Ende der achtziger Jahre: eine Gruppe von jungen Frauen studiert Russisch. Sie lesen Dostojewski, trinken Wodka und reisen durch die Sowjetunion. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, der Träume von einem demokratischen Russland und einem friedlichen Europa. Jahrzehnte später nimmt sich eine von ihnen das Leben. Es ist die Woche, in der Russland die Ukraine überfällt.
24. Februar 2022: Russland überfällt die Ukraine. Doch Christiane Hoffmann erhält an diesem Tag eine weitere schlimme Nachricht. Eine ihrer engsten Freundinnen hat sich das Leben genommen. Nun stellt sie sich die Frage: Hätte man es verhindern können? Den Tod der Freundin, aber auch den Krieg gegen die Ukraine und die Selbstzerstörung Russlands? Feinfühlig beobachtet und glänzend geschrieben, verbindet Hoffmanns Buch die Erinnerung an eine besondere Freundschaft mit der Geschichte der deutsch-russisch-ukrainischen Beziehungen, erzählt aus der persönlichen Anschauung der Autorin. Es tut dies auf eine Weise, die Raum lässt für Zweifel und Trauer, für Fragen und Ambivalenzen. Damit gibt sie den Debatten um Russland die emotionale Tiefe zurück, für die im ersten Schock nach dem Angriff kein Platz mehr war, und schlägt zugleich Brücken über die Gräben, die dieses Thema in die deutsche Gesellschaft eingezogen hat.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
4/5
09.07.2026
eBook (ePUB)
Zwischen Erinnerung, Verlust und Geschichte
Dieses Buch hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Erzählweise beeindruckt. Die durchgehende Ansprache in der Du-Form, mit der die Autorin ihre verstorbene Freundin adressiert, verleiht dem Text eine große Nähe und Emotionalität, die mich beim Lesen immer wieder berührt hat.
Gleichzeitig spannt die Geschichte einen weiten Bogen – von den späten Jahren der Sowjetunion bis hin zum Angriff Russlands auf die Ukraine. Dabei gelingt es der Autorin, persönliche Erinnerungen mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu verknüpfen. Besonders eindrucksvoll fand ich, wie sie aufzeigt, welche Strukturen und Denkweisen über Jahrzehnte hinweg entstanden sind und letztlich zu den heutigen Ereignissen beigetragen haben könnten.
Neben diesen großen Zusammenhängen bleibt aber auch Raum für das Alltägliche und Persönliche: für Freundschaft, gemeinsame Erlebnisse und die Geschichte einer Frau, deren Verlust über allem schwebt. Gerade diese Verbindung aus individueller Trauer und historischer Einordnung macht das Buch so besonders.
Der Schreibstil ist feinfühlig und reflektiert, ohne dabei belehrend zu wirken. Vielmehr lässt die Autorin Raum für Ambivalenzen, Zweifel und offene Fragen – was ich als sehr passend empfunden habe.
Bewertung
aus Quickborn
4/5
09.07.2026
eBook (ePUB)
Die unendlich lange Liste der Versäumnisse
Schon der Annotationstext des Verlages C.H.Beck, bei dem dieses Buch erscheint, lässt den Leser schlucken. Die beste Freundin nimmt sich das Leben, gleichzeitig mit dem Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine. Christiane Hoffmann, die Russland, Osteuropa, den Iran, auch die inneren Zirkel der Macht kennengelernt hat, die vor fünf Jahren den Fluchtweg ihres Vaters zu Fuß, allein gegangen ist, das in einem ergreifenden Buch beschrieb, sie versucht, das Unerklärliche begreifbar zu machen. Schon in „Alles, was wir nicht erinnern“ warnte sie auf sehr intensive Weise vor den Kriegsgelüsten und Machtbestrebungen Russlands. Ich hörte das Hörbuch zufällig genau zu Kriegsbeginn. Ihre Weitsicht hat mich damals tief erschüttert. Und die Ignoranz des Westens kommt uns teuer zu stehen.
Die Autorin beginnt das Buch mit der Beerdigung ihrer Freundin, „meine Freundin“, das wird man auf den folgenden fast dreihundert Seiten sehr oft lesen. Mich hat es etwas irritiert, jede Figur im Buch, ob Putin oder ihr Ehemann Tim oder ihre Kinder Clara und Marina, sie alle werden beim Namen genannt, aber die beste, engste, liebste Freundin bleibt „meine Freundin“. Sucht die Autorin anstelle der Nähe eher die Distanz zu ihr, um die inneren Verletzungen nicht überhand nehmen zu lassen? Eine Freundin zu haben, die an einer schweren psychischen Erkrankung leidet, in diesem Fall wurde eine bipolare Störung diagnostiziert, das ist ebenso bedrückend, wie gleiches in der Familie zu erleben. Immer steht die Frage im Raum, wie weit kann ich gehen mit guten Ratschlägen und Hilfsangeboten, wo ist diese rote Linie, die man nicht überschreiten will? Bleibt man dahinten, kommt es zu der dramatischen Situation, die die Autorin zweimal erlebt, der Suizidversuch und der endgültige Suizid, den sie nicht verhindern kann. Die ethische Frage, ob es einem anderen zusteht, die Entscheidung über Leben und Tod zu fällen, bleibt auf immer im Raum, mit allen Schuldgefühlen und einer langen Liste an – auch eingebildeten – Versäumnissen.
Für denjenigen, der sein Leben beenden will, ist es die größte Strafe, das größte Unglück, „gerettet“ worden zu sein. Das Jahr nach dem ersten Suizidversuch erweist sich als genau das. Es wird nicht wieder gut, sosehr die Autorin das auch erhofft und versucht in die Tat umzusetzen. Ihr Gedanke, ihre Freundin zu sich in die Wohnung nach Berlin zu holen, ihr ein „Zuhause“ zu bieten, zeugt letztendlich von absoluter Hilflosigkeit. Dieser Freitod der Freundin beschäftigt Christiane Hoffmann ununterbrochen, sie erinnert sich der schönen Erlebnisse, der Anfangszeit der Freundschaft, die so eng und liebevoll war. Wann alles kippte, versucht sie zu ergründen. Dass sie beinahe selbst daran krank wird, ist kein Wunder. Ich kann ihr nicht immer folgen, manche Gedanken nicht nachvollziehen, aber sie erzählt alles sehr eindringlich. Wie ein Erinnerungsbuch, das man einmauern könnte in die Unvergänglichkeit des Grabsteins.
Parallel zu dieser tragischen Erzählung verläuft ihr Nachdenken über Russland, das sie kennt wie kaum jemand. Sie erinnert sich der Zeit, die sie als Studentin in der Sowjetunion verbrachte, wie sie den Umbruch, den Zerfall des Sowjetreiches erlebte, wie sie sich befreundet mit russischen Menschen und tief in die Konflikte eintauchen kann, die Außenstehende nicht einmal erahnen. „Russlandversteher“ ist vielleicht ein Schimpfwort, aber Russlandkenner, das ist etwas, was die letzten 35 Jahre Mangelware war in Europa, in der NATO und natürlich auch in Deutschland.
Vor wenigen Tagen las ich die Moskauer Erinnerungen von Irena Scherbakowa, der Buchtitel „Der Schlüssel würde noch passen“ ein melancholischer Verweis auf das verlorene Heimatland. Scherbakowa war Mitbegründerin von Memorial in Russland, In Hoffmanns Buch gibt es einen Hinweis auf die Gründung dieser einmaligen Menschenrechtsorganisation. Die unterdessen verboten und geächtet ist in Russland. Hoffmanns Teenager-Tochter Marina wird Memorial später als „marginalisiert“ empfinden, nachdem sie dort zu einem Gespräch weilte. Für mich war interessant, die beiden verschiedenen Sichtweisen auf Russland zu vergleichen. Scherbakowa hat nach Beginn des Ukrainekrieges Russland verlassen und emigrierte nach Israel, Hoffmann wird wahrscheinlich nach Kriegsbeginn auch nicht mehr mit ihrer Tochter die obligatorischen Januarurlaube in Moskau verbracht haben. Russland nun aus der Ferne zu betrachten, ist ein schwieriger Drahtseilakt. Versteht man es zu gut, ist es problematisch aus der Sicht unterschiedlichster politischer Gruppierungen, wird das Verstehen doch von anderen eher als Akt der Hilfe gewürdigt. Versteht man Russland aber nicht oder falsch, ist der Abgrund nahe.
Die zickzackartigen Beschreibungen der Freundin vor ihrem Tod, die Rückblicke auf persönliche Versäumnisse aller Art kreuzen sich mit den Einschätzungen der Politik Russlands, mit dem Nachdenken über die Auswirkungen falschen Handelns und kleingeistigen Entscheidens. Besonders die leidige Frage der NATO-Osterweiterung ist unlösbar wie ein gordischer Knoten. Die Ukrainer baden das seit Jahren aus, werden trotz der Unbeugsamkeit (oder gerade wegen ihr) abgewiesen, verhöhnt und belächelt. Dass Putin die Ukraine wieder in sein Traumreich einreihen will, egal wie viele Tote es kostet, wird in den öffentlichen Diskussionen leider nicht so knallhart gesagt, wie die Autorin es in diesem Buch mehrfach betont.
Aber nicht immer bin ich mit Christiane Hoffmann einer Meinung, besonders ein Absatz gab mir zu denken. „In den meisten Transformationsländern wurden die liberalen Reformer der ersten Nachwendezeit irgendwann abgewählt, und es kamen linke politische Kräfte an die Macht, ein gesunder demokratischer Ausgleich.“ Wenn ich das richtig lese, dann ist ein liberaler Reformer per se krank, nur linke politische Kräfte bieten die wahre Demokratie. Dem kann ich nicht zustimmen mit Blick auf die linken politischen Kräfte, die sich auch in Deutschland, und insbesondere nach dem Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023, nahezu ungebremst entfalten.
Ich zitiere noch einen Abschnitt, Christiane Hoffman schreibt: „Wir glauben an das «Nie wieder!» Wir glauben, dass alle aus der Geschichte gelernt haben, dass die Schrecken und die Sinnlosigkeit des Krieges allgemein verstanden sind.“ – Meine Antwort darauf wäre „Putin hat uns das «Nie wieder!» gründlich ausgetrieben.“
Die an den Kapitelanfängen oder im Text verwendeten Gedichte (bzw. Teile daraus) der berühmten Anna Achmatowa haben mich sehr berührt, ich kannte einige davon und ich lese ab und an in „Spiegelland“. Hoffmanns „Meine Freundin“ hat zu Achmatowa ihre Magisterarbeit geschrieben sowie ihre Dissertation „Spiegelungen und Spekulationen“, man findet letztere auch im Buchhandel. Diese literarischen Verknüpfungen haben mir in diesem schmerzlichen Buch doch auch Freude bereitet.
Mein Fazit: Christiane Hoffmanns Buch lässt innehalten, noch einmal in Gedanken die Entwicklung nachvollziehen, was seit 1989 in der Sowjetunion und später in Russland und in der politischen und diplomatischen Zusammenarbeit wie auch beim Gegenspiel geschehen ist, dass wir in einer so aussichtslosen Sackgasse gelandet sind und in der Öffentlichkeit bei weitem nicht alle Wahrheiten auf den Tisch gelegt werden. Die einen machen uns Angst vor Putin, die anderen wiegeln ab, das wird schon nicht so schlimm. Bisher hat sich das Abwiegeln – das lange vor dem Krieg im Donbas und der Einnahme der Krim begann – als der falsche Weg erwiesen, wenn man sich Tschetschenien und die zerbombte Ukraine anschaut.
[...] Die Autorin schaut ebenso traurig auf die so tragisch geendete persönliche Freundschaft, wie auf Russland, lange nicht nur ihr Sehnsuchtsland, das keine ihrer Hoffnungen wahr werden ließ.
Fazit: Es ist kein leichtes Buch, aber es lohnt sich.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Bewertung
5/5
06.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannend, eindringlich und berührend!
Eine spannende und eindringliche Geschichtsstunde zum Thema russisch-ukrainisch-deutsche Beziehungen und eine berührende Erzählung über Freundschaft und Verlust
In Christiane Hoffmanns „Die Träume, die wir hatten“ geht es um die letzten Jahre und den Zerfall der Sowjetunion, den Versuch der ehemaligen Gegner im Kalten Krieg, die neue internationale Ordnung auszugestalten und zu stabilisieren, und die Entwicklungen, die schließlich im Angriff Russlands auf die Ukraine endeten. Es geht um die persönliche Beziehung der Autorin zu Russland und der Ukraine sowie um ihre Freundschaft zu ihrer namenlosen Freundin, die sich zeitgleich zum russischen Angriff das Leben nimmt.
Eindrucksvoll und feinfühlig werden geopolitische und private Ereignisse verknüpft und verwoben und hinsichtlich der Ausgangsfrage analysiert: Hätte die Katastrophe – der Krieg in der Ukraine sowie der Tod der Freundin – vermieden werden können? Verbindende Elemente sind dabei Träume, Wünsche, Hoffnungen und Illusionen.
Christiane Hoffmann schreibt verständlich, ruhig und besonnen und gleichzeitig einfühlsam. Die Sprache ist zu keiner Zeit reißerisch oder emotional, eher nüchtern, und doch war die Nähe und Zuneigung der Autorin, ihre Expertise und Leidenschaft für mich stets spürbar. Die lyrischen Einschübe fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, haben mich jedoch nicht weiter gestört und mir nach kurzer Zeit schon gefallen.
Die Freundin bleibt das gesamte Buch über namenlos, was auf gewisse Art für Distanz sorgt. Ich kann mir vorstellen, dass die Autorin genau dies beabsichtigt, um ihre Freundin gegenüber den unbekannten Lesenden zu schützen (es wird auch darüber reflektiert, wie die Freundin es wohl fände, dass dieses Buch geschrieben wird). Für mich hat dies der Geschichte und dem Leseerlebnis keinen Abbruch getan, die tiefe Verbundenheit und Nähe der Autorin zur Freundin wurde für mich deutlich und spürbar.
Besonders gut gefallen haben mir die Differenziertheit der Autorin bei ihrer Geopolitikanalyse sowie die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Handlungen in der Vergangenheit, den gemachten Fehlern und Versäumnissen, sowohl im beruflichen und politischen als auch im privaten Kontext. Besonders zum Ende hin war dies schonungslos ehrlich und selbstkritisch, was der Autorin sicherlich einiges abverlangt hat. Ohnehin hat mich der Showdown auf den letzten Seiten mitgerissen, atemlos gemacht, tief bestürzt und sehr berührt.
„Die Träume, die wir hatten“ ist anspruchsvoll und zugleich zugänglich, beeindruckend und höchst aufschlussreich – ich kann es nur empfehlen.
Bewertung
aus Sulzbach
5/5
29.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei Ebenen
In dem Buch " Die Träume, die wir hatten" beschäftigt sich Christiane Hoffmann mit zwei miteinander verküpften Themen. Ihre Freundin hat Selbstmord begangen und sie kämpft mit Schuldgefühlen und Trauerarbeit. Für die Bewältigung ihrer Trauer blickt sie auf ihren gemeinsamen Lebensweg zurück, der über Jahre in und auf Russland fokossiert war. Sie versucht die Frage zu beantworten, wie es zum Ukrainekrieg kommen konnte, nach dem der kalte Krieg überwunden schien. Ihr Blick auf vierzig Jahre, in denen Glasnost ,Meinungsfreiheit,wirtschaftlicher Niedergang, Aufstieg der Oligarchen und Rückkehr der alten Machtstrukturen in Russland auf einander folgten, ist aufschlußreich. Auch ihre Gedanken, was der Westen hätte besser machen können, sind interessant, wobei man natürlich in der Rückschau immer bessere Lösungen finden kann.
Buch_im_Koffer
aus Münster
5/5
28.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegende Lebenserinnerungen
Am 24. Februar 2022 verliert die Autorin Christiane Hoffmann eine ihrer engsten und längsten Freundinnen, ein Suizid am Ende einer langen, psychischen Erkrankung. Am gleichen Tag überfällt Russland die Ukraine.
Hätte man diese Ereignisse verhindern können? Emotional noch immer zutiefst betroffen, nähert sich die Autorin Stück für Stück dieser Frage an. Sie seziert die Zeit, sieht Möglichkeiten, hinterfragt eingeschlagene Wege. Erkenntnisse der Vergangenheit, die heute klug und wohlüberlegt, aber nichts mehr wert sind. Bezeichnet und benennt Unumkehrbares. Suizid und Krieg werden zu Parallelen.
Mit der Freundin teilt die Autorin die Liebe zu Russland, zur Kultur, zur Sprache und zur Literatur. Ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit der starken, strahlenden, schönen Freundin sind intensiv und voller herzlicher Momente und Begegnungen. Ihre Worte zeugen von einer tiefen, lebenslangen Verbundenheit, die auch über die Distanz fortbestand. Bis dann die Krankheit einzog und mit ihr auch Melancholie und Trauer, Verzweiflung und Hilflosigkeit Einzug hielten.
Als Journalistin war Christiane Hoffmann viele Jahre in Russland, hat die Politik der letzten 30 Jahre intensiv verfolgt. Benennt den Wandel von der UdSSR über Glasnost und Perestrojka, über Mauerfall und Demokratieversuche bis hin zur Annektierung der Krim und dem Angriff der Ukraine in 2022. Was ihr dabei vortrefflich gelingt: Die Geschichte aus den nüchternen Fakten herauszuholen und in eine ehrliche und kritische Auseinandersetzung mit beiden Seiten zu übertragen. Sie benennt die (emotionalen) Fehler der Vergangenheit; anhand des „politischen Tons“, des Bildes, das beide Seiten hinterlassen; anhand der Schatten, die in Beziehungen doch so wichtig sind, und auch vor der großen politischen Bühne nicht Halt machen.
Ich persönlich fand dieses Buch einfach grandios. Zum einen hat mich die intensive Freundschaft der beiden Frauen und die herzlichen, verzweifelten, zutiefst menschlichen Worte der Autorin sehr tief berührt. – Zum anderen habe ich viel über Russland und die Ukraine gelernt, das weit über Politik hinausgeht. Ansätze, warum sich diese Konflikte in den letzten Jahren, Jahrzehnten so zugespitzt haben, emotional, gesellschaftlich, menschlich. Wie konnte es soweit kommen? Hier finden sich Möglichkeiten.
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5/5
24.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Innenansichten
In diesem unbedingt lesens- oder hörenswerten Sachbuch fließen ein persönlicher Verlust und politisches Geschehen ineinander. Zwei Nachrichten an einem Tag, der Angriff Russlands auf die Ukraine und der Suizid einer engen Freundin, die die Autorin seit ihrem Russischstudium in der Sowjetunion der 1980er Jahre kannte, bilden den Ausgangspunkt dieser außergewöhnlichen Erzählung. Klug, empathisch und politisch fundiert richtet die Autorin unseren Blick auf die Entwicklungen, die schließlich zu Krieg und Tod führten. Diese Lektüre hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch gebildet wie kaum ein anderes Buch zu den deutsch-russisch-ukrainischen Beziehungen. Ich durfte die Lesung genießen, Martina Gedeck hat den Text zum Leben erweckt, mich bezaubert. Ich hätte ihr noch viele Stunden länger lauschen können.
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4/5
26.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ist am Ende wirklich so wenig Hoffnung übrig?
Christiane Hoffmann teilt mit uns in "Die Träume, die wir hatten" ihre Verbundenheit zu Russland und zur Ukraine und lässt uns gleichzeitig an ihrem ganz persönlichen Leben teilhaben, das nicht zuletzt von der Beziehung zu ihrer langjährigen Freundin intensiv geprägt wurde.
Anstoß dieses Buch zu schreiben, gab ihr letztendlich aber ihre Trauer - Trauer um ein Russland, das den Weg in die Demokratie nie gefunden hat, Trauer um die Ukraine, die am 24. Februar 2022 von Russland in einen verheerenden Krieg gezwungen wurde und Trauer um ihre Freundin, die am selben Tag Suizid beging.
Sie erzählt voller Herzblut und zieht uns als Leser*innen tief hinein in die russisch-unkrainische Geschichte. Wir bekommen Einblicke, die uns nur jemand vermitteln kann, der wie Christiane Hoffmann viele Jahre in beiden Ländern studiert, gearbeitet und gelebt hat. Ihre Freundin ist in all den Jahren mehr oder weniger an ihrer Seite... aber immer Teil ihres Lebens. Auch für sie stehen Russland und Osteuropa im Lebensmittelpunkt....
Im zunehmenden Verlauf des Buches werden die Abgründe zwischen Russland und der Ukraine genau wie die seelischen Abgründe von Christiane Hoffmanns Freundin immer tiefer und nahezu unüberwindbar.... während die Ukraine sich zu verteidigen beginnt, verliert ihre Freundin ihren Lebenskampf... und Christiane Hoffmann einen geliebten Menschen...
Trotzdem es kein leichtes Buch ist, war ich beim Lesen komplett gefesselt und habe vieles gelernt und geschichtliche Lücken schließen können. Vieles in der Beziehung zwischen Russland und dem Westen betrachte ich seit der Lektüre aus einem anderen Blickwinkel...
Die Perspektivwechsel zwischen erzählter Geschichte und Christiane Hoffmanns Leben störten meinen Lesefluss kaum... und ich mochte ihre Art zu erzählen sehr sehr gerne.
Womit ich jedoch zu kämpfen hatte, ist das Ende des Buches... es fühlt sich so unausweichlich hoffnungslos an, ausweglos und um eine andere Rezension hier zu zitieren, so gegen die Wand gefahren... Eigentlich bin ich keine Freundin von Epilogen, aber hier hätte ich mir einen gewünscht... einen letzten Perspektivwechsel zurück ins Heute... eine Idee, wenn sie vielleicht auch eine Utopie wäre, wie der Frieden in Europa gelingen könnte... Einen Hinweis, dass wir uns als Suizdgefährdete, Angehörige und Trauernde unbedingt Hilfe suchen sollten... und eigentlich fehlt mir auch eine Triggerwarnung... denn wer Suizidgedanken hat, sollte das Buch auf keinen Fall lesen, es schenkt keine Hoffnung... lässt uns ohne Ausweg zurück... !
Eine Leseempfehlung spreche ich trotzdem unbedingt aus, es ist ein wichtiges Buch, das vieles im Hinblick auf Russland, seine Geschichte und Beziehungen zum Westen von einer anderen Seite beleuchtet und unseren Blickwinkel verschieben kann... und wird. Nur unsere Friedensutopie, die müssen wir uns selbst erschaffen.
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