Die "Phänomenologie des Geistes" entfaltet den Weg des Bewusstseins von der sinnlichen Gewissheit über Wahrnehmung, Verstand, Selbstbewusstsein, Vernunft, Geist und Religion bis zum absoluten Wissen. Hegels Stil ist streng dialektisch, begrifflich verdichtet und zugleich dramatisch: Jede Gestalt des Bewusstseins wird an ihren eigenen Ansprüchen geprüft und in ihre notwendige Überschreitung geführt. Im Kontext des Deutschen Idealismus bildet das Werk einen Wendepunkt, weil es Erkenntnistheorie, Geschichtsphilosophie und Metaphysik zu einer Entwicklungslogik des Geistes verbindet. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 1770 in Stuttgart geboren, wirkte in Jena, Heidelberg und Berlin und stand in intensiver Auseinandersetzung mit Kant, Fichte und Schelling sowie mit den politischen Erschütterungen der Französischen Revolution. Seine Erfahrung einer Epoche des Umbruchs prägt dieses Buch: Freiheit erscheint nicht als abstraktes Prinzip, sondern als geschichtlich errungene Form vernünftiger Selbstbestimmung. Dieses Werk empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die philosophische Geduld mitbringen und den Ursprung moderner Debatten über Subjektivität, Anerkennung, Geschichte und Vernunft verstehen möchten. Trotz seiner Schwierigkeit belohnt es sorgfältige Lektüre mit einer einzigartigen Einsicht in die Bewegung des Denkens selbst.
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04.09.2024
Buch (Taschenbuch)
"Das Erste, was hier gelernt werden muss, ist aufrecht stehen"
Das Bekannte ist darum, weil es bekannt ist, noch nicht erkannt "
Die Phänomenologie des Geistes, die das " werdende Wissen ", zur Wissenschaft hinführen möchte, bedient sich dabei eines Prozesses, der sich selber schon als wissenschaftlich zu legitimieren vermag. Doch ein Weg kann bekanntlich nur dann an sein Ziel gelangen, wenn dieser Bestimmungsort schon vorgegeben ist. Für die Phänomenologie bedeutet dies, dass der wissenschaftliche Standpunkt und seine Erreichung, schon als realisierbar vorausgesetzt werden muss, um die Reise zu ihm stattfinden zu lassen. Die Fundierung der Wissenschaft im Selbstbewusstsein demonstriert Hegel in seiner Vorrede damit, dass diese ihm eine zu erklimmende Leiter hinunterreicht, die den sich stetig vervollkommnenden Erfahrungsprozess seiner selbst, von der bloßen sinnlichen Gewissheit, über das Selbstbewusstsein, bis zum absoluten Wissen symbolisch darstellt. Hierbei stellt die Wissenschaft jedoch keinen unbeteiligten Zuschauer dar, sondern sie integriert in sich jede Sprosse und ihren damit verknüpften Platz im Prozess. Diesen Erfahrungsprozess des Subjekts, beschreibt Hegel mit seiner bekannten dialektischen Vermittlung, die man sich nicht als eine Hebammenkunst des Gesprächs, im Sinne Sokrates vorstellen sollte, sondern als eine Art Bewegungsgesetz des Lebens, eine Kraft des Kampfes, die die unterschwellige Essenz des unaufhaltsamen Fortschrittes ausmacht. Hegel verweist als Beisspiel auf eine Knospe, welche durch die hervorbrechende Blüte verschwindet, oder dialektisch formuliert, wiederlegt wird. Die ursprüngliche Wahrheit ist also verschwunden und bringt sich auf eine andere Weise wieder hervor. Das sich gegenseitige Verdrängen beider Formen stellt aber gerade auch eine Notwendigkeit der organischen Einheit dar, wie es Hegel sagt. Schon Heraklit hat diesen grundlegenden Motor erkannt wenn er sagt " Das Widerstreitende zusammentretend und aus dem Sichabsondernden die schönste Harmonie " .
Die Phänomenologie des Geistes beginnt zunächst als die sich dem Subjekt passiv zugefallene Geschichte, bis diese sich als das Produkt der eigenen Subjektivität mittels der Vernunft erkennt. Doch der Weg dorthin, den man auch als logische Evolution bezeichnen könnte, verlangt dem eifrigen Leser ein ungeheures Durchhaltevermögen ab, um in diesem tiefsinnigen Werk nicht unterzugehen.
Die voranschreitende Reise des sich immer bewusster werdenden Wissens kommt nach den Stadien des Bewusstseins und dem daraus resultierenden Selbstbewusstsein schließlich zur Vernunft und damit zu seiner Selbstverwirklichung. Dabei bereiten schließlich die einzelnen Momente, wie Weltgenuss, Weltverbesserung und Weltbekämpfung, das Reich der Sittlichkeit vor. Aus der beobachtenden Vernunft geht so das vernünftige Moralische Selbstbewusstsein hervor, das Reich des Geistes beginnt. Es folgt ein langer Prozess, der durch Wiedersprüche und dessen Synthesen, vorbei an der vorletzten Stufe der Religion, zum absoluten Wissen gelangt. Es ist der Bereich, in dem sich das Subjekt von seinen Entfremdungen, und Entäußerungen entäußert und sie zugleich als seine begriffene Geschichte in sich integriert hat. Es ist nun als absolutes Für-Sich, nach einer langen dialektischen Reise Substanz geworden.
Doch was passiert danach, ist dies das Ende der Geschichte, können wir als Menschen nun auf unsere Zeit zurückblicken und sagen was der Sinn des Seins war, oder stellt dieser zurückgelegte Prozess, selber nur ein Glied einer noch unvorstellbareren Geschichte dar. Das überlasse ich dem Leser.
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