Die neue Dystopie-Sensation der New York Times-Bestsellerautorin Das Leben der Wohlhabenden spielt sich in glitzernden virtuellen Realitäten ab, während die Armen im zerfallenden "Downcountry" zurückbleiben. Dort jagt eine junge Soldatin durch die Ruinen, um ihren Namen vom Verrat reinzuwaschen - und muss sich dafür ausgerechnet mit dem Mann verbünden, der wirklich schuldig ist. Um Klimakatastrophen und Epidemien zu entkommen, lebt die Menschheit größtenteils in der virtuellen Welt "Upcountry", während die Zurückgelassenen im "Downcountry" ums Überleben kämpfen. Doch auch Upcountry ist nicht sicher: Ein Kalter Krieg tobt zwischen den Nationen Medaluo und Atahua. Eirale, als Soldatin für NileCorp im Downcountry stationiert, wird des Mordes an einem Regierungsbeamten beschuldigt. Ihre einzige Chance: mit Atahuas meistgesuchtem Anarchisten kooperieren, um ein streng geheimes KI-Programm der Regierung in Medaluo zu finden. Währenddessen beendet Lia ihr letztes Jahr an der Militärakademie. Für ihre Abschlussprüfung soll sie Medaluo infiltrieren und einen Verräter aufspüren. Obwohl Eirale und Lia auf unterschiedlichen Realitätsebenen durch Medaluo jagen, beginnen beide zu ahnen, dass sie Teile eines größeren Puzzles sind - und je näher sie der Wahrheit kommen, desto näher rücken ihre Welten an eine zerstörerische Kollision.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Hamburg
5/5
30.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Eine Dystopie, die unangenehm nah an der Realität liegt
Ich mag die Bücher von Chloe Gong wirklich unglaublich gerne, und gerade ihre dystopischen Geschichten haben es mir angetan. Nachdem mich bereits „Immortal Longings“ – ihre vorherige Dystopie – begeistern konnte, war ich sehr gespannt auf „Coldwire“. Und ich kann direkt sagen: Dieses Buch hat mich auf eine ganz andere Art gepackt. Es ist für mich deutlich reifer, bedrückender und in seiner gesellschaftlichen Dimension noch einmal wesentlich eindringlicher.
Chloe Gong hat für mich einen Schreibstil, der sofort Bilder entstehen lässt. Sie schreibt unglaublich atmosphärisch, detailverliebt und bildgewaltig, ohne dass ihre Welten dadurch leblos wirken. Im Gegenteil: Bei ihr haben Orte, Technologien und gesellschaftliche Strukturen immer eine ganz eigene Präsenz. Man liest nicht nur über eine Welt – man bekommt das Gefühl, tatsächlich darin zu stehen. Und genau das funktioniert bei Coldwire ganz besonders gut.
Was mich an dieser Dystopie so fasziniert hat, ist, dass sie sich trotz ihres futuristischen Settings niemals wie eine völlig fremde Zukunft anfühlt. Die Welt von Coldwire ist technologisch weit entwickelt, gleichzeitig aber gesellschaftlich zutiefst gespalten. Ein Teil der Menschheit hat sich in eine digitale Realität zurückgezogen, während andere Menschen in einer wesentlich härteren, zerstörteren Welt zurückbleiben. Dazu kommen politische Spannungen, militärische Strukturen und Unternehmen, deren Einfluss weit über das hinausgeht, was man sich unter einem normalen Konzern vorstellen würde.
Und genau hier wird das Buch für mich so interessant. Denn Chloe Gong erzählt keine Dystopie, bei der ich ständig dachte: Das ist völlig unrealistisch. Viel häufiger dachte ich:
„So weit entfernt ist das eigentlich gar nicht.“ Nicht unbedingt in Bezug auf die konkrete Technologie oder die genaue Entwicklung der Welt, sondern hinsichtlich der Themen, die dahinterstehen. Digitale Flucht vor einer unangenehmen Realität. Menschen, die sich lieber in einer künstlichen Welt aufhalten. Gesellschaftliche Unterschiede zwischen denen, die Zugang zu bestimmten Möglichkeiten haben, und denen, die davon ausgeschlossen bleiben. Macht, die sich immer stärker bei einzelnen Institutionen konzentriert. Das alles hat bei mir einen ziemlich unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen. Und ich meine das als großes Kompliment.
Lia ist für mich eine Protagonistin, die gerade deshalb so interessant ist, weil sie nicht von Anfang an diejenige ist, die alles durchschaut.
Sie ist ehrgeizig, intelligent und unglaublich zielorientiert. Sie möchte etwas erreichen und ist bereit, dafür zu arbeiten. Sie hat einen gewissen Stolz und ist nicht unbedingt jemand, der gerne zugibt, wenn sie sich geirrt hat. Aber genau darin steckt auch ihre Entwicklung. Je mehr sie mit Dingen konfrontiert wird, die nicht in ihr bisheriges Weltbild passen, desto stärker gerät dieses ins Wanken. Und ich mochte sehr, dass Chloe Gong daraus keine schnelle „Ich habe jetzt alles verstanden und werde zur Rebellin“-Entwicklung macht.
Eirale hat mir mindestens genauso gut gefallen, vielleicht sogar auf eine ganz andere Weise. Sie wirkt wesentlich härter als Lia. Ihre Vergangenheit hat sie dazu gezwungen, früh Verantwortung zu übernehmen und sich in einer Welt zurechtzufinden, in der Schwäche Konsequenzen haben kann. Bei ihr fand ich besonders interessant, wie stark das Thema Loyalität mit ihrer Entwicklung verbunden ist.
Eirale ist nicht einfach jemand, der ein System von Anfang an ablehnt. Sie hat innerhalb dieses Systems gelebt. Sie hat sich darin einen Platz erarbeitet und gelernt, nach seinen Regeln zu funktionieren. Und gerade deshalb ist es so spannend, wenn diese Sicherheit nach und nach Risse bekommt. Was passiert, wenn die Institution, der man vertraut hat, plötzlich nicht mehr vertrauenswürdig erscheint? Was bleibt von der eigenen Identität übrig, wenn die Rolle, die man jahrelang ausgefüllt hat, nicht mehr funktioniert? Eirale entwickelt sich dadurch nicht einfach von „Soldatin“ zu „Rebellin“. Vielmehr beginnt sie, ihre eigenen Maßstäbe für richtig und falsch zu entwickeln.
Auch Kieren ist eine Figur, die für mich deutlich stärker heraussticht, als ich zunächst erwartet hatte. Er ist Lias akademischer Rivale und gleichzeitig jemand, der sie schon lange kennt. Zwischen den beiden besteht deshalb von Beginn an eine ganz andere Dynamik als bei einer typischen romantischen Konstellation. Sie müssen sich nicht erst kennenlernen. Sie kennen sich bereits. Sie wissen, wie der andere reagiert. Sie wissen, welche Knöpfe sie beim jeweils anderen drücken müssen. Sie können sich gegenseitig provozieren und gleichzeitig gibt es eine Vertrautheit zwischen ihnen, die man nicht einfach wegwischen kann. Kieren hat für mich etwas angenehm Unangepasstes. Er ist nicht der typische männliche Charakter, der permanent versucht, Stärke zu demonstrieren. Vieles an ihm funktioniert über Beobachtung, Wortgefechte und seine Art, Lia immer wieder herauszufordern.
Das Herzstück der Dystopie ist für mich die Frage, was passiert, wenn Menschen ihre Realität nicht mehr akzeptieren müssen, sondern ihr entkommen können.
Eine künstliche Welt kann schöner sein.
Sie kann sicherer sein. Sie kann komfortabler sein. Sie kann genau das geben, was einem im echten Leben fehlt. Aber was passiert mit der echten Welt, wenn immer mehr Menschen beschließen, sie einfach zu verlassen?
Und was passiert mit den Menschen, die sich diese Flucht nicht leisten können? Diese Idee fand ich unglaublich stark. Denn dadurch entsteht eine Dystopie, die nicht nur von Technologie handelt. Sie handelt von sozialer Ungleichheit, Macht, Kontrolle, Abhängigkeit und menschlicher Bequemlichkeit. Und genau deshalb funktioniert die düstere Atmosphäre für mich so gut. Die Welt ist nicht einfach düster, weil überall Dunkelheit herrscht. Sie ist düster, weil hinter dem Glanz etwas kaputt ist.
Ich liebe es, wenn ein Buch eine ganz bestimmte Atmosphäre erzeugt – und Coldwire schafft das für mich besonders gut.
Die futuristische Architektur, die verschiedenen Ebenen dieser Gesellschaft, die virtuelle Realität und die technologischen Elemente ergeben zusammen eine Welt, die gleichzeitig glänzend und trostlos wirkt.
Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, mich in einer Neonstadt zu befinden, in der alles beeindruckend aussieht und gleichzeitig irgendetwas ganz grundsätzlich nicht stimmt.
Chloe Gong arbeitet dabei mit unglaublich vielen Details. Technologie ist nicht einfach nur da, weil das Buch in der Zukunft spielt. Sie beeinflusst, wie Menschen leben, wie sie miteinander kommunizieren, wie sie Macht ausüben und wie sie die eigene Realität wahrnehmen. Dadurch wirkt die Welt für mich erstaunlich geschlossen und glaubwürdig.
Dieses Buch hat bei mir vor allem eines ausgelöst: Beklemmung. Es gab immer wieder Momente, in denen ich das Buch kurz beiseitelegen und über das Gelesene nachdenken musste. Nicht, weil die Geschichte permanent schockieren möchte.
Sondern weil die Grundidee so unangenehm nachvollziehbar ist. Dieses Gefühl, dass eine Gesellschaft eine kaputte Realität nicht mehr repariert, sondern stattdessen eine angenehmere Alternative darüberlegt, fand ich unglaublich erdrückend. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr Fragen sind daraus entstanden. Wie viel Realität würden wir freiwillig aufgeben, wenn die Alternative angenehmer wäre? Wie viel Kontrolle würden wir akzeptieren, wenn wir dafür Sicherheit bekommen? Und wie lange merkt man überhaupt noch, dass man kontrolliert wird, wenn sich alles komfortabel anfühlt? Genau deshalb ist Coldwire für mich mehr als einfach nur eine Science-Fiction-Dystopie. Es ist ein Buch, über das ich nach dem Lesen noch weiter nachgedacht habe.
Wenn ich Coldwire mit „Immortal Longings“ vergleiche, wirkt dieses Buch auf mich reifer.
Immortal Longings hatte für mich ebenfalls eine faszinierende Welt und eine spannende Grundidee. Bei Coldwire hatte ich allerdings stärker das Ge
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.