aber wunderbar dazu passt. Ich habe dieses Buch verschlungen und mich sowohl Lovecraft als auch Houellebecq sehr nahe gefühlt, was mir sonst bei vielen Büchern schwer fällt mich sehr nahe dran zu fühlen. Wir erfahren auch viele Details und Hintergrundinformationen über die Beiden und nichts wird anstrengend zum Lesen. Ich lege es jedem ans Herzen dieses Buch zu lesen, denn es gibt auch viel davon mitzunehmen oder auch zu lernen.
Dr_ M
aus Sachsen
4/5
28.06.2018
Buch (Taschenbuch)
"Denn das Leben ist das Böse"
"Lovecraft gälte heute noch mehr als zu seiner Zeit als verhaltensgestört und als Sonderling", schreibt Michel Houellebecq in seinem Erstling über den Urvater der amerikanischen Horror- und Fantasyliteratur. Dieser Text blieb bisher von der Literaturkritik weitgehend unbeachtet. Dabei ist es kein Zufall, dass Houellebecq sich ausgerechnet mit diesem für die Allgemeinheit scheinbar unbedeutenden amerikanischen Schriftsteller zu Beginn seiner schriftstellerischen Karriere auseinandergesetzt hat. Wenn es auch auf den ersten Blick etwas weit hergeholt erscheint, so gibt es doch gewisse Ähnlichkeiten in gewissen Lebensabschnitten dieser beiden Männer.
Darüber hinaus glauben einige Experten entdeckt zu haben, dass Houellebecqs Essay eine Art Schlüssel zu dessen späteren literarischen Schaffen sei. Wie dem auch sei, der Text ist schon allein deswegen interessant, weil er Lovecraft und seinem Schaffen ein Denkmal setzt, das heute wohl so nicht mehr ganz so einfach zu erschaffen wäre, weil der amerikanische Autor offenbar ein abgrundtiefer Rassist gewesen sein muss. Jedenfalls findet man entsprechende Erklärungen und Zitate in Houellebecqs Text, die man selbstverständlich historisch und aus Lovecrafts Leben heraus einordnen können sollte. Denn Lovecraft besaß weder gute Voraussetzungen, noch günstige Umstände für ein glückliches Leben. Vielleicht führte ihn das zu einem tiefsitzenden Hass auf die Welt und alle diejenigen, die lebensfroh und energiegeladen mit ihrer Existenz umgehen konnten.
Er selbst lebte zurückgezogen, immer in Geldnot und ohne ein sich selbst eingestandenem Bedürfnis nach Liebe. Seine Energie ergoss sich in seine Schriftstellerei und seine weitreichenden und tiefgehenden Briefkontakte zur Außenwelt. In seinen Erzählungen schuf er dunkle Phantasiewelten und berauschte sich in einer Schwülstigkeit, die überhaupt nicht zu seiner angewiderten Ablehnung der realen Welt passen will. Man könnte so zu der Überzeugung kommen, dass Lovecraft die Welt mit seinem Ekel dafür bestrafen wollte, dass sie ihm nicht wohlwollend entgegengekommen war. Houellebecq schreibt: "Die gewöhnlichen Wahrnehmungen des Lebens in eine unversiegbare Quelle von Alpträumen zu verwandeln, genau das ist die kühne Herausforderung für jeden phantastischen Schriftsteller. Lovecraft gelingt das in hervorragender Weise, indem er seinen Beschreibungen einen Hauch von sabbernder Degeneration verleiht, die nur ihm eigen ist. "
Zu einem glücklichen Leben unfähig, setzte er auch seine einzige Beziehung zu einer Frau in den Sand. Angewidert vom Leben und der Welt war Lovecrafts ohnehin geringe Lebensenergie schnell verbraucht. Zeit seines Lebens erlangte er wenig Ruhm, was wohl auch daran lag, dass er ihn nicht wollte und zum Teil dadurch verhinderte, dass er seine eigenen Texte in Mißkredit brachte. Lovecraft war ein Anhänger einer besonders in den letzten 200 Jahren immer latent vorhandenen, weil sicher nicht völlig unberechtigten Art von Kulturpessimismus, dem auch Houellebecq in diesem Text nicht ablehnend gegenübersteht. Insofern vermittelt dieser Essay nicht nur einen Eindruck von Lovecrafts Leben und Werk, sondern er zeigt auch Sympathien und Denkweisen Houellebecqs auf.
Für Liebhaber von Lovecraft oder Houellebecq ist dieser Text in der Tat eine Quelle der Erkenntnis. So versteht sich dann auch meine Bewertung.
Bories vom Berg
aus München
2/5
20.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Das Leben ist schmerzhaft und enttäuschend
Von Michel Houellebecq, der als wichtigster französischer Schriftsteller der Gegenwart gilt, wurde 1991 mit seinem Essay «Gegen die Welt, gegen das Leben» sein erstes Werk veröffentlicht. Darin geht es um H. P. Lovecraft, den amerikanischen Urvater der fantastischen Literatur, der weltweit als der einflussreichste Autor der Horror-Erzählungen des 20ten Jahrhunderts gilt. Diesem Sonderling wird ein «kosmischer Horror» attestiert, dessen Thematik sich um die Angst vor dem Unbekannten und die Unermesslichkeit des Universums dreht. Bei seinem romanhaften, fiktional angereicherten Essay über ihn geht es Houellebecq insbesondere um die visionäre Kraft von Lovecraft, aber auch um seine Außenseiter-Stellung und die Ursachen für seinen Rassismus. Indem er dem Amerikaner, den er auf eine Stufe stellt mit Edgar Allen Poe, literarisch ein Denkmal setzt, entwickelt er die Grundlagen für seine eigene Poetik und schafft damit einen Schlüssel zu seinem eigenen, umfangreichen Werk.
Durch das Gesamtwerk des Franzosen zieht sich kontinuierlich eine immerwährende westliche Dekadenz hindurch, und man spürt seinen besonders ausgeprägten Sinn für den Zeitgeist. Kaum ein heutiger Autor ist derart in Skandale und Kontroversen verwickelt wie Michel Houellebecq. Zu den häufigsten Vorwürfen gehört dabei die Behauptung, er sei ein Rassist. Als «nouveau réactionnaire» ist er allerdings wenig daran interessiert, sich gegen solche Vorwürfe zu wehren, - ganz im Gegenteil , er hat sie in Interviews sogar häufig bestätigt und weitere Provokationen hinzugefügt. Außer Rassismus wird ihm aber auch Frauenhass unterstellt, und als Agnostiker gilt er als besonders islamfeindlich, sein Roman «Unterwerfung» ist ein beredtes Beispiel dafür. Sein Image ist geprägt durch seine ebenso häufigen wie scharfen Attacken gegen den Zeitgeist, Skandale sind erkennbar ein wichtiger Bestandteil seiner Strategie, sich am Markt weit oben zu positionieren. Damit ist er zwar ein Mahner, ein Moralist zudem, der allerdings auf die Ursachen für das weit verbreitete Gefühl menschlicher Ohnmacht keine Antwort weiß. Er selbst hat sich im Interview als Autor bezeichnet, der sich mit dem Leiden beschäftigt, das durch den Nihilismus erzeugt wird. Politisch tritt er öfter mal ins Fettnäpfchen, so wenn er zum Beispiel behauptet, Napoleon sei schlimmer als der Gröfaz gewesen, und seine Sympathie für Stalin rühre daher, dass der ja viele Anarchisten umgebracht habe. Zu seinen konträren Standpunkten gehören seine Statements zu den positiven Folgen der Corona-Pandemie ebenso wie die Skepsis den modernen Medien gegenüber, die massenhaft soziale Kontakte zerstören würden.
Das vorliegende Essay über H. P. Lovecraft trägt erheblich zur Legendenbildung um den «Einsiedler von Providence» bei, die fundamentale Sinnlosigkeit des Lebens hätten nur sehr wenige Menschen erkannt, glaubt Houellebecq. Und er nennt als dessen literarische Ingredienzien den «absoluten Materialismus», die Verwendung von wissenschaftlichen Termini, zudem aber auch ein Gefühl, es gebe in seinen Schriften etwas, das partout als nicht-literarisch angesehen werden müsse. Außerdem lehne Lovecraft Freuds Psychoanalyse ab und spreche verächtlich von dessen «puerilem Symbolismus».
Gleich zu Beginn wird der Leser im ersten Satz thematisch eingestimmt: «Das Leben ist schmerzhaft und enttäuschend». Das gilt auch für dieses enttäuschende Essay, mit dem sein Autor den Blick auf einen schon lange in Vergessenheit geratenen Außenseiter mit einer äußerst kleinen Fan-Gemeinde lenkt. Er identifiziert sich als heutiger Exeget mit fast allem, was Lovecraft als Degeneration brandmarkt, wobei er in puncto Misanthropie allerdings hinter ihm zurückbleibt. Aber auch als Privatmann wird der Visionär aus den USA beschrieben, seine Ehe, seine Zeit in New York, seine finanziellen Nöte als Schriftsteller, der nicht veröffentlich wird. Ohne Zweifel dient dieses Essay Houellebecq als Selbstbestätigung für sein eigenes Schreiben, worin denn auch der einzige Nutzen für den literatur-interessierten Leser liegen dürfte.
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