Detektiv Achille Perrot reist nach London und sucht seinen Bespoke Tailor in der Savile Row auf. Dort erfährt er, dass sein Schneider spurlos verschwunden ist. Perrot beginnt zu ermitteln und wird nun selbst zur Zielscheibe. Anlässlich einer Zirkusaufführung entgeht er nur knapp dem Tod durch einen vergifteten Blasrohrpfeil. Dem statt seiner eine Artistin zum Opfer fällt. Im Zuge seiner Ermittlungen gerät der Detektiv in die finstersten Gassen Londons und in die Fänge einer obskuren Geldverleiherin, deren dunkler Charme ihn nachhaltig fasziniert. Wird immer mehr zum Spielball dubioser Ereignisse. Als Perrot anhand brillanter Rückschlüsse eine spektakuläre Entdeckung gelingt, wird deutlich, dass er ohne sein Wissen im Besitz eines brisanten Dokumentes sein muss, das im Zusammenhang mit all den mysteriösen Vorkommnissen und Morden zu stehen scheint.
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Achille Perrot und seine Fälle waren mir vorher nicht bekannt, ein Einstieg und das Lesen des Krimis waren aber problemlos möglich. Der Schreibstil ist ausgezeichnet und sprachlich wunderschön, eher gehoben, aber ein Genuss zu lesen - für manche mag er altmodisch erscheinen, ich empfinde ihn als zeitlos. Wie sein Vorfahr Hercule Poirot legt auch Achille wert auf eine makellose Erscheinung und Benehmen, etwas, das ebenfalls zum Charme dieses Krimis beiträgt. Ansonsten wird es rätselhaft und spannend, nicht alles löst sich, manches bleibt offen - trotzdem hat man ein rundes Gefühl nach dem Lesen. Ein gelungener klassischer Krimi.
Klaus
5/5
20.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Krimi der besonderen Art
Achille Perrot findet es wird mal wieder Zeit seinem Londoner Schneider einen Besuch abzustatten, unerfreulich nur, als zum vereinbarten Termin eben dieser verhindert ist und Achille sich unvermittelt dessen Bruder gegenübersieht. Unverrichteter Dinge verlässt Perrot das Geschäft, natürlich mit der Ankündigung seiner baldigen Rückkehr und mit dem Geruch von Amber in der Nase, nicht ahnend, dass ihn dieser Duft in den nächsten Tagen verfolgen wird.
Im vierten Buch der Reihe, rund um den fiktiven Enkel des berühmten Hercule Poirot, lässt Autorin Crysta Winter ihre Hauptfigur erstmals selbst zu Wort kommen und als Ich - Erzähler agieren. Wenn man Achille bereits kennt, bekommt man so einen ganz anderen, intensiveren, aber oft auch frustrierenden und verwirrenden Einblick in dessen Gedankenwelt, sollte man ihn mit diesem Buch erst kennenlernen, dann bitte nicht abschrecken lassen, es lohnt sich wirklich seine Bekanntschaft zu machen. Achille ist, wie auch sein berühmter Großvater eine ganz spezielle Persönlichkeit, ein loyaler, leider nicht unbedingt immer mitteilsam Freund und natürlich ein brillanter Ermittler.
Wer, so wie ich, auf spezielle Ermittlerfiguren steht, wird dies hier definitiv finden und auch das Setting der Geschichte tut hier ihr Übriges. Passend zu Perrot Wesen wird der Leser in ein London entführt, das anmutet wie zu Zeiten Jack the Rippers, oder Sherlock Holmes. Der Leser besucht nicht nur eine fantastisch anmutende Menagerie der Künste, sondern macht auch die Bekanntschaft mit einer, wie aus der Zeit gefallen wirkenden, geheimnisvollen Dame und tauch tief ab in die düstere, viktorianisch angehauchte Atmosphäre verwinkelter Gassen und Parks. Beim Lesen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion noch stärker, als sie es ohnehin schon tun, denn man vergisst fast, dass das Buch eigentlich im Jetzt spielt und ist immer wieder übereascht, wenn man darauf durch ein kleines Detail hingewiesen wird.
Das Buch entwickelt einen ganz eigenen und unvergleichlichen Charme, den die Autorin noch durch ihre besondere Art zu Schreiben unterstützt. Anfangs hatte ich damit etwas Schwierigkeiten, obwohl ich schon die anderen Bücher der Autorin kenne. Der Schreibstil ist sehr präzise und direkt, kommt oft mit ganz kurzen, manchmal sogar nur aus einem Wort bestehenden Sätzen aus und ist schon auch etwas anspruchsvoll. Mich hat er stellenweise in meinem Lesefluss ausgebremst, wobei das durchaus ein positiver Effekt ist, wurde ich doch hier zur Konzentration gezwungen, dazu, mich auf die Geschichte einzulassen, der Tiefe und den Nuancen nachzuspüren, um nichts zu überlesen. Das ist anstrengend, ungewohnt, aber eben absolut passend zu Perrots Figur und dem Kriminalfall.
Wer bei diesem Kriminalfall ein spannungsgeladenens Feuerwerk inklusive Verfolgungsjagd und Schießerei erwartet, wird leider enttäuscht. Auch hier folgt Perrot ganz seinem berühmten Vorfahren, die Ermittlungsarbeit ist geprägt vom Einsatz der kleinen grauen Zellen, die zur Regeneration natürlich ausreichend Schlaf, gutes Essen und anregende Gespräche benötigen.
Crysta Winter liefert hier einen Krimi mit allen klassischen Elementen, wie man sie auch bei Agatha Christie, oder Arthur Connan Doyle und ihren Figuren findet, individualisiert das aber durch ihre ganz eigene Art eine Geschichte zu erzählen. Vielleicht trifft sie damit nicht unbedingt den Geschmack der breiten Masse, aber das ist vollkommen okay, ich gehöre gern zu einer elitären kleinen Minderheit.
Bewertung
aus Glauchau
5/5
15.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Ein Krimi voller Mystik
„...Wozu ich jedoch neige, sind alljährlich wiederkehrende Besuche bei meinem Londoner Schneider, die eine über Jahrzehnte gewachsene Gepflogenheit darstellen…“
Dabei zeigt Achille Perrot eine Seite seines Wesens. Er ist der Nachfahre des Detektivs Hercule Poirot. Wie sein Vorfahre legt er Wert auf eine geschliffene Sprache und ein untadeliges Erscheinungsbild. Beeindruckend sind sein analytischer Verstand und sein logisches Denkvermögen.
Die Autorin hat einen spannenden Krimi geschrieben, der angelehnt ist an die viktorianische Epoche und eine gehörige Prise Mystik enthält. Der Schriftstil ist gekonnt ausgearbeitet. Dazu gehört auch ein feiner und sehr trockener Humor.
In einem engen Kämmerchen legt Achille schriftlich dar, was sich in den letzten Tagen in London ereignet hat.
Der Fall begann mit dem ersten Besuch beim Schneider. Dort empfängt ihn dessen Bruder und teilt ihm mit, dass der Schneider spurlos verschwunden ist. Das fördert Achilles Spürsinn. Die Geschehnisse der nächsten Tage aber sorgen für viele offene Fragen und generieren kaum eine Antwort. Was zum Beispiel will ihm der Mann wirklich sagen, der ihm ein Billett überreicht?
„...Doch geben Sie auf sich acht. Und denken Sie an meine Worte, wenn die Zeit gekommen ist. Denn die Wahrheit. Sie liegt im Unsichtbaren verborgen...“
Achilles Ermittlungen führen ihn quer durch London. Dabei kommt er vor allem in die dunklen Bezirke der Stadt. Auch die Gespräche mit Inspector Finch bringen kaum Fortschritte. Immer wieder nimmt er in London gleiche Sinneseindrücke wahr, bekommt aber nie eine Person wirklich zu fassen. Auch die Motive bleiben im Dunkeln.
„...In den vergangenen Fällen befand ich mich immer in der Lage, meine Kontrahenten mit einem Verdacht zu konfrontieren und ihnen dabei in die Augen sehen zu können. In diesem Fall jedoch war ich zum Spielball geheimer Mächte geworden…“
Als Leser bin ich fast genauso ratlos wie der Detektiv. Nichts scheint zusammen zu passen und trotzdem folgt die Handlung einer unbekannten Logik.
Es bedarf unerwarteter Schlussfolgerungen, bis Achille am Ende das gesamte Konstrukt durchschaut. Was aber bedeutet das für ihn selbst?
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Schriftstil und Inhalt harmonieren perfekt miteinander.
Bewertung
aus Nittendorf
5/5
14.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Sehr atmosphärisch
Detektive Achille Perrot reist nach London und dort ist mit einen rätselhaften Fall konfrontiert, sein Schneider ist verschwunden, eine Zirkus Artistin ist tot und eine Geldverleiherin bietet ihn um Hilfe, Achille Perot muss sich sehr anstrengen um das Fall zum lösen...
Das Buch ist ein Krimi, ein Krimi zum Genießen, weil die Geschichte so konstruiert ist dass der Spannung immer wächst und die Auflösung langsam und logisch ist aufgeklärt, zum Genießen weil hier der Schreibstil ganz anders ist, ungewöhnlich leise , schlicht und edel, zum Genießen weil die Atmosphäre immer dicker, dunkler und rätselhafter ist und so wie beim Essen jeder Biss köstlich ist so hier jeder nächste Kapitel macht Lust auf mehr.
Besonders gut finde ich hier die Atmosphäre, die Autorin mit kurzen, deutlichen Sätzen baut spannende und düstere Klima, wo die Tagträume mit Realität vermischt sind und mein Herz klopft schneller.
Für mich ein sehr gelungenes Mix aus Agatha Christi und Laura Purcell
Bewertung
5/5
10.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Ein Krimi für Genießer
Ein atmosphärisch dichter und hochspannender Krimi für Fans von Hercule Poirot und alle die viktorianisches Flair lieben.
Mit „Der Schneider von London“ kehrt Crysta Winter beeindruckend auf die Krimibühne zurück. Der vierte Fall von Achille Perrot entführt uns mitten hinein in das neblige, düstere London der viktorianischen Zeit, in die legendäre Savile Row, wo Eleganz und Gefahr einander in den Schatten lauern. Der Einstieg ist packend: Perrot reist in die britische Metropole zu seinem persönlichen Schneider und findet ihn verschwunden vor. Was zunächst wie ein eigenartiges, wenn auch persönliches Rätsel beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Spirale aus Bedrohungen, falschen Fährten und dunklen Machenschaften. Besonders stark ist Chrysta Winters Fähigkeit, Atmosphäre zu schaffen. Ich sehe und spüre beim Lesen die neblige Straßen, die Gassen voller Armut und Geheimnisse, die mondäne, aber gefährliche Welt der Zirkusmanegen. All das wird so lebendig erzählt, dass man das Pflaster zu knirschen meint und die Schatten fast zu greifen sind. Achille Perrot ist brillant, eigenwillig und charmant, ein würdiger Nachfahre des berühmten Poirot, ohne je zur Kopie zu werden. Seine kleinen grauen Zellen laufen hier auf Hochtouren, und doch gerät er selbst in Lebensgefahr, als ein Anschlag bei einer Zirkusvorstellung völlig unerwartet eine Artistin trifft. Die Spannung bleibt konstant hoch, und ich als Leser werde mit jedem Kapitel tiefer in ein Netz aus Intrigen, Morden und seltsamen Zufällen hineingezogen. Besonders reizvoll ist die Figur der mysteriösen Geldverleiherin. Sie ist faszinierend, düster und voller Ambivalenz. Eine Figur, die einem nach dem Lesen noch lange im Gedächtnis bleibt. Winters Sprache ist poetisch, detailreich und voller Hommage an das klassische Golden-Age-Feeling, gleichzeitig aber modern genug, um sich federleicht lesen zu lassen. Das Finale ist überraschend, clever und voll von den brillanten Rückschlüssen, die man als Fan der Reihe erwartet.
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