»Wie sehr dieses Buch gefehlt hat, versteht man erst, wenn man wieder auftaucht, weil es einen so mitreißt, so luzide und eindringlich ist es erzählt.« Daniela Dröscher
Selma und Mischa haben sich all die Jahre nicht füreinander interessiert. Bis sie, die erfolgreiche Architektin, beobachtet, wie er, Nobelrestaurantbesitzer, im Biosupermarkt klaut. Als er droht aufzufliegen, deckt sie ihn. »Verbrecherbraut«, grinst Mischa. Jeanne, Mischas Schwester, ist Selmas beste Freundin - bis Selma plötzlich ganz und gar Mischa gehört. Als der Traum einer leidenschaftlichen Liebe zum Albtraum wird, lädt Jeanne das Auto voll und entführt Selma aus einem Berliner Kaffeehaus. Sie verharren in einem Versteck, bis der Termin kommt, an dem sie erneut ins Auto steigen und ins Gericht fahren.
Julia Malik zeigt in literarischer Sprache und bestechenden Bildern, wie Täter ihre Opfer in eine Spirale aus Verführung, Isolation, Abspaltung, Ohnmacht und Scham locken. Wie verheerend und perfide Leidenschaft, Manipulation und rohe Gewalt oftmals Hand in Hand gehen. »Ich will dich lebend« ist eine rasante, wütende und letztlich befreiende Jagd, die über Hindernisse der Bürokratie, durch demütigende Befragungen und die Grauzone zwischen Lebensrettung und Übergriffigkeit führt. Die Autorin verliert dabei niemals ihre Protagonistinnen aus dem Blick, ihre Wildheit, Widerständigkeit und ihre Würde.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Reader1965
aus Hamburg
5/5
14.09.2026
eBook (ePUB 3)
Beeindruckend & emotional
"Ich will dich lebend" von Julia Malik wühlt auf. Dieser Roman um eine toxische Beziehung & häusliche Gewalt ist keine leichte Kost & geht unter die Haut.
Julia Malik findet die richtigen Worte, um hier die Mechanismen eindrücklich zu verdeutlichen: Wie Selma an sich selbst zweifelt, Fehler bei sich sucht & Entschuldigungen für Mischa findet, wie sie sich kontrollieren & manipulieren lässt und wie sie verdrängt & ausblendet, um weitermachen zu können. Und es wird auch gezeigt, wie die Freundin Jeanne hilflos ist, ohnmächtig zusehen muss und sich fragt, wie Selma diese Gewalt zulassen & aushalten kann?
Es ist beeindruckend, mit welcher emotionalen Wucht dieser Roman geschrieben ist und welche Bilder im Kopf entstehen.
Ein Buch, dass im Gedächtnis bleibt.
Bewertung
5/5
09.09.2026
eBook (ePUB 3)
Sollte jeder lesen
Ich will dich lebend greift ein unglaublich wichtiges und aktuelles Thema auf, über das meiner Meinung nach gar nicht genug gesprochen werden kann. Besonders erschreckend fand ich, wie leicht es passieren kann, in eine solche Situation zu geraten – und dass man es einem Menschen oder einer Beziehung von außen oft überhaupt nicht zutraut.
Sehr gut gefallen hat mir auch der Fokus auf das Unterstützungsnetz. Gerade in solchen Situationen wird deutlich, wie wichtig Menschen sind, die nicht einfach aufgeben, sondern bleiben, helfen und immer wieder versuchen, einen Ausweg zu finden. Gleichzeitig zeigt der Roman sehr eindringlich, wie schwierig es für Betroffene sein kann, sich aus einer solchen Beziehung zu lösen.
Spannend fand ich außerdem die Erzählweise, da man die Geschichte gewissermaßen vom Ende her kennenlernt und sich dadurch nach und nach erschließt, was eigentlich passiert ist. Das hat die Spannung für mich zusätzlich erhöht.
Trotz des schweren Themas lässt sich das Buch sehr gut und flüssig lesen. Gerade weil die Geschichte so realistisch wirkt, bleibt sie im Kopf und regt zum Nachdenken an.
Bianka
Thalia Book Circle Community
5/5
07.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, aus dem man erst einmal wieder auftauchen muss
Ich weiß gar nicht, wie ich dieses Buch beschreiben soll. Ich weiß nur, dass es mich nicht mehr loslässt.
Es gibt Bücher, die liest man und denkt danach, Das war gut. Und dann gibt es Bücher, bei denen man irgendwann merkt, dass man nicht mehr einfach nur liest, sondern mitten in ihnen steckt. „Ich will dich lebend“ gehört für mich ganz eindeutig zur zweiten Sorte.
Selma und Micha erleben zunächst eine Liebe, die sich für Selma wie etwas Einmaliges anfühlt. Eine Nähe, die sie so noch nie gekannt hat. Doch aus dieser vermeintlich großen Liebe wird immer mehr Kontrolle, Isolation, Manipulation und Gewalt. Selma gerät in eine Situation, aus der sie unbedingt herauswill und gleichzeitig immer weniger in der Lage ist, sich selbst zu glauben.
Und genau das ist es, was dieses Buch für mich so erschreckend macht.
Es erklärt nicht einfach, warum jemand bei einem gewalttätigen Partner bleibt. Es lässt einen verstehen, wie so etwas überhaupt möglich werden kann. Wie Liebe und Angst nebeneinander existieren können. Wie jemand die Gewalt immer wieder verdrängt, sich selbst die Schuld gibt, versucht, alles richtig zu machen und dabei immer weiter von sich selbst wegkommt.
Das ist unglaublich eindringlich geschrieben.
Besonders die Darstellung von Selmas innerer Wahrnehmung hat mich immer wieder sprachlos gemacht. Ihre Gedanken springen, Erinnerungen vermischen sich, verschiedene Wirklichkeiten überlagern sich. Sie versucht, das Geschehene irgendwie in ein Leben einzuordnen, in dem Micha gleichzeitig der Mann ist, den sie liebt, und der Mensch, vor dem sie sich fürchten muss.
Und dann diese Sprache.
Ich habe selten so viele Sätze gelesen, bei denen ich dachte, wie kommt man auf so ein Bild?
Die Autorin schreibt teilweise völlig nüchtern und sachlich und trifft einen damit gerade deshalb. Dann wieder entstehen Bilder, die so ungewöhnlich und präzise sind, dass ich sie am liebsten sofort markiert hätte. Räume, Türen, Treppen, Schlüssel, das Gefühl des Eingesperrtseins und die Frage, wo eigentlich die Grenze zwischen Innen und Außen verläuft, ziehen sich durch die Geschichte und bekommen immer wieder neue Bedeutungen.
Auch Jeanne hat mich sehr beschäftigt. Sie ist nicht einfach nur die Freundin, die Selma retten möchte. Als Michas Schwester steckt sie selbst mitten in diesem Geflecht aus Familie, Loyalität, Schuld und Verdrängung. Je mehr sie versucht, Selma zu helfen, desto stärker wird sie mit ihrer eigenen Vergangenheit und ihrer Familie konfrontiert.
Was ich an dem Buch außerdem sehr mochte, es macht es sich niemals einfach.
Es gibt keine bequemen Antworten. Keine perfekte Retterin. Kein „Warum geht sie nicht einfach?“. Stattdessen zeigt der Roman, wie kompliziert Abhängigkeit sein kann und wie sehr Gewalt nicht nur den Körper, sondern auch die Wahrnehmung, das Denken und das eigene Selbstbild verändert.
Und dann gibt es diese Gerichtsszenen.
Ich dachte irgendwann, ich wüsste, worauf ich mich einstellen muss.
Ich wusste es nicht.
Ein ganz bestimmtes, unscheinbares Geräusch hat mich an einer Stelle regelrecht kalt erwischt. Ich wusste sofort, dass ich es schon einmal gelesen hatte. Und plötzlich war alles wieder da.
Solche Momente kann dieses Buch.
Es nimmt etwas scheinbar Nebensächliches und gibt ihm später eine Bedeutung, die einen völlig unvorbereitet trifft.
Ich habe beim Lesen oft Wut empfunden. Hilflosigkeit. Traurigkeit. Manchmal musste ich einen Abschnitt einfach kurz sacken lassen. Und trotzdem konnte ich nicht aufhören zu lesen.
„Ich will dich lebend“ ist schwer. Wirklich schwer. Aber es ist gleichzeitig unglaublich klug, sprachlich außergewöhnlich und psychologisch sehr genau.
Für mich ist es vor allem ein Buch darüber, was passiert, wenn Menschen versuchen, mit Dingen zu leben, die eigentlich nicht in ihr bisheriges Weltbild passen. Und darüber, wie schwer es sein kann, sich selbst wiederzufinden, wenn man sich lange Zeit nur noch danach richtet, was ein anderer Mensch denkt, fühlt und will.
Ich bin am Ende angekommen und hatte nicht das Gefühl, einfach ein Buch beendet zu haben.
Ich hatte das Gefühl, aus einer Geschichte aufzutauchen.
Und genau deshalb werde ich dieses Buch so schnell nicht vergessen.
Lesenswert
aus Bielefeld
5/5
03.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kann ich einer Freundin helfen, indem ich sie entführe?
"Ich will dich lebend" von Julia Malik ist ein Roman, der wütend und betroffen macht.
Jeanne und Selma sind beste Freundinnen. Eines Tages beobachten die beiden Jeannes Bruder Mischa beim Ladendiebstahl. Selma deckt ihn und sie verliebt sich in ihn. Von diesem Zeitpunkt an gehört Selma nur noch Mischa, sie meldet sich nicht mehr bei Jeanne. Jeanne forscht nach und stellt fest, dass die große Liebe seitens Mischa wohl eher aus Manipulation,, Herrschsucht und Gewalt besteht. Deshalb entführt sie Selma, um sie zu schützen.
Bei der Lektüre dieses Romans ist mir mehrmals die Luft weggeblieben. Dazu schwirrten mir immer wieder Fragen durch den Kopf: Warum lässt eine Frau so etwas zu? Und warum wird mit einer Frau so umgegangen, als ob sie selbst schuld an allem sei? Nach und nach lässt uns die Autorin in Selmas und Jeannes Leben eintauchen und wir erfahren von Kapitel zu Kapitel immer mehr. Wir lernen an dieser Stelle nicht nur Jeannes und Mischas dominanten Vater kennen, wir begleiten Selma und Jeanne auch zur Polizei. Die Polizistin, die Selma befragt hat, hat mich wirklich wütend gemacht. Gerade von einer Frau hätte ich doch mehr Sensibilität dem Opfer gegenüber erwartet. Julia Malik transportiert nicht nur Tatsachen, Sie transportiert die Emotionen aller Charaktere sehr überzeugend. Jeanne, die Selma helfen will, was zu Überwachung ausartet. Selma, die Mischa immer wieder glaubt, dass es ihm leidtut und so etwas nie mehr vorkommt.
Ein Roman, der das Thema häusliche Gewalt beeindruckend aufgreift und absolut lesenswert ist! Es macht wütend und traurig und stellt gleichzeitig die Frage "Wie kann ich helfen, ohne die betroffenen Frauen unter Druck zu setzen"
5 Sterne für diesen gesellschaftspolitisch relevanten Roman!
lesen_lauschen_lieben
aus Kiel
5/5
27.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stell dir vor, du entführst deine beste Freundin. Um sie vor dem Menschen zu beschützen, der dir am nächsten steht.
Selma, Professorin und erfolgreiche Architektin, verknallt sich in Restaurantbesitzer Mischa, den gutaussehenden Bruder ihrer besten Freundin Jeanne. Selma und Mischa werden ein Paar und können kaum noch die Finger voneinander lassen.
Jeanne, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, hat von Anfang an kein gutes Gefühl bei der Beziehung. Vielleicht ist sie ja nur eifersüchtig, denn sie und Selma waren jahrelang unzertrennlich.
Irgendwann meldet Selma sich kaum noch bei Jeanne, kapselt sich immer mehr ab, wirkt bei Gesprächen fahrig und ängstlich. Fragen weicht sie aus.
Jeanne hat einen schrecklichen Verdacht. Sie nimmt Kontakt auf zur Exfreundin ihres Bruders – und was die ihr berichtet, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Eine Spirale aus Verführung, Isolation, Lügen und Gewalt beginnt, sich ein zweites Mal zu drehen. Jeanne beschließt, Selma kurzerhand zu entführen und in ein Versteck zu bringen, von dem aus Selma Anzeige gegen Mischa erstattet. Hier ist sie sicher. Bis zum Tag des Gerichtstermins.
Dieses Buch hat mich aufgewühlt und tut es immer noch. Das Thema „Gewalt in der Partnerschaft“ wird aus der Sicht der Unterstützerin geschildert, die so ohnmächtig wie unverzichtbar ist. Jeannes Rolle ist komplex und ambivalent: Sie ist die Schwester des Täters und sie liebt Selma, das Opfer. Jeanne riskiert alles, als sie Selma retten will und die Mischung aus Hilfe und Übergriffigkeit nicht dosieren kann.
Das Buch ist absolut schonungslos in der Beschreibung der körperlichen und sexuellen Gewalt, die Mischa Selma antut. Vor allem im Protokoll der polizeilichen Befragung, die in ihrer demütigen Monotonie kaum zu ertragen ist.
Mich hat aber vor allem nachdenklich gemacht, welches Stereotyp ich selbst beim Thema „Gewalt in der Partnerschaft“ im Kopf hatte. Jedenfalls nicht das der klugen, lebenserfahrenen und wortgewandten Frau, wie Selma sie ist. Das, was Selma passiert, könnte jeder passieren. Jeder von uns.
Ein aufrüttelndes, packend und literarisch geschriebenes Buch für alle, die sich mit ihren eigenen Vorannahmen und mit dem Thema häusliche Gewalt auseinandersetzen wollen. Und die lernen wollen, besser hinzusehen.
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