Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler, Miranda eine clevere Studentin. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen ¿Adam¿ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte - und verhängnisvolle - Situationen.
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4.3/5.0
Bewertung
5/5
04.07.2019
eBook (ePUB)
Des Roboters Melancholie
Ian McEwan ist in der Literaturszene kein Unbekannter. Mit "Abbitte", "Kindeswohl" und "Am Strand" lieferte er bereits tiefe Einblicke in die menschliche Psyche, mit "Honig" führte er uns hinein in das Herz des Kalten Krieges und mit "Saturday" offenbarte er uns die Zerbrechlichkeit des Glücks. "Maschinen wie ich" widmet sich nun dem nächsten Thema mit gesellschaftlicher Relevanz - künstlicher Intelligenz und dessen Folgen für die Menschheit.
Es hat beinahe schon einen dystopischen Charakter -
Charlie, ein dreißigjähriger Nerd, der sein Geld damit verdient, online an der Börse zu spekulieren, investiert sein ganzes Erbe in Adam, einen der ersten lebensechten Androiden. Ganze 25 Exemplare mit den etwas unspektakulären Namen Adam und Eve kamen auf den Markt - die Eves gingen innerhalb weniger Minuten weg. Charlies Adam ist braungebrannt, durchtrainiert und makellos - und erregt so auch die Aufmerksamkeit von Adams Freundin Miranda.
Das London der 80er Jahre dient als Kulisse für "Maschinen wie ich" - allerdings ein London, in dem McEwan die politischen Ereignisse geschickt verdreht. Großbritannien verliert den Krieg um die Falklandinseln, Margaret Thatchers öffentliche Zustimmung schwindet rapide und sie muss zurücktreten und eine Trennung der Beatles ist nicht in Sicht. McEwan spielt erneut mit der britischen Geschichte - und es macht ihm sichtlich Spaß. Wie immer auf höchstem literarischen Niveau entführt er uns in eine Art gesellschaftliche Parallelwelt - ob wir in dieser leben wollen oder nicht, ist eine der vielen Fragen, die wir uns selbst beantworten müssen. Denn abermals, präsentiert McEwan eine Erzählung, die weit über die letzte Buchseite hinaus seine Wirkung entfaltet und zum Nachdenken und Philosophieren anregt.
Der Autor stellt die ganz großen Fragen unserer Zeit: Wer sind wir? Was ist Bewusstsein? Und was passiert mit unseren Erinnerungen, Erlebnissen und Erfahrungen nach dem Tod? Vor allem der Ursprung der Seele scheint McEwan nicht loszulassen, wieder und wieder rückt er die Essenz unseres Selbst in den Fokus seiner philosophischen Abhandlungen und entscheidet dabei ausdrücklich nicht zwischen einen menschlichen Organismus und einem Roboter.
"Adam hatte Gefühle, besaß eine Persönlichkeit. Wie die entstand, ob durch organische Neuronen, Mikroprozessoren oder DNA-Netze, ist dabei völlig egal."
Mit dem Androiden Adam präsentiert der Schriftsteller eine ganz neue moralische Instanz. Handelnd nur nach den Prinzipien der Ehrlichkeit und des Anstands führt Adam uns die menschlichen Verfehlungen in einen erheblichen Maße vor Augen. All die kleinen, doch so harmlosen Unwahrheiten, zu denen wir uns aus Gefühlen der Zuneigung oder gar der Rache hinreißen lassen, sind dem Androiden völlig fremd. Adams Verstand arbeitet ausnahmslos ohne Emotion, sein Handeln ist vollkommen affektfrei - ohne Kompromisse, ohne Rücksicht auf die Schäden, die er dabei möglicherweise anrichtet.
"Maschinenlernen aber hat seine Grenzen. Ein künstlich geschaffener Verstand braucht notwendig Regeln, nach denen er funktioniert. Wie wäre es mit dem Verbot zu lügen?"
Das Verbot zu lügen, die Prämisse der Aufrichtigkeit - Regeln, die für Adam nur eines bedeuten: Leid. Er findet sich schwer zurecht in einer Welt, in der ab und an ein Auge zu- und Dinge gerne in ein anderes Licht gerückt werden. Es hat beinahe den Anschein, als wäre die Welt, unsere Welt, nicht perfekt genug für einen moralischen "Übermenschen" wie Adam - eine Last, die viele der Adams und Eves nicht tragen können und sich deswegen selbst zerstören.
"Es geht um Maschinen wie ich und Menschen wir ihr, unsere gemeinsame Zukunft [...]wir werden euch übertreffen und überdauern..auch wenn wir euch lieben. Glaub mir, in diesen Zeilen klingt kein Triumpf an..Nur Bedauern."
Und so schafft es der Autor wieder, die Bruchstellen unserer Welt sichtbar zu machen und den Blickwinkel zu verändern und mit Adams Melancholie einen Schleier der Bedrückung über den technischen Fortschritt zu legen, der nur an einigen wenigen Stelle gelichtet wird.
"Maschinen wie ich" ist ein typischer McEwan, anspruchsvoll, ausdrucksstark und bildhaft
Bewertung
aus Hinterkappelen
5/5
03.07.2019
eBook (ePUB)
ian mcewan maschinen wie ich
spannend und abgründig-auf teilweise galgenhumoristische art.... vor allem in ethischer hinsicht:die sich gefühlsmässig entwickelnde schillernde grenze zwischen mensch und maschine. ... und dass roboter auch gerechtigkeit im sinne von „2+2=in jedem fall 4“ behandeln. der roboter als korrigierender spiegel des verhaltens seiner besitzer... auch „besitzer“-status wird am ende problematisiert. vielleicht gehts weniger um die „maschine“als um einen langweiligen soz versagertypen,der durch den roboter eine erzählenswerte geschichte bekommt...
Bewertung
5/5
29.06.2019
eBook (ePUB)
Willkommen in der Zukunft
Ein äußerst skurril anmutendes Szenario, das allerdings beängstigend im Bereich des Möglichen zu liegen scheint: ein Mann, eine Frau und ein Android. Kann das funktionieren? Genial!
shoka (shuka) Golsabahi
aus Berlin
5/5
04.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Lesenswert
Eine Maschine und eine komplizierte Liebesgeschichte, eine kleine seltsame "Dreiecksbeziehung" sozusagen. Eine Studentin die nachdenklich ist und nachdenklich macht, und ein Mann der, nicht weniger kompliziert ist. Ian Mc Ewan hat noch nie enttäuscht. Lesenswert!
vielleser18
aus Hessen
5/5
07.12.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Geschichte, die nachdenklich macht
Ian McEwan ist mal wieder ein Roman gelungen, der den Leser zum Nachdenken bringt.
Wir stellen uns einfach mal vor: Es sind die 1980erJahre, die Welt, die Ian McEwan uns beschreibt, sieht allerdings anders aus, als unsere reale Vergangenheit. Die Technik der 1980er Jahre ist schon viel fortgeschrittener, es gibt Handys und selbstfahrende Autos. Und seit neuestem gibt es - wenn auch erst in geringer Stückzahl - Roboter, die wie Menschen aussehen, die denken können, sich wie Menschen bewegen und handeln können. Nur eines unterscheidet sie: sie benötigen Strom. Nachts werden sie ans Stromnetz angeschlossen und werden aufgeladen.
Dem Protagonisten Charlie ist es gelungen einen der raren Roboter zu ergattern. Er häte zwar lieber eine EVA gehabt, aber ist auch mit seinem ADAM zufrieden. Zu der Geschichte gehört aber auch noch Miranda, die im selben Haus wie Charlie wohnt, nur eine Etage höher. Sie und Charlie beginnen eine Beziehung, gerade als auch Adam bei Charlie "einzieht". Auch Adam hat Gefühle, er verlieb sich ebenfalls in Miranda - und da er über ausgezeichnete Recherchekompetenzen verfügt - weiß er auch mehr über sie als Charlie. Miranda verheimlicht etwas aus ihrer Vergangenheit, doch ihre Vergangenheit droht sie nun einzuholen.
Abwechslungsreich und dramtaturgisch fesselnd erzählt uns Ian McEwan eine kunstvoll inszinierte Dreiecks-Geschichte, die so ganz anders ist als alle anderen sonstigen Dreiecksgeschichten, denn ein Part ist nicht menschlich - jedenfalls nicht 100%ig. Zudem hat mir dieser Mix aus Vergangenheit/Zukunft sehr gut gefallen, was wäre, wenn es damals schon diese heutigen technischen Möglichkeiten gegeben hätte, was wäre anders gewesen, hätte sich anders entwickelt. Wo ständen wir heute ?
Zudem macht sich Protagonist Charlie viele (philosphische) Gedanken, nicht alle seine Gedanken sind für mich laienhaften Leser verständlich , aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es ist ein Teil des Protagonisten und gehört zu dieser Geschichte, und gibt dem ganzen Tiefgang. Denn der eigentliche Kern dieser Geschichte ist die Moral und ob es eine richtige oder mehrere richtige Entscheidungen gibt, die man in gewissen Situationen treffen muss. Was macht den Menschen so einzigartig? Was unterscheidet ihn von einem Roboter? Gibt es die eine einzige Wahrheit? Wann handeln wir richtig? Wieviel Platz dürfen oder sollten Gefühle bekommen, wenn Entscheidungen gefällt werden müssen? Unterhaltsam und nachdenklich werden diese Fragen im Buch thematisiert.
"Maschinen wie ich" liest sich wie ein Science Ficton, ein Krimi, eine LIebesgeschichte - alles auf einmal. Eine fesselnde Geschichte, die zum Nachdenken anregt über Moral und Wahrheit, Liebe und Leid, über Unterlassung und Verheimlichung, Lüge und Verrat.
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5/5
03.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Utopia
In McEwan beschreibt auf einfühlsame Weise wie eine Beziehung zwischen einem künstlichen Menschen und einem echten Menschen aussehen kann. Und was dass mit uns macht. Sehr Lesenswert
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5/5
21.11.2020
Buch (Taschenbuch)
Einfach herrlich!
Macht mal wieder total Spaß Ian McEwan zu lesen! Ein intelligenter und sehr unterhaltsamer Roman! Tja, wie so ein Roboter doch das Leben verändern kann!
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5/5
19.04.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ethik, Moral, Philosophie...die...
Ethik, Moral, Philosophie...die verschiedensten Ebenen werden in diesem Roman um künstliche Intelligenz verflochten. Möchten Sie einen gestaltbaren und lernfähigen "Androiden" als Partner? Besondere Empfehlung für das Hörbuch: Wanja Mues bringt die Konflikte gelungen zum Ausdruck
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5/5
08.11.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Raffinierte Zukunftvision
Charlie kauft sich vom soeben erlangten Erbe, einen Androiden.
Lieber hätte er eine Frau erworben, übrig ist nach großem Andrang der Kaufwütigen nur ein Mann: Adam.
Da er für seine Nachbarin Miranda schwärmt, ist diese Neuerwerbung, eine willkommene Möglichkeit, für eine intensivere Kontaktaufnahme.
Sie adoptieren Adam als erwachsenes Kind, welches sie nun mit den ersehntesten Eigenschaften programmieren und füttern können, die sie sich erträumen.
Allerdings geschieht dies geheim, so sind manche Fähigkeiten, die Adam entwickelt, eine echte Überraschung...
Wird Adam zum moralischen Übermenschen?
Sind wir bereit für eine solche Technik?
Wollen wir das?
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