Ein grenzüberschreitender Roman über eine furchtlose Frau.Iris und Relja kehren mit der Mutter zurück in das zerstörte Haus im Grenzland zu Bosnien. Die Geschwister und der Nachbarsjunge Nino durchstreifen das entvölkerte Dorf, baden im Fluss, erkunden Körper. Iris den eigenen und den von Nino. Nino hingegen träumt von ihrem Bruder Relja. Die symbiotische Dreierbeziehung zerfällt, Nino und Reljagehen fort, die eigenwillige Iris bleibt zurück. Kneipen, Lkw-Kabinen, Autorückbänke. Kompromisslos erkämpft sich Iris ein selbstbestimmtes Leben an der Schwelle zum neuen Jahrtausend, bewahrt sich ihre seelische Unversehrtheit in einer verwüsteten Welt. Rebellion und Selbstermächtigung einer jungen Frau, die auf den Ruinen der Väter eine Zukunft bauen muss.Ein literarisches Ereignis von seltener emotionaler Wucht.
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Es ist die Zeit kurz nach den Bosnienkrieg. Lenka kehrt mit ihrer Tochter Iris und ihrem Sohn Relja in ihr nahezu zerstörtes Dorf in Kroatien zurück. Es liegt an der Grenze zu Bosnien. Hier lebt auch noch ihre Schwester.
Und es gibt Nino, mit denen die jugendlichen Relja und Iris eine Freundschaft eingehen. Es ist keine einfache Zeit und irgendwann gehen die drei getrennte Wege.
Die kroatische Schriftstellerin Ena Katarina Haler wählt einen eigenwilligen Stil, zu den man wegen sehr verhaltenen Tempo vielleicht nicht auf Anhieb Zugang findet. Doch mit der Zeit findet man sich rein und bekommt einen Blick auf das Leben der Figuren in diesem zerstörtem Dorf.
Übersetzt wurde das Buch aus dem Kroatischen von Klaus Detlef Olof, dem preisgekrönten Spezialisten für südslawische Literatur.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
3/5
28.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Leben ist alles möglich, in den Geschichten nicht
Ena Katharina Haler erzählt in ihrem Roman „Die Schuldlosen“ vom Aufwachsen im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet nach den Balkan-Kriegen, Ende der 1990er Jahre. Sie begleitet die Geschwister Iris und Relja, die zusammen mit ihrer Mutter in ihr zerstörtes Haus in einem Geisterdorf zurückkehren. Zusammen mit dem Nachbarsjungen Nino erkunden die Geschwister die Gegend und ihre Körper. Als Nino und Relja weggehen, bricht die Dreierbeziehung auseinander, Iris bleibt zurück. An der Schwelle zum neuen Jahrtausend sucht sie einen Weg in ein selbstbestimmtes Leben.
Der Prolog zu Beginn war vielversprechend:
„… mit einem aufgeschlagenen Buch auf den Knien, das ich noch nicht lesen konnte und für das ich ohnehin zu klein war, aber ich betrachtete die Bilder, und dafür kann man nicht zu klein sein, und dann rief ich überzeugt und ohne zu zögern, so laut, dass man es in der ganzen Wohnung hörte, dass im Leben alles möglich sei, aber in den Geschichten nicht.
Und meine Mutter stand in der Tür und korrigierte mich, fürsorglich, wie sie war. […] … sie kam zu mir, und ich musste ihr nachsprechen, dass es umgekehrt sei, in den Geschichten sei alles möglich, aber in der Wirklichkeit nicht.
Es war ein bläuliches Dämmern und der traurigste Moment meiner Kindheit.
Ich habe es ihr nie verziehen.
Lange starrte ich auf das Buch vor mir und auf dieses eine Bild. Damals wusste ich noch nichts von den Geschichten, die mit Gewalt versuchen, die Wirklichkeit nachzuahmen, und in denen gerade deshalb der Bereich des Möglichen viel kleiner ist als in der Wirklichkeit selbst. Meine Mutter wusste das vermutlich, aber in diesem Moment hatte sie es mit Sicherheit vergessen, und das passiert, das passiert allen, und so auch ihr.“
So interessant ich den Plot fand, so schwer tat ich mir mit dem Buch selbst.
Es gibt viele Personen, junge und alte, auch ein Vater von Iris und Relja taucht mal auf und verschwindet wieder. Die Handlung ist für meinen Geschmack zu überladen, neben traumatischen Kriegserfahrungen geht es um queere Liebe und Begehren. Es ist kein einfach zu lesender Coming-of-age-Roman. Mir war das Buch insgesamt leider zu verworren, sehr schwer greifbar. Auch der Schreibstil ist sehr sperrig und schwer zugänglich. Das Buch hatte ein paar gute Momente, konnte mich aber leider nicht ganz überzeugen.
Vielen Dank an den Folio Verlag & an NetGalley.de für das Rezensionsexemplar!
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