Stundenlang patrouilliert Constable Hirschhausen über Highways und ausgewaschene Schotterstraßen durchs australische Hinterland. Nervosität liegt in der Luft, die Pandemie zehrt an den Nerven und an Hirschs Toleranzlevel. Verkehrsdelikte, ein erschossener Merinobock, Hassparolen am Kulturzentrum – bei jedem Vergehen droht die Lage zu eskalieren.
Auf der Suche nach einem vermissten Backpacker sieht sich Hirsch starrsinnigen Farmern gegenüber, als er zu einem vermeintlichen Brand gerufen wird: ein dilettantisch angezündeter Koffer im Straßengraben. Keine große Sache – bis Hirsch die Leiche darin entdeckt.
Ein neuer Fall für Constable Hirschhausen im Land von Wolle, Weizen und Staub.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ein literarischer Krimi vom Feinsten aus Australien, ein Gesellschaftsportrait
Der Anfang: „In jener entlegenen Gegend stand man, wenn man eine Schaffarm von der Größe eines europäischen Fürstentums besaß, hocherhobenen Hauptes da. War man nur ein mietezahlender Beamter wie Hirsch, dann stand man hingegen auf dem Gipfel von Desolation Hill.“
Eine Mutter, Dr. Van Sant, ist auf der Suche nach ihrem Sohn, einem Backpacker, der sich plötzlich nicht mehr bei ihr gemeldet hat. Hirsch fährt mit ihr zu seinem ehemaligen Arbeitgeber und trifft auf knorrige Farmer, die sich als Schwurbeler entpuppen, angeführt von einer schießwütigen Farmersfrau, bei der der Abzug ziemlich locker hängt. Hirsch wird sogleich zu einem Brand gerufen, ein dilettantisch angezündeter Koffer im Straßengraben. Keine große Sache - bis Hirsch eine Leiche darin entdeckt. Kann dies der vermisste junge Mann sein? Dr. Van Sant, die immer noch in seinem Auto hockt, entpuppt sich am Tatort als versierte Forensikerin.
«‹Nein! Nein, bitte nicht, Mr Muir.› Bob blieb verwirrt stehen und hielt das tropfende, schwere Strahlrohr in den Händen.
‹Was?›
‹Spuren›, sagte Dr. Van Sant. Sie wendete sich an Hirsch. ‹Holen Sie bitte unsere Wasserflaschen. Wir gießen einen Becher Wasser nach dem anderen darüber, um die Spuren zu erhalten. Das ist kein schneller oder gefährlicher Brand, aber er wird im Lauf der Zeit die Spuren vernichten - was ein kräftiger Wasserstrahl sofort erledigen würde.›»
Diesmal gibt es nicht den einen Fall, sondern wir begleiten das tägliche Geschäft von Constable-Hirschhausen. Stundenlang patrouilliert er über Highways und ausgewaschene Schotterstraßen durchs australische Hinterland. Nervosität liegt in der Luft, die Pandemie zehrt an den Nerven und an Hirschs Toleranzlevel mit den «Covidioten». Verkehrsdelikte, ein erschossener Merinobock, Hassparolen am Kulturzentrum - bei jedem Vergehen droht die Lage zu eskalieren. Immer schön nett sein, keine eigene Meinung haben, nicht die Schwurbelertheorien kommentieren. Bei so viel Blödsinn rutscht einem schon mal ein Spruch heraus. Um das Brandopfer kümmert sich die Mordkommission, der Backpacker scheint mit seiner Freundin weitergezogen zu sein, was der Mutter nicht ganz einleuchten will, so ganz ohne Nachricht vom Sohn. Sie wird die Spur weiterverfolgen und Hirsch widmet sich dem Alltäglichen.
«‹Versuchen Sie es mal damit›, sagte Hirsch und trank seinen Tee aus. ‹Ich muss weiter.› Als er wegfuhr, ging ihm mal wieder auf, dass er den Menschen nie umfänglich helfen konnte, niemals all die Probleme anpacken oder wegräumen konnte, die ihm in den Weg kamen.»
Ein solider Krimi, der dieses Mal weniger aufregend ist, aber tief in die Farmerseele im australischen Outback eintaucht, im «Weizen- und Wollland» zwischen Adelaide und dem Fuß der Berge. Auch privat macht sich Hirsch Sorgen. Seine Freundin, Lehrerin Wendy Street, und ihrer Tochter Kate, werden durch einen Unbekannten im Internet gemobbt. Cyberkriminalität, Rechtsextremismus, Rassismus, Drogenküchen, Eierdiebe, Kneipenschlägereien und Betrügereien mit dem Sperrmüll bis hin zu Missachtung der Sicherheitsregeln von Coronaleugnern, Hirschhausen hat alle Hände voll zu tun. Schießwütige Farmer, Witwen, die plötzlich mit der Farm allein klarkommen müssen, Hirsch ist immer freundlich und bemüht sich zu helfen, wo er kann. Hier zeigt Disher eine gute Beobachtungsgabe für Details und gesellschaftliche Nuancen. Und so ganz langsam blättert sich hinter all dem Kleinkram etwas Großes auf, der Krimi zieht an, Seite für Seite. Der Lesende versinkt in die Story, hat das Gefühl ganz authentisch bei Hirsch auf demBeifahrersitz mitzufahren, dabei zu sein beim Besuch auf den abgelegenen Farmen – Australia live.
„Am Nachmittag kam der letzte Abschnitt der weiten Schleife, die ihn an einer Stelle eine halbe Stunde nördlich von Tiverton zurück zum Barrier Highway brachte. Er sang mit Leonard Cohen über lausige Dichter, bog nach links ab und fand sich nach kurzer Zeit in besserem Land wieder: bessere Ernten, mehr Regen, bessere Zäune - noch immer aber herrschte das Gefühl vom einsamen, verborgenen Leben unter Dächern weitab vom Highway.“
Ein literarischer Krimi, authentisch mit viel Atmosphäre für Land und Leute. In diesem Band wird Disher sogar politisch und es geht quer durch alle Delikte, bis hin zu Rassismus gegen Aborigines innerhalb der Polizei und Gewalt von Pflegern gegen Bewohner. Wie überall auf der Welt gibt es auch in Australien die Querdenker, Impfgegner: «Wir weigern uns, ungesetzliche Anweisungen einer Regierung durchzusetzen, die ihr Volk mit Mikrochips versehen will.» Eine Gesellschaft zerbricht in zwei Teile. Das unübersichtliche Revier, das Hirsch kontrolliert, ist riesig, «Ich bin hier allein und kontrolliere ein Gebiet von der Größe Belgiens», und hier passiert eine Menge, es braut sich etwas zusammen, Disher legt hier ein ein Gesellschaftsportrait vom Feinsten an. Der literarische Krimi ist ein Genuss, wie alle Disher-Krimis!
«Hirsch konnte nicht mit Fannings Emotionen mithalten - er hatte sich nicht ausgesucht, hier zu leben, ihm gehörte hier nichts, er hatte hier keine Familie gehabt, keine Frau begraben. Er war ein Eindringling. Aber die Fannings auch, die Drydens und alle anderen, die sich hier Land abgesteckt hatten. Das Land war ihnen nicht überlassen worden. Das behielt er alles für sich selbst und sagte nur: ‹Ich gewöhne mich langsam dran.›»
Garry Disher wurde 1949 im ländlichen Südaustralien geboren und wuchs auf einer Farm auf. 1978 bekam er ein Stipendium für creative writing an der Stanford University, California. Nach weiteren Stationen in England, Italien und Afrika widmete er sich immer mehr dem Schreiben. Inzwischen gehen über dreißig Bücher auf sein Konto, darunter preisgekrönte Kinderbücher und klassische Romane, Sachbücher und Crime Fiction. Sein erster Wyatt-Roman «Gier» wurde mit dem deutschen Krimipreis 2000 ausgezeichnet. Garry Disher lebt mit seiner Familie auf der Mornington Halbinsel.
Bewertung
aus Düsseldorf
4/5
08.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gemächlich
Mit Desolation Hill präsentiert uns Disher seinen vierten Roman um den geschassten Constable Hirschhausen, genannt Hirsch. Er hat ein riesiges Gebiet zu patrouillieren und die Fahrten sind eher ungemütlich, weil sie über Schotterpisten führen. Das Land, ca. 2 Stunden von Adelaide entfernt, ist von Landwirtschaft und Tierhaltung geprägt.
Gleich mehrere Delikte beschäftigen Hirsch: ein verschwundener Student aus Belgien, eine verbrannte Leiche in einem Koffer und die Tochter seiner Freundin, die gemobbt wird. Die vielen Protagonisten lassen das Buch manchmal unübersichtlich werden, aber gegen Ende laufen die Fäden zusammen. Insgesamt finde ich das Buch zu gemächlich und es hat mich nicht so richtig gepackt wie die Vorgänger. Das Cover hingegen ist fantastisch mit großem Wiedererkennungswert der Serie.
Elke
aus Vaihingen an der Enz
4/5
02.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unterwegs mit Hirsch
3,5 (aufgerundet)
In „Desolation Hill“, dem vierten Band der Hirschhausen Reihe, sitzen wir einmal mehr auf dem Beifahrersitz des klapprigen Hilux und begleiten „Hirsch“ auf den Patrouillenfahrten durch seinen dünnbesiedelten Zuständigkeitsbereich im australischen Weizen- und Wollland. Die Fälle, um die sich der in Ungnade gefallene Senior Constable kümmern muss, sind üblicherweise auf den ersten Blick unspektakulär. Ein erschossener Schafbock, Online Mobbing, gefakte Sperrmüllsammlungen, das in den Boden gefräste Symbol der Ureinwohner, die schießwütige Frau eines Großgrundbesitzers und freilaufende Hunde. Doch dann ist da noch das verschwundene Backpackerpärchen und die Leiche mit ungeklärter Identität im Koffer. Wie wir es von Disher kennen, werden sich im Lauf der Story Zusammenhänge ergeben, Verbindungen sichtbar werden.
So weit, so gut und so erwartet. Zwei Dinge haben mich diesmal allerdings massiv gestört. Da ist der erhobene Zeigefinger, der immer wieder zwischen den Zeilen zum 1.) Thema Corona aufgetaucht ist. Desolation Hill (= Originaltitel Day’s End) ist 2023 erschienen, also zu einem Zeitpunkt, in dem das Thema Corona in aller Munde war. Und dass die Australier besonders rigide mit Lockdowns sowie Masken- und Impfpflicht waren, drang auch bis zu uns durch. Disher war wohl von den Maßnahmen überzeugt, lässt Hirsch zum Sprachrohr der offiziellen Linie werden und bezeichnet diejenigen, die den offiziellen Verlautbarungen misstrauen, als Covidioten. Zur Handlung tragen diese Bemerkung allerdings überhaupt nichts bei. 2.) Ähnlich ist es mit diesem Adlersymbol. Natürlich gilt es die Kultur der Ureinwohner zu respektieren, in diesem Punkt sind wir uns alle einig, aber muss die Thematik der kulturellen Aneignung hier auch untergebracht werden? Und 3.) war es wirklich notwendig, die Story mit diesem Showdown abzuschließen, der eher an eine amerikanische Actionserie erinnert und so überhaupt nicht zur Stimmung des Buches passt?
Der zweite Punkt ist die Übersetzung, die stark von dem abweicht, was man von Peter Torberg üblicherweise gewohnt ist. Beispiele gefällig? Was ist „ein besiegt wirkendes schmiedeisernes Tor“? Was sind „Schrumpffolienschenkel“? Und wie „installiert“ man sich auf den Rücksitz? Tut mir leid, aber das klingt noch nicht einmal wörtlich übersetzt, sondern wirkt einfach nur unpassend und schludrig.
Es kann nur besser werden, denn auch wenn das Buch mit Sicherheit auf den vorderen Plätzen der Krimibestenliste auftauchen wird, fällt es meiner Meinung nach im Vergleich mit den Vorgängern deutlich ab, wirkt zumindest im letzten Drittel lieblos zusammengeschustert, eher so, als hätte sich der Autor mangels eigenen Ideen an Schlagzeilen entlang gehangelt. Schade.
EriSch
Book Circle Community
4/5
20.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein spannender Krimi mit einem interessanten Setting
Constable Hirschhausen ist auf der Suche nach verschwundenen Backpackern. Ihre Spur verliert sich und die Farmer sind nicht kooperationsbereit. Seine Nachforschungen im australischen Hinterland sind deshalb nicht sehr ausgiebig. Als wäre dies nicht schon genug, wird ein brennender Koffer gefunden, in dem eine Leiche liegt. Wie ist dieser brennende Koffer in den Strassengraben gekommen? Hirschhausen tabt nun schon im zweiten Fall komplett im Dunkeln. Und dann scheint auch die Tochter seiner Freundin Wendy grössere Probleme zu haben, doch sie will partout nicht darüber sprechen. Als sie sich dann doch überwindet, sind Wendy und Hirschhausen schockiert. Im vermeintlich kleinen Dorf ist vieles los und es scheint auch einiges zusammenzuhängen, je weiter die Ermittlungen vorstossen. Doch was ist in diesem Dorf los und spielen alle mit den richtigen Karten?
‘Desolation Hill’ ist der vierte Fall für Constable Hirschhausen. Für mich war es das erste Buch von diesem Autor und dieser Reihe. Es ist ein spannender Krimi der im australischen Hinterland spielt. Eine interessante Umgebung, welche dem Krimi ein gutes Setting gibt. Man kann sich gut in die Szenen hineinversetzen wenn die Autos über die Schotterstrassen zu den abgelegenen Farmen fahren. Eine herausfordernde Reise, in der man immer mit einem Hinterhalt rechnen muss.
Constable Hirschhausen ist für alle da und lässt nicht locker bis er die Wahrheit kennt. Doch er hadert auch immer wieder mit der Situation. Manchmal kam es mir vor, als schaue er viel mehr für die anderen Leute als zu sich selber. Die vielen weiteren Protagonisten sind teilweise verwirrend, doch findet man sich im Laufe des Buches immer besser zurecht.
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5/5
07.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neues aus Down Under
In diesem 4. Band aus der Hirschhausen Reihe bekommt unser Freund "Hirsch" deutlich mehr Profil und es zeigt sich immer mehr, was ich an der Serie so liebe: Hirschhausen ist kein Held oder egomanischer Einzelgänger, sondern einer, der hinschaut und sich kümmert und zur Stelle ist, wenn er grbaucht wird. Das ist so wohltuend unspektakulär und trotzdem gelingt es Disher wie kaum einem anderen, in dieser Alltäglichkeit das Böse und Niederträchtige aufzudecken. Größte Krimikunst!
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4/5
23.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Hirsch", die IV.
Garry Disher ist ein australischer Krimi-Schriftsteller erster Güte und seine diversen Serien hochdekoriert.
Auch sein Constable Hirschhausen, der sozusagen ans Ende der Welt(Australiens) strafversetzt wurde, ist eine Figur, die man samt ihrem Umfeld nicht so schnell vergisst.
Seine Kleinst-Stadt Tiverton und ihre Bewohner fühlen sich buchstäblich abgehängt, es gibt kaum Jobs, keine bezahlbaren Wohnungen und dank Australien`s strenger Corona-Regeln zusätzlichen Druck.Der dann auch (+ "Corona"-Leugnern sei dank) anfängt, seltsame Blüten zu treiben.Als es nicht nur bei Hundebissen, Cyberstalking und verschwundenen Backpackern bleibt, hat "Hirsch" neben seinen kilometerlangen Überlandtouren auch noch einen Mord an der Backe und muss plötzlich wieder der "Internen" Rede und Anwort stehen .
Und das ist noch nicht alles...
Disher schreibt karg, lässt Land und Leute vor unseren Augen entstehen und das Einzige, was mich an dieser verwickelten Story gestört hat, war der fast westernmäßige Showdown am Ende - der war mir in jeder Hinsicht zu abrupt und für Hirsch auch zu unüberlegt - aber sei`s drum..trotzdem ansonsten großes Kino, stimmungsvoll entwickelt.
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4/5
15.05.2025
eBook (ePUB)
Hart aber real
Constable Hirsch ist wieder allein in den Weiten Australiens unterwegs. Die Einsamkeit der Bewohner ist für mich schon fast bedrückend. Mehrere Fälle mit vielen Beteiligten beschäftigen Constable Hirsch - nichts für mal nebenbei lesen. Leider gibt es viele Verlierer in Desolation Hill...
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