Drei Jahrhunderte, ein mächtiges, friedliebendes Geschöpf und die Lebenswege der Menschen, die von ihm angezogen sind.Iida Turpeinen erzählt inDas Wesen des Lebens ausgehend von der ausgestorbenen Stellerschen Seekuh von obsessiven Sammlern und rastlosen Wissenschaftlern, von begeisterten Naturschützern und den Frauen, die an Naturerforschungen immer schon beteiligt waren. Sie zeigt, wie wir Menschen vom unbedingten Begehren nach Erkenntnis angetrieben werden - und wie wir dafür die unwiderrufliche Zerstörung der Natur in Kauf nehmen.Ob auf Großer Nordischer Expedition in der Beringsee im 18. Jahrhundert, 100 Jahre später in der russisch-amerikanischen Kompanie in Nowo-Archangelsk in Alaska oder Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Vogelinseln vor Helsinki: Turpeinen lässt uns mit ihrer berührenden Erzählkunst unsere Welt und das Wunder des Lebens mit neuen Augen sehen und verstehen, wie alles mit allem verbunden ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
brauneye29
aus Wachtendonk
5/5
28.08.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Macht nachdenklich
Zum Inhalt:
Ausgehend von der ausgestorbenen Stellerschen Seekuh wird hier die Geschichte von Sammlern, Wissenschaftlern, Naturschützern und deren Frauen erzählt. Es wird erzählt, wie die rastlose Suche nach Erkenntnissen ohne Rücksicht auf die Zerstörung der Natur betrieben wird und wie sehr auch das private Leben der Familien der Forscher zurück stehen muss.
Meine Meinung:
So richtig wusste ich vorher nicht, wobei ich mich bei diesem Buch einlasse werde, aber gut dass ich mich eingelassen habe, denn ich fand das Buch wirklich mega interessant. Es ist ein wie ein Mix aus Roman, Biographien und Sachbuch, dass einen durch die Jahrhunderte und unterschiedliche Orte führt, aber vor allem vor Auge führt, was der Mensch schon alles zerstört hat. Es regt durch die unterschiedlichen Aspekte zum Nachdenken an und ist ungeheuer gut geschrieben, so dass man durch die Seiten fliegt. Das Hörbuch ist sehr gut gelesen.
Fazit:
Macht nachdenklich
drawe
aus Landau
5/5
22.08.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Witzig, spannend, kenntnisreich!
Mein Hör-Eindruck:
Die Autorin unterteilt ihr Buch mit geografischen Koordinaten, und so befindet sich der Leser zunächst in Helsinki im Naturkundlichen Museum. Hier nimmt ihn die Autorin quasi an die Hand und führt ihn zu dem Skelett eines riesigen Meeressäugers: der Stellerschen Seekuh. Damit ist das Thema gesetzt.
Der Leser begleitet die ausgestorbene Seekuh über fast drei Jahrhunderte. Zuerst werden wir zurückversetzt in die spannenden Zeiten der Abenteuerfahrten, bei denen neues Land entdeckt und kartografiert wird sowie unbekannte Tiere und Pflanzen gesammelt und zu Forschungszwecken konserviert werden. Georg Wilhelm Steller, „Naturforscher, Arzt und seltsamer Kauz“, begleitet Vitus Bering auf seiner entbehrungsreichen Kamtschatka-Expedition und entdeckt dort ein bisher nie gesichtetes Tier: die Seekuh, die nach ihm benannt werden wird. Ein gutmütiges, verspieltes Tier, das in großen Sozialverbänden lebt – dessen Fleisch und Fett zudem sehr gut schmecken und das daher in mal nicht 30 Jahren vollständig ausgerottet wird.
Die nächsten Erzählstationen werden von der Autorin wie mit einem Schlaglicht erhellt. Dabei erzählt sie nicht nur die Geschichte der Seekuh bzw. ihres Skeletts, sondern ihr Scheinwerfer erhellt auch die Umgebung. Wir lesen die Geschichte des finnischen Gouverneurs von Alaska, wir nehmen teil an seinem Familienleben und erleben mit, wie er seine Hoffnungen auf eine reiche Provinz aufgeben muss. Durch zu intensive Bejagung kommt der Handel mit Pelzen und Fellen zum Erliegen, Wieder eine Generation später lernt der Leser eine junge Zeichnerin kennen und mit ihr die Probleme, denen künstlerisch talentierte Frauen gegenüberstanden, um dann wieder in Helsinki dem Präparator John Grönvall über die Schulter zu schauen, wenn er das Skelett neu ordnet. Diese ausführlichen Nebengeschichten führen vom Thema weg, aber führen auch immer wieder darauf zurück. Es geht in dem Roman nicht primär um die Seekuh, sondern vor allem um den Umgang mit den Lebewesen der Natur.
Iida Turpeinens Sympathie gehört dabei eindeutig den Tieren, die sie voller Liebe zum Detail beschreibt. Der Mensch kommt eher schlecht weg. Die Autorin beschreibt sehr eindringlich das Verschwinden einiger Arten. Hatte Seller noch die Vorstellung, dass kein Geschöpf aus Gottes Schöpfung einfach verschwinden kann, sondern irgendwo versteckt weiterlebt, setzt sich Generationen später die erschreckende Erkenntnis durch, dass keine Umweltkatastrophen, sondern der Mensch selber für das Artensterben verantwortlich ist.
Gelegentliche Längen – na gut. Die Absicht zählt: ein wehmütiger und zugleich leidenschaftlicher Appell für Naturschutz im weitesten Sinn.
Iida Turpeinens naturwissenschaftliche Kenntnisse sind beeindruckend, und bei aller Wissenschaft ist ihr Buch mit seinem oft ironischen Unterton witzig und spannend zu hören. Nicht zuletzt das Verdienst der Sprecherin Heike Warmuth!
Wortwandeln
5/5
25.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Welt neu sehen
Wer gerne durch Naturkundemuseen streift und sich fragt, wie es dieses Skelett oder jenes Präparat sorgfältig aufgearbeitet in die Vitrine geschafft hat, welchen Weg es hinter sich gebracht oder welche Geschichte es zu erzählen hat, wird dieses Buch lieben.
Ein solches Exponat, das Skelett der Stellerschen Seekuh, verbindet die Protagonisten der 200 Jahre umspannenden Handlung, von Kamtschatka über Alaska bis ins Helsinki der 50er Jahre.
Die dort beheimatete Autorin Iida Turpeinen hat mit „Das Wesen des Lebens“ einen intensiven, sorgsam recherchierten Roman vorgelegt, der bildet, unterhält und aufwühlt.
Im ersten Teil, der in einem eher berichtenden, wissenschaftlich-distanzierten Stil abgefasst ist, steht der deutsche Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller im Mittelpunkt. Er hat es auf abenteuerlichen Wegen bis nach Russland gebracht und wird Teil von Kapitän Vitus Berings Zweiter Kamtschatka-Expedition. Hier, wo das menschengemachte Artensterben seinen Anfang nimmt,m geht es vor allem um die großen ethischen Fragen: ein unstillbarer Wissensdurst und Entdeckerdrang versus brutaler Zerstörung von Lebensräumen und der „Objekte“ des Interesses.
Als Berings Truppe auf einer Insel strandet, werden dort unbekannte, für nordische Gewässer überraschend große Manatis gesichtet. Steller erkennt den wissenschaftlichen Wert der massigen Tiere, doch er muss -wie der Lesende auch- ohnmächtig zusehen, wie die Mannschaft die sanften und wohlschmeckenden Riesen dahinmetzelt. Nach unsäglichen Strapazen verlässt Steller die Insel schließlich nur mit seinen Notizen und Zeichnungen, um der Welt von diesem Wesen zu berichten, das seinen Namen tragen, aber innerhalb weniger Jahre ausgerottet sein wird.
Das einzig erhaltene Skelett der Stellerschen Seekuh beflügelt die im 19. Jahrhundert verbreitete Sammelleidenschaft für „Exotisches“ und geht als Prestigeobjekt durch verschiedene Hände, bis es schließlich Mitte des vergangenen Jahrhunderts seinen Platz im Naturkundemuseum von Helsinki findet.
Damit verbunden lernen wir die restaurierenden Wissenschaftler und Künstler, fördernde Politiker und vor allem ihre interessanten und engagierten Frauen und Assistentinnen kennen, denen Iida Turpeinen hier gebührenden Respekt zollt. Ihre Geschichten auch des Liebens und Leidens, des Erkennens und Zweifelns, sind spannend und sprachlich geschmeidiger, mit mehr Sympathie für die handelnden Figuren erzählt.
Was die großen Themen angeht, entwirft Iida Turpeinen keine fiktiven Szenarien. Die brutale Ausbeutung ressourcenreicher Lebensräume durch eigens gegründete Handelskompanien, die ungeheuerliche Herablassung, mit der Kolonisten den abseits gelegenen Zivilisationen ihre Vorstellung von Kultur aufzwingen, das Abschlachten gewinnbringender Tiere, alles ist bis aufs letzte Robbenfell belegt. Als Lesende bewegt man sich durch ein Wechselbad der Gefühle, von Abscheu und Wut über Resignation angesichts all des Verlorenen hin zu Hoffnung und - was die Autorin am intensivsten weckt- einer unglaublichen Freude angesichts der Schönheit unserer Welt und des Lebens und dem Wunsch, ganz genau hinzusehen.
AnneE
5/5
14.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie wir über Leben und Vergänglichkeit nachdenken
In "Das Wesen des Lebens" verfolgt Turpeinen mehrere Erzählstränge über drei Jahrhunderte hinweg.
Ausgangspunkt ist die Stellersche Seekuh – ein Tier, das entdeckt wurde und dessen Geschichte später tragisch endet.
Parallel begleiten wir Menschen wie Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Alltagsleute, deren Leben und Denken durch diese Entdeckung und ihre Folgen beeinflusst werden. Es geht um das Verlangen nach Erkenntnis und Verständnis, um die Macht der Naturwissenschaft, aber auch um Verlust, Vergänglichkeit und die Verantwortung des Menschen gegenüber der Umwelt.
Was mich besonders berührt hat
Die verschiedenen Erzählebenen: Ich mochte sehr, wie Turpeinen durch die Zeitsprünge zeigt, wie sich Einstellungen zu Natur, Wissenschaft und Leben verändert haben, und wie manche Fragen, Gedanken oder Probleme trotzdem wiederkehren.
Die Balance zwischen Wissenschaft und emotionaler Tiefe: Es sind nicht nur Daten, Fakten und historische Ereignisse, sondern auch persönliche Geschichten, Zweifel, Hoffnungen. Das macht es nicht theoretisch oder kalt, sondern lebendig und nachdenklich.
Die Verbindung zur Gegenwart: Obwohl ein Teil historisch und wissenschaftlich angelegt ist, spürt man, wie relevant die Thematiken für unseren heutigen Alltag sind – Artensterben, menschlicher Einfluss auf Natur, ethische Fragen. Das regt zum Reflektieren an.
Fazit
Das Wesen des Lebens ist ein sehr gelungenes Buch, das mehr will, als zu unterhalten: Es fordert heraus, öffnet Blickwinkel, lässt einen nicht so leicht wieder los. Für alle, die Geschichten mögen, bei denen Wissenschaft, Geschichte und Menschlichkeit ineinander greifen – und die bereit sind, über Leben, Verantwortung und Vergänglichkeit nachzudenken – ist es eine starke Empfehlung.
Bewertung
5/5
29.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Ende eines sanften Riesens
Ein exzellent recherchierter historischer Roman über die Entdeckung und Erforschung von Lebewesen und das vom Menschen verursachte Aussterben der Stellerschen Seekuh! Den wechselnden Protagonist:innen kommt man nicht allzu nah - oder anders gesagt: Die Stellersche Seekuh übernimmt hier in gewisser Weise die Hauptrolle und der Leser wirft immer nur einen kurzen, zaghaften Blick in das Leben verschiedenster Menschen, genau zu dem Zeitpunkt, in dem sie mit diesem besonderen Wesen in Berührung kommen. Besonders gelungen ist meiner Meinung nach auch der außergewöhnliche Stil, durch den sich der Roman spielerisch an der Grenze zwischen literarischer Erzählung und Sachliteratur bewegt und für ein informatives und gleichzeitig spannendes Leseerlebnis sorgt. Eindringlich werden hier das Artensterben und das Verhältnis von Mensch und Natur beleuchtet. Angesichts der Tatsache, dass seit diesem Jahr sogar der Igel auf der Liste der bedrohten Arten steht, erscheint diese Thematik aktueller denn je.
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5/5
28.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Reise durch Geschichte und Wissenschaft
Dieses Buch könnte keinen besseren Namen tragen, denn es geht genau um das: Das Wesen des Lebens. Dieses Buch mag nicht reißerisch geschrieben sein, dafür ist es informativ und man fühlt sich die ganze Zeit so, als ob man eine Dokumentation direkt miterlebt, weshalb man es nicht aus der Hand legen möchte. Immer begleitet wird man von diesem beeindruckenden Wesen namens "Stellersche Seekuh", die seit Jahrhunderten eine gewisse Geschichte mit der Seefahrt teilt, und deren Geschichte man von der Entdeckung bis zur Ausrottung miterleben darf.
Dieser Roman öffnet einem die Augen auf eine ganz neue Art. Danach wird man die Natur und die Rolle des Menschen darin nochmal anders sehen und den Fragen nachgehen wollen, die seit Jahrhunderten von der Wissenschaft gestellt und diskutiert werden.
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5/5
28.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr schöner Roman!
"Das Wesen des Lebens" ist ein sehr schöner Roman für alle, die bereits gerne Maja Lunde oder John Ironmonger gelesen haben. Es ist ein Abenteuerroman, bei dem sich bereits der Schutzumschlag anfassen soll, wie die Haut der Stellerschen Seekuh, um die es geht. Auch die übrige Aufmachung harmoniert sehr schön mit dem Inhalt. Das macht das Buch zu einem durchdachten Gesamterlebnis, wie man es selten findet.
Auf mehreren Zeitebenen begleiten wir verschiedene Wissenschaftler bei der Entdeckung, Erforschung und schließlich beim Aussterben dieses ungewöhnlichen Tieres.
Der Roman ist sehr spannend geschrieben, aber trotzdem sprachlich anspruchsvoll.
Fazit: Das perfekte Geschenk für anspruchsvolle Lesende, die naturwissenschaftlich interessiert sind, nicht nur zu Weihnachten! Aber natürlich auch perfekt zu selber lesen!
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5/5
01.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über die Anmut der Tiere
Sie war ein besonders sanftmütiges und argloses Lebewesen: die Seekuh. Dennoch wurde sie vom Menschen ausgerottet. Turpeinen spürt der Ausrottung nach und erzählt von Tieren und Menschen. Ein aufwühlendes Thema, ein eindringliches und fesselndes Debüt!
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5/5
14.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Seefahrt, Abenteuer, Naturgeschichte...
Seefahrt, Abenteuer, Naturgeschichte und die Geschichte eines sehr ungewöhnlichen Tieres. Spannend und süffig in Szene gesetzt, wunderbar erzählt. Ein literarisches Bonbon für alle, die das Besondere lieben.
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