Ein Mann, gefangen in seinem Begehren für einen anderen. Ein tiefberührender Roman über die Macht von Scham und Sehnsucht. Und über eine Liebe entgegen jeder Wahrscheinlichkeit.
Ein Amerikaner betritt die öffentlichen Toiletten des Kulturpalasts von Sofia, Bulgarien. Dort unten, wo niemand einfach so hingeht, trifft er Mitko, der Charisma ausstrahlt und Gefahr. Der Amerikaner bezahlt Mitko für Sex und trifft ihn danach immer wieder, gefangen in seinem Begehren und in einer Beziehung, in der Zärtlichkeit umzuschlagen droht in Gewalt. Und während er sich seiner komplizierten Vergangenheit stellen muss, kann er weder seinem Verlangen entkommen noch den Privilegien als Ausländer, die ihn von Mitko trennen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Schenken Sie Ihren alten Schätzen ein zweites Leben und erhalten dafür eine Thalia Geschenkkarte.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und total viel gegeben. Der Schreibstil von Greenwell ist eindringlich, malerisch und zum mitfiebern. Habe den Roman innerhalb 2 Stunden gelesen. 5 von 5 Sternen!
Boockpicker
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
06.09.2026
eBook (ePUB)
Unstillbare Sehnsucht nach Identität und Zugehörigkeit
Als der amerikanische Professor für Englisch in Sofia in der Toilette des Museums auf Mitko trifft, verfällt er im sofort. Immer wieder versucht er, sich von ihm loszureissen, fühlt sich ausgenützt, und bleibt in der Ungewissheit hängen, ob das nun wirklich eine echte Freundschaft ist. Sehr explizite sexuelle Szenen wechseln sich ab mit seinen Gedanken und Grübeleien zu Heimat, Zugehörigkeit und getrieben sein.
«Er lächelte nicht, sein Ausdruck war ernsthaft, wie bei Fotos auf solchen Seiten fast immer; ich habe ganze Nächte damit verbracht, mich von einem zum anderen zu klicken, mit einer seltsamen Mischung aus Erwartung und Stumpfsinn, jeder Klick ein Versprechen auf etwas Neues, das nie eingelöst wird». (29)
Seine Sehnsucht nach Zugehörigkeit ist gross, nach Nähe und Angenommen Sein, spürt das beim Anblick eines Mädchens: «Und erst dann, eingehüllt in der Umarmung seines Vaters, lachte es, lachte mit einer Freude, die mir unvertraut war, lag darin doch die Gewissheit, ein Zuhause zu haben in dieser Welt». (47)
Er weiss genau, dass er Mitko nicht mehr treffen soll, ist dessen Hilflosigkeit aber selbst ausgeliefert, lässt sich immer wieder auf ihn ein.
Als sein Vater im Sterben liegt, macht er sich auf den Weg durch die trostlosen Plattenbauten und verliert sich in den Erinnerungen an seine Kindheit, die ihm aufstossen und die Trostlosigkeit der Vorstadtbrachen spiegeln, von Gewalt, Missbrauch und Missachtung erzählen.
«Es waren andere Bilder, die auf mich einstürzten, Szenen einer Kindheit, an die ich seit Jahren nicht mehr gedacht hatte, die ich zu vergessen versucht hatte». (83)
Er erinnert sich an eine Aussage seiner Schwester: «Mein ganzes Leben lang habe ich versucht, es ihm (dem Vater) recht zu machen». (87)
Sein Vater lehnt ihn ab mit seiner Homosexualität: «Von jenem Tag an gab es keine Ungezwungenheit mehr zwischen uns. Er entzog mir die Sicherheit, die ich gefühlt hatte». (96) «Das war der Zeitpunkt meines Rückzugs in jene ruhelose Einsamkeit, die ich nie wieder ganz ablegen sollte». (97) «Es war, als verkörpere mein Vater das Gesunde und ich das Ansteckende, (das Verdorbene), und ich war bestürzt, wenn auch nicht überrascht». (110)
Und so ist er sich seiner selbst unsicher: «Ich weiss, dass sie alles sind, was ich habe, diese aufgesplitterten Identitäten, dass sie Wahrheit und Lüge zugleich sind, dass jedes Ideal von Ganzheit, nach dem ich mich sehne, nichts als eine Farce ist; aber dennoch bleibt die Sehnsucht danach bestehen». (92)
«Ich konnte es nicht aus der Welt schaffen, denn dann hätte ich mich selbst aus der Welt geschafft». (129)
«Ein Scheiss bist du, eine Schwuchtel, wenn ich das gewusst hätte, wärst du nie auf die Welt gekommen». (130) «Was wäre ich ohne diesen Zorn, fragte ich mich, jenen Zorn, den ich immer noch in mir trage, … ohne ihn hätte ich mich verloren». (131)
Sein Beziehungsmuster bleibt ambivalent und suchend: «Ich glaube, das ist es, wonach ich seither immer gesucht habe, diese Mischung aus Ausgeschlossensein und Begehren, die ich dort in seinem Zimmer erfuhr; der Schmerz des Ausgeschlossenseins und die Lust des Begehrens – manchmal glaube ich, es ist das Einzige, wonach ich je gesucht habe». (118)
Im dritten Teil wird klar, dass er sich bei Mitko mit Syphilis angesteckt hat, was ihn sehr aufwühlt und alte Wunden aufreisst: «Dort, wo ich herkam, handelte jede Geschichte über Männer wie mich von Krankheit; mein Leben war ein moralisches Lehrstück, in dem es allein um Keuschheit oder Verdammnis gehen konnte» (157) «.. als wäre es mehr als eine Krankheit: eine körperliche Bescheinigung meiner Schande». (161)
Endlich trifft er auch seine Mutter und versöhnt sich mit ihr, trennt sich am Schluss endgültig von Mitko, nicht ohne ein bedauerndes Mitgefühl: «Er ist immer allein gewesen, dachte ich, hat immer auf eine Welt geblickt, die keinen Platz für ihn hatte und sich nun fast gar nicht mehr um ihn scherte». (239)
Ein erschütterndes Buch über das Innenleben und die Sehnsucht und Verlorenheit von zwei homosexuellen Männern, über ihre Unmöglichkeit, über die Grenzen von Herkunft und Bildung hinweg zu einer befriedigenden Beziehung zu gelangen. Die inneren Kämpfe und Auseinandersetzungen des Erzählers sind eindringlich geschildert und lassen eine gewisse Ratlosigkeit zurück. Ein zuweilen heftiges Buch mit nicht nur schönen Szenen, aber sehr lesenswert.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.