Gegen Ende der Achtzigerjahre stürzt in einem italienischen Küstenort ein Friedhof ins Meer. Eine Urne, die an den Strand gespült wird, gibt ein Geheimnis preis: Der fünfundzwanzigjährige Pinò erfährt, dass sein Vater vor ihm schon einen anderen Sohn hatte. Als Pinò bewusst wird, dass er immer nur als Ersatz gedacht war, beginnt er die verschwiegene Vergangenheit seines Vaters zu erforschen. Doch dabei riskiert er, dass auch sein eigenes Geheimnis aufgedeckt wird. Die rätselhaften Merkmale seines Körpers drohen ihn zu verraten: Sein Bauchnabel fehlt, seine Stimme erzeugt keinen Widerhall, sein Atem hinterlässt in der Kälte keine Spur. Denn Pinò war nicht immer ein Mensch.
In »Aus anderem Holz« interpretiert Giuliano Musio den Pinocchio-Stoff neu. Aus der Puppe ist ein junger Mann geworden, aber das Menschsein ist ihm fremd geblieben. Ein Roman über die Last der Herkunft und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Danyboy
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
31.10.2026
eBook (ePUB 3)
Pinocchio Reloaded: Finde deinen Platz in der Welt
Aus anderem Holz / von Giuliano Musio
+ Das Zitat
„Natalino streckte ihm die Spule hin. Und nun merkte Pinò, dass er diesen Drachen auf keinen Fall halten konnte. […] Wenn er die Spule jetzt in die Hand nahm, würde er wie eine Marionette an einem Faden hängen. Eine fremde Kraft würde seinen Arm steuern, ihm seine Bewegungen diktieren. Aber es war nicht einmal das, was ihm solche Angst machte. Es war die Möglichkeit, dass es ihm gefiel.“
+ Die Thematik
Wir befinden uns an einem toskanischen Küstendorf gegen Ende der 1980er-Jahre, wo ein Ereignis die Gemeinde erschüttert: Ein auf den Klippen befindlicher Friedhof stürzt ins Meer, Grabsteine versinken im Wasser, Särge treiben obenauf. Ein Mann namens Geppetto löst sich aus den schockierten Schaulustigen und springt ins Meer, denn es gibt etwas, was er unbedingt bergen will…
So beginnt bildstark und morbide eine Neu- und Weitererzählung des Pinocchio-Stoffes. „Pinò“ ist mittlerweile ein 25-jähriger junger Mann, der seit seiner „Fleischwerdung“ in der Jugend etwas verloren durchs Leben stolpert, seine Arbeit verrichtet und sich (erst recht nach dem Friedhofsereignis) um seinen Vater Geppetto kümmern muss. Letzterer ist verbrämt, körperlich angeschlagen und nach dem Sprung ins Meer kaum mehr ansprechbar.
Wenige Tage nach dem Friedhofssturz findet man eine heil gebliebene Urne und bringt sie Geppetto. Darin befindet sich die Asche von Pinuccio, Geppettos Sohn, gestorben mit 10 Jahren. Pinòs Fragen und Verzweiflung wachsen. Er will mehr zu Geppettos Vergangenheit erfahren, seinen ersten Sohn und Antwort erhalten auf die Frage, ob er selbst nur als Ersatz dienen sollte.
Pinò beschliesst, mit Geppetto ins bergamaskische Faragno zu reisen, wo letzterer früher gelebt hat. Doch die Antworten halten sich im Bergtal stur versteckt.
+ Zum Mitnehmen
Eine bitter-süsse Versuchung: Pinocchio reloaded als junger Erwachsener. Herausragendes erzählerisches Feingefühl, atmosphärische Düsterkeit und beklemmende Emotionalität.
+ Kritik
Dieses Buch gehört neu zu meinen absoluten Lieblingen. Weil es alles hat, was ich in der Literatur suche und an ihr liebe… Musio setzt den Ton bereits mit der Anfangsszene, dem ins Meer stürzenden Friedhof. Eigentlich wollte ich vor 1 Woche nur schon mal schnell und kurz ins Buch reinlesen, war dann aber unmittelbar so gefangen darin (auch dank der ersten Szene(n)), dass ich nicht mehr aufhören konnte. Es ist erzählerisch so fein, sprachlich so elegant und atmosphärisch so packend wie man es nur selten antrifft.
Thematisch geht es stark um Selbstbestimmung, Aufarbeitung persönlicher und familiärer Geschichte, Zugehörigkeit und Loslösung von fremden Kräften (die einen und das eigene Leben vermeintlich bestimmen). Pinò, bei dem kleine Details seine Anomalie (Vorleben als Holzpuppe) verraten würden (fehlender Bauchnabel, kein sichtbarer Atemhauch bei Kälte), versucht krampfhaft, seine (vermeintliche) Abnormalität zu verbergen, es allen recht zu machen, um dazuzugehören.
So muss er lernen, was es heisst zu leben und wie man ein Selbst nicht nur (fremd-)definieren lassen, sondern eigenmächtig suchen und bestimmen kann.
Die sprachliche Eleganz, mit der Musio dies beschreibt, ist beeindruckend. Genreübergreifend verbinden sich Elemente eines Bildungsromans, eines Krimis, eines Familienromans, einer Schauergeschichte, eines Märchens und einer Tragödie. Die schaurigen (magisch-realen) Aspekte und die düster-traurigen Grundstimmungen machen die Lektüre aber nicht schwer oder bedrückend. Denn was diesen Roman so toll macht, sind die immer vorhandene unterschwellige Hoffnung, der Weg zur Selbstermächtigung eines Aussenseiters und die bittersüsse emotionale Tiefe.
Ganz grosses Kino und riesige Empfehlung für dieses grandiose Buch! Auf dem Foto ist übrigens noch die Schmuckausgabe von Pinocchio zu sehen (von Coppenrath) und mein eigenes Poesiealbum aus den 90ern. Was es mit den Poesiealbum auf sich hat? Dafür müsst ihr den Roman lesen…
Bewertung
5/5
04.09.2026
eBook (ePUB 3)
Fesselnder Roman über Wurzeln und berührende Familiengeschichte
Pinocchio lebte friedlich mit seinem Erzeuger Geppetto bis zu dem Tag zusammen, an dem der Friedhof ins Meer stürzte und der Alte hinterher sprang. Was hat ihn dazu bewogen? Nun, da Geppetto nicht mehr antworten kann, benötigt Pino dringend Antworten.
Sie fahren an einen Ort, an dem Geppetto ein anderer Mensch in einem anderen Leben war, doch was ist mit Pino?
Dieses Buch schafft es, seine Leser mit seinem Schreibstil zu fesseln. Anlehnungen an alte Märchen und ein wenig Fiktion sind dabei völlig in Ordnung. Gruselige Stellen, wie dunkle Höhlen und Liebesszenen verstärken das Interesse noch. Somit bietet sich das Buch für eine große Leserschar an.
Inhaltlich ist dieses Buch zudem noch extrem spannend, da meiner Meinung nach jeder seine eigenen Auffassungen interpretieren kann. Es wird das Mensch sein angesprochen, die Herkunft und wie das alles zusammengehört.
Ein wenig enttäuscht war ich von dem offenen Ende besonders an dieser Stelle.
Bewertung
5/5
29.08.2026
eBook (ePUB 3)
Neu gedacht
Aus anderem Holz hat mir wirklich gut gefallen. Die Neuinterpretation des Pinocchio-Stoffes fand ich sehr gelungen und vor allem überraschend eigenständig. Besonders spannend war für mich die Geschichte um den „verlorenen Sohn“ und die Frage, warum Pinò überhaupt erschaffen wurde. Dadurch bekommt seine Suche nach seiner Herkunft und seiner eigenen Identität noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Sehr interessant fand ich außerdem die Darstellung des italienischen Dorflebens. Die scheinbare Idylle wird immer wieder durch gesellschaftliche Erwartungen, Kontrolle und die engen Grenzen, in denen sich die Menschen bewegen müssen, durchbrochen. Gerade dieses Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und persönlicher Freiheit hat mir gut gefallen.
Auch Pinòs besondere körperliche Merkmale fand ich eine tolle Idee, weil sie immer wieder daran erinnern, dass er zwar versucht, ein Mensch zu sein, aber eben nicht ganz in diese Welt gehört.
Insgesamt ein tolles, ungewöhnliches Buch und eine wirklich interessante Neuinterpretation eines bekannten Klassikers. Besonders die Themen Herkunft, Identität und der Wunsch nach Selbstbestimmung werden auf eine sehr besondere Weise miteinander verbunden.
Arienette
4/5
09.09.2026
eBook (ePUB 3)
Giuliano Musio - Aus anderem Holz
Ende der Achtzigerjahre - in einem italienischen Küstenort stürzt ein Friedhof ins Meer, Särge, Urnen und Leichen schwimmen im Meer. Die Hinterbliebenen müssen den Behörden Hinweise bezüglich der Verstorbenen geben, damit diese wieder ordnungsgemäß bestattet werden können. Der Tischler Geppetto springt in die Fluten, um die Urne mit seinem verstorbenen Sohn Pinuccio zu retten. Geppetto überlebt, ist seitdem aber traumatisiert und pflegebedürftig. Die Pflege übernimmt sein fünfundzwanzigjähriger Sohn Pinò . Durch dieses Unglück wird ein Geheimnis gelüftet, Pino erfährt, dass sein Vater Geppetto vor ihm einen anderen Sohn hatte.
Ihm wird bewusst, dass er nur als Ersatz gedacht war und er beginnt, in der Vergangenheit seines Vaters zu forschen. Über diese hat Geppetto immer geschwiegen. Pinò ist kein normaler Mensch, ihm fehlt der Bauchnabel, an seinen Extremitäten sind Schnüre befestigt und sein Gang ist hölzern. Einst wurde er aus Holz geschnitzt. Seine Menschwerdung hat Pinò als Wunder begriffen, nun ist er traurig, dass sein Vater immer geschwiegen und ihm nichts erzählt hat. Eine Madonna mit Namen Turchina begleitet Pino in seinen Entscheidungen, bei ihr kann er um ihre Gunst bitten.Pino entschließt sich, mit seinem Vater an den Ursprung seiner Geschichte zu reisen, in das kleine Dorf Bergamo. Dorthin, wohin Gepetto nie mit ihm hin wollte. Im Dorf angekommen gibt Pino sich als Pinuccio aus. Hier forscht er und erfährt einiges über seine Vergangenheit. Seine "Erinnerungslücken" sind aber zu groß und er fliegt. auf.
Identitätssuche, Last der eignen Herkunft, was bedeutet Menschsein und was die Außenseiterrolen - das sind die Themen des Romanes, der sprachlich präzise ist mit vielen Andeutungen und einige Symbole enthält wie eben der Radiergummi oder das Poesiealbum.
Mich hat die Idee um das Thema "Pinocchio" gereizt und insgesamt habe ich den Roman gerne gelesen, auch wenn die Spannung im Mittelteil etwas nachließ und ich sicher nicht allem in Gänze folgen konnte
Vielen Dank an den #Luftschachtverlag und an #netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Nicoles Bücherwelt
4/5
27.08.2026
eBook (ePUB 3)
Eine besondere Neuinterpretation von Pinocchio - ruhig und atmosphärisch erzählt
Mit seinem aktuellen Roman „Aus anderem Holz“ steht der Autor Giuliano Musio auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2026. Hier erzählt er die Geschichte von Pinocchio neu.
Ein Blickfang ist das geniale, wie schlichte Cover, das nur ein Radiergummi zeigt. Doch das Wichtigste ist natürlich der Inhalt – und der überzeugt ebenfalls.
Alles beginnt damit, dass in einem italienischen Küstenort ein Friedhof ins Meer stürzt, der auf einer Klippe angesiedelt war. Kurz darauf wird eine Urne an den Strand gespült, der ein Geheimnis preisgibt, dass das Leben des fünfundzwanzigjährigen Pinò durcheinanderbringt. Sein Vater Giuseppe Fabri -genannt Geppetto- hatte vor ihm schon einen anderen Sohn. Doch Geppetto, der plötzlich nicht mehr derselbe ist, kann nur schweigen. Um ihm zu helfen, zieht Pinó mit seinem pflegebedürftigen Vater in ein Dorf, in dem dieser früher schon einmal gelebt hat. Doch hier tauchen nur weitere Fragen auf und neben mysteriösen Geschehnissen fürchtet Pinó auch um sein eigenes Geheimnis…
In dieser interessanten Neuinterpretation der Pinocchio-Geschichte erzählt der Autor von der ehemaligen Puppe, die inzwischen als Mensch erwachsen geworden ist und versucht, sein Platz im Leben zu finden.
Der Schreibstil ist klar und die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Die Story ist Ende der 1980er-Jahre angesiedelt und ist eher ruhig gehalten, was aber keineswegs langweilig ist. Sehr gut geschildert sind die Schauplätze, der italienische Flair wird gut sichtbar.
Besonders beschrieben sind immer wieder einige Momentaufnahmen von Situationen und Gefühlen.
Es wird geheimnisvoll und es ist interessant zu verfolgen, was Pinò noch alles erleben wird – und nach seinem Dasein als Puppe schon erlebt hat. Oft hadert er mit Entscheidungen und stellt sich Fragen nach seiner Herkunft. Die einzelnen Kapitel sind eher kurz gehalten, was sehr gut gewählt ist.
Ab und an hatte ich in der Mitte des Romans das Gefühl, dass die Story nicht richtig vorankommt und steckenbleibt. Doch dieses legt sich wieder – die Neugier, wohin sich alles entwickeln und einiges aufklären wird, war schnell wieder da.
Mein Fazit: Eine besondere Neuinterpretation von Pinocchio, der inzwischen erwachsen geworden ist - ruhig und atmosphärisch erzählt. Von Fragen über Herkunft und Zugehörigkeit, lange Verschwiegenem und natürlich Pinocchios eigenem Geheimnis – eine besondere Geschichte, die mit detailreichen Schilderungen und gut eingefangenen Momentaufnahmen überzeugt. Bis auf kleinere Schwächen im Mittelteil ein gelungener Roman.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
03.11.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach großartig!
In den achtziger Jahren stürzt ein Friedhof in einem italienischen Küstenort ins Meer, und mit ihm Geppetto, der fortan nicht mehr sprechen kann. Sein 25-jähriger Sohn Pinò kümmert sich um den Kranken. Pinò Leben gerät zusätzlich ins Wanken, als er durch eine angeschwemmte Urne erfährt, dass sein Vater vor ihm einen weiteren Sohn hatte. Pinò begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit über seinen verstorbenen Bruder. Doch auch Pinò trägt ein großes Geheimnis in sich: Geppetto hat ihn als Marionette aus einem Stück Holz geschnitzt, und er wurde mit kleinen Fehlern menschlich – seine Stimme erzeugt kein Echo, sein Körper keinen Schatten, und er hat keinen Bauchnabel. Es wird Ihnen wahrscheinlich jetzt klar, dass Musios Roman die Pinocchio-Geschichte neu erzählt.
„Aus anderem Holz“ ist ein unglaublich spannender Roman, fast ein Krimi, in dem nicht nur Pinò einiges zu verbergen hat. Am Ende, das mich völlig unvorbereitet erwischt hat, musste ich erstmal schlucken und über das Gelesene nachdenken.
Musio greift sehr vielschichtige, durchaus aktuelle Themen auf, vor allem aber die Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Wenn Sie sich nicht an Elementen des magischen Realismus stören, kann ich Ihnen diesen Roman nur wärmstens empfehlen. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Musios Roman auch den Sprung in die Shortliste für den Buchpreis geschafft hätte.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
4/5
02.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das tragisches Pinnocchio retelling
Noch nie hätte ich gedacht, so ein tragisches und düsteres Pinnocchio retelling auf der Longlist für den Buchpreis zu finden und doch fand ich aus anderem Holz. Ein Buch voller Geheimnisse und Wendungen, alles für die Suche nach Antworten und nach sich selbst. Ich war gefesselt von der ersten Sekunde um zu erfahren wer Pino wirklich ist.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.