Die heimatlose Erzählerin verlässt New York, um am Internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin zu arbeiten. Als sie Adriaan kennenlernt, scheint Den Haag zur Antwort ihrer Sehnsüchte zu werden. Doch dann verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und hinterlässt nichts als Fragen. Fragen, die sich zu einem existenziellen Abgrund auftun, als sie für einen angeklagten westafrikanischen Kriegsverbrecher dolmetschen muss und zweifelt: Was ist kalkulierte Lüge, was Wahrheit? Glauben nur noch die Naiven an Gerechtigkeit? Wer kann über wen richten? Wer legt unsere Weltordnung fest? Kitamuras kraftvoller Roman ist ein anregendes intellektuelles Vergnügen mit hypnotischer Sogwirkung.
Intimitäten wird fesselnd von Katja Danowski gesprochen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
brauneye29
aus Wachtendonk
5/5
17.08.2022
Hörbuch-Download
Ungewöhnliches Buch
Zum Inhalt:
Die heimatlose Erzählerin geht von New York nach Den Haag um am internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin zu arbeiten. In Den Haag lernt sie Adriaan kennen und glaubt ihr Glück gefunden zu haben zu haben. Doch als er zu seiner Noch-Ehefrau verschwindet, bleiben nichts als Fragen und auch ihr Beruf wirft neue Fragen auf, die sie ins Zweifeln bringen.
Meine Meinung:
Das ist so ein Buch, dass einen total gefangen nimmt ohne dass man überhaupt sagen kann warum das so ist. Zumindest habe ich das so empfunden. Ich hatte das Buch als Hörbuch und ich fand es sehr gut gelesen. Es war auch ein extrem kurzweiliges Buch, dass für mich viel zu schnell zu Ende war. Ich hätte sowohl der Geschichte oder auch der Sprecherin deutlich länger zuhören können ohne das es langweilig geworden wäre. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.
Fazit:
Ungewöhnliches Buch
BücherBummler
4/5
18.08.2022
Hörbuch-Download
Katie Kitamura - Intimitäten
Aus New York verschlägt es die namenlos bleibende Ich-Erzählerin nach Den Haag. Hier hat sie eine Stelle als Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof ergattert und am Anfang sieht alles so aus, als könnte sie in den Niederlanden eine Heimat finden. Im Beruf läuft es gut, sie erhält Anerkennung für ihre Arbeit und kriegt schon bald verantwortungsvollere Aufträge übertragen. Außerdem lernt sie Adriaan kennen, der, verheiratet, aber bereits getrennt lebend, schnell zu jemandem wird, mit dem sie sich eine Zukunft vorstellen könnte.
Doch dann bekommt sie am Gerichtshof den Fall eines angeklagten „ehemaligen Präsidenten“ und westafrikanischen Kriegsverbrechers zugeteilt, der sie tief erschüttert. Und Adriaan reist zu seiner Frau, um Scheidungsangelegenheiten zu klären, angeblich für eine Woche. Eine Woche, aus der ein Monat ohne Lebenszeichen wird. Umstände, die die Protagonistin überdenken lassen, ob sie für ihre Arbeit geeignet ist, ob Adriaan oder Den Haag ohne Adriaan ihr eine Zukunft bieten können.
„Intimitäten“ von Katie Kitamura gehört für mich zu den Romanen, die mich während des Lesens bzw. Hörens durchaus angesprochen haben, mich aber am Ende etwas unbefriedigt zurücklassen. Zum einen liegt das an der Gewichtung der Themen. Laut Text auf dem Cover soll das Buch existentiellen Fragen über Wahrheit, Lügen, Gerechtigkeit, das Recht zu richten und die Weltordnung am Beispiel des „ehemaligen Präsidenten“ behandeln. Davon habe ich leider nicht viel gefunden. Das Privatleben der Dolmetscherin hat meinem Gefühl nach einiges mehr an Platz eingenommen. Was vielen gefallen mag, mich hat es weniger interessiert.
Denn gerade dieses Privatleben war nicht wirklich erzählenswert. Spannender versprach da eine Nebengeschichte zu werden, in der unsere Hauptfigur von einem Überfall vor dem Haus ihrer Freundin hört, aus unerfindlichen Gründen so fasziniert davon ist, dass sie die Buchhandlung des Opfers aufsucht, es dort aber nicht antrifft, dafür aber zufällig auf einer Vernissage dessen Zwillingsschwester kennenlernt, was naheliegend ist in einer Stadt von über einer halben Million Einwohnern… Diese Ungereimtheiten hätte ich der Geschichte ohne mit der Wimper zu zucken verzeihen können, denn sie schien verheißungsvoll auf etwas Aufregendes hinauszulaufen… Bis sie komplett von der Bildfläche verschwand. Und sich mir der Verdacht aufdrängte, dass die Autorin einfach noch ein paar Seiten füllen musste.
Warum meine Einschätzung letzten Endes doch ziemlich wohlwollend ausfällt ist, weil die Stunden, die ich mit diesem Hörbuch verbracht habe, trotz aller Kritik, unterhaltsam waren. Besonders die Einblicke in die Arbeit von Dolmetschern fand ich ausgesprochen interessant und auch die Interpretation von Katja Danowski als Sprecherin hat mich überzeugt.
„Intimitäten“ hat viel Zustimmung bekommen, auch von Rezensenten, auf deren Meinung ich viel Wert lege. Deswegen möchte ich, obwohl es sich eigentlich von selbst versteht, jedem potenziellen Hörer und/oder Leser explizit ans Herz legen, sich selbst ein Bild zu machen. Auch wenn meine Leseempfehlung eingeschränkt bleiben muss.
Birgit
aus Wien
2/5
21.08.2022
Hörbuch-Download (MP3)
Unter den Erwartungen geblieben
Der Klappentext von Intimitäten hat viel versprochen, leider hat der Roman das nicht gehalten. Ich habe mir, neben der Liebesgeschichte, die ich nicht unbedingt benötigt hätte, mehr von der moralischen Zwickmühle erwartet, die der Job als Übersetzerin im Gerichtshof der Vereinten Nationen mitbringt. Da ich kein großer Fan von Liebesgeschichten bin, hatte ich gehofft, dass sich die Themen zumindest 50/50 aufteilen, über das Buch. Leider gab es ziemlich viel von der Affäre, ein bisschen Prozess gegen den menschenrechtsverachtenden Kriegsführer (ist ja nicht so interessant) und sehr viele andere Themen... Es wirkt so, als hätte sich die Autorin einfach zu viel vorgenommen. Sie wollte auf zu wenigen Seiten zu viele Themen ansprechen und hat so den Überblick für die Geschichte verloren. So ist auch die Entscheidung der Protagonistin am Ende des Romans nicht unbedingt nachvollziehbar.
Auch sprachlich ist der Roman keine Besonderheit und reiht sich zwischen die anderen Bücher ein, um möglicherweise schon bald vergessen zu werden.
MarieOn
5/5
16.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Großartige Geschichte
Nachdem der Vater der namenlosen Ich-Erzählerin von seinen Leiden der Altersschwäche erlöst wurde, geht ihre Mutter, in die Heimat Singapur zurück. Sie selbst, fühlt sich jetzt frei genug, eine weitreichende Entscheidung zu treffen und geht an den Gerichtshof in die Niederlande. Sie mag die Mentalität der Menschen dort, die sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Allerdings ist die Athmosphäre gegenüber New York, ihrem vorherigen Wohnort, eher familiär.
Die einzige Freundin Jana, Kuratorin, bezeichnet sich als Haushälterin einer Nationalgalerie, ist wesentlich aufgeschlossener als sie.
Die Aufgabe der Dolmetscher*innen am Gerichtshof ist deffiziel und erfordert großes Einfühlungsvermögen.
Ein Gerichtsverfahren war eine wohlkalkulierte komplexe Darbietung, an der wir alle beteiligt waren und aus der sich niemand vollkommen heraushalten konnte. Aufgabe der Dolmetschenden war es nicht nur, etwas mitzuteilen oder darzubieten, sondern auch das unaussprechliche zu wiederholen. S. 20
Der Gerichtshof befasst sich ausschließlich mit Genoziden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und verhandelt Kriegsverbrecher.
Während einer Demonsrtration vor dem Gerichtshof, drückt ihr einer der Teilnehmenden ein Flugblatt in die Hand, das sie nachdenklich stimmt. Die Demonstranten sind Anhänger eines afrikanischen Präsidenten, der in den nächsten Monaten verhandelt werden soll. Sie werfen dem Gerichtshof, die Konzentration einzig auf Anklageerhebung gegen afrikanische Machthaber vor. Es sei ein abgekartertes Spiel der Imperialisten Amerika und Frankreich.
Fazit: Die Geschichte ist so glaubhaft, als handele es sich wirklich um den internationalen Gerichtshof. Der Schreibstil ist großartig, jedes Wort sitzt. Die Autorin hat sich in jeden ihrer Charaktere zutiefst eingefühlt. Sie baut langsam auf der Entwurzelung der Protagonistin auf. Ihre Einsamkeit färbt die Stimmung melancholisch. Ihre Moralvorstellungen konterkarieren ihre Arbeit als Übersetzerin. An den charismatischen Machthabern sieht sie ihre eigene Machtlosigkeit. Sie fühlt sich immer mehr als Werkzeug, verliert zunehmend ihre Konturen. Die Hoffnungen, durch den Mann, dem sie ihr Vertrauen schenkte, heimisch zu werden, schwinden. Ein wirklich gut durchdachtes Psychodrama, das ich sehr gerne gelesen habe. Ein Wunder, dass es noch nicht verfilmt wurde.
Bewertung
5/5
21.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Intim auf nur mehr als einer Ebene
Die gesamte Aufmachung der Geschichte sprach mich an. Ich liebe Romane, welche Sprache erforschen und ihre Grenzen testen. Da bietet es sich an eine Übersetzerin bei ihrer Arbeit zu begleiten. Die Sprache wie auch die Protagonistin tragen dieses Werk. Leider ließ es für meinen Geschmack am Ende etwas nach, da sie mir zu selbstbemitleidend erschien, aber nichtsdestotrotz hatte ich eine wunderbare Zeit diese Lektüre zu verschlingen.
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5/5
12.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Macht der Worte oder Wo beginnt Nähe?
Ein großartiger, vielschichtiger und faszinierender Roman über Wahrheit und Gerechtigkeit, den die Autorin hier vorlegt, nachdem ich ihren Roman „Trennung“ schon mit maßloser stiller Begeisterung gelesen habe.
Hier geht es um eine junge Frau, die auf der Suche nach sich und ihrem Platz im Leben ist. Sie hat sich gerade beruflich verändert, ist nach Den Haag gezogen, um dort am Internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin zu arbeiten. Hier lernt sie den etwas undurchsichtigen Adriaan kennen und lässt sich auf eine intime Beziehung mit ihm ein.
Zugleich wird sie bei ihrer Arbeit mit einem Kriegsverbrecher konfrontiert, für den sie übersetzen muss, und auch da beginnen die Intimitäten, die in jedem Wort, in jeder Geste, in jedem Ton liegen.
Katie Kitamuras Schreibstil ist zurückgenommen, sachlich und nüchtern, doch auch mitreißend und eindringlich, so dass sich fast eine intime Situation zwischen Leser und Autor entwickelt.
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5/5
21.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Intimität von Sprache
Die Arbeit am Internationalen Gerichtshof in Den Haag hatte für mich auf den ersten Blick wenig mit Intimität zu tun. Ganz im Gegenteil werden dort doch Verbrechen verhandelt, zu denen man in einer zu tiefst menschlichen Reaktion so viel Abstand wie möglich wahren möchte. Doch diesen Abstand kann sich die Protagonistin im neuen Roman von Katie Kitamura , die für uns Leser*innen überraschenderweise namenlos bleibt - uns wird hier keine Intimität zugestanden, wir werden auf Distanz gehalten, als Dolmetscherin nicht leisten:
"Meine Aufgabe besteht darin, den Abstand zwischen den Sprachen so klein wie möglich zu halten."
Ihre Aufgabe ist es, die Aussagen von Tätern, Opfern und Zeugen so genau wie möglich zu übersetzen, jede noch so kleine Nuance zu berücksichtigen, um die Wirkung der Aussage, vor allem aber jene der dahinterstehenden Person nicht zu verfälschen und damit den Verlauf der Verhandlung nicht zu beeinflussen.
Welche Intimität dabei entsteht, wenn man die einzige Person im Saal ist, die die Sprache des Opfers spricht,
"Als ich hinuntersah, durchschauerte es mich - wie seltsam es war, ihre Worte für sie zu sprechen, wie verkehrt, dieses ich zu benutzen, das ihr gehörte und nicht mir, dieses Wort, das nicht geräumig genug war.",
darüber schreibt Katie Kitamura meisterhaft. Sie schreibt über Sprache, wie wichtig sie für uns ist, wie wichtig ihre Feinheiten für unsere zwischenmenschliche Interaktion sind und wie sie als Bindeglied oder auch als trennendes Element wirken kann.
Ich kann mich nicht daran erinnern, einmal etwas ähnlich Intensives gelesen zu haben, aber ich möchte in Zukunft bitte ganz viel mehr davon liebe Katie Kitamura.
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5/5
04.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Sprach das Leben bestimmt,...
Wenn Sprach das Leben bestimmt, dann verändert sich wohl automatisch der Blick auf die Welt. Die Macht der Worte zu verstehen und als Dolmetscherin stets die Richtigen zu finden um auch zu vermitteln was zwischen den Worten steht, ist sicher eine große Herausforderung.
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5/5
23.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Am Den Haager Gerichtshof kommt...
Am Den Haager Gerichtshof kommt die Ich-Erzählerin dieses außergewöhnlichen Romans als Dolmetscherin Kriegsverbrechern näher, als ihr lieb ist.Katie Kitamuras Erzählstil und ihr scharfer Blick auf Sprache haben mich von den ersten Zeilen an gefangen genommen und sehr begeistert.
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5/5
12.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zu nah…
Sie sehnt sich nach einem zu Hause und nach Liebe. In Den Haag versucht sie Fuß zu fassen, trifft dort auf den in Trennung lebenden Adriaan. Als dieser sie wieder verlässt und ihre Arbeit am Internationalen Gerichtshof verlangt einen Kriegsverbrecher zu dolmetschen, beginnt das Zweifeln. Zweifel am gesprochenen Wort, am Wahrheitsgehalt desselben, an der Interpretation von Gesten und Geschehnissen, gibt es doch verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Verunsicherung wird steter Begleiter.
Ich bin begeistert von diesem intelligenten und wunderbar geschriebenen Roman, das ist wieder eines dieser Bücher; schmal, gehaltvoll, gut.
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