Karos große Schwester steht kurz davor, ihre große Liebe Louise zu heiraten – und Karo ist eingeladen, bereits zwei Wochen vor der Traumhochzeit gemeinsam mit dem Brautpaar in einem romantischen Château in Nordfrankreich zu verbringen. Die beiden Frauen planen ihre Feier ganz im Stil der beliebten Historienserie »Scandalbury Park« – opulent, dramatisch und wie aus einem Jane-Austen-Roman.Doch nach einem kleinen Unfall stellt Karo fest, dass sie nicht die Einzige ist, die durch die alten Flure wandelt. Nur sie kann die vier höchst unterschiedlichen Gestalten sehen, die das Anwesen ebenfalls bewohnen: die stolze Landadelige Éléonore, den kreativen Freigeist Massimo, den schweigsamen Félix und die charmante Sacha.Karo merkt bald: Inmitten von frisch gestärkten Kragen, Sitzplänen und ihren neuen – ziemlich exzentrischen – Bekanntschaften verbirgt sich ein großes Geheimnis, das ihr Leben für immer verändern könnte …Scandalbury Park erzählt eine casual-queere Romantasy-Geschichte, in der queere Figuren und Beziehungen selbstverständlich Teil der Handlung sind – ohne große Coming-out-Dramatik, moralischen Zeigefinger oder pädagogischen Anspruch. Die queere Romance steht im Zentrum, ist jedoch nicht konfliktgetrieben: Im Fokus stehen Nähe, Vertrauen und die Frage, ob eine Verbindung zwischen zwei Menschen Bestand haben kann – selbst dann, wenn Raum, Zeit oder Realität sie voneinander trennen.Der Ton ist bewusst gewählt: Er spiegelt Karos Charakter wider und verleiht der Geschichte eine komische Leichtigkeit – auch dann, wenn im Verlauf ernstere Aspekte queerer Lebensrealität verhandelt werden, etwa Scham, Verlust oder das Konzept von Wahlfamilie.
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Haben wir nicht alle schon mal insgeheim davon geträumt, auf einer Burg, einem Schloss oder einem verfallenen Herrenhaus auf echte Geister zu treffen? Nein? Na dann waren es wohl nur noch nicht die richtigen Geister. Die Protagonistin von “Scandalbury Park”, Karo, ist Ende zwanzig und wird zur Hochzeit ihrer Schwester und deren Verlobten Louise auf ein Schlosshotel in den Ardennen eingeladen. Es sind sogar ganze zwei Wochen, in denen sie den beiden Frauen hilft, sich seelisch, mental und organisatorisch auf die Vermählung im Regency Style vorzubereiten, denn deren Lieblingsserie ist “Scandalbury Park” (ihr alle kennt sicher das Vorbild dafür). Schon bereits am ersten Tag macht Karo dann die Bekanntschaft der sympathischen Schlossgespenster Massimo, Félix, Éléonore und Sacha. Vor allem Letztere lässt sie nicht nur an ihrem Verstand zweifeln, sondern bringt auch ihr Gefühlsleben gehörig durcheinander. Kann man sich in einen Geist verlieben - und wenn ja, darf man das überhaupt?
Also ich bin sehr beGEISTert von dieser Geschichte, weil sie - wie bei einem echten Regency-Schmöker - Verstand und Gefühl aufs Vortrefflichste vereint, wenn man so sagen will. Der Verstand der Lesenden wird stimuliert, weil der Plot allerlei Rätsel aufgibt, vor allem was die (Vor-)Leben der vier Geister betrifft. Zusammen mit der Protagonistin Karo dürfen wir nach und nach aufdecken, wie sie gelebt haben und wie sie gestorben sind. Zum Ende hin wird es dann nochmal richtig spannend und ich muss schon sagen: ich habe sehr mitgefiebert und den Plot-Twist nicht wirklich kommen sehen: Chapeau!
Das Gefühl wird selbstverständlich durch die Tatsache angesprochen, dass es einerseits um eine Hochzeit geht, die abgehalten werden soll und zum anderen um eine sich anbahnende Liebesgeschichte, die zwischen Karo und der “Geistin” Sacha. Dass das hier alles ganz zahm ist und gänzlich ohne Spice auskommt, dürfte vielen gefallen, ein kleines bisschen mehr hätte in der Beziehung aber für meinen Geschmack auch nicht geschadet. Es ist also ein Buch, das ihr auch getrost euren Teenienachwuchs lesen lassen könnt, ohne dass irgendjemand rot wird. Obwohl Gespenster auftreten, ist das Buch auch zu keinem Zeitpunkt wirklich gruselig und ich denke, das ist bewusst so gewählt und passt auch besser zum Überthema Regency, wo wir anders als bei der literarischen Romantik keinen Grusel oder gar Horror erwarten dürfen.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Situation von LGBTQ+-Personen zu früheren Zeiten angesprochen wird, inklusive der Vorurteile, denen sie ausgesetzt waren. Aber auch andere alternative Lebensformen wie das freiwillige Singledasein bzw. die Kinderlosigkeit als Frau und die Schwierigkeiten, die damit früher verbunden waren, kommen zur Sprache. Ebenso werden generell gesellschaftliche/familiäre Erwartungen thematisiert und wie man als Individuum damit umgeht und trotz allem sein Lebensglück findet.
All das gibt dem Ganzen eine Ernsthaftigkeit, die aber keineswegs erdrückend ist. Es ist schließlich ein Buch mit Happy End und keine Tragödie.
“Scandalbury Park” beweist: Auch deutsche AutorInnen können Romantasy und haben mich als Skeptikern des Genres davon überzeugt, zwischendurch auch mal etwas zu lesen, das ein wenig “anders” ist als das, was ich sonst lese. Gerne schau ich mir das weitere Programm des mucverlags an und auch die anderen Bücher von Ellen Damerau. Eine schöne, positive Leseerfahrung, die ich euch ans Herz (und den Verstand ;-) legen kann.
PurpleHero
aus Bayern
5/5
26.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Geister, Sapphic-Romance und ein Château voller Geheimnisse
Schon die Kulisse von "Scandalbury Park" hat mich direkt abgeholt. Ein romantisches Château in Nordfrankreich, eine bevorstehende Hochzeit und dazu vier höchst unterschiedliche Geister. Für mich klingt das nach dem perfekten Setting für gemütliche Lesestunden im Herbst. Am liebsten mit einer Decke auf dem Balkon, während draußen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Sommers verschwinden.
Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil von Ellen Damerau. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, sodass für mich beispielsweise auch zwei Kapitel während einer Zugfahrt problemlos drin waren. Noch mehr überzeugt haben mich allerdings die Dialoge. Sie wirken natürlich, lebendig und echt, wodurch auch die unterschiedlichen Charaktere schnell authentisch und greifbar wurden.
Die Geschichte erinnert durch ihre Geister und den Humor natürlich an "Ghosts" (Netflix), entwickelt aber schnell ihren ganz eigenen Charme. Stellenweise musste ich auch an "School Spirits" (Paramount+) denken, weil nach und nach immer mehr Geheimnisse und Wahrheiten ans Licht kommen. Dadurch wollte ich unbedingt wissen, was hinter den Ereignissen steckt und welche Geschichte die einzelnen Figuren mit dem Château verbindet.
Dabei schafft der Roman eine schöne Mischung aus Mysterium, Melodramatik und einer gut dosierten Prise Humor. Auch die queere Romance fügt sich ganz selbstverständlich in die Geschichte ein. Statt großer Coming-Out Dramatik stehen Nähe und Vertrauen im Mittelpunkt. Gerade als Slow-Burn Sapphic Romance funktioniert das für mich wunderbar.
Für mich ist "Scandalbury Park" die perfekte Herbstlektüre: geheimnisvoll, humorvoll und mit einer zauberhaften französischen Schlosskulisse. Eine Geschichte für alle, die Lust auf Geister und eine queere Liebesgeschichte haben.
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