Dieses E-Book enthält komplexe Grafiken und Tabellen, welche nur auf E-Readern gut lesbar sind, auf denen sich Bilder vergrössern lassen.
Unterricht entwickelt sich. Gesellschaftliche und mediale Veränderungen haben dazu geführt, dass seine Ziele und Methoden heute andere sind als vor 20 oder 40 Jahren. In diesem Buch finden Lehrpersonen und andere Interessierte Hinweise, wie guter Unterricht heute gestaltet werden kann: Er fühlt sich für alle Beteiligten sinnvoll an. Lernende merken, dass sie vorankommen und wichtige Kompetenzen erarbeiten. Lehrende begleiten diese Entwicklung und gestalten Umgebungen, in denen Kinder und Jugendliche aktiv und fokussiert lernen können. Die Lernenden stehen im Zentrum, ohne sie gibt es keine Demokratisierung, keine Partizipation, keine Differenzierung. Ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen, ist daher entscheidend für eine effektive und inklusive Lernumgebung.
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11.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Die Hand an der Klinke: Warum agile Didaktik mehr ist als nur gute Planung
Beim Lesen von Philippe Wampflers Buch habe ich die aktuellen
Hattie-Erfolgsfaktoren vor Augen, wie er sie im März bei uns in der
Schweiz präsentiert hat. Für mich markiert diese
Gegenüberstellung einen klaren Wegweiser: Philippe Wampfler
liefert mit seinen sofort umsetzbaren Massnahmen das passende
Werkzeugset dazu. Schon der Titel „Schülerinnen im Zentrum“
harmoniert perfekt mit dem Anspruch auf echte Partizipation. Die
weitere Neugier wird durch ein Inhaltsverzeichnis geweckt, das mit
diversen Metaphern und teils nicht selbstsprechenden Kapiteltiteln
arbeitet. Auch die Einleitung, die u.a. das Relativieren von Angst
und das Vermitteln von Sicherheit fokussiert, bildet das notwendige
Fundament, das sich direkt mit Hatties erstem Faktor – dem
Vorrang des Lernklimas – deckt. Ohne diese emotionale Basis ist
kein nachhaltiger Lernprozess möglich, was gerade für Lernende
die wichtigste Voraussetzung für jegliche Entwicklung darstellt.
Philippe Wampfler plädiert für eine Lernkultur, die „Out of the box“ denkt und das Lernen der
Schüler:innen als Zentrum wie einen Magneten versteht, der durch Relevanz und echte Bedeutung
wirkt. Ein zentraler Aspekt ist hierbei auch die Überwindung veralteter Lernmuster: Lehrpersonen
neigen oft dazu, primär so zu lehren, wie sie selbst früher gut gelernt haben. Diese biografische
Reproduktion holt jedoch niemals alle Lernenden ab und wird den komplexen Herausforderungen der
zukünftigen Bildungs- und Arbeitswelt nicht gerecht. Plandidaktik oder die für mich neue
Türklinkendidaktik unterstreichen, wie wichtig die Spontanität in Form einer agilen Didaktik ist. Diese
bedarf ebenso der tiefen Kenntnis der individuellen Lernunterstützung von Schüler:innen, was exakt
Hatties dritten Faktor - kenne deinen Einfluss - spiegelt. Asynchrone Lernphasen und ein individuelles
Tempo verschaffen der Lehrperson wertvolle Zeit für Reflexion – ein Aspekt, der für die
Neuroinklusion von unschätzbarem Wert ist.
In Bezug auf die Neurodiversität hätte ich mir im Kapitel über Vielfalt zwar noch eine explizitere
Benennung dieses Potenzials gewünscht, doch die Ausführung über den negativen Einfluss von
Adultismus bringt es auf den Punkt: Bevormundung schränkt Partizipation und damit den Lernerfolg
massiv ein. Dies korrespondiert mit Hatties Forderung nach Selbststeuerung und gemeinsamer
Verantwortung. Ein wichtiger Differenzierungspunkt bleibt für mich die soziale Komponente: Während
Lernen oft als soziale Aktivität gerahmt wird, sollte dies für Autist:innen etwas relativiert werden. Für
sie bedeutet weniger sozialer Aufwand oft mehr Kapazität für den eigentlichen Inhalt. Insgesamt zeigt
das Buch eindrücklich, wie neuroinklusives, adaptives Lernen gelingen kann, wenn wir Vielfalt als
Motor und nicht als Hindernis begreifen.
Ich empfehle dieses Buch allen pädagogischen Fachpersonen, die bereit sind, Schule konsequent
neu zu denken – und zwar mit den Schüler:innen als Magnete im Zentrum. Was bedeutet Schule für
Sie persönlich? Wenn wir Philippe Wampfler folgen, ist die Antwort klar: „L’école, c’est moi“. Doch
sind unsere eigenen Assoziationen mit Schule überhaupt repräsentativ für die aktuelle Lebenswelt
von individuellen Lernenden? Sind wir bereit, den Weg von der klassischen Plandidaktik über die
spontane „Türklinkendidaktik“ hin zu einer zeitgemäßen, agilen Didaktik zu gehen, die sich an den
Bedürfnissen, Sorgen und Herausforderungen der Jugendlichen orientiert? Schule ist nicht das
System oder das Gebäude. Vielmehr sind es die Lernenden selbst, die uns einen Weg zur Agilität
ebnen, wenn wir bereit sind, ihnen zuzuhören und Raum für Mitgestaltung zu geben.
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