Gruma, ein archaisches Dorf im Apennin. Hier geht kein Mensch von dieser Welt, bevor er nicht eine Nacht lang erzählen und letzte Dinge loswerden kann. Walter, wegen seines pechschwarzen Haars auch Nerì genannt, wird zum neuen Geschichtenabnehmer bestimmt. Wenn es so weit ist, eilt er ans Sterbebett, wo schon ein Stuhl für ihn bereitsteht. Er hört den leisen Worten zu und einem Atem, der langsam verebbt. Für Nerì ist seine Bestimmung Fluch und Segen zugleich. Bald kennt er viele Geheimnisse, und er kennt den Tod - doch wird er fast verrückt ob dieser vielen Stimmen in seinem Kopf. Während man sich in Gruma seit jeher unter der Platane, in la Frans Bar oder vor Sciugars Friseursalon die schöns ten Geschichten erzählt, darf er nichts davon preisgeben, was er am Sterbebett erfährt.
Vincenzo Todiscos neuer Roman fängt die magische Atmosphäre einer Kindheit in einem italienischen Bergdorf ein, wo die Tradition des Erzählens in besonderer Weise lebendig ist. Jede Geschichte bringt ein neues Stück der dunklen Vergangenheit zutage, und verstört muss Nerì anhören, welche Spuren der Krieg in Gruma, auch in seiner Familie, hinterlassen hat.
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Alexandra
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10.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tiefsinnig, feinfühlig, tragisch
Ein Buch, das einem zum Schmunzeln bringt und zum Innehalten. Vincenzo Todosci schreibt in einer feinfühligen Sprache über tiefgründige Themen und unausgesprochenen Lebensgeschichten von Bewohnern eines italienischen Bergdorfes.
Walter, ein uneheliches Kind, was im Bergdorf Gruma eine Schande ist, kommt zur Welt und wird wegen seiner pechschwarzen Haare, liebevoll „Neri“ genannt. Mit sieben Jahren wird er zum Geschichtenabnehmer der sterbenden Einwohner ernannt. Zia Filina, Walters Tante, eine selbstbewusste Frau, hat bereits bei der Geburt dafür gesorgt, dass Neri ein besonderes Kind wird, um das verspotten der Familie zu verhindern.
Seine Mutter sitzt den ganzen Tag an der Nähmaschine und näht.
Walter kann den Schulunterricht jederzeit verlassen, wenn jemand am Sterben liegt oder wird mitten in der Nacht dafür gerufen. Diese Aufgabe führt er gewissenhaft durch und hinterfragt sie nicht, es ist einfach so. Die Abnahmen der Geschichten, Erinnerungen, Beichten, Geständnisse dauern teilweise mehrere Tage, lassen dann aber die Sterbenden friedlich einschlafen. Walter braucht danach Tage um das Anvertraute, welches er mit niemandem Teilen darf, zu verdauen, was ihn zum Aussenseiter macht.
In die Pubertät kommend, verliebt sich Walter abgöttisch, kann aber die ungewohnten Gefühle nicht zuordnen. Seine Einsamkeit hat ihn entfernt vom dem, was andere in seinem Alter längst wissen und lässt ihn verzweifeln.
Es ist an der Zeit, dass einige in seinem Alter das Bergdorf verlassen und in die „Fremde“ ziehen, so auch sein Freund Manu. Neri bleibt zurück im Bergdorf, in seiner Welt.
Eines Tages wird Walter von einem Fremden Namens Theodor aufgesucht. Anfänglich verabscheut er seine Aufsässigkeit, doch mit der Zeit gefällt ihm seine offene Art. Sie unternehmen gemeinsame Ausflüge. Walter geniesst dies und lernt dadurch eine andere Welt kennen. Es entsteht eine Freundschaft.
Doch eine grosse Enttäuschung veranlasst Walter, schweren Herzens, Gruma zu verlassen. Er zieht zu seiner Mutter in die Schweiz.
Jahre später, aufgrund eines Briefes, kehrt Walter zurück ins Bergdorf. Seine gebrechliche Mutter ist davon nicht begeistert.
Er wird von den zurückgebliebenen Bewohnern vertraut mit „Neri“ begrüsst, wer er längst nicht mehr ist. Nach 30 Jahren harter Arbeit in einer Schokoladenfabrik hat er sich verändert.
Ein literarisches Buch, in welchem Vincenzo Todisco den Charme und die Mentalität italienischer Bergbewohner eingefangen hat, mit deren Werte und Zusammengehörigkeit, thematisiert mit seinen zwischenmenschlichen Schwierigkeiten.
Ein Buch in welchem über tiefe Verletzungen und Einsamkeit gesprochen wird. Ein feinfühliges Buch mit grandiosen Details über Emotionen, unausgesprochenen Familiengeschichten, Liebenswürdigkeiten und starken Persönlichkeiten. Ein Buch mit einem offenen Ende, worüber man gerne nachdenkt.
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