Ein Familienfest, scheinbar ohne konkreten Anlass. Und wie immer in den letzten Jahren haben sich die drei Geschwister und ihre Eltern kaum etwas zu sagen, nichts wirklich Wichtiges. »Nirgends wird so viel gelogen und verschwiegen wie in Familien«, denkt Claire. »Oder ist das nur in unserer so?« Doch dann werden die Geschwister unverhofft mit ihren Kindheitserinnerungen konfrontiert ... Fünfzehn Erzählungen über Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, einfühlsam und genau beobachtet, mit einem feinen Gespür für Stimmungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Spannend und mit überraschenden Wendungen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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15 Geschichten, die nach der letzten Seite weiterleben
**** Mein Eindruck ****
Dies ist mein zweites Buch der Autorin und wieder hat mich ihre Art zu erzählen beeindruckt. Es handelt sich um 15 Kurzgeschichten, die jeweils für sich stehen und doch einen ganz eigenen roten Faden miteinander bilden. Jede einzelne Erzählung ist unglaublich präzise und einnehmend gestaltet. Wir tauchen mitten hinein in das Leben ganz unterschiedlicher Figuren, erleben Wendepunkte, Entscheidungen und die Momente, die ein Leben verändern können.
Es geht um das Leben in all seinen Facetten: um Alltag und Gefühle, um Nähe und Verlassenwerden, um Vielfalt, aber auch um diese gewisse Eintönigkeit, die zum Menschsein dazugehört. Manches davon ist wunderschön, anderes frustrierend – und gerade diese Mischung macht die Geschichten für mich so glaubwürdig.
Was alle Erzählungen gemeinsam haben: Sie enden, aber nicht im Kopf. Ich habe nach jeder Geschichte weitergedacht und mir ausgemalt, was danach passieren könnte. Manche habe ich regelrecht in Endlosschleife weitergesponnen, andere entwickelten in meiner Vorstellung noch ganz neue Wendungen. Jede einzelne Geschichte hätte für mich die Kraft, sich zu einem Roman zu entfalten. Sie sind kurz, aber niemals belanglos.
Bei den ersten Erzählungen haben mich die ganz eigenen Cliffhanger noch irritiert. Ich dachte zunächst: Aber jetzt möchte ich doch wissen, wie es weitergeht! Und irgendwann habe ich genau diese offenen Enden herbeigesehnt. Ich wollte weiterträumen, wollte während des Lesens herausfinden, worauf die Autorin eigentlich hinauswill – und wurde jedes Mal aufs Neue mit einer anderen Idee überrascht.
Besonders schön fand ich, wie viele Figuren ich trotz der Kürze der Geschichten ins Herz geschlossen habe. Die Autorin schafft es, in wenigen Seiten Menschen entstehen zu lassen, die sich nicht wie bloße Momentaufnahmen anfühlen, sondern wie Personen mit einem Leben, das weit über die erzählte Geschichte hinausgeht.
Für mich ist dieses Buch deshalb weit mehr als eine Sammlung von Kurzgeschichten. Es ist ein wunderbarer Ansatz, über das Leben, seine Wendungen und Entscheidungen, ihre Tragweite und vor allem über das Weiterleben danach zu erzählen.
**** Empfehlung? ****
Für alle, die Kurzgeschichten lieben, die nicht mit der letzten Seite aufhören, sondern im Kopf weitergehen. Für alle, die gerne über Figuren, ihre Entscheidungen und die Möglichkeiten ihres Lebens nachdenken und Geschichten mögen, die Raum für eigene Gedanken und Weiterträumen lassen.
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
06.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fünfzehn mal Leben
In insgesamt fünfzehn Erzählungen nimmt uns Martina Berscheid mit auf eine Lesereise zu sehr unterschiedlichen Themen. Die Geschichten sind hierbei mal kurz und mal lang, nicht immer gibt es einen Abschluss, es bleibt manches ungesagt, wie im wahren Leben auch. Ob Verrat, Eifersucht, Unsichtbarkeit in einer langen Beziehung oder Einsamkeit, die Figuren in den Kurzgeschichten sind authentisch und oft wie am Rande einer Klippe unsicher balancierend, sich fragend, wo es hingehen mag.
Ich mochte alle Stories sehr, meine Favoriten aber sind »Familienfest« und »Gwen«. Ein Familienfest: Die Kinder sind erwachsen, die Mutter bestellt alle nach Hause, etwas Wichtiges gibt es zu verkünden. Alle kommen und sind gespannt, was dies für eine Neuigkeit sein mag. Aus mehreren Perspektiven erfuhr ich dabei die Gedanken und Gefühle der Familienmitglieder. Besonders berührt hat mich dabei die Sichtweise des Vaters, der immer mehr in die Demenz abdriftet und nicht so viel mitbekommt von diesem Familienfest, das keines war. In «Gwen« gehts um Einsamkeit, aber auch um Übergriffigkeit, die daraus erwächst. Diese Erzählung war so traurig, dass es fast wehgetan hat.
Insgesamt eine schöne Mischung, die mir gut gefallen hat. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
Bewertung
5/5
17.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfühlsame und aufwühlende Erzählungen
Martina Berscheid schafft es mit ihren Erzählungen, das Innenleben ihrer Figuren zu sezieren, Stolpersteine in Familien und anderen Beziehungen aufzudecken und Masken abzunehmen. Wie schon im Titel angedeutet, finden wir ja oft im Fremden Wahrheiten und Anworten. Manchmal in dem Moment, in dem wir uns in andere Personen hineinversetzen. Mich haben die Geschichten sehr mitgerissen und mir geholfen, neue Sichtweisen zu entdecken. Ein großes Dankeschön an die Autorin.
Bewertung
aus Kaiserslautern
5/5
27.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sensibel, spannend, sozialkritisch, intelligent
Mit großem Genuss habe die Erzählungen in diesem Buch gelesen. Martina Berscheid ist für mich keine Unbekannte - ihre zuvor erschienenen Romane "Das Echo unseres Schweigens" und "Die Klassenkameradin" haben mich ebenfalls sehr beeindruckt.
Auch in dem neuen Buch finden wir wieder diese unverwechselbare Mischung aus feiner Sensibilität, einem Hauch pastellgrauer Melancholie, subtiler Sozialkritik und Spannung - bisher habe ich Ähnliches vergleichbar nur bei Daniela Krien gefunden.
Das Cover des Buches ist wunderschön, lässt einen aber vielleicht zu sehr etwas Fröhliches, Unbeschwertes, erwarten. DAS bekommt man nicht, bzw. man findet es schon, als immer wieder aufleuchtender Hoffnungsschimmer zwischen den Zeilen.
Unbedingte Leseempfehlung!
yellowdog
4/5
06.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geschichten des Alltags
Ein Band mit Kurzgeschichten. Die erste ist eine originelle Geschichte um die Phantasie einer Frau.
Auch die zweite Geschichte hat was. Es geht um zwei Familien im Urlaub. Wieder ist die Perspektive ganz bei einer Frau und ihrer Gefühlswelt.
Diese Art der Perspektive behält die Autorin bei, auch wenn die Geschichte „Passwort“ von einem Mann erzählt wird. Er und seine Freundin geraten in eine Krise, er beginnt ihren Laptop auszuspionieren und erfährt unerwartetes.
Unbedingt erwähnenswert auch “Die Besuche meiner Mutter“. Ein Höhepunkt ist dann noch die Geschichte Der Schmerz.
Es folgen viele ähnliche Stories. Das wird mit der Zeit gleichförmig, doch damit hält die Autorin auch ein gewisses Niveau, dass sie nie über- oder unterschreitet.
Martina Berscheid überzeugt mit Geschichten des Alltags, die ihre Erschütterungen haben.
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