Je älter (als Frau) desto unsichtbarer, komplizierter, einsamer? Ja, nein, vielleicht doch eher gelassener, unabhängiger, selbstbewusster. Ganz normale Alltagsgeschichten einer Protagonistin die sich dem sechzigsten Geburtstag annähert. Zwischen einer lange zurückliegenden, unfeinen Scheidung und einigen anderen Kerben spaziert man mit der Hauptdarstellerin durch Familienangelegenheiten, Freundschaften, Nachbarschaftshilfe, Erfahrungen, Erinnerungen, Selbstreflexionen. Das Hörbuch ist von Nina Petri perfekt eingelesen.
nessabo
5/5
06.08.2025
Hörbuch-Download (MP3)
Ein Werk mit sanfter Unterhaltung und klugen Gedanken
Ich mochte „Die Nachricht“ von Doris Knecht richtig gerne und auch ihr neues Werk reiht sich stilistisch gut ein, wenngleich es auch weniger auf Spannungsmomente und mehr auf persönliche Elemente baut.
Knecht zeigt hier, dass sie eine Meisterin der Autofiktion ist. „Das Leben mit der Erfindung vermischt“ schreibt die Autorin (oder die Protagonistin?) selbst im Text und das trifft es auf den Kopf. Immer wieder streut sie Überlegungen zu den Figuren ein, über die ein Absatz weiter oben noch ganz normal geschrieben wurde. Was Figur und was Autorin ist, verschwimmt bis zur Unkenntlichkeit. Ich finde das irritierend, aber auf eine gute Art.
Der Text plätschert zwar schon vor sich hin, strotzt aber auch nur so vor kluger Gedanken. Ich bin zwar deutlich jünger als die Protagonistin, finde es aber bereichernd, von einer solchen Figur zu lesen. Einen besonderen Fokus legt die Autorin in ihrem aktuellen Werk auf die Stellung romantischer Paarbeziehungen. Warum richten sich selbst absolut unabhängige, im Leben stehende Frauen in Bezug auf Aussehen und Verhalten plötzlich wieder so stark auf einen Mann ein, der in ihr Leben tritt? Warum gilt die monogame Zweierbeziehung als die unantastbare Königin aller Beziehungen? Und welchen Wert haben andere Lebensentwürfe?
Ich habe die Gedanken als sehr fundiert empfunden. Sie entspringen einem individuellem Umstand, das strukturelle Problem dahinter wird aber stets klar. Nebenbei geht es auch um Themen wie Machtmissbrauch, Sexismus und MeToo. Das Ende der Handlung hat mich sehr zufrieden hinterlassen und ich wünsche mir mehr Bücher wie dieses.
Ein wenig oft wurde mir das Wort „triggern“ abseits seiner eigentlichen Bedeutung verwendet. Das Hörbuch ist sehr passend eingesprochen von Nina Petri, die stimmlich perfekt zur Protagonistin passt. Für mich hätte es noch ein wenig lebhafter sein können und die Abgrenzung zu den anderen Figuren war nicht immer so klar, aber insgesamt empfehle ich auch das Hörbuch.
Der Roman ist ein Plädoyer fürs Alleinsein bei gleichzeitiger Gemeinschaft, die wiederum viel größer gedacht wird als romantische Paarbeziehungen. Eine Versicherung, dass Männer keinesfalls ein Heilversprechen sind und es doch auch okay ist, dass wir den patriarchalen Strukturen zumindest gedanklich manchmal nachgeben. Der Text liefert keine fertigen Antworten zu diesem Thema, ich konnte für mich aber klare Schlussfolgerungen mitnehmen.
4,5 ⭐️
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
04.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Liebe auf den zweiten Blick
„Jemand hat mich mal gefragt, woher mein pessimistisches Männerbild käme. Na ja, hm, wie soll ich sagen, das kommt vom Leben als Frau.“
„Ja, nein, vielleicht" von Doris Knecht war für mich tatsächlich eine kleine Überraschung.
Ich gebe zu: Es hat ein wenig Anlauf gebraucht. Die ersten Kapitel und ich - wir mussten uns erst kennenlernen. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, eher ein vorsichtiges Abtasten. Aber dann? Dann hat es Klick gemacht. Und wie.
„Ja, nein, vielleicht" entfaltet seine Stärke leise. Ohne großes Drama, ohne laute Effekte - dafür mit einem unaufgeregten, unglaublich scharfen Beobachtungssinn. Die Protagonistin blickt mit einer Mischung aus Nüchternheit, feinem Humor und schonungsloser Ehrlichkeit auf ihr Leben. Genau dieser besondere, trockene Humor hat mich irgendwann komplett abgeholt.
Ich habe mir so viele Stellen markiert, weil sie sich so wahr, so präzise und manchmal fast entlarvend anfühlten. Doris Knecht schafft es, Alltägliches so zu sezieren, dass es plötzlich eine ganz neue Tiefe bekommt. Beziehungen, Selbstbilder, Erwartungen - alles wird ruhig, aber treffend beleuchtet.
Für mich also: Liebe auf den zweiten Blick. Und manchmal sind genau das ja die nachhaltigsten Geschichten. ✨
Habt ihr Bücher, die euch erst spät überzeugt haben?
Carol La
5/5
31.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
kluger, kurzweiliger Roman
Ja.Nein.Vielleicht von Doris Knecht
Doris Knecht erzählt in ihrem neuesten Roman äußerst unterhaltsam über das Leben als Frau „in den besten Jahren“. Die ich-Erzählerin ist von ihrem Mann getrennt, die Kinder sind aus dem Haus und sie lebt ein ruhiges Leben, in welchem sie sich gut eingerichtet hat. Der Zahn der Zeit nagt wortwörtlich an ihr - der Zahnarzt offenbart ein größeres Problem an den Zähnen, welches sie doch intensiv auch gedanklich beschäftigt. Und dann begegnet sie im Supermarkt einem Mann aus einer früheren Beziehung und sich denkt darüber nach, ob es sich wirklich lohnt, für eine Schwärmerei die liebgewonnene Freiheit und Unabhängigkeit aufzugeben.
Doris Knecht erzählt diese Geschichte mit Humor und hin und wieder auch etwas Zynismus gleichzeitig viel Herzenswärme und Ehrlichkeit. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen, es hat mich (auch wenn in einer ganz anderen Lebenssituation) angesprochen und abholt. Es hat mir Mut gemacht, dass das für mich schon bald vor der Tür stehende Leben als „reife Frau“ hoffentlich viele schöne Momente zum Genießen und Festhalten bereit hält. Es ist ein feministischer Roman über die Möglichkeiten der Frauen, ohne irgendwie belehrend oder zu plakativ daher zu kommen. Zusätzlich gefiehlen mir die Österreich-Vibes ausnehmend gut.
Es war mein erstes Buch von Doris Knecht und ich werde mir jetzt definitv auch ihre anderen Romane zu Gemüte führen!
Kaffeeelse
5/5
14.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weibliche Blicke
Ja. Nein. Vielleicht. Das ist etwas, was ich kenne. Denn diese Fragen, die man sich manchmal stellt, auf die es eben nicht die vollkommene Antwort gibt. Wer kennt sie nicht? Dieses Vielleicht im Leben. Diese eventuelle Möglichkeit. Ein wiederkehrendes Thema. Und die Reaktion. Wie lautet sie?
Doris Knecht geht in ihrem Buch „Ja, Nein, Vielleicht“ dieser Situation nach. Sie erzählt ein Geschehen. Und ja dieses Erzählte fasziniert. Aber es liegt nicht nur eine Faszination im Erzählten. Viel stärker empfinde ich hier bei Doris Knecht diese Gedanken, die durch den Roman in mir hochschießen. Dieses Sinnieren. Schon bei dem Vorgänger „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ habe ich genau das geliebt.
Bei beiden Büchern gibt es eine Protagonistin, die ein Resümee zieht. Die an einem Punkt im Leben steht, wo schon viel hinter der Hauptfigur liegt. Aber auch noch einiges vor ihr. Wie geht’s weiter? Wo will frau hin? Was hat das Gestern mit frau gemacht? Und was kommt jetzt? Was darf kommen und was nicht?
Gerade Frauen in den mittleren Jahren werden durch diese Gemengelage sehr angesprochen. Denn in der Kraft der Reflexion liegen Möglichkeiten der Veränderung. Und gerade Bücher lösen da sehr viel. In mir. Und sicher auch in anderen Leserinnen.
Doris Knecht erschafft in diesen beiden Büchern eine interessante, eine faszinierende Welt, die verzaubert und beeindruckt, die mich wachhält, wenn ich eigentlich schlafen sollte, die mich auch irgendwie traurig macht, wenn diese Lesereise endet. Dennoch bin ich sehr glücklich diese beiden Bücher vor meinen Augen gehabt zu haben. Denn beide Bücher sind für mich wie eine gute Medizin, sie sind heilsam.
Die Vergangenheit. Was ist sie? Das Erlebte. Das Vergangene. Was ist wirklich vergangen? Geschlossene Türen. Lässt frau sie zu? Oder öffnet frau sie? Mit einem neuen Wissen, welches das Erlebte nun einmal mit sich bringt. Was braucht frau? Wieviel Einfluss braucht frau? Welche Sicherheiten? Wie sicher ist frau in ihrem sozialen Netz? Was bedeutet es allein zu stehen, nicht in einer Beziehung zu sein? Welche Vorteile gibt es, wenn frau selbstbestimmt ist, keine Rücksicht nehmen muss? Ist frau sicherer zu zweit? Oder passt etwa alles genauso wie es nun einmal ist?
Fragen, die die Protagonistin in dem Buch „Ja, Nein, Vielleicht“ umtreiben.
Und mit ihr gemeinsam auch die Leserschaft.
Die Gesellschaft, in der wir leben hat ihre Sichten. Dadurch, dass wir ein Teil der Gesellschaft sind, in der wir leben, übernehmen wir auch einige dieser Sichten. Bewusst und unbewusst. Und dadurch wird frau auch oft vor Fragen gestellt, die frau sich eigentlich nicht stellen möchte. Die Protagonistin durchlebt diese Fragen in ihrer selbstbestimmten Position. Und die Lesenden mit ihr. Ihre Reaktion auf diese Fragen erlebt man mit ihr. Und die ganz eigenen Gedanken dazu.
Ein wunderbares Buch, welches ich sehr gern empfehle! Doris Knecht wird mit diesem Buch eine Lieblingsautorin, ich möchte definitiv mehr von ihr. Gekauft habe ich einiges. Mal sehen, wann die Zeit dazu kommt. „Ja, Nein, Vielleicht“ liebe ich! Sehr!! ❤
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5/5
07.09.2026
eBook (ePUB)
Lebensklug
Wieder ein richtig guter und reflektierter Roman von Doris Knecht, der um zentrale Fragen kreist. Was ist in der Lebensphase nach dem Auszug der Kinder wichtig. Was ändert sich. Wo setzte ich Prioritäten. Was mache ich mit aufkommenden Gefühlen für evtl. neue Lebenspartner. Will ich das, wenn ja, wie. - All das, wie gewohnt, in einen lebensklugen Roman verpackt.
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5/5
30.08.2026
eBook (ePUB)
Wir oder doch besser nur ich?
Lebensklug und witzig kommt der Roman daher. Ein schöner Zeitvertreib, der Protagonistin in ihrem Alltag über die Schulter zu blicken.
Kinder aus dem Haus, die ersten Zipperlein lassen sich blicken, und eigentlich hat sie sich in ihrer Komfortzone eingerichtet mit Hund, Haus und guten Freunden.
Doch dann taucht ihre Jugendliebe auf und sie fragt sich, hat ein Mann in ihrem Haus noch Platz?!
Ein Buch so voller Leben!
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5/5
04.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Allein leben oder doch eine Liebesbeziehung?
Die Erzählerin, Single und Mitte 50, hat sich ihr Leben nach einer gescheiterten Ehe und dem Auszug der erwachsenen Kinder angenehm eingerichtet. Da trifft sie ihre Jugendliebe Friedrich wieder und stellt einige ihrer Entscheidungen in Frage. Ihren Gedanken folgt man, als ob eine gute Freundin erzählt.
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5/5
30.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kluge Unterhaltung auf bestem Niveau
Der Roman erzählt die Geschichte einer Frau mittleren Alters, die schon einiges im Leben erreicht hat, aber auch Rückschläge erleben musste. Sie ist jetzt geschieden, die Kinder sind aus dem Haus, und im Moment ist sie mit allem so zufrieden, wie es ist. Zahnschmerzen und der anschließende Besuch beim Zahnarzt lässt sie neu über das Leben, vor allem aber über das Altern nachdenken. Und dann trifft sie im Supermarkt einen alten Schwarm... Die Frage ist nun: Soll sie sich tatsächlich auf ihn einlassen, wo doch alles gut ist, so wie es ist? Eindeutige Antwort: "Ja, nein, vielleicht".
Doris Knecht schafft es aus Alltagssituationen mit klugem Witz, Bissigkeit und Liebe fürs Detail richtig gute Unterhaltung auf bestem Niveau zu machen.
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5/5
03.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Selbstironisch mit Wiedererkennungseffekt
Selten habe ich mich einer Protagonistin so nahe gefühlt. Einfach großartig schildert Doris Knecht die "Luxusprobleme" einer End-Fünfzigerin. Amüsant, mit einer Prise Nachdenklichkeit und der Erkenntnis, dass es auch eine Befreiung sein kann, nicht mehr 30 zu sein. Ich fühlte mich angenehm ertappt und sehr köstlich unterhalten.
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