»Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.«
Anti Müller ist kein Liebesroman. Es ist eine schonungslose Analyse verkrusteter Strukturen und ihrer sanften Vollstrecker, unter deren lackierten Nägeln noch immer der Schmutz des Patriarchats lauert.
Mit großer poetischer Präzision seziert Yade Önders Erzählerin die Mechanismen moderner Beziehungen sowie eines vermeintlich feministischen Kulturbetriebs, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt. Über die Bühnen. Und über die Körper.
»Ich wage zu prophezeihen, dieses Buch wird ein feministischer Klassiker.« Daniela Dröscher
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Bissig, wütend, komisch und gleichzeitig erschreckend traurig
„Anti Müller“ ist definitiv kein Buch, das man einfach gemütlich wegliest und anschließend wieder zur Seite legt.
Yade Yasemin Önder hat mir mit diesem Roman gleichzeitig den Nerv geraubt, mich zum Lachen gebracht und mich an einigen Stellen ziemlich sprachlos zurückgelassen.
Im Mittelpunkt steht eine namenlose Erzählerin Mitte 30, deren langjährige Beziehung zu Kar zerbrochen ist. Und plötzlich wird etwas, das für sie lange gar nicht im Vordergrund stand, zu einer existenziellen Frage. Sie möchte ein Kind. Und zwar jetzt. Ihre biologische Uhr tickt, die Zeit scheint davon zu rennen und aus einem Kinderwunsch wird zunehmend eine Obsession. Die Männer, die ihr auf ihrer Suche begegnen, machen die Sache allerdings nicht gerade einfacher.
Da ist unter anderem Andi Müller, Schauspieler und vermeintlicher Muster-Feminist. Einer dieser Männer, die die richtigen Worte kennen, die sich selbstverständlich für feministisch halten und wahrscheinlich auch genau wissen, welche Haltung auf einem Dating-Profil gut aussieht, aber sobald es um tatsächliche Verantwortung, Verbindlichkeit und die Bedürfnisse einer Frau geht, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.. Und genau hier wird der Roman unglaublich bissig.
Önder nimmt nicht nur die Männer auseinander, sondern gleich den gesamten Mikrokosmos, in dem ihre Erzählerin sich bewegt.
Dating, Beziehungen, Kinderwunsch und einen Kulturbetrieb, der sich nach außen modern und aufgeklärt gibt und trotzdem von Macht, Konkurrenz, Abhängigkeiten und alten Strukturen geprägt ist. Besonders beeindruckend fand ich dabei die Sprache. Die ist nicht einfach nur schön oder ungewöhnlich, sie hat eine eigene Energie.
Mal sind die Sätze kurz und beinahe abgehackt, dann wieder völlig überbordend. Es gibt Tinder-Profile, Chats, Beobachtungen, Gedankenspiralen und sprachliche Bilder, die gleichzeitig absurd komisch und bitterernst sein können. Diese Erzählerin denkt, beobachtet und analysiert ohne Pause und genau dadurch bekommt man das Gefühl, direkt in ihrem Kopf festzustecken.
Und trotzdem ist „Anti Müller“ für mich keineswegs nur eine wütende Abrechnung. Unter all dem Sarkasmus liegt eine riesige Verletzlichkeit. Denn hinter der Wut steckt eine Frau, die Angst hat, dass ihr ein Leben entgleitet, das sie plötzlich unbedingt haben möchte. Eine Frau, die gleichzeitig selbstbestimmt sein will und verzweifelt nach etwas sucht, das sie nicht vollständig kontrollieren kann. Das fand ich unglaublich stark. Überhaupt hat mich überrascht, wie viel Traurigkeit in diesem Buch steckt. Man lacht über absurde Dates, über selbsternannte Feministen und über die grotesken Mechanismen des Kulturbetriebs und plötzlich kippt die Stimmung und man merkt, eigentlich geht es hier gerade um Einsamkeit, Verlust, Alter, Körper, Kinderwunsch und die Angst, am Ende mit den eigenen Wünschen allein dazustehen.
Genau diese Mischung macht das Buch für mich so besonders. „Anti Müller“ ist unbequem. Es ist teilweise anstrengend. Es fordert Aufmerksamkeit. Aber genau das wollte ich hier auch. Ich möchte bei einem solchen Roman nicht das Gefühl haben, dass mir alles hübsch erklärt und mundgerecht serviert wird. Ich möchte eine Stimme, die aneckt, übertreibt, provoziert und mich zwingt, genauer hinzusehen. Und das gelingt Yade Yasemin Önder hervorragend. Für mich ein sprachlich herausragender, bitterböser und gleichzeitig sehr verletzlicher Roman über Kinderwunsch, Beziehungen, weibliche Selbstbestimmung und die Männer, die sich für progressiv halten, solange es sie nichts kostet. Ein Buch, das mich nachhaltig beschäftigt hat, und genau deshalb bekommt es von mir 5 Sterne.
Juno
5/5
20.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über die Sehnsucht nach Verantwortung
Der Wunsch nach Familie, nach Männern die Verantwortung übernehmen und zu ihren Worten stehen, der unerfüllt bleibt, treibt das lyrische ich an den Rand des erträglichen und darüber hinaus. Teile des Romans haben mich an Warum Liebe weh tut von Eva Illouz erinnert.
Bewertung
5/5
07.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz besonderer Roman mit extrem toller Sprache
Dieses Buch ist der Hammer. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, und obwohl ich eigentlich keine schnelle Leserin bin, habe ich es in zwei Tagen weggesuchtet. Die ich-Erzählerin ist Autorin, sie schreibt an ihr ersten Roman, bahnt Liebesbeziehungen an und scheitert damit wieder, sie ist auf Literaturveranstaltungen und auf Dating-Plattformen und in Kinderwunschforen unterwegs und ist wütend auf unverbindliche Männer, auf die großen Egos in der Literatur-Bubble, und manchmal auch auf ihre eigenen Ansprüche. Dabei ist kein Satz ein schnöder Satz, sondern immer besonders.
Bewertung
4/5
23.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beeindruckendes Buch!
BEWERTUNG
„Alles kann, nichts muss? Alles? Was zur Hölle heißt ALLES? Heißt alles Kinder? Natürlich heißt es das! Ich rase durch die Wohnung, weiß gar nicht, was ich suche, und ich finde dabei alles mögliche.“ Seite 123
INHALT
Eine Frau auf der Suche nach einem potentiellen Mann und Vater ihres ungeborenen Kindes. Weil sich die Suche nicht ganz so einfach gestaltet, wird die 35 jährige Protagonistin ziemlich nervös und gerät zunehmend unter Druck. Der Kinderwunsch wird zu einer Obsession.
„Sich selbst zu verletzen, ist eine Sache. Sich für einen anderen Mann zu verletzen, eine andere. Sich umsonst zu verletzen, ist unfassbar.“ Seite 130
EINDRUCK UND FAZIT
Ist das jetzt feministische Literatur? Steckt nicht jede Frau in dieser Ambivalenz? Irgendwann? Ich fand das Buch besonders, nicht nur stilistisch ein großartiges Buch, sondern auch inhaltlich anders und gewagt. Ein Buch über die Lebenswelt von Frauen, Themen und Schwierigkeiten, die uns beschäftigen und unter Druck setzen - und ganz wunderbar in Szene gesetzt. Ich musste mich an den Stil gewöhnen, als ich dann drin war, wurde es grandios!
Ich würde mich über eine Nominierung für die Shortlist freuen, befürchte aber, dass dieses Buch die weibliche Perspektive zu sehr zeigt (und kritisch hinterfragt).
„Einer kriegt Angst, dass ich mich in ihn verliebe. Einer kriegt Angst, dass ich mich nicht in ihn verlieben. Einer wohnt in einer Zehner – WG. (…) Einer kommt mit, kriegt aber keinen hoch. Einer kriegt ein hoch, aber kommt nicht. Einer kommt mit und kommt.“ Seite 210
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
4/5
06.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Longlist
ANTI MÜLLER
Yade Yasemine Önder
ET: 26.02.26
Unsere namenlose Ich-Erzählerin versucht noch immer, ihre gescheiterte Beziehung zu verdauen. Eigentlich wusste ihr Ex-Freund Kar von Anfang an, dass sie irgendwann Kinder haben möchte. Doch der junge, erfolgreiche Autor vertröstet sie immer wieder: Erst noch ein neues Buch schreiben, dann noch ein Podcast-Dreh und überhaupt gibt es immer etwas, das gerade wichtiger ist.
Mittlerweile ist unsere Protagonistin 36 und das Ticken ihrer biologischen Uhr wird immer lauter. Nur noch ein funktionierender Eierstock und ein großer Kinderwunsch setzen sie zunehmend unter Druck. Doch einen passenden Mann zu finden, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Auswahl ist zwar groß, aber irgendwie scheint keiner der potenziellen Väter wirklich bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen.
Dann lernt sie Andi Müller kennen. Er ist Schauspieler, Vater von Zwillingen und gibt sich als reflektierter, feministischer Frauenversteher. Unsere Protagonistin schöpft Hoffnung, dass sich ihr großer Wunsch mit ihm vielleicht doch noch erfüllen könnte. Doch auch Andi ziert sich gewaltig, wenn es um Verbindlichkeit und Verantwortung geht.
Als ihre Obsession für ihn schließlich zu viel wird, gibt er ihr den Laufpass.
Und dann ist da auch noch ihr eigenes Leben als Autorin: Ihr erster Roman soll endlich fertig werden, doch die Erwartungen und der Druck wachsen – während der Kinderwunsch immer mehr Raum einnimmt.
Yade Yasemin Önders Schreibstil ist speziell. Wütend und fordernd, aber das passt hervorragend zu der zunehmenden Verzweiflung unserer Protagonistin. Mir war es persönlich aber manchmal einfach zu viel und dadurch habe ich es stellenweise als anstrengend empfunden. Trotz dieser Kritik finde ich das Thema unglaublich interessant. Gerade der Druck, unter dem Frauen mit Kinderwunsch stehen, während Männer vermeintlich alle Zeit der Welt haben, wird hier sehr deutlich. Und auch die scheinbar feministischen Männer bekommen ordentlich ihr Fett weg.
Fazit:
Ein bissiger, wütender und ungewöhnlicher Roman, der definitiv zum Nachdenken anregt. Sprachlich war er mir an manchen Stellen zu anstrengend, aber genau diese Überdrehtheit scheint Teil des Konzepts zu sein.
Chancen auf den Buchpreis? Ich bin gespannt. Und deshalb: Go Yade Yasemin Önder!
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5/5
28.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über unerfüllte Kinderwünsche und feministische Männer
Yade Önder shreib in einer so fesselnd-humorvollen Sprache, dass dieses Buch einen ganz eigenen Sog entwickelt. Sie wagt einen Blick hinter die Fassaden von sich feministisch gebenden Männern. Die Protagonistin kämpft sich durch einen ach so gleihberechtigten Kulturbetrieb und versucht dabei ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Das wäre alles viel einfacher, wenn sich ihre Partner nicht selbst wie Kinder verhalten würden. "Dieses Jahr werde ich schwanger" verspricht sie sich immer wieder, aber wie weit ist sie bereit dafür zu gehen? Ein Buch über Abhängigkeit und Souveränität und über alles was dazwischen liegt.
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3/5
12.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
komisch
Ein unerfüllter Kinderwunsch. Performative males. Und das alles während sie ihren Debütroman verfasst. Die Protagonistin begiebt sich auf eine wilde Suche nach dem richtigen Vater für ihre noch nicht existierenden Kinder, wobei sie oft Grenzen überschreitet und sich selbst verliert. Der Schreibstil war sehr gewöhnungsbedürftig und manchmal etwas viel. Dennoch ein super interessantes Buch.
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2/5
19.09.2026
eBook (ePUB)
Nicht für jeden geeignet...
Tja, wo soll ich anfangen... Sollte die Autorin nur ansatzweise so sein, wie die Protagonistin und bei jeder negativen Rezension in Selbstzweifel stürzen, dann möchte ich folgendes sagen: "Es liegt nicht an dir, es liegt an mir".
Leider konnte ich zu diesem Buch nur unheimlich schwer Zugang finden. Die Protagonisten waren mir alle unsympathisch und ich konnte sie nicht wirklich greifen und somit auch keine große Emotion zu den Charakteren und der Geschichte entwickeln.
Den in den anderen Rezensionen hochgelobten Schreibstil fand ich am Anfang sehr orginell, aber nach dem zigsten Mal in Wiederholung hat er für mich an Zauber verloren. Durch die endlosen Aufzählungen habe ich leider immer wieder den Faden verloren und bin nicht so richtig in die Geschichte reingekommen. Auch der bissige feministische Ansatz und die Abrechnung mit dem Patriachart sind nur kurz aufgeblitzt und dann dem Gezeter und dem Lamentieren der Protagonistin zum Opfer gefallen.
Jedem, der Freude an außergewöhnlichen Schreibstilen hat, sollte sich das Buch gerne mal anschauen.
Eine 35jährige junge Frau, die nur noch einen Eierstock besitzt, bekommt Torschlusspanik, was ihre Familienplanung anbelangt, da ihre langjährige Beziehung zu Kar in die Brüche geht und ihre darauffolgenden Tinderbeziehungen auch nicht das Wahre sind: Keiner der Männer ist bereit mit ihr ein Kind zu zeugen. Am Ende beschließt die Protagonistin ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen, indem sie sich Eizellen einfrieren für den Fall der Fälle.
Das Buch "Anti Müller" spiegelt eine Generation wider, die scheinbar nur nach Selbstoptimierung strebt und Beziehungen ohne Verantwortung für Kinder führen möchte (aus den unterschiedlichsten Gründen). Ob die Entscheidung ein Kind alleine großzuziehen allerdings die Richtige ist, ist schwer zu beantworten.
Ich habe das Buch in zwei Tagen gelesen da ich Yade Yasemin Önders Schreibstil mochte, der mich an die rasante Poetry Slam Sprache erinnert. Die Gefühlslage der Protagonistin lässt sich gut nachvollziehen und das Thema an sich sorgt für Diskussionsstoff. Fazit: Ein supergutes Buch, trotz des traurigen realistischen Themas.
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