Florenz im 16. Jahrhundert. Der Maler Jacopo da Pontormo wird tot aufgefunden, mit einer Schere erstochen liegt er zu Füßen seines unvollendeten Freskos in der Kapelle San Lorenzo. Seit elf Jahren arbeitete er daran, keiner durfte es sehen, außer Michelangelo, der Pontormo als großen Künstler verehrte. Seltsamerweise wurden Teile des Freskos übermalt – warum und von wem? Hinzu kommt der Diebstahl des Gemäldes Venus und Cupido, oftmals kopiert, so auch von Pontormo. Es war im Besitz des Herzogs von Florenz, Cosimo de‘ Medici, und der Kopf der nackten Göttin ist eindeutig als derjenige der Herzogstochter Maria zu identifizieren. Aufruhr im kriegsgeschüttelten Florenz, Briefe schwirren umher, jeder schreibt jedem über den sensationellen Fall. Wer hat Pontormo getötet, und wo ist das skandalöse Gemälde geblieben?
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
wal.li
4/5
02.07.2025
Hörbuch-Download (MP3)
Tod eines Künstlers
Anfang des Jahres 1557 wird der Maler Jacopo da Pontormo in Florenz erstochen aufgefunden. Er war seit Jahren mit einem Fresko beschäftigt, welches, wie festgestellt wird, teilweise übermalt wurde. Gleichzeitig wird ein Gemälde vermisst, dass die Tochter des Herzogs Cosimo de Medici zeigen soll. Eine unangenehme Situation für den Herzog, denn die weibliche Person auf dem Bild ist nicht bekleidet. Pontormo war im Auftrag des Herzogs tätig. Hat die Sache mit dem Bild etwa mit dem unnatürlichen Ableben des Künstlers zu tun? Es entspinnt sich ein reger Briefverkehr, mit dem die Beteiligten ihre Gedanken zu den Vorgängen teilen.
Briefromane kommen eher selten vor. In der Renaissance gab es jedoch hauptsächlich die Möglichkeit, sich persönlich zu treffen, oder wenn die Entfernung zu groß war, eben zu schreiben oder einen Boten zu schicken. Zur Aufhellung des Geschehens dienen die Briefe, die die verschiedenen Personen austauschen. Dabei entwickelt sich auch ein Bild der Machtstrukturen in Florenz und auch der persönlichen Gefüge zwischen den verschiedenen Menschen. So ist Cosimo nicht nur Herzog, sondern auch Vater. Seine Tochter Maria soll verheiratet werden. Wundert sich der Vater, dass sie davon nicht begeistert ist. Ihr ein Mitspracherecht zuzugestehen wäre im 16. Jahrhundert wohl zu viel erwartet, oder?
Diese Hörbuchproduktion wird zur Verfügung gestellt durch die ARD-Audiothek als szenische Lesung, was sie soweit feststellbar von dem normalen Hörbuch unterscheidet: Jeder Briefeschreiber liest seine Briefe „selbst“ vor, hat also einen eigenen Sprecher. Das macht das Zuhören sehr abwechslungsreich und man kommt teilweise soweit, dass man einige der Schreiber wiedererkennt. Das ist echt klasse. Hoffentlich wird diese Produktion noch über weitere Kanäle zur Verfügung gestellt. Ob die geringfügige Kürzung durch die Art des Vortrags bedingt ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Vorleser der Briefe werden im letzten Abschnitt mit ihrer Rollenbezeichnung genannt, was sehr angenehm ist.
Auch inhaltlich überzeugt dieser Roman, besonders auch, wenn man feststellt, dass es sich bei etlichen der handelnden Personen um historische Persönlichkeiten handelt, über die man im www nachlesen kann. Sehr geschickt hat der Autor die Wirklichkeit als Rahmen für seine fiktionalen Gedanken verwendet. Die Aufklärung des Mordes wird zu einer verwickelten Geschichte, in der es zu dem ein oder anderen Schelmenstreich kommt. Doch auch tragische Momente hat man als Leser oder Leserin zu überstehen. Und mitunter sind Todesfälle unerwartet und durchaus von Gewalt bestimmt. Und während kleiner Augenblicke hätte man sich gewünscht, der Autor hätte die Wirklichkeit außen vor gelassen. Aber alles in allen hat man einen herausragenden historischen Kriminalroman, der sowohl durch Inhalt als auch Darstellung besticht.
4,5 Sterne
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5/5
07.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
großes Lesevergnügen
Ein Briefroman in seiner besten Form! Die Personen entlarven sich mit kriecherischen Schmeicheleien ebenso wie fiesester Niedertracht und naiver Unschuld. Ein äußerst unterhaltsamer Bildungsroman, elegant wie Laclos "Gefährliche Liebschaften" und bissig ironisch wie Camilleris "Der unschickliche Antrag" und ganz nebenbei erfährt man viel über die Kunst der Renaissance und die Entdeckung der Perspektive. Ein absolut gelungenes Buch!
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5/5
18.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Elegant und wunderschön!
Selten habe ich einen so elegant und wunderbar komponierten Briefroman gelesen, der durch Spannung, profunde Kenntnis und stilistische Brillanz besticht! Mosaikartig tragen die Briefe zur Aufklärung eines schrecklichen Mordes an einem renommierten Künstler in der florentinischen Aristokratie des 16. Jahrhunderts bei. Unbedingt lesen, jeder Satz ist ein Genuss!
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4/5
25.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kriminelle Kunstgeschichte(n)
Rund um das Gemälde einer nackten Venus im Florenz der Spätrenaissance kreist Laurent Binets neuer Roman "Perspektiven".
Die Handlung beginnt mit dem Mord am Maler Jacopo da Pontormo. Dieser wird vor seinem unvollendeten Fresko tot aufgefunden, das eine skandalös realistische Darstellung der Venus mit den Gesichtszügen Maria de Medicis zeigt. Cosimo de Medici, mächtiger Herrscher von Florenz und Förderer vieler Künstler, beauftragt Giorgio Vasari mit der Aufklärung des Mordes. Die Ermittlungen erfolgen in Form von rund 176 Briefen zwischen 20 historischen Persönlichkeiten der florentinischen Kunst- und Machtelite.
Binet strebt nach der perfekten Fusion aus Unterhaltung, historisch und kunstgeschichtlicher Abhandlung, Drama, Kriminalgeschichte sowie einem psychologischen Briefroman.
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4/5
16.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Frage der Perspektive
Jeder weiß etwas, aber keiner ist komplett im Bilde. So setzt sich nach und nach ein Mosaik aus vielen Steinchen zusammen in diesem Briefroman, der um einen Mord an einem Künstler im Florenz der Renaissance kreist. Die ganze Stadt spricht über den rätselhaften Todesfall und wie man schon vermuten kann, muß auch jeder seinen Senf dazu geben. Pardon, einen Brief schreiben ... Virtuos, kurzweilig und interessant, auch aufgrund der unterschiedlichen Sprach- und Schreibstile der Briefe.
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4/5
14.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mord in Florenz
Ein fiktiver Briefroman, der einen Mordfall in Florenz und die verschiedenen politischen Intrigen rund um diesen Vorfall beleuchtet. Wie man es von Binet gewohnt ist, scheint auch hier sein unverkennbarer Humor durch. Ein paar weniger Personen hätten dem Ganzen allerdings gut getan.
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