Seit Jahren treffen sich die Psychoanalytikerin Erika Freeman und die Journalistin Danielle Spera einmal in der Woche und sprechen über ihre Lebenserfahrungen, jüdisches Selbstverständnis und aktuelle politische Themen. Die Grundlage der Gespräche bilden dabei die Biografien von 36 eindrucksvollen Frauen aus Geschichte und Gegenwart, die als Vorbilder und Zeitzeuginnen eine neue Perspektive auf das eigene Leben ermöglichen. Freeman und Spera erzählen über bewegende Schicksale, über Frauen, die unglaubliche Stärke bewiesen haben – sowie über ein modernes Judentum, das Frauen die Emanzipation eröffnet. Von biblischen Frauen wie Sarah, Rebecca oder Rachel und Ruth bis zu Salonnièren, wie Berta Zuckerkandl, über Wissenschaftlerinnen wie Lise Meitner, Schriftstellerinnen wie Hannah Arendt, Politikerinnen wie Golda Meir, mit der Erika Freeman gut bekannt war, bis hin zu Gal Gadot oder Sheryl Sandberg. Dieser Dialog ist ein inspirierendes Monument des Optimismus, der Selbstbestimmung und des Lebensmuts.
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Die Wiener Journalistin und ehemalige Direktorin des Jüdischen Museums in Wien, Danielle Spera und die österreichisch-amerikanische Psychoanalytikerin Erika Freeman sind bekannte Gesichter und Autorinnen, wenn es darum geht, Biografien von eindrucksvolle jüdischen Frauen vor den Vorhang zu holen. Die beiden treffen sich seit Jahren zu wöchentlichen Gesprächen. Dabei, so steht es im gemeinsam verfassten Vorwort, gehe es immer um „belanglose Themen. Politik, Geschichte, Antisemitismus, Frauen, Mut, Familie, also um das Übliche, worüber man sich bei einem Kaffee im Vorübergehen so unterhält ...“
Es scheint, als hätte ich die Ironie, die hinter dieser Aufzählung steckt, nicht verstanden, denn für mich ist keines dieser Themen belanglos.
Warum 36 Frauen? Diese Antwort findet sich in der jüdischen Zahlenmystik, die hier nicht erläutert werden soll, aber im Buch erklärt wird. Schmunzelnd lese ich, dass es durchaus Diskurse gegeben hat, wer in dieses Buch aufgenommen werden soll und wer nicht. Hier scheint auch die Vorliebe des Diskutierens, die man jüdischen Menschen liebevoll nachsagt, zu Tage getreten sein. Klar ist, dass es hunderte Frauen gäbe, die es verdient hätten, hier vorgestellt zu werden. Doch es sind eben genau diese 36, deren Namen ich hier nicht aufzählen werde, sonst wäre ja die Vorfreude dahin.
Natürlich hätte ich manch andere Wahl getroffen. Meine erklärte Lieblingsfrau ist Glikl von Hameln (1646/47 - 1724), die gleich mehrfach bedeutend ist: Zum einen schupft sie, mit 14 Jahren verheiratet, Ehe, Familie (14 Kinder, von denen die meisten das Erwachsenenalter erreichen) und nach dem frühen Tod des Ehemannes das Geschäft und muss den Bankrott der Firma durch ihren zweiten Mann erleben, stirbt mit 74 verarmt und zum anderen verfasst sie ab 1691 (!) ihre Autobiografie (auf jiddisch natürlich). Das ist wirklich einzigartig! Zum einen weil im 17. Jahrhundert die wenigsten Frauen schreiben und lesen konnten und Muße dafür fanden, und zum anderen, weil die Bedeutung von Frauen im (orthodoxen) Judentum gerne auf die Anzahl der Kinder reduziert wurde (und wird).
Doch zurück zum Buch: Jedes Frauenporträt ist gleich aufgebaut. Ein kurzer Abriss in dem der historische Hintergrund erläutert wird, dann ihr Leben und die Conclusio „Was wir von XX lernen können“ mit Kommentaren von Spera und Freeman. Aufgefallen ist mir, dass zu Beginn Danielle Spera häufig das letzte Wort hat. Ob das die Frauen sind, die sie ausgesucht hat?
Das Buch ist in gediegener Aufmachung als Hardcover im Amalthea-Verlag erschienen. Ergänzt werden die Kurzporträts durch Zitate und Abbildungen. Das Buch eignet sich perfekt als Geschenk.
Fazit:
Eine sehr persönliche Zusammenstellung von Danielle Spera und Erika Freeman jüdischer Frauen, die mit Mut und Entschlossenheit in Vergangenheit und Gegenwart deutliche Spuren hinterlassen haben. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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