Für Aylin Hodzic läuft alles super: Die junge Frau mit bosnischen Wurzeln hat gerade Abitur gemacht, will Journalistin werden und ist frisch verliebt. Dann jedoch gerät alles ins Wanken: Ihre ältere Schwester Semina verschleiert sich und verschwindet. Dabei spielte Religion im Leben der beiden jungen Frauen nie eine Rolle. Jetzt jedoch werden Semina und damit auch Aylin und ihre Eltern nur noch als Muslime wahrgenommen und die ganze Familie steht am Pranger.
Kurz darauf detoniert in ihrer Heimatstadt Taufingen eine Bombe. Für die Medien und die Öffentlichkeit ist der Fall klar, und eine brutale Hetzjagd gegen die Familie beginnt. Aber alle Ermittlungsspuren führen in die Irre - oder bringen Aylin in tödliche Gefahr.
"Das ist also eine Massenpanik, dachte ich und stand immer noch komplett neben mir. Seltsamerweise war ich vollkommen ruhig. Ich hatte absolut keine Angst. Da war nur dieses lästige Pfeifen in meinem Kopf. Und dann machte ich einen Riesenfehler: Ich drehte mich um."
Ulrike Blatter erzählt von aktuellen politischen Themen wie Migration, Radikalisierung. Angesiedelt hat sie ihren Roman in Taufingen, einer fiktiven süddeutschen Stadt. Sie gibt keine einfachen Antworten, sondern lässt uns zu vielschichtigen Einsichten kommen. - "Blendend recherchiert, packend und kraftvoll geschrieben!"
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
aus Cottbus
5/5
25.05.2020
eBook (ePUB 3)
Sehr berührend und schockierend
Über LOVELYBOOKS durfte ich das Buch " Töchter des Todes " testlesen.
Autor : Ulrike Blatter
Handlung :
Die Schwestern Aylin und Semina stammen aus einer bosnischen Familie. Die Eltern mussten während des Bürgerkrieges aus dem belagerten Sarajevo fliehen, da sie ein sogenanntes "gemischtes" Paar sind (er Muslim, sie Katholikin). Die Familie ist in Deutschland voll integriert. Religion spielt für sie keine große Rolle.
Umso schockierender ist die Nachricht, dass sich die älteste Tochter Semina Anfang des Jahres 2019 (!!) offenbar nach Syrien zum IS abgesetzt hat.
Kurz darauf explodiert in ihrer Heimatstadt eine Bombe.
Auf einmal haben es alle schon immer gewusst und ein nicht nur digitaler Shitstorm bricht über die Familie herein.
Misstrauen und Angst zersetzen aber auch die scheinbar intakten Beziehungen der Familienmitglieder untereinander und zum Freundeskreis.
Die Geschichte wird multiperspektivisch aus der Sicht verschiedener Personen erzählt: die jüngere Tochter Aylin, deren Freund Jordan (dunkelhäutig), Mutter Kristina, deren beste Freundin Stefanie.
Da jede Figur einen anderen Hintergrund mitbringt, entwickelt sich ein vielschichtiges gesellschaftliches Szenario, das keine einfachen Schuldzuweisungen und keine Stereotype gestattet.
Mein Fazit :
" Töchter des Todes " ist ein sehr gut von der Autorin recherchierter, aufrüttelnder und ans Herz gehender Roman , der die Rolle der Frauen im IS aufzeigt.
Das Cover gefällt mir sehr gut und passt gut zum Titel des Buches. Die Autorin selbst erklärt :
Zitat : " In einem parallelen Erzählstrang wird die Geschichte eines Paares erzählt, das seit 2015 im "Kalifat" lebte und jetzt auf der Flucht ist: Star ist die Frau vom Cover. "
Im Prolog erzählt die Autorin die Geschichte von Luan und Star. Zwei Deutsche die zum IS kamen und sich das Leben dort anders vorgestellt haben. Als sie flüchten werden sie von der Miliz gestellt , Luan angeschossen , Star die Beine gebrochen und mit 3 Wasserflaschen in der Wüste zurück gelassen. Werden sie die Flucht überleben ? Ich muss gestehen das ich einige Male die Seiten weiter geblättert habe, um zu wissen wie die Geschichte der beiden ausgeht. Gibt es ein Happy End?
Frauen im Islam haben eine eher untergeordnete Rolle den Männern gegenüber. Obwohl im Koran festgelegt ist, daß beide gleichberechtigte Partner sind. Das Leben der Frauen beim IS : " Frauen waren dem Politikwissenschaftler zufolge ein integraler Bestandteil des Machtapparats der Terrororganisation, ob in der Erziehung ihrer Kinder, der Unterstützung ihrer Ehemänner, im Spitzelsystem des IS, in der Propagandaarbeit oder auch in offiziellen Funktionen der Sittenpolizei " .
Mit den Charakteren kann man sich sehr gut identifizieren und sie sind sehr bildlich vorgestellt worden.
Aylin : eine bodenständige, junge Frau die kurz vor der Hochzeit steht . Sie ist sehr mutig , sehr selbstbewusst.
Semina : Aylins Schwester. Sie verschleiert sich von heut auf morgen und entscheidet sich zum IS zu gehen. Welche Beweggründe hat Semina zum IS überzuwechseln ? Kehrt sie je nach Deutschland zurück ? Ich hätte gerne noch mehr Informationen zu den Beweggründen von Semina erfahren , warum sie plötzlich zum IS übergübergewechselt ist. Es bleibt spannend !!
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Er ist sehr autentisch und leicht verständlich erzählt . Die Geschichte ist sehr gut recherchiert durch die Autorin und sehr glaubhaft beschrieben. Jedes Kapitel ist mit dem jeweiligen Erzähler betitelt, was das lesen einfacher macht. Man ist sofort von der Geschichte gefangen und die Spannung hält sich bis zum Schluß. Ich bin auf jeden Fall fasziniert von der Handlung des Romans und sie hat einen Fan mehr .
Meinen allergrößten Respekt an die Autorin , daß sie trotz aller Widerstände und persönlicher Angriffe an dem Buch festgehalten hat . Und wir somit einen Einblick in die Machenschaften des IS bekommen haben. Was bewegt Menschen, auch Frauen und Kinder sich als " Menschliche Bomben " dem IS zur Verfügung zu stellen? Falsche Versprechungen, Fanatismus ? Ich glaube diese Frage können nur die Beteiligten Menschen selbst erklären.
Zitat: " Der so genannte Islamische Staat (IS) hat „das Konzept des Märtyrertums industrialisiert“, sagt Charlie Winter. Zusammen mit dem Internationalen Zentrum für Terrorismusbekämpfung in Den Haag hat er 923 IS-Selbstmordattentate untersucht, die von Dezember 2015 bis November 2016 stattfanden. Seine Studie heißt „War by Suicide“, Krieg per Freitod. "
Von mir gibt es für " Töchter es Todes " auf jeden Fall eine Kaufempfehlung .
Bewertung
5/5
14.05.2020
eBook (ePUB 3)
Sehr interessant
Bei „Töchter des Todes“ von Ulrike Blatter handelt es sich um einen Roman.
Klappentext übernommen:
Für Aylin Hodzic läuft alles super: Die junge Frau mit bosnischen Wurzeln hat gerade Abitur gemacht, will Journalistin werden und ist frisch verliebt. Dann jedoch gerät alles ins Wanken: Ihre ältere Schwester Semina verschleiert sich und verschwindet. Dabei spielte Religion im Leben der beiden jungen Frauen nie eine Rolle. Jetzt steht jedoch die ganze Familie am Pranger.
Kurz darauf detoniert in ihrer Heimatstadt Taufingen eine Bombe. Für die Medien und die Öffentlichkeit ist der Fall klar, und eine brutale Hetzjagd gegen die Familie beginnt. Aber alle Ermittlungsspuren führen in die Irre – oder bringen Aylin in tödliche Gefahr.
Der packende Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Dieser Roman lässt sich sehr flüssig lesen. Über jedem Kapitel steht das Datum und der Name des Hauptprotagonisten. Dadurch, dass die Geschichte aus dem jeweiligen Blickwinkel der zuvor genannten Person geschrieben ist, wirkt alles so authentisch.
Die Themen , die hier behandelt werden ist top aktuell. Die Autorin hat ihre fiktive Geschichte so toll um diesen Plot geschrieben, dass dieser Roman sehr realistisch wirkt. Hier werden so viele interessante Themen angesprochen, dass jede Seite sehr interessant und abwechslungsreich ist.
Ich konnte mir die Protagonisten sehr gut vorstellen, ihren Gedanken folgen und ich wurde von Seite zu Seite neugieriger, wie es mit ihnen weitergeht. Ein paar Protagonisten haben mich sehr überrascht, da sie im Laufe der Geschichte sich stark verändert haben.
Ich empfehle dieses Buch weiter.
Bewertung
5/5
13.05.2020
eBook (ePUB 3)
Spannend und brandaktuell - eine Geschichte die zum Nachdenken anregt
Aylin Hodzic, die gerade ihr Abitur in der Tasche hat, plagt sich eigentlich nur mit den üblichen Problemen herum - Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern, die Frage nach dem Studium und Schmetterlinge im Bauch. Doch als sie über Social Media erfährt, dass ihre Schwester Semina zum IS übergelaufen ist, stürzt ihre Welt ins Chaos. Die Ereignisse überschlagen sich und die Familie hat neben Selbstzweifeln auch mit Vorurteilen, Anfeindungen und purem Hass zu kämpfen.
Was für eine unglaublich gute Geschichte, die sicher Mut gebraucht hat, sie zu erzählen.
IS, Radikalisierung, Extremismus - Schlagwörter die oft um uns herumschwirren, mit denen man sich aber selten tiefgründig beschäftigt. Um so besser, dass Töchter des Todes einen Rahmen bietet, sich mit den Themen auseinander zu setzen.
Mit dem Prolog wird man direkt ins kalte Wasser geschmissen, man ist sofort mitten drin und trotzdem findet man durch den herrlich natürlichen Schreibstil einen wunderbaren Einstieg in die Geschichte. Die Spannung, die zu Beginn aufgebaut wird, flacht dadurch aber nicht ab. Sie wird durch zahlreiche einschneidende Ereignisse am Leben gehalten, was das Buch für mich tatsächlich spannender als manch einen Krimi oder gar Thriller gemacht hat.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven:
Schwester Aylin und Mutter Kristina - Beide haben natürlich eine ganz persönliche Bindung zu Semina und kennen sie. Stefanie, die beste Freundin von Kristina - kennt die Familie schon seit sie nach Deutschland gekommen sind, steht nun aber zwischen zwei Stühlen. Der Druck auf Arbeit, sich von der Familie zu distanzieren und der langjährigen Freundschaft. Und dann ist da noch Jordan, Freund und Kollege von Aylin. Sie alle setzen die Geschichte zusammen und bringen unterschiedliche Sichtweisen ins Spiel. Aber sie alle stehen auf der einen Seite des IS und der Radikalisierung. Auf Seite derer, die zurückgeblieben sind und meist nur die indirekten Folgen zu spüren bekommen.
Auf der anderen Seite steht Star, die zusammen mit ihrem Mann im Kalifat lebte und nun auf der Flucht ist. In ihrer Geschichte erfährt man auch den direkten Teil der Radikalisierung. Gründe, warum sie sich dem IS angeschlossen hat, Gefühle und Gedanken, als sie dort war, Gründe für die Flucht.
Diese Vielschichtigkeit lässt das Lesen nicht langweilig werden.
Und obwohl die Geschichte auf den ersten Blick die islamistische Radikalisierung fokussiert, liegt die Kernaussage des Buches eigentlich allgemein beim Thema Extremismus: Extremismus – in welcher Art auch immer – ist niemals gut. Man sollte nie vorschnell urteilen und immer die Hintergründe betrachten. Niemals blind durchs Leben gehen, alles hinterfragen. Aber trotzdem auf keine Fall Mitgefühl und Nächstenliebe vernachlässigen.
Alles in allem eine sehr gelungene Geschichte, die zum nachdenken anregt. Auch wenn sie frei erfunden ist, wurde sie durch die gute Recherche doch sehr lebensnah.
Absolute Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
29.08.2025
Buch (Paperback)
Aktuell, spannend und relevant: auch für junge Leute
Dieses Buch war wirklich eine besondere und einzigartige Leseerfahrung. Es ist sehr spannend die Perspektiven von mehreren Charakteren zu erfahren und mit dem Ausgang der Geschichte habe ich nicht gerechnet. Es ist ein Buch das auf jeden Fall zum Nachdenken anregt und viele Wahrheiten und Realitäten anspricht. Absolute Empfehlung auch für junge Leser:innen, die sich in viele Figuren sehr gut hineinversetzen können.
Buecherseele79
5/5
23.05.2020
Buch (Paperback)
Extremismus ist kein Weg
Eigentlich könnte alles so einfach sein – Aylin hat ihr Abitur geschafft und überlegt was sie studieren oder arbeiten möchte. Ihre Schwester Semina arbeitet und studiert in Köln, auch wenn es in letzter Zeit ruhig um Semina geworden ist. Doch dann erfährt Aylin durch die sozialen Medien dass ihre Schwester sich dem IS angeschlossen hat, die Familie stürzt ins Chaos. Und nicht nur das, sie werden in ihrer kleinen Stadt verurteilt, ausgeschlossen, angefeindet und als Bedrohung angesehen. Doch die Gefahr kommt aus einer ganz anderen Ecke… die ein leichtes Spiel hat weil sie niemand beachtet…
„Hab keine Angst, möchte ich ihr sagen. Wer etwas Böses vorhat, hält sich nicht damit auf, an Türen zu klingeln. Glaub mir, ich weiß es. Damals in Bosnien habe ich es selbst erlebt. Ich weiß, wie sie es machen. Sie treten die Türen ein oder werfen Brandsätze durch die Fenster. Sie kommen nachts. Sie…Entsetzen überrollt mich.“(Seite 122)
Ich möchte an dieser Stelle erstmal der Autorin meinen Respekt aussprechen für ihren Mut und ihre Weitsichtigkeit. Denn vieles was in diesem Buch behandelt wird, gerade in Punkto Anfeindungen, Drohungen per persönlich, per sozialen Medien ist der Autorin so widerfahren, samt Familie, sie hat sich aber nicht geschlagen gegeben sondern den Spieß umgedreht. Und in diesem Buch verarbeitet sie auch ihre Erlebnisse und Geschehnisse.
Der Schreibstil ist zu Beginn sehr ruhig und wir lernen die Schwester und Mutter von Semina kennen – Aylin und Kristina Hodzic´. Ebenso Jordan hat seinen Platz, er ist der Freund und Mitarbeiter von Aylin. Stefanie ist die gemeinsame Freundin der Familie von Kristina, Aylin hat immer auf den Sohn Tim von Stefanie aufgepasst. Und Star….die sich dem IS angeschlossen hat und nun ihre Geschichte in kurzen Kapiteln zur Sicht freigibt. Sie alle haben ihren Platz in der Geschichte, fügen immer wieder Puzzleteile der Geschichte zu. Die Kapitel sind kurz, knackig und leicht zu lesen.
Die Familie Hodzic´ hat den Hauptpart in diesem Buch. Jeder hat seine Geschichte in dieser Familie, auch die Eltern die hier erzählt und erwähnt wird. Zeigt auf was die Eltern auf sich nehmen mussten, was Politik und Religion mit ihnen gemacht hat, warum den Eltern die Religion nicht wichtig ist. Und dann Semina, die immer als intelligent, zurückhaltend und gesittet galt, die sich plötzlich dem IS zugewendet hat. Wieso, Weshalb, Warum bleibt ein Geheimnis, aber umso näher die Geschichte dem Ende kommt, umso mehr lichtet sich das WirrWarr und lässt den Leser mehr als einmal überrascht und schockiert zurück.
Jordan hat ebenso ein schlimmes Erlebnis hinter sich, aber auch noch andere Gemeinsamkeiten mit der Familie Hodzic´- sie sind in Deutschland geboren, haben ihren Schulabschluss, gehen arbeiten und sind integriert in der Gesellschaft. Doch wie sieht es die Gesellschaft? Kann man sagen dass Extremismus und Vorurteile nicht vorhanden sind? Wie weit haben sich die Gesellschaften entwickelt?
Stefanie ist Deutsche, steht aber für viele Menschen in Deutschland die sich nicht der Hetze hingeben wollen und werden. Die in der eigenen Familie, Freundeskreis oder Ehe Diskussionen führen über den Extremismus, die hohe Zahl der Flüchtlinge, wie der Weg weitergeführt werden soll. Diskussionen die in Streit, Bruch und eigenen Ansichten zerstören oder führen zusammen, sind aber nicht mehr wegzudenken.
Wie reagiert die Gesellschaft wenn sich jemand dem IS angeschlossen hat? Die Gesellschaft? Die sozialen Medien, die Presse im Allgemeinen? Was macht die Politik wenn IS Kämpfer geläutet zurückkehren möchten? Wie sind ihre Chancen? Wem kann man vertrauen?
Die Autorin hat sich auch mit Familien getroffen die davon betroffen sind/waren – ihre Kinder haben sich dem IS angeschlossen und was nun? Wie geht es für sie weiter? Wie geht es mit den Kindern weiter? Wie kommt man an Informationen? Was kann man selbst machen um die Kinder wieder zurückzubekommen? Und wie sicher ist das? Gibt es ihr den „goldenen“ Weg.
Doch es ist kein Buch welches Stimmung macht, ob jetzt für oder gegen den IS. Nein, in diesem Buch geht es um mehr. Es geht um jegliche Art von Extremismus, dass dieser nie unterschätzt werden darf, aber gerne unterschätzt wird. Dass diese Seiten, egal wo man hinschaut, mit den gleichen Lockmitteln und Argumenten arbeitet. Und vor allem – das wir hier in Deutschland an unserem Ton arbeiten müssen, an was wir meinen vorverurteilen zu können und dürfen und dass wir gerade auf dem rechten Auge sehr blind erscheinen, nach wie vor.
Mich hat dieses Buch sehr beschäftigt, schockiert und erneut aufgerüttelt. Und ich empfehle es daher dringend und an jeden weiter!
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