Warum fällt es so vielen Menschen schwer, Nein zu sagen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen?Katha ist 37, hat keinen Plan, aber viele Gedanken. Um sich von ihren Unsicherheiten abzulenken, setzt sie auf wechselnde Nagellackfarben, Kohlenhydrate und lockeren Sex. Nach einer überraschenden Trennung und einem Treppensturz, bei dem sie sich die Hand bricht, bleibt der Wahlberlinerin nichts anderes übrig, als kurzzeitig zurück zu ihrer Mutter nach Bad Godesberg zu ziehen. Dort treffen ungefragte Ratschläge auf Vermeidungsstrategien, penible Ordnung auf chronisches Improvisieren. Und dann taucht auch noch Bruno auf, der Katha schon kannte, bevor sie sich angewöhnt hat, es allen recht machen zu wollen. Während alte Konflikte aufbrechen, wird Katha klar, dass man vor vielem davonlaufen kann - nur nicht vor sich selbst.Warmherzig, witzig und klug erzählt GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG von den Geschichten, die wir über uns selbst erfinden - und davon, was passiert, wenn sie nicht mehr tragen.Für Leser:innen von Caroline Wahl, Sophia Como und Anne Sauer
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Auch mir fällt es schwer „Nein“ zu sagen. Habe einen Helferkomplex, der es mir manchmal nicht ermöglicht für meine eigenen Bedürfnisse einzustehen und zudem ein großes Problem mit meiner Mutter. Ganz ähnlich wie Katha, Daniela Wilmers Hauptprotagonistin in ihrem Debütroman „Gewöhnungsbedürftig“, die ihre Unsicherheiten, Zweifel und Komplexe, durch teils fragwürdige Ablenkungen, zu überspielen versucht, während alte Konflikte an ihr nagen und sie beginnt, die Vergangenheit ihrer Mutter zu hinterfragen und langsam zu verstehen.
Themen und innerliche Zerrissenheiten, in denen sich sicher viele wiederkennen werden. Mir jedenfalls erging es so. Während des Lesens konnte ich nicht nur vieles auf mich übertragen, sondern auch vieles überdenken, was mich auf berührende Weise sowas wie versöhnlich und milde gestimmt hat. Das klingt jetzt sicher nach hartem Tobak, ist es jedoch gar nicht, da die Autorin die „Problematik“ zwar mit einer sehr direkten, doch auch ebenso unterhaltsamen, wie einfühlsamen Schreibweise und Story angeht. Zudem hat sie mit der chaotischen, aber sehr sympathischen und liebenswerten Protagonistin einen absoluten Volltreffer gelandet.
Fazit: „Gewöhnungsbedürftig“ ist nicht nur authentisch, ehrlich und direkt, sondern dabei auch noch wahnsinnig humorvoll. Ein wirklich großartiger, warmherziger und auch Augen öffnender Roman über Generationskonflikte und den Weg zu sich selbst.
Katto
aus Köln
5/5
02.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Humorvoll, ehrlich und zutiefst menschlich
„Gewöhnungsbedürftig“ von Daniela Wilmer mochte ich sehr. Es erzählt von Katharina. Sie ist 37, lebt in Berlin, hat ihr Leben irgendwie im Griff – und gleichzeitig auch nicht. Nach einer Trennung und einem ziemlich blöden Treppensturz landet sie mit gebrochenem Handgelenk wieder bei ihrer Mutter in Bad Godesberg. Dort wird sie mit alten Gewohnheiten, familiären Themen und vor allem mit sich selbst konfrontiert – Dingen, denen sie gerne aus dem Weg geht.
Ich mochte Katha als Protagonistin sehr gerne. Sie macht es sich selbst nicht leicht. Sie denkt viel darüber nach, was andere von ihr erwarten, zweifelt an sich selbst und ihren Entscheidungen und versucht häufig, es allen recht zu machen. Und genau das macht sie für mich so sympathisch. Denn Selbstzweifel kennen wir doch alle. Mal mehr, mal weniger. Ich konnte mich deshalb an einigen Stellen sehr gut in Katha hineinversetzen.
Aber auch die anderen Figuren waren mir alle sehr sympathisch und authentisch. Besonders gefallen haben mir die Beziehungen zwischen Katha und ihrer Mutter sowie zwischen Katha und Bruno. Gerade in der Beziehung zu ihrer Mutter spielen längst überwunden geglaubte Rollen und alte Muster eine Rolle. Alles wirkte sehr nahbar und echt.
Daniela Wilmer erzählt ihre Geschichte angenehm locker und mit einer guten Portion Humor. Das hat mir sehr gefallen, denn obwohl es um durchaus ernstere Themen geht, wird die Geschichte nie schwer oder bedrückend. Es gibt viele Situationen, bei denen ich schmunzeln musste, aber auch einige, die zum Nachdenken angeregt haben. Ich mochte besonders, dass die Geschichte nicht versucht, Katha irgendwelche einfachen Antworten zu geben, sondern sie ihren eigenen Weg finden lässt.
Und auch das Ende hat mir richtig gut gefallen. Es hat für mich sehr gut gepasst und die Geschichte auf eine stimmige Art abgeschlossen. Mehr verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht
„Gewöhnungsbedürftig“ ist ein humorvoller, ehrlicher und gleichzeitig nachdenklicher Roman über Selbstzweifel, das ganz normale Lebenschaos und ganz viel Mut. Ich habe Katha sehr gerne begleitet und hatte eine richtig gute Zeit. Eine Geschichte mit viel Herz, die für mich vor allem eines war: zutiefst menschlich.
Bewertung
5/5
27.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz und gar richtig genau so
Als ich "gewöhnungsbedürftig" in die Hand genommen habe, hatte mich der Klappentext neugierig gemacht, aber was mich eigentlich erwarten würde, wusste ich nicht.
Und dann...hatte die Story mich schon nach wenigen Seiten. Katha, 37, lebt das Leben nach ihren Regeln - frei, mit Gelegenheitsjobs und Gelegenheitssex, mit Freund:innen und Partys, Alkohol und lockeren Verbindungen. Ein Sturz, der sie vorübergehend etwas einschränkt, führt sie nach Hause ins beschauliche Bad Godesberg zu ihrer Mutter zurück. Und was zuerst wirkt wie ein erzwungenes vorübergehendes Zusammensein, wandelt sich schnell in eine Reise in die Vergangenheit, zueinander und nicht zuletzt für Katha auch zu sich selbst.
Die Geschichte, bei der ich zunächst nicht wusste, worauf ich mich einstellen würde, ist dabei binnen kurzer Zeit zu einem meiner Jahreshighlights geworden. Warum? Daniela Wilmer findet Worte für Gefühle, die viele von uns kennen werden und manchmal hätte ich ganze Paragraphen gerne so Wort für Wort abgespeichert. Sie lässt dabei im Mutter-Tochter-Verhältnis auch vermeintliche Tabuthemen nicht aus und zeigt, wie viel Kraft darin liegen kann, gemeinsam jetzt oder später über Erfahrungen zu sprechen - um zu sehen, dass man damit nicht alleine ist.
Bin ich zu viel? Wie muss ich mich (vermeintlich) inszenieren, damit mein Gegenüber mich mag? Warum macht es uns so Angst, uns ohne "Maske" zu zeigen? Betäube ich meine Gefühle oder vergrabe ich sie irgendwo? Warum versuchen wir immer, es anderen Recht zu machen? Darf ich nein sagen? Wie formuliere ich Bedürfnisse, ohne jemand anderen zu belasten - und ohne, dass es mir Angst macht? Wie arbeite ich - ohne Vorwurf - eigene Familiengeschichten und -erfahrungen auf? Wie lernen wir, einfach "darauf" zu vertrauen? Warum zweifeln wir so schnell an uns selbst? Wann bin ich genug? Wann und wie kann ich mit anderen über meine Gedanken, Gefühle und Erfahrungen reden?
Das Buch versucht das zu erörtern und ist dabei lustig, chaotisch, lebensnah, echt und gar nicht gewöhnungsbedürftig. Wir dürfen an uns glauben! Denn genau so sind wir richtig, genug und nicht zu viel!
Auch mich hat das Buch angeregt, mit Freundinnen - und auch mit meiner Mutter - zu reden. Denn wenn wir Erfahrungen teilen, auch wenn wir sie nicht immer verstehen können, sind sie weniger schwer.
Ein großartiges Buch.
Jürg K.
5/5
25.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lebendige, kraftvolle Geschichte
Katha berührt mich, weil sie keine Heldin ist, sondern ein Mensch, der strauchelt und genau darin liegt ihre Wahrheit. Mit 37 steht sie an einem Punkt, den viele kennen. Das Gefühl, eigentlich erwachsen sein zu sollen, aber innerlich noch immer suchend, tastend, manchmal überfordert. Ihre Nagellackfarben, die Kohlenhydrate, der unverbindliche Sex, dies wirkt wie kleine Pflaster auf viel grössere Risse. Und als dann Trennung und Treppensturz zusammenkommen, bricht nicht nur ihre Hand, sondern auch die Illusion, dass sie alles irgendwie schon hinkriegt. Die Rückkehr nach Bad Godesberg ist für mich der stärkste Moment des Romans. Dieses Heimkommen, das sich gleichzeitig nach Rückschritt und nach Rettung anfühlt. Bruno bringt eine andere Art von Unruhe. Er kennt die Version von Katha, die noch nicht gelernt hatte, sich selbst zu verbiegen. In seiner Gegenwart spürt man, wie sehr sie sich nach einem Leben sehnt, das nicht aus Kompromissen und Selbstschutz besteht. Für mich ist es ein Roman über das schmerzhafte, aber befreiende Eingeständnis, dass man vor vielem fliehen kann, nur nicht vor dem eigenen Kern.
Bewertung
aus Claußnitz
5/5
22.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vor sich selbst kann man nicht davonlaufen
Lerne die 37 jährige Katha kennen. Sie lebt jetzt in Berlin und genießt das Leben in der Großstadt. Immer Party, wechselnde Männer, aber keine Verpflichtungen, wie einen festen Job. Als sie sich wieder mal trennt und nach einem Unfall, der mit einer gebrochenen Hand endet, bleibt ihr nur, wieder zu ihrer Mutter nach NRW in die Kleinstadt Bad Godesberg, zu ziehen. Die alten Konflikte mit ihrer Mutter sind vorprogrammiert, als sie in ihr altes Zimmer zieht. Wird ihre Mutter ihr endlich etwas aus ihrer Vergangenheit offenbaren? In Bad Godesberg trifft sie u. a. auf Bruno aus der Abiturzeit. Katha wird nach und nach klar, dass sie nicht immer vor sich selbst davonlaufen kann und sich endlich selbst akzeptieren muss. Wird sie zu sich selbst finden? Das tiefgründige Buch besticht mit herrlichen Bildbeschreibungen, authentischen Charakteren und viel Humor. Daniela Wilmer zeigt den ungeschönten Alltag und das wahre Leben sehr ehrlich und menschlich, aber auch mit viel Herz. Der warmherzige Roman regt intensiv zum Nachdenken über die vielen Selbstzweifel von Frauen an. Die vielen eingeflochtenen ernsthaften Themen, wie z. B. Mutter ohne Glücksgefühle für ihr Kind, machen es rundum gelungen.
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5/5
07.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Du bist nicht zu viel!
Katha ist 37, lebt in Berlin und lebt ihr Leben so wie es ihr passt. Während ihre Freundinnen alle in ernsthaften Beziehungen sind und Kinder kriegen, arbeitet Katha als Kellnerin, liebt Bars und lange Nächte und springt von Beziehung zu Beziehung.
Nach einer Trennung fällt sie bei ihrer Frauenärztin die Treppe runter und zieht kurzfristig mit gebrochener Hand zurück zu ihrer Mutter nach Bad Godesberg.
Dort angekommen merkt sie, wie viele Baustellen sie eigentlich hat. Alte Konflikte mit ihrer Mutter kommen wieder hoch und, da Flucht mit gebrochenem Arm keine Option ist, versucht sie die Konflikte in Angriff zu nehmen. Und dann ist da noch Bruno. Ein Klassenkamerad aus der Abiturzeit, für den Katha früher einmal Gefühle hatte.
Katha wird klar, dass sie nicht immer vor sich selbst davonlaufen kann und dass sie an ihren Problemen und an sich arbeiten muss um glücklich werden zu können.
Ich konnte mich an vielen Stellen gut in Katha hineinversetzen. Und auch wenn das Buch mit viel Humor geschrieben wurde, geht es doch um viele sehr ernste Themen, die mich nachdenklich gestimmt haben.
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